Maikäfer / Engerlinge

Zuletzt geändert: 20.01.2015
Maikäfer
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Maikäfer

Maikäfer sind dem Menschen bereits seit alters her vertraut. Während sie in alten Zeiten noch als Frühlings- und Fruchtbarkeitssymbole verehrt wurden, schob sich mit der Intensivierung der Landwirtschaft langsam ihre Schädlichkeit für Kulturpflanzen in den Vordergrund. So wird beispielsweise über mittelalterliche Maikäferprozesse berichtet, bei welchen den Käfern befohlen wurde, bestimmte Felder sofort zu verlassen. Im 19. Jahrhundert wurden Schulkinder angehalten, Maikäfer abzuklauben, im 20. Jahrhundert wurden Maikäfer massiv mit den nun aufkommenden Agrochemikalien bekämpft, so dass es in einem Lied hieß: "... es gibt keine Maikäfer mehr..." .
In den letzten Jahren kam es jedoch zu einem lokalen Wiederanstieg der Maikäferzahlen.

Maikäfer
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Maikäfer

Maikäfer sind dem Menschen bereits seit alters her vertraut. Während sie in alten Zeiten noch als Frühlings- und Fruchtbarkeitssymbole verehrt wurden, schob sich mit der Intensivierung der Landwirtschaft langsam ihre Schädlichkeit für Kulturpflanzen in den Vordergrund. So wird beispielsweise über mittelalterliche Maikäferprozesse berichtet, bei welchen den Käfern befohlen wurde, bestimmte Felder sofort zu verlassen. Im 19. Jahrhundert wurden Schulkinder angehalten, Maikäfer abzuklauben, im 20. Jahrhundert wurden Maikäfer massiv mit den nun aufkommenden Agrochemikalien bekämpft, so dass es in einem Lied hieß: "... es gibt keine Maikäfer mehr..." .
In den letzten Jahren kam es jedoch zu einem lokalen Wiederanstieg der Maikäferzahlen.

Maikäferflug-Meldung

Flugdatenerfassung Maikäfer 2016

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Maikaeferzyklen 2017
Maikaeferzyklen 2017

Auch heuer ist in einzelnen Gebieten Österreichs wieder mit einem Massenflug von Maikäfern zu rechnen (siehe rechte Abbildung). Auffällig ist das Schwärmen während der Abendstunden an Waldrändern oder markanten Einzelbäumen. Hier führen die Käfer einen Reifungsfraß durch und verpaaren sich.

Bereits vor rund 100 Jahren wurde in Österreich die erste großräumige Erhebung zum Flug des Maikäfers begonnen. Man versuchte damals den Massenflug vorherzusagen, um rechtzeitig Gegenmaßnahmen setzen zu können. Heute steht darüber hinaus der Zusammenhang mit geänderten Klimabedingungen im Mittelpunkt des Interesses. Auf Grund des regelmäßigen Entwicklungszyklus der Maikäfer kann man recht gut vorhersagen, in welchen Regionen Österreichs mit einem Auftreten von Maikäfern zu rechnen ist.

Je nach Durchschnittstemperatur brauchen die Maikäfer drei oder vier Jahre, um sich vom Ei zum fertigen Käfer zu entwickeln. Im Gefolge von besonders warmen oder kühlen Jahren kann es aber vorkommen, dass die Käfer gebietsweise ein Jahr früher oder später schlüpfen als vorgesehen. Diese neue Flugperiodik wird dann auch in Zukunft solange beibehalten, bis sich die Klimaverhältnisse erneut ändern. Auf diese Weise bilden Maikäfer einen guten Indikator für Änderungen im Klimageschehen.

Für die Erhebung des Maikäferflugs ersuchen wir Sie um Ihre Mitarbeit: Mit dem Ausfüllen des untenstehenden Online-Formulars helfen Sie, die Flugstärke für jede Gegend zu erfassen - das Beobachtungsdatum ist dabei weniger wichtig. Dies ermöglicht es uns, die bestehende Maikäferflug-Karte zu verfeinern und etwaige Änderungen zu dokumentieren.

Untenstehend finden Sie mehrere Comics der Biologin und Kinderbuchautorin Dr. Michaela Stolz über das Leben von Maikäfern und ihren Engerlingen, die besonders für Kinder gedacht sind.

Dateidownload der Comics

 

Bei Fragen kontaktieren Sie bitte unsere Mitarbeiter Andreas Kahrer
(email: andreas.kahrer@ages.at)

Maikäferflug-Meldeformular

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Schadorganismus

Schadorganismus

Maikäfer gehören zur Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae), zu der auch so bekannte Insekten wie Rosenkäfer, Mistkäfer oder Nashornkäfer zählen. Der Gruppenname leitet sich von den letzten Fühlergliedern her, die an der Seite blattartig verbreitert sind und dadurch in aufgeklapptem Zustand fächerartig aussehen. Die Käfer werden ungefähr 30 mm lang und zeigen verschiedene Farbvarianten: während die Mehrzahl dunklen Kopf, dunklen Halsschild und kastanienbraune Flügeldecken zeigt, kommen daneben auch ganz dunkle, völlig rotbraune sowie hell gefärbte Exemplare vor, die früher von sammelnden Kindern als Schornsteinfeger, Kaiser oder Müller bezeichnet wurden. In Mitteleuropa kommen 3 verschiedene Maikäferarten vor, nämlich der häufigere Feldmaikäfer (M. melolontha), der seltenere Waldmaikäfer (M. hippocastani) sowie der nur sporadisch auftretende Melolontha pectoralis, deren Namen allerdings wenig über ihre Lebensweise aussagt. Alle drei Arten sehen einander sehr ähnlich und sind zudem durch Übergänge mit einander verbunden, so dass sie hier gemeinsam behandelt werden. Es sei nur soviel gesagt, dass der Waldmaikäfer bis nach Skandinavien und Sibirien vorkommt, während der Feldmaikäfer seinen Verbreitungsschwerpunkt in „Zentraleuropa“ besitzt.

Massenhaftes Auftreten

Die auffälligste Eigenheit der Maikäfer ist zweifellos ihr jahreweises massenhaftes Auftreten. In dessen Verlauf können Waldbäume, Weinpflanzen, Obst- oder Ziergehölze völlig kahl gefressen werden. Dabei scheinen sich viele Maikäfer eines Gebietes an Waldrändern und besonders markanten Bäumen zu versammeln, um sich hier zu verpaaren – es handelt sich dabei offenbar um eine Art „Hochzeitsmarkt“ für Maikäfer. Nach der Paarung kehren die begatteten Weibchen wieder zu der Stelle zurück, an der sie ihr Larvenleben verbracht hatten, um hier ihre Eier abzulegen. Dazu müssen sie sich aber zunächst in den Boden bis zu einer Tiefe von etwa 25 cm eingraben – kein leichtes Unterfangen.

Eiablage und Schlüpfen der Larven

Die erreichte Bodentiefe hängt dabei jedenfalls stark von der Bodenstruktur ab. In der Tiefe legen sie nun etwa 30 cremefarbene Eier ab, welche ungefähr 3 mm messen. Es wurde festgestellt, dass Käferweibchen nach der Eiablage wieder zu ihren Schwarmbäumen zurückkehren, um sich nochmals zu verpaaren und dann wieder Eier abzulegen. Aus den Eiern schlüpfen dann nach etwa einem Monat typisch geformte Käferlarven: neben dem Besitz von Kopfkapsel und gegliederten Beinen zeichnen sie sich durch ihr U-förmig nach vorne gebogenes Hinterende aus – man bezeichnet solche Käferlarven als Engerlinge.

Diese Jungengerlinge leben zunächst von feineren Faserwurzeln – mit fortschreitender Körpergröße wenden sie sich immer mehr den stärkeren Wurzeln ihrer Wirtspflanzen zu. Im Laufe ihres Lebens häuten sie sich mehrmals, so dass man 3 unterschiedlich große Larvenstadien unterscheiden kann. Schäden hängen neben anderen Faktoren auch vom Alter der Käferlarven ab und sind daher vor allem im Jahr nach dem Flug am bedeutsamsten. Abhängig von der Jahreszeit halten sich Engerlinge in unterschiedlichen Bodentiefen auf: während sie in der Vegetationsperiode in seichten Bodenschichten bis 20 cm Tiefe leben, verbringen sie die kalte Jahreszeit bis zu 60 cm tief, um niedrigen Temperaturen auszuweichen. Im Spätsommer vor dem Flugjahr legen die nun bereits 4 cm messenden Altengerlinge eine kleine Höhlung in etwa 40 cm Bodentiefe an, in der sie sich ungestört verpuppen können. 3 Wochen später schlüpft daraus der fertige Käfer, bleibt aber noch im Boden, überwintert hier und begibt sich erst bei Ansteigen der Bodentemperaturen im folgenden Frühjahr an die Oberfläche womit sich der Zyklus schließt.

Entwicklungsdauer

Die Gesamtentwicklung dauert mehrere Jahre und ist stark von den herrschenden Bodentemperaturen abhängig. In kühlen Gebieten, wie Norddeutschland und vielen Alpentälern dauert die Entwicklung 4 Jahre, im restlichen Gebiet ist sie bereits nach 3 Jahren abgeschlossen. Dies führt dazu, dass je nach Gegend alle 3 oder 4 Jahre mit starkem Flug zu rechnen ist. Dieses Überwiegen bestimmter Flugjahre ist gebietsweise unterschiedlich. Man kann daher eine „Maikäferkarte“ herstellen, indem man Gebiete mit übereinstimmendem Flug färbig markiert. In Österreich wurden diese Arbeiten bereits durch Zweigelt begonnen und von Faber und Cate fortgesetzt, die mit Hilfe österreichischer Volksschulen den jährlichen Flug von Maikäfern österreichweit registrierten. Die derzeitige Verteilung der Fluggebiete ist nicht starr, sondern kann sich in Abhängigkeit von den herrschenden Klimabedingungen, insbesondere den Bodentemperaturen ändern. Mit Sicherheit hat sie dies auch in der Vergangenheit schon öfter getan und stellt damit das Ergebnis der geschichtlichen Entwicklung von Klimaänderungen dar. So ist beispielsweise überliefert, dass in der Schweiz nach einem besonders kalten Jahr ein Teil der Maikäferpopulation eines Gebietes seine Entwicklung langsamer beendete und damit das Schwarmjahr ab diesem Zeitpunkt immer um ein Jahr nach hinten verlegt war.

Ausbreitung

In geographischen Karten, wie der nachfolgenden, werden jene Gebiete färbig markiert, in den aufgrund langjähriger Zyklen von Maikäfern mit Flug zu rechnen ist. Rote Punkte zeigen tatsächlich beobachteten starken Flug an. Bemerkenswert waren beispielsweise vorverlegte Flugjahre im Jahr 2009 in den Bezirken Kufstein (Tirol), Deutschlandsberg (Steiermark) und Feldkirch (Vorarlberg) sowie verspätete Flugjahre im Raum Korneuburg-Stockerau-Tulln. Die Analyse dieser Unregelmäßigkeiten könnte Aufschluss darüber geben, ob sich der klimatologisch beobachtete Klimawandel bereits auch auf die Tierwelt auswirkt.

Meldung von Maikäfersichtungen

Auch Sie sind herzlich eingeladen, uns Ihre eigenen Beobachtungen zum Maikäferflug mitzuteilen. Hier geht es zum online-Meldeformular, auf dem die aktuellen Fluggebiete ersichtlich sind und Sie außerdem Comic-Bilder zur Lebensweise von Engerlingen und Maikäfern auf Ihren Computer herunterladen können.

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Maikäfer-Engerling
Maikäfer-Engerling

Engerlinge sind die charakteristische Larvenform für die ganze Gruppe der Blatthornkäfer sowie der Hirschkäferverwandten und entwickeln sich nicht nur zu Maikäfern. Andere häufige Engerlinge sind die Larven des Junikäfers (Amphimallon solstitialis), die besonders im Rasen schädlich werden sowie die in Komposthaufen lebenden Engerlinge von Rosenkäfern, die aber nicht schädlich sind. In vermodernden Baumstämmen hingegen sind die besonders großen Engerlinge von Hirschkäfern und Nashornkäfern zu finden. Die zuletzt genannten Formen stellen keine Schädlinge dar bzw. stehen sogar unter Naturschutz und sind unbedingt zu schonen.

Symptome

Symptome

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Fraßschaden an Wurzel
Fraßschaden an Wurzel

Durch erwachsene Maikäfer werden Blätter von Bäumen und Sträuchern in unterschiedlichem Ausmaß abgefressen – dies kann bis zum Kahlfraß reichen. Die Larven hingegen fressen unterirdisch an den Wurzeln ihrer Wirtspflanzen. Solche Pflanzen bleiben im Wachstum zurück, es kann auch zum Verwelken und zum Vertrocknen des gesamten Triebs kommen.

Wirtspflanzen

Die erwachsenen Maikäfer fressen an verschiedensten Laubbäumen und Sträuchern wie beispielsweise Eiche, Ahorn, Buche, Steinobst, Walnuss, Lärche, Wein und Haselnuss. Die Larven ernähren sich an den Wurzeln verschiedener Obstbäume, Waldbäume, Wein, Kleearten, Hornklee, Löwenzahn, sonstigen Wiesenkräutern und Gräsern.

Verbreitung

Maikäfer sind nur in bestimmten Gebieten Österreichs verbreitet. In vielen alpinen Tälern und sonstigen Hochlagen dagegen fehlen sie völlig.

Bekämpfung

Vorbeugung und Bekämpfung

  • Händisches Absammeln der Käfer und Verwendung als Tierfutter
  • Durch Bodenbearbeitung wird ein Teil der Engerlinge vernichtet. Diese Methode ist nur wirksam, solange die Engerlinge noch nicht zur Überwinterung in tieferen Bodenschichten verweilen.
  • Überspannen des Bodens empfindlicher Kulturen mit käfersicheren Netzen, um zu verhindern, dass im Bestand schlüpfende Käfer zu ihren Schwarmplätzen gelangen bzw. begattete Weibchen von dort rückkehren und hier ihre Eier ablegen.
  • Einarbeiten von Melocont Pilzgerste in den Boden (Säschlitzmaschine), um die Engerlinge mit dem insektenpathogenen Pilz Beauveria brongniartii zu infizieren. Die Methode ist sehr gut für feuchtere Gebiete, wie Alpentäler geeignet. Das Mittel sollte beginnend im Jahr vor dem Setzen mehrmals angewandt werden.
  • Behandlung der Versammlungsplätze der Maikäfer mit dem Pflanzenschutzmittel NeemAzal-TS (Wirkstoff Azadirachtin). Dieses pflanzliche Insektizid behindert die Eireifung sowie die Häutung der Engerlinge und führt zu deren langfristigem Rückgang
  • Flächenbehandlung vor dem Anbau empfindlicher Kulturen mit dem Insektizid Agritox (Wirkstoff Chlorpyriphos) samt anschließendem Einarbeiten in den Boden (s. Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel).
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