Knoblauchfliege

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Zuletzt geändert: 08.11.2018

Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Die Knoblauchfliege ist einer der wichtigsten Schädlinge im Knoblauchanbau im Osten Österreichs. In den ersten frühlingshaften Tagen legt der Schädling seine Eier am Stängelgrund des Knoblauchs ab. Die Schäden reichen von einer leichten Verkrümmung der inneren Blätter bis hin zur völligen Zerstörung der Pflanzen.

Aussehen

Die Knoblauchfliege zählt zur Familie der Scheufliegen (Heleomyzidae), ist etwa 9,5 mm lang und besitzt eine Flügelspannweite von ca. 18 mm. Der Körper ist von rötlichbrauner Farbe, die Flügel sind zum Großteil durchsichtig und weisen einen grauen Schimmer entlang der Flügeladern auf. Wie alle Fliegen trägt sie Schwingkölbchen anstelle der Hinterflügel.

Die Eier sind weiß, ca. 1,2 mm lang und spindelförmig. Sie besitzen eine stark skulpturierte Oberfläche. 

Die Maden werden bis zu 10 mm groß und besitzen ein spitzes Vorderende, an dem die Mundwerkzeuge als „Nagehaken“ durchscheinen. An dem Hinterende münden die stark verhärteten Atemöffnungen (Stigmen). 

Die Tönnchenpuppen sind oval, rotbraun und etwa 7 mm lang.

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Adulte Knoblauchfliege
Erwachsene Knoblauchfliege
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Weißes, stiftförmiges Ei der Knoblauchfliege
Weißes längliches Ei auf dem Stamm einer Knoblauchpflanze
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Tönnchenpuppen der Knoblauchfliege
Mehrere rotbraune Tönnchenpuppen am Boden

Biologie

Im zeitigen Frühjahr sobald die ersten Triebspitzen des Knoblauchs erscheinen, suchen die Fliegen Knoblauchfelder auf. Die Eier werden jeweils in der Nähe der Stammbasis in den Boden abgelegt. Der Höhepunkt der Eiablage liegt in der ersten Aprilhälfte, jedoch kann es bedingt durch Wärmeperioden im Winter zu früheren Eiablagen kommen.

Die frischgeschlüpften Larven bohren sich in den Trieb ein und ernähren sich dort von den jungen Blättern. Es werden drei Larvenstadien durchlaufen. Um Mitte Mai verlassen sie die Knoblauchpflanzen und verpuppen sich im umgebenden Erdreich. Aus der Puppe schlüpfen bereits Anfang Juni wieder Fliegen. Diese richten jedoch keinen Schaden mehr an, sie überwintern und pflanzen sich erst im nächsten Frühjahr fort.

Schadsymptome

Anfänglicher Befall wird meist nicht bemerkt, da die Maden an den innersten, jungen Blättern fressen. Ihr Fraß wird erst dann sichtbar, wenn die betroffenen Blätter durch das Wachstum nach außen geschoben werden. Ab April bis Mai können die Fliegenlarven im Winterknoblauchtrieb gefunden werden. Ab Ende April/Anfang Mai sind auch äußerlich sichtbare Schäden zu erkennen.

Im Frühjahr weisen die innersten, neu erscheinenden Blätter Fraßspuren der Fliegenmaden in unterschiedlichem Ausmaß auf: diese reichen vom zackig ausgefransten Seitenrand mit Verkrümmungen und Verdrehungen des Blattes bis hin zum völligen Zurückbleiben des Wachstums im Haupttrieb.

Oftmals werden in solchen Fällen zahlreiche schwächere Seitentriebe gebildet. Die Pflanze bekommt dann ein "grasartiges" Aussehen und die Knoblauchzehen bleiben klein.

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Schadsymptome der Knoblauchfliege an befallenem Knoblauch
Knoblauchpflanze mit ausgefransten inneren Blättern
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Schadsymptome der Knoblauchfliege an befallenem Knoblauch
Knoblauchpflanze mit grasartigem Aussehen durch zahlreiche Seitentriebe

Wirtspflanzen

Dieser Schädling befällt lediglich den Winterknoblauch, nicht jedoch den im Frühjahr angebauten Sommerknoblauch. Es gibt auch Unterschiede einzelner Sorten bezüglich der Anfälligkeit: die im Weinviertel genutzte Landrasse des Knoblauchs wird weniger stark befallen bzw. kann einen Befall besser überstehen. Neben Knoblauch (Allium sativum L.) wurde die Knoblauchfliege auch an Zwiebel (Allium cepa L.) und Porree (Allium porrum L.) beobachtet. 

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Knoblauchfliege kann starke Schäden an Knoblauch verursachen. In den 80er Jahren wurde ihr Auftreten erstmals in Niederösterreich gemeldet (KAHRER, 1986). Bedingt durch den verstärkten flächenmäßigen Knoblauchanbau wurden laut KAHRER (1986) bis zu 70 % befallene Pflanzen verzeichnet.

Vorbeugung und Bekämpfung

  • Eine vorbeugende Maßnahme stellt das Zudecken des Knoblauchs mit einem Kulturschutznetz oder Vlies. Dies muss aber bereits zu den ersten warmen Frühlingstagen vorgenommen werden. Die Kultur sollte dann etwa bis Mitte/Ende April zugedeckt bleiben.
  • Bedeutsam ist auch die Sortenwahl, da schaftbildende Knoblauchsorten weniger stark befallen werden. Zudem wirken sich Schäden dort nicht so stark aus.
  • Als chemische Maßnahme kommt die Spritzbehandlung mit Präparaten, die zur Bekämpfung von Saaten- oder Wurzelfliegen geeignet sind, in Frage (siehe Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel). Der beste Behandlungszeitpunkt liegt erfahrungsgemäß um Anfang April, wenn 10 % der untersuchten Pflanzen mit Eiern belegt sind. Bei niederer Temperatur sind die Präparate wirkungslos. Jedenfalls sollte der Spritzbrühe ein Netzmittel zugefügt werden.

Fachinformation

KAHRER, A., 1986: Untersuchungen zur Biologie und Bekämpfung der Knoblauchfliege (Suillia lurida [Meigen]; Helomyzidae; Diptera) in Österreich. Pflanzenschutzberichte, Band 47, Heft 1, S. 40-47. 

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