Kirschessigfliege

Drosophila suzukii

Zuletzt geändert: 03.05.2018
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Kirschessigfliege
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Kirschessigfliege

Die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) ist ein aus Asien nach Europa eingeschleppter Schaderreger mit großer Bedeutung für den Obst- und Weinbau. Durch die Fraßtätigkeit der Larven werden die heranreifenden Früchte zerstört und dadurch hohe Ertragsverluste möglich.
Sie ist von der EPPO (Europäische und Mediterrane Pflanzenschutzorganisation) in der EPPO A2 - Liste angeführt.

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Kirschessigfliege
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Kirschessigfliege

Die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) ist ein aus Asien nach Europa eingeschleppter Schaderreger mit großer Bedeutung für den Obst- und Weinbau. Durch die Fraßtätigkeit der Larven werden die heranreifenden Früchte zerstört und dadurch hohe Ertragsverluste möglich.
Sie ist von der EPPO (Europäische und Mediterrane Pflanzenschutzorganisation) in der EPPO A2 - Liste angeführt.

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Symptome

Symptome

Schadbild

Die Kirschessigfliegen befallen heranreifende, weichschalige Früchte. Befallene Früchte zeigen kleine loch- und stichartige Beschädigungen und eingedrückte, weiche Flecken auf der Oberfläche der Früchte.

Innerhalb der Früchte sind die Larven (Fliegenmaden) zu finden, die das Fruchtfleisch fressen. Zusätzlich können Sekundärinfektionen durch Pilze oder Bakterien entstehen.

Der Schaden ist durch faulende Früchte erkennbar und an betroffenen Kulturen kann bis zu 80% und mehr Ertragsverlust auftreten.

Wirtspflanzen

Die Kirschessigfliege ist polyphag, kann also eine Vielzahl an Wirtspflanzen nutzen. Sie befällt alle weichschaligen Wild- und Kulturobstarten, bevorzugt Prunus spp. (hauptsächlich Süßkirsche, aber auch Pfirsich, Nektarinen, Marillen und Pflaume), Vaccinium spp. (Heidelbeere), Rubus spp. (z.B. Himbeeren und Brombeeren), Ribes spp. (z.B. Johannis- und Stachelbeeren) und Fragaria ananassa (Erdbeere).

Weitere mögliche Wirtspflanzen sind Actinidia sp. (winterharte Kiwi), Sambucus sp. (Holunder), Morus sp. (Maulbeere), Cornus spp. (Hartriegel), Diospyros kaki (Kaki), Ficus carica (Feige), Vitis vinifera (Tafel- und Weintraube) und Solanum lycopersicum (Tomaten) und Curcubitaceae (Melonen) als Gemüsepflanzen.

Zusätzlich können bereits beschädigte Früchte, wie z.B. Malus domestica (Apfel) und Pyrus pyrifolia (Nashi-Birne), von D. suzukii befallen werden.

Verbreitung

Die ursprüngliche Heimat von Drosophila suzukii ist der asiatische Raum. Erst in den letzten Jahren (ab 2008/2009) wurde ein Auftreten in Nordamerika (Ost- und Westküste) und Kanada sowie in Europa in Spanien, Frankreich, Korsika, Italien, Slowenien und im Jahr 2011 auch in der Schweiz, Österreich und Deutschland festgestellt. Vermutlich erfolgte eine großräumige Verbreitung durch den Transport befallener Früchte, während eine lokale Ausbreitung (einige km) durch die mobilen Fliegen selbst möglich ist.

Auftreten in Österreich

In Österreich gab es im September 2011 die ersten Meldungen über ein Auftreten der Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) aus den Bundesländern Tirol (Osttirol), Steiermark und Kärnten. Ab dem Jahr 2012 erfolgte daher ein bundesweites Monitoring mit Lockstoff-Fallen an ausgewählten Standorten in Obst- und Weingärten unter der Leitung der AGES, die in Kooperation und mit Unterstützung von Mitarbeitern der Landwirtschaftskammern und Amtlichen Pflanzenschutzdienste der Bundesländer, Natur im Garten, Weinbauschule Krems sowie der HBLA Klosterneuburg erfolgte.

Die Monitoring-Ergebnisse von 2012 und 2013 deuteten darauf hin, dass die Kirschessigfliege bereits mehr oder weniger flächendeckend in Österreich vorkommt, mit Schwerpunkt in der Steiermark, Kärnten, Osttirol und Vorarlberg.

Im Jahr 2014 war ein sehr starkes Auftreten der Kirschessigfliege. Nicht nur die Anzahl der Fundorte war angestiegen, sondern vor allem die Zahl der gefangenen Kirschessigfliegen an allen untersuchten Standorten war deutlich höher als in den Jahren zuvor. In einzelnen Fallen im Obstbau konnten bis zu ca. 1200 Individuen in einer Falle innerhalb von nur 1 Woche gefangen werden. Auch die Individuenzahl heimischer Essigfliegen (Drosophilidae) war in den Fallen sehr hoch. Zusätzlich gab es auch erste Schadensmeldungen im Obstbau an Kirschen, Brombeeren, Heidelbeeren, Himbeeren und Holunder aus Vorarlberg und der Steiermark.

In welchem Ausmaß in Österreich eine Schädigung im Weinbau durch die Kirschessigfliege erfolgte, war schwer abzuschätzen, da zwar ein Auftreten der Kirschessigfliege in den Weingärten mittels Fallen festgestellt werden konnte, aber vor allem die feucht-nasse Witterung maßgeblich für faulende und gärende Trauben beigetragen hat. Gleichzeitig kam es durch den großen Anteil zerstörter Trauben auch zu einem massiven Auftreten heimischer Essigfliegen.

Das Jahr 2015 war von einem geringen Kirschessigfliegen-Auftreten gekennzeichnet. Es wurden durchschnittlich nur bis maximal 100 Individuen pro Falle pro Woche an den meisten Standorten gefangen (Ausnahme: bis maximal 400 Individuen pro Falle pro Woche). Im Obstbau gab es keine bzw. nur geringe Schadensmeldungen, im Weinbau keine Eiablagen an den Beeren in den untersuchten Weingärten, von nur wenigen Ausnahmen abgesehen.

Im Jahr 2016 waren an den meisten untersuchten Standorten verhältnismäßig geringe Fänge mit Kirschessigfliegen in den Fallen. In Obstkulturen lagen die höchsten Fangzahlen, die nur während einzelner Fangperioden erreicht wurden, zwischen etwa 200 und 600 Individuen pro Falle pro Woche. Aber ein deutlicher Unterschied zu den vorherigen Jahren war der Zeitpunkt der ersten Fallenfänge an allen beobachteten Standorten. Die ersten Fänge waren bereits einige Wochen früher festzustellen, nämlich meist schon im Juni und bereits im Juli mit einem ersten Flughöhepunkt (Peak). Trotz der insgesamt geringeren Fangzahlen wurden in einigen Betrieben sehr hohe Ernteausfälle im Obstbau an Kirsche, Herbsthimbeeren und Holunder in der Steiermark und in Vorarlberg gemeldet. Diese traten vorwiegend dort auf, wo keine Gegenmaßnahmen erfolgten oder möglich waren, wie z.B. in Selbstpflücker-Anlagen (Info: M. Wiesenhofer, U. Höfert), aber auch in Privatgärten.

Im Weinbau war wieder ein Jahr mit überwiegend geringem Kirschessigfliegen-Auftreten und wenigen Schadensmeldungen zu verzeichnen, abgesehen von vereinzelten Standorten in der Steiermark (Info: J. Klement), wobei hier jedoch der Anteil des Schadens der tatsächlich durch die Kirschessigfliege verursacht wurde, nicht im Detail abgeschätzt werden konnte. Zusätzlich zum Fallen-Monitoring erfolgte in ausgewählten Weingärten auch eine visuelle Kontrolle auf abgelegte Kirschessigfliegen-Eier an den Weinbeeren. Diese bis zur Ernte regelmäßig erhobenen Daten dienten als Information für den Warndienst im Weinbau, der auf der Internet-Plattform „Rebschutzdienst“ unter „insect-watch“ (http://rebschutzdienst.at/insect-watch/) zu sehen ist.
 
Die Beobachtungen der letzten Jahre zeigen, daß das Auftreten der Kirschessigfliege und der eventuell damit verbundene Schaden von folgenden Kriterien entscheidend beeinflußt wird: von den klimatischen Witterungsbedingungen (z. B. heiße trockene Wetterperioden sind für Kirschessigfliegen ungünstig im Gegensatz zu feucht-warmen Bedingungen), von der zeitlichen und räumlichen Verfügbarkeit potentieller Wirtspflanzen (sowohl in der Kultur selbst als auch in der Umgebung) und vom Zeitpunkt der gesetzten Kontrollmaßnahmen.

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Befallene Frucht mit Puppe der Kirschessigfliege
Befallene Frucht mit Puppe der Kirschessigfliege
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Kirschessigfliege, Männchen
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Monitoring-Standorte und Fundorte mit Kirschessigfliege in Österreich 2011 - 2013
Monitoring-Standorte und Fundorte mit Kirschessigfliege in Österreich 2011 - 2013

Bekämpfung

Bekämpfung

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In Österrreich entwickelte Kirschessigfliege-Falle
In Österrreich entwickelte Kirschessigfliege-Falle

Einsatz von Fallen

Obwohl in den letzten Jahren viele Untersuchungen über Fallen für den Fang von Kirschessigfliegen durchgeführt wurden, gibt es noch immer keine „optimale“ Falle!
Folgende Kriterien sollten aber auf jeden Fall erfüllt werden, um gute Fangergebnisse zu erzielen:

Die Falle besteht aus einem Gefäß (z. B. Becher, Flasche) mit

  • vielen, kleinen Öffnungen (Ø = 2-3 mm) (nicht größer wegen Beifang!)
  • Apfelessig als Lock-/Fangflüssigkeit – Zusatz von Rotwein und/oder Hefe erhöhen Fängigkeit
  • Positionierung der Fallen im Schatten

Die Anzahl und Anordnung der Fallen ist vom Verwendungszweck abhängig

  • für Monitoring (Befallsfeststellung) werden in Österreich zwei Fallen pro Standort eingesetzt 
  • für Massenfang zur Reduktion der Fliegenpopulation gilt die Empfehlung eines sogenannten Perimeterfangs:
    Hier werden die Fallen jeweils im Abstand von 2 m rund um die Anlage herum vor dem Auftreten der Fliegen bzw. vor dem Reifebeginn der Früchte ausgebracht, um die einwandernden Fliegen abzufangen. Zusätzlich befindet sich 1 Falle in der Mitte der Anlage als Kontrolle.

Weitere Informationen darüber unter:
Julius Kühn-Institut - Themenportal Drosophila suzukii

Agroscope - Schweizerische Eidgenossenschaft

Hygienemaßnahmen

  • regelmäßige Entfernung von reifen und überreifen Früchten aus der Obstanlage oder Obstgarten
  • vollständige Ernte, auch von Früchten, die nicht vermarktet werden, bzw. gründliche Entfernung von Restfrüchten nach der Ernte (Nacherntemaßnahmen)
  • keine Kompostierung der Früchte, da hier ein Überleben der Fliegen möglich ist
  • Abtötung von Eiern und Larven in den Restfrüchten, zum Beispiel mittels Solarisation (Früchte werden luftdicht verpackt (z.B. mittels Folienabdeckung) intensiver Sonnenstrahlung ausgesetzt) oder mittels tiefer Temperaturen (z.B. Gefriertruhe)
  • Einnetzen der Pflanzen bzw. Kultur (sofern möglich)
  • Kühllagerung der Früchte (sofort nach Ernte)

Chemische Bekämpfung

Stand: 03.05.2018

Insektizidbehandlungen dürfen nur mit den in Österreich zur Bekämpfung von Kirschessigfliege zugelassenen Pflanzenschutzmitteln durchgeführt werden.

Obstbau:

Derzeit ist in Österreich im Obstbau zur Bekämpfung der Kirschessigfliege das Pflanzenschutzmittel „SpinTor“ (Wirkstoff: Spinosad), Pfl.Reg.Nr. 3296, für folgende Kulturen und Anwendungsbereiche zugelassen:

Kultur

Anwendungsbereich

Johannisbeerartiges Beerenobst
(ausgenommen Holunder)

Freiland
Haus- und Kleingartenbereich: Freiland

unter Glas
Haus- und Kleingartenbereich: unter Glas

Holunder

 

Freiland
Haus- und Kleingartenbereich: Freiland

Erdbeeren

 

Freiland
Haus- und Kleingartenbereich: Freiland

unter Glas
Haus- und Kleingartenbereich: unter Glas

Himbeerartiges Beerenobst

 

Freiland
Haus- und Kleingartenbereich: Freiland

 

Zusätzlich gibt es im Obstbau Notfallzulassungen mit den Pflanzenschutzmitteln "Piretro Verde" (Wirkstoff: Pyrethrine), Pfl.Reg.Nr. 3380, "SpinTor" (Wirkstoff: Spinosad), Pfl.Reg.Nr. 3296 und "Karate Zeon" (Wirkstoff: Lambda-Cyhalothrin) Pfl.Reg.Nr. 3061. Diese Präparate stehen in den einzelnen Kulturen für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung:

Kultur

Pflanzenschutzmittel

Zeitraum

Erdbeeren

Piretro Verde

01.05.2018 – 31.08.2018

Sauerkirschen, Süßkirschen

Piretro Verde

01.05.2018 – 29.08.2018

Sauerkirschen, Süßkirschen Karate Zeon 01.05.2018 - 31.08.2018
Kirschen, Weichsel SpinTor 01.05.2018 - 28.08.2018

Marillen

Piretro Verde

01.05.2018 – 31.08.2018

Marillen SpinTor 01.05.2018 - 28.08.2018
Marillen Karate Zeon 01.05.2018 - 31.08.2018

Pfirsich

Piretro Verde

01.06.2018 – 29.09.2018

Pfirsich SpinTor 01.06.2018 - 29.09.2018
Pfirsich Karate Zeon 01.06.2018 - 30.09.2018

Pflaumen (Zwetschken)

Piretro Verde

01.06.2018 – 29.09.2018

Pflaumen (Zwetschken) SpinTor 01.06.2018 - 29.09.2018
Pflaumen (Zwetschken) Karate Zeon 01.06.2018 - 30.09.2018

Nektarinen

Piretro Verde

01.06.2018 – 29.09.2018

Heidelbeeren

Piretro Verde

01.06.2018 – 29.09.2018

Heidelbeeren Karate Zeon 01.06.2018 - 30.09.2018

Johannisbeeren

Piretro Verde

01.05.2018 – 31.08.2018

Johannisbeeren Karate Zeon 01.05.2018 - 31.08.2018

Stachelbeeren

Piretro Verde

01.05.2018 – 31.08.2018

Stachelbeeren Karate Zeon 01.05.2018 - 31.08.2018

Himbeeren

Piretro Verde

01.06.2018 – 29.09.2018

Himbeeren Karate Zeon 01.06.2018 - 30.09.2018
Himbeeren unter Glas
Einschränkung auf Sommerhimbeeren
SpinTor 01.04.2018 - 30.07.2018
Himbeeren unter Glas
Einschränkung auf Herbsthimbeeren
SpinTor 01.06.2018 - 29.09.2018

Brombeeren

Piretro Verde

01.06.2018 – 29.09.2018

Brombeeren Karate Zeon 01.06.2018 - 30.09.2018
Brombeeren unter Glas SpinTor 01.05.2018 - 28.08.2018

Holunder

Piretro Verde

01.06.2018 – 29.09.2018

Holunder Karate Zeon 01.06.2018 - 30.09.2018

Apfelbeere (Aronia sp.)

Piretro Verde

01.06.2018 – 29.09.2018

Apfelbeere (Aronia sp.) Karate Zeon 01.06.2018 - 30.09.2018

 

Weinbau:

Auch im Weinbau ist zur Bekämpfung der Kirschessigfliege das Pflanzenschutzmittel „SpinTor“ (Wirkstoff: Spinosad), Pfl.Reg.Nr. 3296, zugelassen.

Als Notfallzulassungen stehen „Piretro Verde“ (Wirkstoff: Pyrethrine), Pfl.Reg.Nr. 3380, für den Zeitraum vom 01.08.2018 bis zum 30.09.2018 und „Karate Zeon“ (Wirkstoff: Lambda-Cyhalothrin), Pfl.Reg.Nr. 3061, vom 15.08.2018 bis zum 30.09.2018 zur Verfügung.

Weitere Details zur Anwendung der Präparate sind dem Pflanzenschutzmittelregister zu entnehmen.

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