Kartoffelzystennematoden

Globodera rostochiensis, G. pallida

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Zuletzt geändert: 03.05.2021
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Kartoffelzystennematoden sind die wirtschaftlich bedeutendsten tierischen Schädlinge an Kartoffeln. Ein Befall mit Kartoffelzystennematoden führt zu schlechtem Wachstum und verkümmerten Pflanzen. Globodera rostochiensis und Globodera pallida sind als Unionsquarantäneschädlinge gelistet und unterliegen dadurch gesetzlichen Regelungen zur Verhinderung der Einschleppung und Ausbreitung in die bzw. in den Mitgliedsstaaten der EU.

Aussehen

Kartoffelzystennematoden sind mikroskopisch kleine Fadenwürmer, die im Boden leben und die Wurzeln parasitieren. Die Larven des zweiten Larvenstadiums sind farblos und durchsichtig und ca. 0,5 mm lang. Sie besitzen einen kräftigen Mundstachel. Die Zysten sind durchschnittlich 0,5 bis 0,8 mm groß und rund. Nicht ausgereifte Zysten sind weiß/gelblich während Zysten im ausgereiften Zustand braun gefärbt sind.

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Schadbild, Nematoden, Larven und Eier der Kartoffelzystennematoden
Zeichnungen von befallenen Wurzeln mit den charakteristischen Zysten und einer Larve
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Eier und Larven der Kartoffelzystennematoden
Mikroskopische Aufnahme von Eiern und einer Larve
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Zysten der Kartoffelzystennematoden
braune Zysten

Biologie

Bei den Kartoffelzystennematoden handelt es sich um zwei Arten der Fadenwürmer (Nematoda) aus der Familie Heteroderidae: Gelbes Kartoffelzystenälchen (Globodera rostochiensis) und Weißes Kartoffelzystenälchen (Globodera pallida). Jede Art bildet wiederum verschiedene Pathotypen bzw. Virulenzgruppen aus.

Der Entwicklungszyklus der Kartoffelzystennematoden erfolgt über das Eistadium, die wurmförmigen Larvenstadien (L1-L4), bis zu den geschlechtsreifen Tieren in ca. acht Wochen.

Die Larven überdauern geschützt in Zysten im Boden. Erst wenn sie durch bestimmte Stoffe in den Wurzelausscheidungen der Kartoffelwurzel angelockt werden, verlassen sie (2. Larvenstadium) die Zyste bzw. schlüpfen (ab etwa März). Danach dringen sie in die Wurzel ein und beeinträchtigen durch ihre Saugtätigkeit das Wurzelwachstum. Durch mehrere Häutungen entwickeln sie sich über das dritte und vierte Larvenstadium zu Weibchen und Männchen. Die Weibchen schwellen zu kugelförmigen Gebilden an und platzen mit ihrem hinteren Körperabschnitt aus dem Wurzelgewebe heraus. Die beweglichen, wurmförmigen Männchen wandern aus der Wurzel und befruchten die Weibchen. Die von den Weibchen produzierten Eier (bis zu 300 oder mehr) verbleiben im Körperinneren, danach stirbt das Weibchen. Die Außenhaut wandelt sich in eine feste, braune Schale (Zyste) um und fällt von der Wurzel ab. Diese Zysten überdauern jahrelang (bis zu 20 Jahre) lebensfähig im Boden. Pro Jahr gibt es eine Generation.

Schadsymptome

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Zysten an den Wurzeln
Wurzelballen mit kleinen, kugelförmigen Zysten

Ein erstes Symptom eines stärkeren Nematodenbefalls ist das schlechte Auflaufen der Kartoffeln. Befallene Pflanzen bleiben im Wachstum zurück, vergilben und verkümmern. Das Schadbild tritt am Feld meistens nesterweise oder in Bearbeitungsrichtung auf.

Bei geringem oder späterem Befall sind oberirdische Symptome oft nicht ausgeprägt. Ungefähr zehn Wochen nach dem Legen der Kartoffeln können sehr kleine, kugelförmige Zysten an den Wurzeln mit freiem Auge sichtbar sein. 

Wirtspflanzen

Kartoffeln (Solanum tuberosum) sind die wichtigsten Wirtspflanzen der Kartoffelzystennematoden. Aber auch Tomaten, Aubergine und andere Vertreter der Gattung Solanum aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) können als Wirt genutzt werden.

Verbreitung

Die Kartoffelzystennematoden stammen ursprünglich aus Südamerika und gelangten wahrscheinlich Mitte des 19. Jahrhunderts mit Kartoffeln nach Europa. Von Europa aus erfolgte mit den Saatkartoffeln eine Verbreitung in andere Gebiete. Heute liegt eine weltweite Verbreitung vor, von der gemäßigten Klimazone bis zum Meeresspiegel und in den Tropen in den höheren Regionen, praktisch überall dort, wo es Kartoffel-Anbau gibt.

Ausbreitung und Übertragung

Globodera rostochiensis und G. pallida werden durch passiven Transport verbreitet. Boden von kontaminierten Feldern, die Zysten enthalten oder befallene Kartoffeln und Erde, welche an Bearbeitungsgeräten anhaftet (z. B. auf landwirtschaftlichen Maschinen) tragen zur Verbreitung bei. Zu beachten ist auch die Verfrachtung der Zysten durch Wind und Wasser von nicht sanierten Flächen sowie die Verbreitung durch gemeinsame Erntemaschinen usw.

Wirtschaftliche Bedeutung

Kartoffelzystennematoden sind weltweit verbreitet und können Ertragseinbußen von 30 % - 80 % verursachen. 

Vorbeugung und Bekämpfung

Kartoffelzystennematoden sind aufgrund ihrer widerstandsfähigen Zysten nur schwer zu bekämpfen. Die Sanierung befallener Flächen ist nur langfristig möglich. Erfolgreiche Sanierung erfordert ein gemeinschaftliches Handeln und Maßnahmen in den betroffenen Anbaugebieten.

Vorbeugende Maßnahmen

  • Verwendung nur von amtlich anerkanntem Pflanzgut, welches aufgrund phytosanitärer Vorschriften auf Befallsfreiheit mit Nematoden kontrolliert wurde.
  • Rechtzeitige Feststellung eines Befalls durch Bodenuntersuchung auf Kartoffelzystennematoden ein Jahr vor dem geplanten Anbau (verpflichtend bei Pflanzkartoffelanbau).
  • Betriebshygiene: bei Nematodenbefall im Betrieb kommt der Reinigung von Bearbeitungsgeräten, Fußbekleidung und Fahrzeugen große Bedeutung zu, um eine Verschleppung der Zysten mit Erde auf weitere Flächen zu verhindern. Abfallerde vom Sortieren soll auf keinen Fall auf Ackerflächen oder auf den Misthaufen ausgebracht werden (Gefahr einer Nematodenverschleppung mit der Mistausbringung). 
  • Fruchtfolge: Kartoffelzystennematoden sind typische Fruchtfolgeschädlinge, daher verringert eine weitgestellte Fruchtfolge das Befallsrisiko bzw. die Befallsdichte der Nematoden (z.B. Kartoffeln höchstens alle vier Jahre auf der gleichen Fläche). Wirkungsvollste Bekämpfung ist konsequentes Aussetzen des Kartoffelanbaues für einen Zeitraum von 15 - 20 Jahren.
  • Durchwuchsbekämpfung: durchwachsende Kartoffeln bieten ideale Vermehrungsmöglichkeiten für die Kartoffelzystennematoden; nach der Ernte sollen liegen gebliebene Kartoffeln entfernt oder zum Ausfrieren an die Oberfläche gebracht werden.
  • Unkrautbekämpfung: diverse Wildpflanzen aus der Familie der Nachtschattengewächse tragen als Wirtspflanze zur weiteren Vermehrung der Kartoffelzystennematoden bei.

Anbau nematodenresistenter Kartoffelsorten

  • Der gezielte Anbau von nematodenresistenten Kartoffelsorten verhindert eine starke Befallszunahme und die Nematodendichte kann bis zu 88 % nach einem Anbaujahr und bis zu 99 % nach drei Anbaujahren vermindert werden.
  • Nematodenbefallene Flächen können mit dem Anbau von nematodenresistenten Sorten im Konsumanbau langfristig saniert werden.
  • Auf nematodenbefallenen Flächen dürfen gemäß der EU-Richtlinie bzw. der Verordnungen der Länder nur Konsumkartoffel mit entsprechender Nematodenresistenz angebaut werden.
  • Mittels Pathotypentest (Biotest) kann der im Feld vorhandene Pathotyp festgestellt werden. (Pathotypen bzw. Virulenzgruppen: Ro1, Ro2/3, Ro4, Ro5, Pa1, Pa2/3).
  • Nematodenresistente Sorten können auch vorbeugend auf nematodenfreien Flächen genutzt werden. Der Fruchtwechsel soll weiterhin eingehalten werden, um nicht Resistenzbrecher zu selektieren.

Phytosanitärer Status

Gelbes Kartoffelzystenälchen (Globodera rostochiensis) und Weißes Kartoffelzystenälchen (Globodera pallida) sind als Unionsquarantäneschädlinge gelistet und unterliegen dadurch gesetzlichen Regelungen zur Verhinderung der Einschleppung und Ausbreitung in die bzw. in den Mitgliedsstaaten der EU.

Fachinformation

Probenziehung - Kartoffelzystennematoden

Zur Kontrolle auf Kartoffelzystennematoden ist eine amtliche Probennahme oder Probenziehung, unter amtlicher Aufsicht durch geschultes Personal, der Erde der Anbaufläche nach Stichprobenplan notwendig.

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