Kartoffelzystennematoden

Globodera rostochiensis, G. pallida

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Zuletzt geändert: 05.06.2019
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Die Kartoffelzystennematoden, Globodera rostochiensis (Gelbes Kartoffelzystenälchen) und Globodera pallida (Weißes Kartoffelzystenälchen), sind wirtschaftlich die bedeutendsten tierischen Schädlinge an Kartoffeln.
Sie sind weltweit verbreitet und können Ertragseinbußen von 30% - 80% verursachen.

Globodera rostochiensis und Globodera pallida sind gemäß EU-Richtlinie 2000/29/EG als Quarantäneschadorganismen gelistet und unterliegen dadurch gesetzlichen Regelungen zur Verhinderung der Einschleppung und Ausbreitung in die bzw. in den Mitgliedsstaaten.

Die Kartoffelzystennematoden, Globodera rostochiensis (Gelbes Kartoffelzystenälchen) und Globodera pallida (Weißes Kartoffelzystenälchen), sind wirtschaftlich die bedeutendsten tierischen Schädlinge an Kartoffeln.
Sie sind weltweit verbreitet und können Ertragseinbußen von 30% - 80% verursachen.

Globodera rostochiensis und Globodera pallida sind gemäß EU-Richtlinie 2000/29/EG als Quarantäneschadorganismen gelistet und unterliegen dadurch gesetzlichen Regelungen zur Verhinderung der Einschleppung und Ausbreitung in die bzw. in den Mitgliedsstaaten.

Schadorganismus

Bei den Kartoffelzystennematoden handelt es sich um 2 Arten der Fadenwürmer (Nematoda) aus der Familie Heteroderidae: Globodera rostochiensis (Gelbes Kartoffelzystenälchen) und Globodera pallida (Weißes Kartoffelzystenälchen). Jede Art bildet wiederum verschiedene Pathotypen bzw. Virulenzgruppen aus.

Kartoffelzystennematoden sind mikroskopisch kleine Fadenwürmer, die im Boden leben und die Wurzeln parasitieren. Der Entwicklungszyklus der Kartoffelzystennematoden erfolgt über das Eistadium und die wurmförmigen Larvenstadien (L1 - L4) bis zu den geschlechtsreifen Tieren in ca. 8 Wochen.

Die Larven überdauern geschützt in Zysten im Boden. Erst wenn sie durch bestimmte Stoffe in den Wurzelausscheidungen der Kartoffelwurzel angelockt werden, verlassen sie (2. Larvenstadium) die Zyste bzw. schlüpfen (ab etwa März). Danach dringen sie in die Wurzel ein und beeinträchtigen durch ihre Saugtätigkeit das Wurzelwachstum. Durch mehrere Häutungen entwickeln sie sich über das 3. und 4. Larvenstadium zu Weibchen und Männchen. Die Weibchen schwellen zu kugelförmigen Gebilden an und platzen mit ihrem hinteren Körperabschnitt aus dem Wurzelgewebe heraus. Die beweglichen, wurmförmigen Männchen wandern aus der Wurzel und befruchten die Weibchen. Die von den Weibchen produzierten Eier (bis zu 300 oder mehr) verbleiben im Körperinneren, danach stirbt das Weibchen. Die Außenhaut wandelt sich in eine feste, braune Schale (Zyste) um und fällt von der Wurzel ab. Diese Zysten überdauern jahrelang (bis zu 20 Jahren) lebensfähig im Boden. Pro Jahr gibt es 1 Generation.

Wirtspflanzen

Kartoffeln (Solanum tuberosum) sind die wichtigsten Wirtspflanzen der Kartoffelzystennematoden. Aber auch Tomaten, Aubergine und andere Vertreter der Gattung Solanum aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) können als Wirt genutzt werden.

Symptome

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Schadbild am Acker
Schadbild am Acker
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Schadbild, Nematoden, Larven und Eier
Schadbild, Nematoden, Larven und Eier

Ein erstes Symptom eines stärkeren Nematodenbefalls ist das schlechte Auflaufen der Kartoffel. Befallene Pflanzen bleiben im Wachstum zurück, vergilben und verkümmern. Das Schadbild tritt am Feld meistens nesterweise oder in Bearbeitungsrichtung auf.

Bei geringem oder späterem Befall sind oberirdische Symptome oft nicht ausgeprägt, wogegen an den Wurzeln nach ca. 10 Wochen nach dem Legen der Kartoffel sehr kleine, kugelförmige Zysten mit freiem Auge sichtbar sein können. Es können Ertragsausfälle bis zu 50% auftreten. Als Schadschwelle bei Konsumkartoffeln gelten 150 - 200 Eier (+ Larven) je 100 g Boden.

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Verbreitung

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Eier und Larven der Kartoffelzystennematoden
Eier und Larven der Kartoffelzystennematoden
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Zysten der Kartoffelzystennematoden
Zysten der Kartoffelzystennematoden

Die Kartoffelzystennematoden stammen ursprünglich aus Südamerika und wurden wahrscheinlich Mitte des 19. Jahrhunderts mit Kartoffeln nach Europa eingeschleppt. Von Europa aus erfolgte mit den Saatkartoffeln eine Verbreitung in andere Gebiete. Heute liegt eine weltweite Verbreitung vor, von der gemäßigten Klimazone bis zum Meeresspiegel und in den Tropen in den höheren Regionen, praktisch überall dort, wo es Kartoffel-Anbau gibt.

Bodenextraktion mit MEKU-Bodenprobenextraktor

Zweck der Untersuchung ist die Feststellung der Befallsfreiheit von Kartoffelvermehrungsflächen und Rübenanbauflächen.
Prinzip:
Extraktion von zystenbildenden Nematoden aus Bodenproben durch einen Schwemmtest mit Hilfe des MEKU-Bodenprobenextraktors.

Probenziehung - Zystennematoden

Zur Kontrolle auf Kartoffelzystennematoden ist eine amtliche Probennahme oder Probenziehung unter amtlicher Aufsicht durch geschultes Personal vom Boden der Anbaufläche nach Stichprobenplan notwendig – siehe Amtliche Nachrichten des Bundesamtes für Ernährungssicherheit über die Methodik der amtlichen Untersuchungen (Kompendium-LW).

Bekämpfung

Vorbeugung und Bekämpfung

Kartoffelzystennematoden sind aufgrund ihrer widerstandsfähigen Zysten nur schwer zu bekämpfen. Zu beachten ist auch die Verfrachtung der Zysten durch Wind und Wasser von nicht sanierten Flächen sowie die Verbreitung durch gemeinsame Erntemaschinen usw.

Die Sanierung befallener Flächen ist nur langfristig möglich. Erfolgreiche Sanierung erfordert ein gemeinschaftliches Handeln in den betroffenen Anbaugebieten.

Vorbeugende Maßnahmen

  • Verwendung nur von amtlich anerkanntem Pflanzgut, welches aufgrund phytosanitärer Vorschriften auf Befallsfreiheit mit Nematoden kontrolliert wurde.
  • Rechtzeitige Feststellung eines Befalls durch Bodenuntersuchung auf Kartoffelzystennematoden ein Jahr vor dem geplanten Anbau (verpflichtend bei Pflanzkartoffelanbau)
  • Betriebshygiene
    Bei Nematodenbefall im Betrieb kommt der Reinigung von Bearbeitungsgeräten, Fußbekleidung und Fahrzeugen große Bedeutung zu, um eine Verschleppung der Zysten mit Erde auf weitere Flächen zu verhindern. Abfallerde vom Sortieren soll auf keinen Fall auf Ackerflächen oder auf den Misthaufen ausgebracht werden (Gefahr einer Nematodenverschleppung mit der Mistausbringung).
    Auch die Verschleppung von befallenen Pflanzen ist zu vermeiden; bei Zuckerrüben ist noch zusätzlich auf die Verschleppungsgefahr durch Seideschlamm aus der Zuckerfabrik zu achten.
  • Fruchtfolge
    Kartoffelzystennematoden sind typische Fruchtfolgeschädlinge, daher verringert eine weitgestellte Fruchtfolge das Befallsrisiko bzw. die Befallsdichte der Nematoden (z.B. Kartoffeln höchstens alle 4 Jahre auf der gleichen Fläche). Wirkungsvollste Bekämpfung ist konsequentes Aussetzen des Kartoffelanbaues für einen Zeitraum von 15 - 20 Jahren.
  • Durchwuchsbekämpfung
    Durchwachsende Kartoffeln bieten ideale Vermehrungsmöglichkeiten für die Kartoffelzystennematoden; nach der Ernte sollen liegen gebliebene Kartoffeln entfernt oder zum Ausfrieren an die Oberfläche gebracht werden.
  • Unkrautbekämpfung
    Diverse Wildpflanzen, wie z.B. der Schwarze Nachtschatten, tragen als Wirtspflanze zur weiteren Kartoffelzystennematodenvermehrung bei.

Anbau nematodenresistenter Kartoffelsorten

(vorbeugend und kurativ)

  • Der gezielte Anbau von nematodenresistenten Kartoffelsorten verhindert eine starke Befallszunahme und die Nematodendichte kann bis zu 88% nach einem Anbaujahr und bis zu 99% nach drei Anbaujahren vermindert werden.
  • Nematodenbefallene Flächen können mit dem Anbau von nematodenresistenten Sorten im Konsumanbau langfristig saniert werden.
  • Auf nematodenbefallenen Flächen dürfen gemäß der EU-Richtlinie bzw. der Verordnungen der Länder nur Konsumkartoffel mit entsprechender Nematodenresistenz angebaut werden.
  • Mittels Pathotypentest (Biotest) kann der im Feld vorhandene Pathotyp festgestellt werden.
  • (Pathotypen bzw. Virulenzgruppen: Ro1, Ro2/3, Ro4, Ro5, Pa1, Pa2/3)
  • Nematodenresistente Sorten können auch vorbeugend auf nematodenfreien Flächen genutzt werden. Der Fruchtwechsel soll weiterhin eingehalten werden, um nicht Resistenzbrecher zu selektieren.
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