Getreideschmalkäfer

Oryzaephilus surinamensis L

Zuletzt geändert: 19.03.2021
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Der Getreideschmalkäfer gehört zur Familie der Plattkäfer. Er zählt zu den Sekundärschädlingen, die aufgrund ihrer geringen Körpergröße das Mehl angebrochener Körner zu ihrer Ernährung benötigen, da sie nicht imstande sind, die intakte harte Schale von Samen anzugreifen. Der Käfer weist daher kein typisches Fraßbild auf, jedoch bemerkt man seine Anwesenheit an einem typischen, jaucheähnlichen Geruch, der bei hoher Befallsdichte in Verbindung mit einer Erhöhung der Temperatur bis zu 40°C innerhalb des Lagerguts steht.

Aussehen

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Getreideschmalkäfer
ausgewachsener Getreideplattkäfer in typischer rotbrauner Färbung
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Larve des Geteideschmalkäfers
gelblich glänzende Larve des Getreideplattkäfers

Die etwa 2,5 bis 3 mm großen, rot- bis dunkelbraun gefärbten, schlanken Käfer sind an ihrem Halsschild durch drei stumpfe Längsrippen und sechs Zähnchen an jeder Seite leicht erkennbar. Die Bewegungen der Käfer und Larven sind flink, fast ameisenartig. Die erwachsenen Käfer sind begrenzt flugfähig.

Die Larven sind 3-4 mm groß und gelblich glänzend. 

 

 

Biologie

Der Getreideschmalkäfer wird auch Getreideplattkäfer genannt und gehört wie der ebenfalls häufige Rotbraune Leistenkopfplattkäfer (Cryptolestes ferugineus) zur Familie der Plattkäfer (Cucujidae).

Die Weibchen des Getreideschmalkäfers legen bis zu 300 Eier lose zwischen Getreidekörnern ab. Die Larven durchlaufen vier (unter schlechten Bedingungen auch sechs) Stadien und verpuppen sich anschließend in einer kleinen Höhlung in der Nahrung oder in kleinen Spalten oder Ritzen des Lagers. Die Entwicklung ist zwischen 19°C und 38°C möglich. 

Unter optimalen Bedingungen (30°C und 70-80 % relativer Feuchtigkeit) dauert die Entwicklung einer Generation weniger als ein Monat, bei 24°C etwa zwei Monate. Bei Trockenheit steigt die Entwicklungsdauer und gleichzeitig sinkt die Fruchtbarkeit der Weibchen. Die Lebensdauer der erwachsenen Käfer beträgt bei normalen mitteleuropäischen Temperaturen sechs bis neun Monate. 

Temperaturen um -5°C werden einige Tage lang ertragen. Es muss daher angenommen werden, dass die Schädlinge im ungeheizten Lager überwintern können. Die Käfer wurden zwar vereinzelt im Freiland in Komposthaufen mit entsprechender Gärungswärme nachgewiesen, können aber unsere Winter im Freien normalerweise nicht überstehen.

Schadsymptome

Der Getreideschmalkäfer frisst hauptsächlich Krümel und erzeugt daher kein typisches Fraßbild. Im Getreidelager findet man ihn nur selten an der Oberfläche, sodass sein Befall oft erst sehr spät bemerkt wird. 

Bei hoher Befallsdichte kommt es durch die enorme Fraßtätigkeit von Käfern und Larven und den damit verbundenen Stoffwechselvorgängen zu einer Erhöhung der Temperatur im Lagergut auf bis zu 40°C. Anschließend siedeln sich Pilze und Bakterien an. Das Lagergut wird ungenießbar und nimmt einen jaucheähnlichen Geruch an. Durch die hohen Temperaturen im Lagergut entsteht Kondenswasser und das gelagerte Getreide beginnt an der Oberfläche auszuwachsen.

Wirtspflanzen

Der Getreideschmalkäfer und die Larven ernähren sich von verschiedenen Getreideprodukten aller Art, Mehl, Müsli, Keksen, Nüssen, und anderen kohlenhydratreichen Lebensmitteln. Er befällt aber auch ölhaltige Samen, getrocknetes Obst oder Rosinen.

Als Sekundärschädling benötigt er bereits beschädigte Samen (Bruchgetreide, angefressene Körner), wobei der Samenembryo bevorzugt gefressen wird. Für die Entwicklung der Larven sind krümelige Substrate wie Mehl besonders günstig. Die geringe Größe der Larven und der jungen Käfer sowie deren Beweglichkeit begünstigen das Eindringen in bereits verpackte Lebensmittel.

Verbreitung

In Österreich ist der Getreideschmalkäfer in Lagerhäusern, Silos mit Getreide und Futtermitteln, bäuerlichen Betrieben, lebensmittelverarbeitenden Betrieben und Haushalten anzutreffen. In Mitteleuropa kann er den Winter im Freien jedoch nicht überstehen.

Ausbreitung und Übertragung

Der Getreideplattkäfer stammt ursprünglich aus dem südamerikanischen Surinam und ist seit 1956 in Deutschland bekannt. Durch den freien Handel mit Getreideprodukten ist er wahrscheinlich bald danach auch in Österreich aufgetaucht. Da die Käfer nur sehr selten fliegen, erfolgt eine Übertragung durch mit Eiern oder Larven kontaminierte Getreideprodukte.

Wirtschaftliche Bedeutung

Der Getreideplattkäfer und seine Larven gehören zu den bedeutendsten Getreideschädlingen in der Lagerung und Verarbeitung. Wegen seiner schnellen Generationsfolge sind die Plattkäfer dort sehr gefürchtet.

Vorbeugung und Bekämpfung

  • Allgemeine Hygienemaßnahmen:
    • Periodische und gründliche Reinigung der Vorratslager
    • Schädlingsmonitoring
    • Temperaturmessung im Lagergut
    • Kühlung (10-13°C) und Trocknung des Lagerguts
    • Entsorgung von Gerümpel und Putzabfällen
    • Vernichtung bereits befallener Vorräte
    • mechanische Abhaltung der Käfer durch Abdichtung von Fenstern und Türen (Insektengitter)
    • Isolierung von Decken, Wänden und Leitungen (Vermeidung von Kondenswasserbildung)
    • Verputzen von Spalten, Rissen und porösen Wänden.

  • Gründliche Reinigung von Ernte- und Transportmaschinen sowie von Lagerräumen vor Einlagerung der Ernte
  • Verdacht oder Nachweis des Getreideschmalkäfers durch:
    • Periodische Temperaturmessung: ein Anstieg der Temperatur im Lagergut gibt Auskunft über das Vorhandensein von Vorratsschädlingen
    • Probennahme mit einem Getreidestecher
    • Siebung der Proben mit einem Durchlaufsieb
    • Geräuschmessung: Feststellung der Fraßgeräusche der Larven durch Einbringen eines empfindlichen Mikrophons in die gelagerten Vorräte

  • Bekämpfung des Getreideschmalkäfers:
    • Inerte Stäube (Kieselgur) und Kontaktinsektizide ermöglichen bei guter Verteilung im Lagergut eine erfolgreiche Bekämpfung adulter Käfer und Larven (Achtung: bereits abgelegte Eier werden nicht erfasst und führen bei Temperaturen über 19°C zu einem neuerlichen Befall!)
    • Eine sichere Abtötung gelingt mit gasförmigen Präparaten (Phosphorwasserstoff) und inerten Gasen (Stickstoff, Kohlenstoffdioxid) bei entsprechender Dichtheit der zu behandelnden Vorratslager (Achtung: vorgegebenen Dosierungen, Temperaturen und Einwirkungszeiten müssen eingehalten werden!)
    • Wärmebehandlung (60°C für drei Minuten) bzw. Kältebehandlung (unter -10°C) sind möglich, aber aufgrund des hohen Energieaufwandes nur für kleinere Partien zielführend

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