Gelbverzwergung des Getreides

Barley yellow dwarf virus

Zuletzt geändert: 01.09.2021
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Die Gelbverzwergung des Getreides ist eine Krankheit, die durch die Gelbverzwergungsviren ausgelöst wird. Dabei handelt es sich um einige der am weitesten verbreiteten Pflanzenviren. Die Infektion erfolgt über mit dem Virus infizierte Blattläuse. Symptome der Virusinfektion sind unter anderem Kleinwuchs und gelb-orange Verfärbungen der Blätter.

Biologie

Verursacht wird die Gelbverzwergung des Getreides durch die Gelbverzwergungsviren. Das ist ein Sammelbegriff für das Gerstengelbverzwergungsvirus (Barley yellow dwarf virus, BYDV) und das Getreidegelbverzwergungvirus (Cereal yellow dwarf virus, CYDV). Diese werden noch in verschiedenen Serotypen unterteilt, welche durch jeweils eine Blattlausart hauptsächlich übertragen werden. Die größten Schäden treten in früh angebauter Wintergerste auf (deshalb spricht man auch oft nur von der Gelbverzwergung der Gerste), aber auch alle anderen Getreidearten, Mais und viele Gräser-Arten, besonders Weidel-Gräser, können befallen werden. Am widerstandsfähigsten sind Roggen und Triticale.

Schadsymptome

Auffällig sind Zwergwuchs und prinzipiell Veränderungen im Erscheinungsbild der Pflanzen kombiniert mit verfärbten und teilweise deformierten Blättern. Es kommt auch zur Ausbildung von tauben Ähren. Bei früh angebautem Getreide kann man bereits im Herbst die ersten Symptome sehen. Bei Wintergerste sind die Verzwergungen stärker ausgeprägt als bei Winterweizen. Bei stark gestauchter Gerste kommt es zu einer vermehrten Bestockung und es ergibt sich ein grasähnliches Erscheinungsbild. Typisch sind auch streifige Aufhellungen zwischen den Blattadern und an den Blatträndern. Hafer und Weizen bestocken hingegen kaum und die Fahnenblätter sind rötlich-violett gefärbt. Die Gelbverzwergung tritt in der Regel nesterartig auf, es können bei starkem Befall jedoch ganze Schläge infiziert sein.

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Gelbverzwergung im Bestand
Ein Getreidefeld mit Jungpflanzen, von denen mehrere von Gelbverzwergung befallen sind
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Gelbverzwergung im Bestand
Reifes Getreide, das zu einem guten Teil gelb verfärbt ist
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Zwergwüchsigkeit an einzelnen Pflanzen
Getreidejungpflanzen, die gelb verfärbt sind und sehr klein bleiben

Wirtspflanzen

Das Virus befällt alle Getreidearten, Mais und viele Gräser-Arten, besonders Weidel-Gräser.

Verbreitung

Die Gelbverzwergungsviren sind weltweit verbreitet.

Ausbreitung und Übertragung

Die Übertragung des Barley yellow dwarf virus erfolgt durch Blattläuse. Insgesamt kennt man über 24 Blattlausarten, die als Überträger in Frage kommen, so auch die Bleiche Getreideblattlaus (Macrosiphum dirhodum). Laut Literatur benötigen die Läuse ein bis zwölf Stunden Saugtätigkeit, um das Virus von befallenen Pflanzen aufzunehmen. Nach ein bis zwei Tagen Verweildauer der Viren im Körper der Läuse kann das Virus zeitlebens von diesen Tieren übertragen werden. Die Virusübertragung erfolgt nach mehrstündigem Saugen an Pflanzen. 

Durch einfliegende Blattläuse werden die Getreidepflanzen infiziert und durch die Nachkommen dieser Blattläuse kann die Krankheit im Bestand verbreitet werden. Je länger die Läuse Zeit haben sich zu vermehren, umso größer werden die befallenen Stellen. Die Blattlauseinwanderung und -vermehrung wird durch milde und trockene Witterung im Herbst gefördert. Bedeutende Infektionsquellen sind im Herbst infiziertes Ausfallgetreide, Mais, aber auch Gräser auf Grünland, Feldrändern und Ungräser.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Gelbverzwergung des Getreides war früher vor allem im pannonischen Raum alljährlich an Wintergetreide zu beobachten. Mittlerweile kann bei anhaltender milder Witterung im Herbst in allen Getreideanbaugebieten und bei allen Getreidearten mit großen Verlusten durch diese Krankheit gerechnet werden. Stark befallene Winterungen müssen im Frühjahr meist umgebrochen werden.

Vorbeugung und Bekämpfung

  • Den besten Schutz vor Herbstinfektionen stellt ein Verzicht auf extreme Frühsaat des Wintergetreides dar. 
  • Ausfallgetreide ist vor dem Auflaufen der Winterungen sorgfältig zu bekämpfen. 
  • Pflege von Feld- und Wegrändern. 
  • Lückenloses und zügiges Auflaufen der Winterungen trägt zur Befallsminderung bei (Blattläuse fliegen bevorzugt lückige Bestände an). 
  • Sommerungen sollten, im Gegensatz zu den Winterungen, möglichst früh angebaut werden. 
  • Bekämpfung der Blattläuse durch insektizide Spritzbehandlungen im Bestand (siehe Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel)

Fachinformation

Seit 2019 wird von den Landwirtschaftskammern in Kooperation mit uns ein Getreidevirosen Monitoring durchgeführt. Interessiere Landwirtinnen und Landwirte können sich auf www.warndienst.at einen Überblick über die Virussituation in ihrer Region machen und gegebenenfalls den Anbauzeitpunkt nach hinten verschieben.

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