Gelbrost des Getreides

Puccinia striiformis

Zuletzt geändert: 31.03.2021
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Der Gelbrost des Getreides oder auch Streifenrost, ist eine Pilzerkrankung und tritt vor allem nach milden Wintern und feucht-kühler Witterung im Frühjahr auf. Ein Befall ist an den streifenförmig angeordneten gelben Pusteln, die entlang befallener Blätter gebildet werden, erkennbar.

Biologie

Der Gelbrost zählt zu den Ständerpilzen (Basidiomycota) und ist ein obligater Parasit. Dies bedeutet, dass er das ganze Jahr überlebende Wirtspflanzen benötigt, um zu überleben. Er hat einen unvollständigen Entwicklungszyklus, denn er bildet nicht alle Sporenformen aus. Bei einem Befall werden im Blattinneren entlang der Blattadern sogenannte Laufhyphen zur schnellen Ausbreitung gebildet und zahlreiche Sporenlager angelegt, die als in Streifen angeordnete Rostsporenpustel erscheinen. Daher hat der Gelbrost auch den Namen Streifenrost erhalten. 

Schadsymptome

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Gelbrost an einem befallenen Blatt
Gelbrost in Form gelber Sporenstreifen entlang eines befallenen Blattes

Auf den Blättern sind zunächst unregelmäßig verstreut leuchtend gelbe Rostpustel zu sehen, die sich im Verlauf der Krankheitsentwicklung zu zahlreichen streifenförmigen Pusteln zwischen den Blattadern entwickeln. Auch Spelzen, Grannen und Halme werden befallen, seltener die Blattscheiden. Bei sehr starkem Befall und hoch anfälligen Sorten verschmelzen die streifenförmig angeordneten Rostpustellager miteinander und bedecken größere Flächen auf den Blättern. Dies führt schließlich zu einer Notreife der Pflanzen. Im frühen Stadium tritt der Gelbrost nestartig in einem Bestand auf, von wo er sich dann ausbreitet. Vor der Reife der Pflanzen werden auf den Blattunterseiten braunschwarze Sporenlager angelegt. Diese Sporenlager bleiben sehr lange von der Epidermis bedeckt. Einige Sorten reagieren auf einen Befall auch mit untypischen chlorotischen Aufhellungen.

Wirtspflanzen

Gelbrost befällt hauptsächlich Winterweizen, Wintertriticale, Winterdurum und Dinkel sowie Gerste. Roggen wird weitaus weniger und in geringerem Ausmaß befallen. Auch an zahlreichen Grasarten kann der Gelbrost auftreten.

Verbreitung

Der Gelbrost bevorzugt feucht-kühles Klima in Nordwesteuropa, kommt aber auch in feuchteren und höher gelegenen Getreideanbaugebieten vor. Werden in Trockengebieten anfällige Sorten angebaut, kann er aber auch dort Ertragsverluste verursachen.

Ausbreitung und Übertragung

Der Gelbrost überdauert mit Hilfe von Sporen (Uredosporen) und/oder als Myzel den Winter an Ausfall- und Wintergetreide. Bei Frost sterben die Sporen ab, in strengen Wintern auch das Pilzmyzel. 

Als Besonderheit beim Gelbrost ist zu bemerken, dass die Uredosporen in ihren Sporenlagern in dünne Schleimsubstanzen eingebettet sind. Im Frühjahr werden daher durch Wind und Regen vermehrt Sporenpakete und nicht einzelne Sporen verfrachtet. Gelangt eine Spore auf eine Wirtspflanze, muss zu ihrer Keimung flüssiges Wasser vorhanden sein. Infektionen können bereits bei 0 °C stattfinden. Die Pilzsporen keimen in einem Wasserfilm bei Dunkelheit und dringen durch Spaltöffnungen in ihre Wirtspflanzen ein. Es reichen bereits relativ wenige Sporen aus, um starke Infektionen hervorzurufen. Bei 10 bis 15 °C, hoher Luftfeuchtigkeit und hoher Lichtintensität ist die Gefahr einer Epidemie am größten. Aber auch in sehr warmen bis heißen Witterungsperioden kann sich eine Gelbrostepidemie weiter entwickeln. Es muss dazu allerdings nachts Tau entstehen und die Temperaturen unter 15 °C fallen.

Beste Voraussetzungen für die Gefahr einer Gelbrostepidemie sind: Ausfallgetreide wird im Herbst infiziert, frühe Aussaat des Wintergetreides, milde Winter oder eine schützende Schneedecke, feucht-kühle Witterung im Frühjahr, Anbau anfälliger Sorten sowie eine hohe Stickstoffversorgung des Bodens.

Wirtschaftliche Bedeutung

Ertragseinbußen bis zu 50% sind möglich. Wirtschaftlich von Bedeutung ist der Gelbrost hauptsächlich bei Weizen.

Vorbeugung und Bekämpfung

  • Vorbeugend Ausfallgetreide sorgfältig entfernen
  • Anbau von zu frühen Winterungen vermeiden
  • Herbst- und Frühjahrssaaten der gleichen Getreideart räumlich möglichst weit voneinander trennen
  • Anbau weniger anfälliger Sorten
  • Eventuell auch Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (siehe Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel)

Fachinformation

Gelbrostepidemien entstehen, wenn in dem ohnehin komplexen Rassengemisch eine neue Rasse, entweder durch Mutation oder sexuelle Neukombination, auftritt. In Österreich war das von 1998 bis 2001 der Fall und wird auch seit 2013 beobachtet. Aus diesem Grund bleibt auch die Sortenresistenz teilweise nicht stabil. Es wird daher eine regelmäßige Kontrolle der Bestände auch bei als widerstandsfähiger beschriebenen Sorten empfohlen. Beim Auftreten neuer Rassen, werden diese in das Rassengemisch für die Prüfungen der spezifischen Sortenresistenz im Folgejahr aufgenommen. 

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