Feuerbrand

Zuletzt geändert: 30.04.2021

Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Feuerbrand ist eine hochinfektiöse, schwer zu bekämpfende Krankheit verschiedener Obst- und Ziergehölze aus der Familie der Rosengewächse. Der Erreger ist ein Bakterium, das bei den betroffenen Pflanzen zu einer bräunlichen bis schwarzen Färbung und dem Austritt klebrigen Bakterienschleims führt. Befallene Pflanzen können innerhalb kürzester Zeit absterben.

Schadsymptome

Blätter und Blüten befallener Pflanzen welken plötzlich und verfärben sich braun oder schwarz. Infizierte Triebe erscheinen zunächst fahlgrün, vertrocknen und färben sich braun bis schwarz. Dabei krümmen sich die Triebspitzen infolge des Wasserverlustes oft hakenförmig nach unten. Bei feuchtem Wetter treten aus den Befallsstellen weißliche, später braun werdende Tropfen klebrigen Bakterienschleims aus. Diesen findet man auch unter der Rinde frisch befallener Bäume, das Holz ist dabei meist rotbraun verfärbt und von Schleim durchsetzt, der teilweise auch aus der Rinde hervorbricht.

Gegen Ende der jährlichen Wachstumszeit kommt die Ausbreitung der Bakterien zum Stillstand. Erkrankte Rindenpartien sinken ein, wodurch zwischen krankem und gesundem Gewebe eine deutliche Grenzlinie entsteht. An den wie verbrannt aussehenden Zweigteilen bleiben während des Winters die abgestorbenen Blätter und geschrumpften Früchte hängen. Ausgangspunkt für neue Infektionen im Frühjahr bilden Bakterienabsonderungen, die aus krebsartigen Befallsstellen am mehrjährigen Holz austreten.

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Austretender Bakterienschleim an einem Trieb
Trieb mit austretendem gelblichem Bakterienschleim
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Erste Symptome am Blatt eines Apfelbaumes
braune Nekrosen an der Mittelrippe eines Apfelblattes
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Hakenförmig gekrümmter Trieb
hakenförmig gekrümmten Trieb einer befallenen Pflanze
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Infizierter Trieb ausgehend von einer Blüteninfektion
Welkende, schwarzbraune Blätter unterhalb einer abgestorbenen Blüte
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Fruchtmumie einer Birne
vertrocknete Birne und abgestorbene Blätter an einem Ast
 

Wirtspflanzen

Feuerbrand befällt verschiedene Obst- und Ziergehölze aus der botanischen Familie der Rosengewächse (Rosaceae; z.B. Apfel). Nachblüher und Junganlagen mit später Blüte sind dabei besonders gefährdet.

Verbreitung

Als Ursprungsland des Feuerbrandes gelten die USA. In Europa trat Feuerbrand erstmals in Südengland auf und wurde inzwischen in nahezu allen europäischen Ländern nachgewiesen.

Ausbreitung und Übertragung

Nach einer Übertragung auf die Triebe anfälliger Wirtspflanzen dringt der Feuerbrand-Erreger durch natürliche Öffnungen (Poren, Spaltöffnungen) oder durch Wunden ein. Die Ausbreitung des Erregers innerhalb einer Wirtspflanze erfolgt in jungen Trieben deutlich schneller als in älteren. Frühestens vier Tage nach der Infektion können erste Absterbeerscheinungen sichtbar werden. Innerhalb von zwei bis drei Wochen kann ein junger Birnbaum abgestorben sein.

Besondere Gefahren für die Weiterverbreitung der Krankheit bestehen durch:

  • Regen, Hagel, Wind (verursacht kleine Wunden)
  • Werkzeug, Schuhe, Hände, Kleidung, Reifen und Maschinen

Zur Verhinderung einer Ein- bzw. Verschleppung der Krankheit mit verseuchtem Pflanzenmaterial ist es wesentlich zu wissen, ob das Material aus einem feuerbrandfreien Gebiet stammt. Bei der Lieferung von Feuerbrandwirtspflanzen in Schutzgebiete sind strikte Anforderungen einzuhalten.

Wirtschaftliche Bedeutung

Bedroht sind sowohl der Erwerbs- als auch der landschaftsprägende Streuobstbau, sowie Baumschulen, Hausgärten und öffentliche Grünanlagen.

Vorbeugung und Bekämpfung

  • Infektiöses Material soweit als möglich bereits vor der Blüte reduzieren
  • Regelmäßige Kontrollen von Blättern, Blüten und Rinde bei trockenem Wetter 
  • Bei akutem Infektionsrisiko möglichst vermeiden:

    • Pflanzenschutzbehandlungen gegen tierische oder pilzliche Schaderreger
    • Überkronenberegnungen
    • Mechanische Ausdünnung

  • Rodung bzw. großzügiger Rückschnitt so rasch als möglich (am besten innerhalb weniger Tage nach Feststellung des Feuerbrandbefalles)
  • Größere Schnittstellen verschließen/abflammen
  • Sofortige Verbrennung der gerodeten bzw. abgeschnittenen befallenen Pflanzenteile (niemals offen liegen lassen!)
  • Verletzungen gesunder Bäume vermeiden
  • Bei starker Schleimbildung Sanierung aufschieben
  • Bei starkem Befall keine mechanischen Maßnahmen wie Formierung und Schnitt (große Verbreitungsgefahr der Bakterien)
  • Schnittwerkzeuge immer gründlich desinfizieren bzw. abflammen! 
  • In Österreich zur Bekämpfung von Feuerbrand zugelassene Pflanzenschutzmittel finden Sie im Pflanzenschutzmittelregister

Phytosanitärer Status

Erwinia amylovora ist ein unionsgeregelter Nicht-Quarantäneschädling

Fachinformation

Die AGES führt die Detektion des Feuerbranderregers in Verdachtspflanzen oder asymptomatischem Gewebe durch und koordiniert Aktivitäten zur strategischen Bekämpfung. 

Informationen zum aktuellen Infektionsrisiko finden Sie beim Warndienst der Landwirtschaftskammern Österreich oder bei den amtlichen Pflanzenschutzdienststellen der Länder.

An der AGES findet in regelmäßigen Abständen der Feuerbrand - Round - Table statt, zu dem alle in Österreich mit Feuerbrand befassten Stakeholder und Versuchsansteller/Wissenschafter eingeladen werden. Er dient zum fachlichen Austausch über alle Feuerbrandthemen, Koordination und Planung diverser Tätigkeiten und Weitergabe aktueller Forschungsergebnisse.

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