Erdmandelgras

Cyperus esculentus

Zuletzt geändert: 21.01.2021
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Das Erdmandelgras gehört zu den Sauergräsern (Cyperaceae) und wird zu den 20 „weltweit gefährlichsten Unkräutern“ gezählt.

Aussehen

Das Erdmandelgras hat einen charakteristischen dreikantigen Stängel. Die Blätter sind glänzend hellgrün und im Querschnitt deutlich v-förmig. Die Pflanze ist gänzlich unbehaart.

Die unterirdischen Ausläufer sind dünn (1 bis 2 mm Durchmesser), weich und weißlich-braun. Die Pflanze bildet etwa 1–2 cm große Knollen („Erdmandeln“) als Überdauerungsorgane. Diese sind zuerst weiß-rötlich und verfärben sich später grau-braun mit Querstreifen.

Der Blütenstand besteht aus bis zu 10 Ästen, an deren Enden zahlreiche, gelbliche bis bräunliche Ährchen sitzen.

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Das Erdmandelgras in der Blüte
Das Erdmandelgras in der Blüte
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Die Ausläufer des Erdmandelgrases sind dünn, weich und von weißlich-bräunlicher Farbe. Die Knollen werden am Ende (terminal) der Ausläufer gebildet.
Die Ausläufer (Stolonen) des Erdmandelgrases sind dünn, weich und von weißlich-bräunlicher Farbe. Die Knollen werden am Ende (terminal) der Ausläufer gebildet.

Verwechslungsmöglichkeiten

Es gibt zwei weitere Sauergräser, die auf landwirtschaftlichen Flächen lokal auftreten und ebenfalls zu Problemen führen und mit dem Erdmandelgras verwechselt werden können. Es sind die Behaarte Segge (Carex hirta) und die Knollenbinse (Bolboschoenus spp.).

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Die Behaarte Segge hat – wie der Namen bereits verrät – behaarte Blätter und kräftige unterirdische Rhizome
Behaarte Segge mit kräftigen, deutlich dickeren unterirdischen Ausläufern
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Die Knollenbinse bildet große, haselnuss- bis walnussgroße Knollen und hat einen trichterförmigen Blütenstand
Knollenbinse

Verbreitung

Die Hauptvorkommen des Erdmandelgrases befinden sich in den wärmeren Tieflandlagen der Steiermark und Kärntens: in den Bezirken Leibnitz (u.a. in den Gemeinden Sankt Johann im Saggautal, Gralla), Voitsberg (Sankt Johann-Köppling) und Südoststeiermark (Murfeld, Mettersdorf am Saßbach) sowie im Klagenfurter Becken. Vereinzelte Vorkommen (zum Teil große Populationen) gibt es auch in Oberösterreich und in Niederösterreich. Funde des Erdmandelgrases wurden auch aus Tirol (Inntal) berichtet.

Die Art wurde erstmalig 1987 bei Grafenstein/Thon in Kärnten beobachtet. Sie ist sehr wahrscheinlich mit Baumaschinen aus Italien eingeschleppt worden. In der Steiermark wurde die Art 1998 in St. Johann im Saggautal und in St. Johann ob Hohenburg beschrieben. Für diese beiden Standorte ist der Einschleppungsweg nicht bekannt.

Nach erfolgter Etablierung dieser Populationen hat sich das Erdmandelgras in den letzten Jahren radial um diese Standorte ausgebreitet. Insgesamt sind bisher mehr als 100 Funde des Erdmandelgrases erfasst worden.

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Die Verbreitung des Erdmandelgrases (Funde auf Äckern) auf der Basis von Rasterzellen (33 km2) dargestellt für den Zeitraum von 2006–2019. In einer Rasterzelle befinden sich jeweils ein oder mehrere Populationen des Erdmandelgrases.
Karte Verbreitung des Ermandelgrases in Österreich

Ausbreitung

Der Erfolg des Erdmandelgrases beruht auf einer sehr effektiven vegetativen Vermehrung. Die Knollen treiben im späten Frühjahr aus und bilden im Laufe des Sommers über unterirdische Ausläufer zahlreiche Tochterpflanzen. Gegen Ende der Vegetationsperiode werden die Spitzen zu Knollen ausdifferenziert. Aus einer einzigen Pflanze können sich im Laufe einer Vegetationsperiode hunderte Knollen entwickeln.

Eine Verschleppung der Knollen erfolgt über Erde, Ernterückstände und Pflanzgut aus bereits besiedelten Flächen. Hier werden auch größerer Distanzen überbrückt. Von großer Bedeutung ist daher die Verschleppung von Erdmaterial durch Maschinen und Geräte von Feld zu Feld.
In Mitteleuropa vermehrt sich das Erdmandelgras vorwiegend vegetativ. Samen werden zwar ausgebildet, dennoch wurden bisher noch keine Keimlinge beobachtet.

Wirtschaftliche Bedeutung

Eine frühe und rasche Etablierung und hohe Wachstumsraten sind wichtige Faktoren für die hohe Konkurrenzkraft des Erdmandelgrases. Betroffen sind vorwiegend Sommerkulturen wie Mais, Sojabohne, Ölkürbis, Hirse und Kartoffeln.

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Das Erdmandelgras in Mais
Das Erdmandelgras in Mais
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Das Erdmandelgras in Ölkürbis
Das Erdmandelgras in Ölkürbis

Vorbeugung und Bekämpfung

Eine nachhaltige Bekämpfung in der Landwirtschaft ist sehr schwierig, es gibt kaum zugelassene wirksame Herbizide und diese wirken nur auf die oberirdischen Triebe. Die Knollen überleben den Herbizideinsatz. Unterstützung bietet ein Fruchtwechsel mit stark beschattenden Kulturen (Halmfrüchte). Zur Vorbeugung der Verschleppung und somit dem Aufbau von Satellitenpopulationen ist die Reinigung von Maschinen und Geräten, die auf befallenen Äckern eingesetzt wurden, unerlässlich.

Fachinformation

Publikationen

Follak, S.; Schwarz M; (2020); Erdmandelgras – Eine Analyse der räumlich-zeitlichen Ausbreitung; Der Pflanzenarzt 73(11-12), 18–19.

Follak S.; Belz R.; Bohren C.; De Castro O.; Del Guacchio E.; Pascual-Seva N.; Schwarz M.; Verloove F.; Essl F.; (2016); Biological flora of Central Europe: Cyperus esculentus L. Perspectives in Plant Ecology, Evolution and Systematics 23, 33–51.

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