Bläulingszikade

Metcalfa pruinosa

Zuletzt geändert: 18.03.2021
Icon

Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Die Bläulingszikade ist eine invasive Art und saugt Pflanzensaft von vielen verschiedenen Wirtspflanzen. Dadurch können das Pflanzenwachstum und die Ausbildung von Früchten beeinträchtigt werden. Zusätzlich erzeugen Bläulingszikaden sehr viel Honigtau.

Aussehen

Das erwachsene Tier erreicht samt Flügeln eine Länge von etwa 8 mm. Seine Grundfarbe ist graublau, woher auch der deutsche Name rührt. Die Flügel sind teilweise von weißen Wachsflöckchen bedeckt.

Die Larven sind weißlich bis zartgrün und sind von auffallenden weißen Wachsfäden eingehüllt.

Die Eier sind länglich oval und messen etwa 0,8 mm.

caption
Bläulingszikade
erwachsene Bläulingszikade auf Pflanzentrieb
caption
Larve der Bläulingszikade
Larve mit Wachsfäden
caption
Larven der Bläulingszikade auf Essigbaum
Mehrere weiße Larven auf einem Trieb

Biologie

Die Bläulingszikade gehört zur Familie der Schmetterlingszikaden. Zur Nahrungsaufnahme sticht das Tier mit seinem Saugrüssel Leitungsbahnen der Wirtspflanzen an und saugt den darin transportierten zuckerhältigen Pflanzensaft auf. Überschüssiger Zuckersaft wird als Honigtau ausgeschieden. 

Erwachsene Zikaden fliegen von August bis in den Spätherbst und legen ihre Eier in weichen Kork oder Korkporen (Lentizellen) von Zweigen, Ästen oder Stämmen. Die Eier ragen teilweise ins Freie. Nach der Überwinterung schlüpfen daraus ab Ende Mai die Larven. Diese Larven können ausgezeichnet springen. Sie ernähren sich wie die erwachsenen Zikaden durch Saugen von Pflanzensäften. Im Zuge ihrer Entwicklung durchlaufen sie fünf Larvenstadien - in den beiden letzten sind bereits äußerliche Flügelanlagen erkennbar. Ab ca. Mitte Juli treten die erwachsenen, flugfähigen Zikaden auf. Die Bläulingszikade ist kein Überträger von Viren und Phytoplasmen.

Schadsymptome

Infolge der Saugtätigkeit kann das Pflanzenwachstum und die Ausbildung von Früchten beeinträchtigt werden. Durch die Erzeugung von Honigtau mit darauf siedelnden Schwärzepilzen (Rußtau) werden die Wirtspflanzen und deren Früchte verunreinigt und dadurch deren Qualität vermindert. An Ziergehölzen führen Häutungsreste von Larven und Wachswolle zu einer optischen Beeinträchtigung.

Von Imkern werden Bläulingszikaden sehr gerne gesehen, da bei starkem Zikadenauftreten im Spätsommer sehr viel Honigtau erzeugt wird, der in dieser trachtarmen Zeit eine vorzügliche Bienennahrung darstellt.

caption
Befall der Bläulingszikade an Kriecherl
Weiße Häutungsreste auf Blättern, Trieben und Früchten
caption
Honigtau an Wildem Wein (Parthenocissus quinquefolia)
glänzender Honigtau auf Blättern
caption
Russtaupilze auf Honigtauausscheidungen der Bläulingszikade
schwarze Rußtauflecken auf Blättern

Wirtspflanzen

Die Bläulingszikade hat einen großen Wirtspflanzenkreis. Hauptsächlich saugt sie an Gehölzen, seltener auch an krautigen Pflanzen. In Österreich wurde sie bisher an 290 Pflanzenarten festgestellt. Einige Beispiele stark betroffener Pflanzen sind: 

  • Ahorn (Acer sp.)
  • Apfel (Malus sp.)
  • Brennnessel (Urtica dioica
  • Brombeere (Rubus fruticosus)
  • Götterbaum (Ailanthus altissima)
  • Hartriegel (Cornus sp.)
  • Himbeere (Rubus idaeus)
  • Holunder (Sambucus nigra)
  • Hortensien (Hydrangea sp.)
  • Marille (Prunus armeniaca)
  • Pfirsich (Prunus persica)
  • Ribisel (Ribes sp.)
  • Robinie (Robinia pseudacacia)
  • Straucheibisch (Hibiscus syriacus)
  • Waldrebe (Clematis vitalba)
  • Wein (Vitis vinifera)
  • Wilder Wein (Parthenocissus quinequefolius)

Verbreitung

Die Bläulingszikade stammt aus Nordamerika und wurde innerhalb Europas erstmals in Italien gefunden. Sie hat sich in Slowenien und Kroatien ausgebreitet. Regional tritt sie in Frankreich, der Schweiz, Spanien, Ungarn, Serbien, Montenegro, Bulgarien, Griechenland, der Türkei und Deutschland auf. Sie wurde auch nach Südkorea verbracht.

In Österreich wurde die Bläulingszikade erstmalig in Graz (1996) gefunden und 2003 das erste Massenvorkommen in Wien festgestellt. Seither hat sich das Verbreitungsgebiet der Bläulingszikade vor allem im Osten Österreichs vergrößert und es gibt zahlreiche Vorkommen in Wien, Niederösterreich, Burgenland und der Steiermark. Funde der Bläulingszikade gibt es auch in Klagenfurt.

Ausbreitung und Übertragung

Die natürliche Ausbreitung der Zikade ist gering, es besteht jedoch das Risiko, dass sie durch menschliche Aktivitäten unbemerkt verschleppt wird.

Wirtschaftliche Bedeutung

Zu wirtschaftlichen Schäden kann es kommen, wenn die Bläulingszikade in Massen auftritt und durch ihre Wachsreste, Honigtau beziehungsweise Rußtaupilze die Vermarktungsfähigkeit von Pflanzen bzw. Früchten vermindert. In Österreich wurden bisher noch keine Schäden an Kulturpflanzen gemeldet. 

Vorbeugung und Bekämpfung

  • Vermeidung der Verschleppung: keine Transporte befallener Pflanzen, oder solcher Pflanzen, die in der Nähe stark befallener Pflanzen stehen oder gestanden sind. Das Risiko einer unbemerkten Verschleppung ist besonders hoch, da die Eier der Bläulingszikade im Rindenkork versteckt sind. 
  • Zurückschneiden von Zweigen in der kalten Jahreszeit, da sich daran die überwinternden Eier befinden. Eier werden allerdings auch an ältere Zweige und Stämme abgelegt, die nicht geschnitten werden können.
  • Spritzbehandlung mit Mitteln gegen saugende Insekten (Netzmittel erforderlich), (siehe Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel).
  • Im südeuropäischen Obst- und Weinbau (Italien, Frankreich, Slowenien, Kroatien) wird die Bläulingszikade seit einigen Jahren sehr erfolgreich auf biologische Weise bekämpft: dazu wird die aus Nordamerika stammende parasitische Zikadenwespe Neodryinus typhlocybae freigelassen.
  • In Wien wurde 2014 eine kleine Population der Zikadenwespe N. typhlocybae zu Forschungszwecken freigelassen. Zuvor war ihr Wirtstierkreis in Bezug auf heimische Zikadenarten an der AGES untersucht worden. Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigten deutlich, dass diese Zikadenwespe sehr stark auf Schmetterlingszikaden spezialisiert ist. Aus dieser Gruppe kommt in Österreich aber nur die Bläulingszikade vor. Es besteht somit kein Risiko für heimische Zikadenarten.

Fachinformation

Publikationen

Strauß, Gudrun; (2012); Environmental risk assessment for Neodryinus typhlocybae, biological control agent against Metcalfa pruinosa, for Austria; European Journal of Environmental Sciences; 2 (2) : 102-109

Kahrer, Andreas; Strauß, Gudrun; Stolz, Martina; Moosbeckhofer, Rudolf; (2009); Beobachtungen zu Faunistik und Biologie der vor kurzem nach Österreich eingeschleppten Bläulingszikade (Metcalfa pruinosa); Beiträge zur Entomofaunistik; (10) : 17-30; DEZ/2009

zur Übersicht
x