Bakterienbrand der Bohnen

Xanthomonas axonopodis pv. phaseoli

Zuletzt geändert: 19.07.2021
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Der Bakterienbrand der Bohnen wird durch das Bakterium Xanthomonas axonopodis pv. phaseoli verursacht. Auf Blättern entstehen Flecken, die wie verbrannt aussehen, wodurch diese Krankheit auch den Namen Bohnenbrand erhalten hat. Xanthomonas axonopodis pv. phaseoli ist als unionsgeregelter Nicht-Quaratäneschädling gelistet.

Schadsymptome

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Blattbefall
Bohnenblätter mit braunen Flecken
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Hülsenbefall
Bohnenhülsen mit braunen Flecken

Bevorzugt auf den älteren Blättern entstehen zunächst kleine, hellgrüne Flecken, die sich bei feuchtwarmer Witterung schnell auf bis zu zwei Zentimeter vergrößern. Diese Flecken werden schließlich braun. Sie sind von keinem oder nur einem sehr schmalen, hellen Hof umgeben. Fließen mehrere Flecken zusammen und das Blatt stirbt dabei nicht ab, sieht es wie verbrannt aus. 

Auf den Stängeln bilden sich rötliche Längsstreifen, oft finden sich auch ringförmige Befallsstellen an den Stängelknoten. Dort knickt der Stängel dann meist ab.

Die Symptome auf den Hülsen sind etwas eingesunkene, dunkelbraune oder mehrfarbig getönte Flecken. Die Flecken sind von einem rotbraunen bis ziegelroten Gewebe umgeben und trocknen schließlich ein. Bei feuchtem Wetter ist an den Befallsstellen (Blätter, Stängel und Hülsen) ein Bakterienschleim zu sehen, der im Gegensatz zum weißen Bakterienschleim der Fettfleckenkrankheit deutlich gelb gefärbt ist.

In befallenen Hülsen kommen keine Samen zur Ausbildung bzw. sind sie stark geschrumpft und runzelig. Schwach infizierte Samen zeigen keine Symptome. Eine Ausnahme dazu gibt es bei hellsamigen Sorten, bei denen eine gelbliche Verfärbung auf einen Befall schließen lässt.

Die Symptome ähneln manchmal denen der Fettfleckenkrankheit, welche durch das Bakterium Pseudomonas syringae pv. phaseolicola verursacht wird, so dass Verwechslungen nicht ausgeschlossen werden können. Ein sicherer Nachweis kann im Labor beispielsweise mittels eines ELISA-Tests durchgeführt werden.

Wirtspflanzen

Der Hauptwirt ist die Fisole (Phaseolus vulgaris), aber auch andere Leguminosen können befallen werden, so z. B. Limabohne (Phaseolus lunatus), Mattenbohne (Vigna aconitifolia) und Mungbohne (V. radiata). Helmbohne (Lablab purpureus) und Mucuna deeringiana sind möglicherweise natürliche Wirtspflanzen. 

Verbreitung

Das Bakterium kommt weltweit vor.

Ausbreitung und Übertragung

Die Bakterien dringen in die Blätter über Spaltöffnungen (Stomata) oder Wunden ein. Sie besiedeln die Zellzwischenräume und lösen schließlich teilweise die Mittellamellen der Zellwände ihrer Wirtspflanze auf. In die Stängel dringen die Bakterien über die Spaltöffnungen des Hypokotyls (Übergang von der Wurzel zum Spross) oder Epikotyls (Bereich zwischen den Keimblättern und den nachfolgenden Blättern), über das Gefäßsystem der Blätter oder über infizierte Keimblätter ein. Samen werden über das Gefäßsystem des Blütenstiels und das Samenstielchen (Funiculus) befallen.

Die Bakterien überdauern in der Samenschale. Beim Keimen der Pflanzen wandern sie in die Keimblätter und infizieren die heranwachsende Pflanze. Die Erreger können des Weiteren auf befallenem Pflanzenmaterial im Boden überdauern. Im Pflanzenbestand werden die Bakterien durch Regentropfen, Wassertropfen der Beregnungsanlagen und Insekten verbreitet. Die Bakterien können unter der Samenschale bis zu mehrere Jahre überdauern. Für die Übertragung der Krankheit hat daher auch die Samenübertragung die größte Bedeutung. Befallene Samen laufen schlecht oder oft auch gar nicht auf.

Ein stärkerer Befall ist bei kürzeren Tageslängen zu beobachten. Unter anhaltenden Regenfällen, hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen zwischen 25 und 30°C kann sich die Krankheit optimal entwickeln.

Wirtschaftliche Bedeutung

Der Bakterienbrand der Bohnen stellt in den meisten Bohnen produzierenden Regionen weltweit ein größeres Problem dar.

Vorbeugung und Bekämpfung

  • Sortenwahl: Bohnensorten zeigen eine unterschiedliche Sortenanfälligkeit gegenüber Xanthomonas axonopodis pv. phaseoli 
  • Entnahme und schadlose Vernichtung von verdächtigen und diese umgebende Pflanzen aus den Beständen 
  • Fruchtfolge: Flächen, auf denen ein Befall festgestellt wurde, erst wieder nach drei Jahren mit Bohnen bestellen. Beispielsweise brachte ein Fruchtwechsel von Mais nach Bohne in Versuchen eine Befallsreduktion um 85 %.

Phytosanitärer Status

Xanthomonas axonopodis pv. phaseoli ist als unionsgeregelter Nicht-Quaratäneschädling gelistet und wird durch bestimmtes Pflanzmaterial übertragen. Das Vorhandensein solcher Schädlinge führt zu nicht hinnehmbaren wirtschaftlichen Folgen hinsichtlich der vorgesehenen Vermarktung des pflanzlichen Materials. Die Einfuhr und die Verbringung innerhalb der EU sind deshalb für spezifisches Saat- und Pflanzgut einheitlich geregelt.

Fachinformation

Xanthomonas axonopodis pv. phaseoli ist ein aerobes, Gram-negatives Stäbchenbakterium, welches an einem Ende eine Geißel zur Fortbewegung besitzt. 

Phaseolus coccineus, P. acutifolius und Lupinus polyphyllos können nur auf künstlichem Weg mit dem Erreger des Bakterienbrandes infiziert werden. Berichte über einen Befall an Sojabohnen sind jedoch Xanthomonas axonopodis pv. glycines und jene an Ackerbohnen X. axonopodis pv. vignicola zuzuordnen. 

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