Apfelblattsauger

Cacopsylla sp.

Zuletzt geändert: 02.08.2021
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Die Apfelblattsauger sind an Apfelbäumen im Frühjahr und Sommer auftretende Insekten, die durch ihre Saugtätigkeit beträchtliche Schäden verursachen können. Sie können den Erreger der Apfeltriebsucht übertragen und bei starkem Befall die Fruchtausbildung erheblich vermindern.

Aussehen

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Sommerapfelblattsauger – Weibchen
Weibchen des Sommerapfelblattsaugers

Die Apfelblattsauger gehören zu den Pflanzenläusen (Sternorrhyncha) innerhalb der Ordnung Schnabelkerfe (Hemiptera), wo sie Vertreter der Familie Blattsauger (Psyllidae) sind. 

Es gibt drei Apfelblattsauger-Arten:

  • Sommerapfelblattsauger (Cacopsylla picta)
  • Frühjahrsapfelblattsauger (Cacopsylla mali)
  • Weißdornblattsauger (Brauner Birnblattsauger) (Cacopsylla melanoneura)

Apfelblattsauger sind etwa zwei bis vier Millimeter große Insekten mit einem Saugrüssel und vier häutigen Flügeln, die sie in Ruhestellung dachförmig angelegt haben. Da sie auch ausgezeichnet springen können, werden sie auch als Blattflöhe bezeichnet. Die erwachsenen Tiere der neuen Generation (im Sommer) sind grünlich gefärbt, erst später (zum Herbst hin bzw. im Winter und Frühling) werden sie dunkler und sind bräunlich.

Die Larven besitzen plattgedrückte Körper, sind zunächst hellgrün bis gelblich gefärbt, später orange bis dunkelbraun, und haben schildlaus-ähnliches Aussehen. Bei den älteren Larvenstadien sind kleine Flügelschuppen zu erkennen.

Biologie

Die erwachsenen Sommerapfelblattsauger und Weißdornblattsauger überwintern auf Nadelbäumen und kehren im zeitigen Frühjahr wieder auf die Apfelbäume zurück. Der Weißdornblattsauger ist schon sehr zeitig ab etwa Februar zu finden, der Sommerapfelblattsauger erst ab März/April. Im Gegensatz zu diesen beiden Arten erfolgt die Überwinterung des Frühjahrsapfelblattsaugers im Eistadium direkt auf den Apfelbäumen.

Die adulten Sommerapfelblattsauger und Weißdornblattsauger saugen an den jungen Blättern und beginnen zur Blütezeit mit der Eiablage an Blüten- und Blattstielen und Blattunterseiten. Die geschlüpften Larven, auch Nymphen genannt, saugen an jungen Trieben, Blättern, Knospen und jungen Früchten. Die Larven sind bei allen drei Arten in den Monaten April und Mai zu finden. Die geflügelten, erwachsenen Stadien treten ab Mai bis Juni und Juli auf, bevor sie wieder zu ihren Überwinterungsplätzen abwandern - ausgenommen der Frühjahrsblattsauger, der noch länger im Sommer vorhanden ist, seine Eier ab Ende August ablegt und bis September zu finden ist. Dieser macht keinen Wirtswechsel.

Im nächsten Jahr erfolgt zu Beginn des Austriebs wieder die Zuwanderung der überwinternden Individuen von Sommerapfelblattsauger und Weißdornblattsauger.

Alle drei Arten treten mit einer Generation pro Jahr auf.

Schadsymptome

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Apfelblattsauger – Entwicklungsstadien und Schadbild
Zeichnung des Apfelblattsaugers, der Entwicklungsstadien und des Schadbilds

Die adulten Blattsauger und die Larven ernähren sich von Pflanzensäften aus dem Leitgewebe (Phloem) der Pflanzen. Durch das Saugen entfalten sich die Blatt- und Blütenbüschel im Frühling nur langsam, werden bräunlich und können bei starkem Befall auch absterben. Zusätzlich produzieren die adulten Blattsauger und besonders die Larven zuckerhaltige, klebrige Ausscheidungen (Honigtau) auf den Blättern und Trieben, die als Nährboden für Rußtaupilze dienen. Dadurch sind schwärzliche Flecken als Sekundärschäden zu finden.

Wirtspflanzen

Die Wirtspflanzen der Apfelblattsauger sind Rosengewächse (Rosaceae), bevorzugt Apfel (Malus spp.) und beim Weißdornblattsauger vor allem Weißdorn-Arten (Crataegus spp.).

Verbreitung

Die Apfelblattsauger treten in Europa bis nach Russland und den asiatischen Raum auf. Der Weißdornblattsauger kommt zusätzlich noch in China und in der Mongolei vor, der Frühjahrsapfelblattsauger kommt auch noch in Japan und Korea sowie in Kanada, USA und Australien vor.

Wirtschaftliche Bedeutung

Durch die Saugtätigkeit der Apfelblattsauger welken Blüten, Blätter und junge Triebe, entfalten sich teilweise mit Verzögerung, werden braun und können auch absterben und abfallen. Daher kann bei starkem Befall auch der Fruchtansatz deutlich beeinträchtigt werden. Die durch den Honigtau der Blattsauger auftretenden Rußtaupilze bewirken einen zusätzlichen Schaden und verringern die Qualität der Früchte.

Eine große Bedeutung hat der Apfelblattsauger als Überträger (Vektor) von 'Candidatus Phytoplasma mali', dem Erreger der Apfeltriebsucht. Der Sommerapfelblattsauger ist der wichtigste Vektor dieser Phytoplasmose in Deutschland und den angrenzenden Ländern, während der Weißdornblattsauger nur in bestimmten Gebieten (z.B. NW-Italien) als Vektor festgestellt wurde. Der Frühjahrsapfelblattsauger ist bisher nicht als Überträger des Erregers bekannt. In Österreich konnten bisher keine mit 'Candidatus Phytoplasma mali' infizierten Apfelblattsauger nachgewiesen werden.

Vorbeugung und Bekämpfung

  • Während der Winterruhe und Vegetationszeit geben Klopfproben Hinweise über das Auftreten der Blattsauger; nach dem Austrieb können die Blätter auf Eier und geschlüpfte Larven hin untersucht werden (visuelle Kontrolle).
  • Austriebsbehandlungen mit Paraffinöl können einen Teil der an Stamm und Ästen überwinternden Tiere bzw. Eiern abtöten
  • Stark geschädigte Triebe abschneiden und vernichten
  • Zugelassene Pflanzenschutzmittel zum Schutz gegen Apfelblattsauger sind im Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel zu finden. Da der Honigtau die Tiere schützt, ist es günstig, Behandlungen mit hohem Druck und erhöhter Spritzaufwandmenge bzw. nach starken Regenfällen (Honigtau wird durch den Regen teilweise abgewaschen) durchzuführen. Frühzeitige Behandlungen verhindern Schäden im Sommer. Dabei sollte auch auf die Schonung der natürlichen Feinde der Blattsauger geachtet werden.
  • Die wichtigsten natürlichen Feinde der Apfelblattsauger sind Blumenwanzen (Anthocoridae), Spinnen, Marienkäfer, Ohrwürmer, Florfliegen und Zehrwespen. Der Einsatz nützlingsschonender Pflanzenschutzmittel und die Erhaltung angrenzender arten- und strukturreicher Krautstreifen und Hecken fördern diese gezielt.

Fachinformation

Publikationen

Lethmayer, C., Hausdorf, H., Suarez-Mahecha, B. & Reisenzein, H. (2011): The importance of psyllids (Hemiptera: Psyllidae) as vectors of phytoplasmas in pome and stone fruit trees in Austria– Bulletin of Insectology 64 (Supplement): 255-256.

Unsere Monitoringaktivitäten

In den Jahren 2009 und 2010 erfolgten Psyllidae-Aufsammlungen in Apfelanlagen in NÖ.

Projekte

EU-ERANET EUPHRESCO-II-Projekt APOPHYT: „Evaluation of factors determining distribution, impact, detection and characterization of fruit tree phytoplasmoses”, 01.09.2012 – 31.08.2014, Projektpartner

BIOLURE-Projekt: "Bekämpfung von Insekten mit olfaktorisch wirkenden Lockstoffen und Repellentien. Entwicklung innovativer Lockstofffallen für das Monitoring und den Massenfang von Vektoren von Phytoplasmosen an Kernobst", 01.01.2012 – 31.08.2014; Projektpartner

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