NSAID's

Zuletzt geändert: 16.06.2020

NSAID's (Non Steroidal Anti-Inflammatory Drugs)

Was sind NSAID's?

Medikamente mit entzündungshemmender (antiphlogisitischer) Wirkung kann man in zwei große Gruppen unterteilen:

Corticosteroide, deren Moleküle ein Steroid-Grundgerüst und NSAID's, deren Moleküle kein solches besitzen (daher die Bezeichnung "nicht steroidale entzündungshemmende Mittel")

Entzündliche Prozesse führen zur Bildung und Freisetzung von Stoffen, die für die Entstehung der Symptome (einschließlich Schmerz) bestimmend sind. Daher wirken viele dieser Substanzen auch schmerzlindernd (analgetisch) und fiebersenkend (antipyretisch). Eine zentrale Rolle in der Biochemie des entzündlichen Geschehens spielen Prostaglandine, Metaboliten der Arachidonsäure. Der Wirkmechanismus der beiden Gruppen von entzündungshemmenden Medikamenten ist unterschiedlich: Corticosteroide unterbinden die Synthese der Arachidonsäure, während NSAID’s eine Stufe später eingreifen, sie hemmen in den meisten Fällen die Cyclooxygenase-Aktivität, die für die Bildung der Prostaglandine verantwortlich ist.

Die chemischen Strukturen der NSAID’s sind heterogen. Die meisten können folgenden vier Klassen von Verbindungen zugeordnet werden:

  1. Salicylsäurederivate (z. B. Aspirin)
  2. Propionsäurederivate (z. B. Ibuprofen)
  3. Pyrazolderivate (Pyrazolon- und Pyrazolidindionderivate)
  4. Anilinderivate (inkl. Niktoinsäure- und Anthranilinsäurederivate)

Gesetzliche Regelung

Grundsätzlich gibt es in der Verordnung (EU) 37/2010, in der die Höchstmengen (Grenzwerte) für Tierarzneimittelrückstände in Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs festgelegt sind, keine Regelungen für Blut und Harn. Daher kann es bei diesen beiden Matrices zu keinen Grenzwertüberschreitungen kommen und nur der Nachweis von nicht zugelassenen Substanzen wie Mefenaminsäure, Phenylbutazon oder Ramifenazon beanstandet werden.
Aus diesem Grund wird ein Großteil der Untersuchungen in tierischen Geweben und Milch durchgeführt. Rückstandshöchstmengen in tierischen Geweben existieren für Carprofen, Diclofenac, Flunixin, Meloxicam, Metamizol, Tolfenaminsäure und Vedaprofen, in Milch hingegen nur für Flunixin, Meloxicam und Metamizol.

Einige NSAID’s sind aufgrund ihrer Toxizität weder für eine Routine- noch für eine Langzeitanwendung geeignet (z.B. Phenylbutazon oder Ramifenazon). Mögliche Nebenwirkungen sind Störungen der Blutgerinnung oder Tumorbildungen im Tierversuch. Es konnten daher keine Rückstandshöchstmengen für diese Stoffe festgesetzt werden. Sie gelten somit als nicht zugelassen für die Anwendung bei lebensmittelliefernden Tieren.

Untersuchungsspektrum und Analysenmethoden

Die Abteilung Tierarzneimittel, Hormone und Kontaminanten des Instituts für Lebensmittelsicherheit Wien analysiert NSAID's in diversesten Probenarten und ist auch Nationales Referenzlabor für diese Untersuchungen.

Aufgrund der großen chemischen Verschiedenheit der NSAID’s kommen für die Untersuchung zwei Analysenverfahren (betreffend Probenaufarbeitung und Messung), die unterschiedlichen Substanzen umfassen, zur Anwendung:

  1. HPLC mit massenspektroskopischer Detektion (LC/MS-MS):
    Carprofen (Propionsäurederivat)
    Diclofenac (Anthranilinsäurederivat)
    Flufenaminsäure (Anthranilinsäurederivat)
    Flunixin und sein Metabolit 5-Hydroxyflunixin (Nikotinsäurederivate)
    Ibuprofen (Propionsäurederivat)
    Ketoprofen (Propionsäurederivat)
    Meclofenaminsäue (Anthranilinsäurederivat)
    Mefenaminsäure (Anthranilinsäurederivat)
    Meloxicam (Oxicamderivat)
    Naproxen (Propionsäurederivat)
    Nifluminsäure (Anthranilinsäurederivat)
    Phenylbutazon und sein Metabolit Oxyphenbutazon (Pyrazolidindionderivate)
    Tolfenaminsäure (Anthranilinsäurederivat)
    Vedaprofen (Propionsäurederivat)
  2. HPLC mit Diodenarray-Detektion (HPLC/DAD):
    Pyrazolonderivate:
    4-Methylaminoantipyrin (Markerrückstand von Metamizol)
    Isopropylaminoantipyrin (Ramifenazon, Isopyrin)

Probenarten

Untersucht werden üblicherweise Muskel-, Nieren-, Milch- und Blutproben.

Gesetzliche Grundlagen

Verordnung (EU) Nr. 37/2010 der Kommission vom 22. Dezember 2009 über pharmakologisch wirksame Stoffe und ihre Einstufung hinsichtlich der Rückstandshöchstmengen in Lebensmitteln tierischen Ursprungs (ABl. EU Nr. L 15 vom 20.1.2010).

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