Kokzidiostatika in Eiern

Zuletzt geändert: 16.06.2020

Was sind Kokzidiostatika?

Unter dem Sammelbegriff Kokzidiostatika fallen verschiedene Arzneimitteln, die zur Verhütung und Behandlung der Kokzidiose, eine durch bestimmte Protozoen (Einzellern) verursachte Darmkrankheit, eingesetzt werden.

Die Eimeriose als wichtigste Kokzidiose, die vorwiegend beim Geflügel auftritt, manifestiert sich in blutigen, wässrigen Durchfall und Leistungsverminderung und führt bei starkem Befall zum Tod der infizierten Tiere. In der Nutzgeflügelhaltung, wo viele Tiere auf engem Raum leben, können sich die Erreger über den Kot (fäkal-orale Infektion) innerhalb weniger Tage über die ganze Herde ausbreiten und zu einer ernsthaften Gefährdung des Bestandes führen. Je höher die Tierzahl und je niedriger der Hygienestatus, umso größer ist die Infektionsgefahr, und umso eher ist von einer Verwendung von Kokzidiostatika auszugehen.

Gesetzliche Regelungen über Anwendung und Höchstwerte

Innerhalb der EU sind Kokzidiostatika als Futtermittelzusatzstoffe zur Prävention der Kokzidiose gemäß Richtlinie 70/524/EWG bzw. Verordnung (EG) 1831/2003 zugelassen.
Bei den als Futtermittelzusatzstoffe für Geflügel zugelassenen Kokzidiostatika beschränkt sich die Zulassung auf Mastgeflügel und Junghennen während der Aufzuchtphase (16 Wochen). Zur Vermeidung von Rückständen in den Eiern ist der Einsatz von Kokzidiostatika bei Legehennen nicht erlaubt. Der Grund dafür ist, dass im Ei eine mehr oder weniger starke Akkumulierung der Wirkstoffe stattfindet.
In der Verordnung (EU) 37/2010, die die Rückstandshöchstmengen von Tierarzneimitteln in Lebensmitteln tierischer Herkunft regelt und seit Anfang 2010 die Anhänge der Verordnung (EWG) 2377/90 ersetzt, ist aus der Gruppe der Kokzidiostatika lediglich für das Polyetherantibiotikum Lasalocid ein Höchstwert für Eier festgelegt. Er beträgt 150 µg/kg. 

Zusammenhang Futtermittel – Rückstände in Eiern

Für das Auftreten von unerlaubten Rückständen von Kokzidiostatika in Eiern gibt es, neben der vorschriftswidrigen Behandlung von Legehennen, einen zweiten Grund, der mit der Futtermittelproduktion in Zusammenhang steht. Bei der Herstellung von Futtermitteln mit erlaubten Kokzidiostatika-Zusätzen kann es durch das so genannte "carry over" (Verschleppung) zu einer Kontamination des unmittelbar anschließend produzierten Legehennenfutters kommen. Die Höchstgehalte an Kokzidiostatika und Histomonostatika, die aufgrund unvermeidbarer Verschleppung in Futtermitteln für Nichtzieltierarten vorhanden sein dürfen, sind seit Februar 2009 durch die Richtlinie 2009/8/EG festgelegt. Die unvermeidbare, produktionstechnisch bedingte Verschleppung in Futtermitteln kann weiter dazu führen, dass diese Stoffe in geringen Mengen als Kontaminanten in Lebensmitteln tierischen Ursprungs auftreten. Mit der Verordnung (EG) 124/2009 wurden zum Schutz des Verbrauchers Höchstgehalte für verschleppungsbedingte Rückstände von Kokzidiostatika in Eiern (und in anderen tierischen Lebensmitteln) festgesetzt.

Die Kontrolle von Eiern auf Rückstände von Kokzidiostatika

Die Kontrolle inländischer Eier auf Kokzidiostatika-Rückstände ist Bestandteil des Nationalen Rückstandskontrollplans (NRKP) für Lebensmittel tierischer Herkunft. Die zur Untersuchung einlangenden Proben werden entweder direkt beim Erzeuger oder bei den Verpackungsbetrieben gezogen, so dass im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes die Rückverfolgbarkeit der Proben zum Ursprungsbetrieb gewährleistet ist. Zur Abklärung der Ursache von positiven Befunden in Eiern wird auch das verabreichte Futtermittel untersucht.

Mit den Analysen im Rahmen des NRKPs ist die Abteilung Tierarzneimittel, Hormone und Kontaminanten des Instituts für Lebensmittelsicherheit Wien betraut. Die Abteilung ist auch Nationales Referenzlabor für diese Untersuchungen.
Weitere Untersuchungen von Eiern auf Kokzidiostatika-Rückstände werden im Rahmen von Aktionen der amtlichen Lebensmittelkontrolle oder im Verdachtsfall durchgeführt.

Untersuchungsspektrum

Das Untersuchungsspektrum für Kokzidiostatika in Eiern umfasst folgende Substanzen:
Lasalocid, Monensin, Narasin, Salinomycin, Nicarbacin, Amprolium, Diclazuril, Maduramycin, Semduramycin, Halofuginon, Decoquinat, Robenidin.

Untersuchungsverfahren

Die zur Bestimmung von Kokzidiostatika-Rückständen in Eiern angewendete Multimethode beinhaltet eine Reinigung mittels Festphasenextraktion (SPE) gefolgt von chromatographischer Trennung und massenspektroskopischer Detektion der Substanzen (LC/MS-MS).
Das Verfahren ist durch die Vermeidung von chlorierten Lösungsmitteln bei der Reinigung umweltschonend und zeichnet sich - mit substanzspezifischen Nachweisgrenzen zwischen 0,9 und 2,2 µg/kg - durch sehr hohe Empfindlichkeit aus, so dass geringste Rückstandsmengen im Ei aufgespürt werden können.

Gesetzliche Grundlagen

 

  • Richtlinie des Rates Nr. 70/524/EWG vom 23. November 1970 über Zusatzstoffe in der Tierernährung (ABl. Nr. L 270 vom 14.12.1970).
  • Verordnung (EG) Nr. 1831/2003 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. September 2003 über Zusatzstoffe zur Verwendung in der Tierernährung (ABl. Nr. L 268 vom 18.10.2003 idgF).
  • Verordnung (EU) Nr. 37/2010 der Kommission vom 22. Dezember 2009 über pharmakologisch wirksame Stoffe und ihre Einstufung hinsichtlich der Rückstandshöchstmengen in Lebensmitteln tierischen Ursprungs (ABl. EU Nr.L 15 vom 20.1.2010).
  • Richtlinie 2009/8/EG der Kommission vom 10. Februar 2009 zur Änderung von Anhang I der Richtlinie 2002/32/EG des Europäischen Parlaments und des Rates hinsichtlich Höchstgehalten an Kokzidiostatika und Histomonostatika, die aufgrund unvermeidbarer Verschleppung in Futtermitteln für nichtzieltierarten vorhanden sind (ABl. Nr. L 40 vom 11.02.2009).
  • Verordnung (EG) Nr. 124/2009 der Kommission vom 10. Februar 2009 zur Festsetzung von Höchstgehalten an Kokzidiostatika und Histomonostatika, die in Lebensmitteln aufgrund unvermeidbarer Verschleppung in Futtermittel für Nichtzieltierarten vorhanden sind (ABl. Nr. L 40 vom 11.02.2009).
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