Pyrrolizidinalkaloide

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Zuletzt geändert: 24.08.2017

Pyrrolizidinalkaloide (PA) sind Pflanzeninhaltsstoffe, die nach Einnahme die Gesundheit, insbesondere die Leber, schädigen können und sind daher in Lebens- und Futtermittel unerwünscht.

Weltweit wurden PA bisher in etwa 350 Pflanzenarten nachgewiesen. Gehäuft findet man diese innerhalb der Familien der Asteraceae (Korbblütengewächse), Boraginaceae (Raublattgewächse, Borretschgewächse) und Fabaceae (Hülsenfrüchtler). In Österreich heimische PA-bildende Pflanzen sind zum Beispiel Vertreter der Gattung Greiskraut (Synonym: Kreuzkraut; Jakobskreuzkraut, Gemeines Greiskraut, Hain-Greiskaut), Huflattich und Pestwurz aus der Familie der Korbblütler, Natternkopf, Borretsch und Beinwell aus der Familie der Raublattgewächse.

Bis dato sind mehr als 660 verschiedene PA bekannt. Das Vorkommen von Pyrrolizidinalkaloiden (PA) in Pflanzen variiert stark nach Pflanzensorte, klimatischen Bedingungen, Saison und Teil der Pflanze.

Welche Auswirkungen auf die Gesundheit durch PA sind möglich?

Tierversuche zeigten, dass der regelmäßige Verzehr von relativ kleinen Mengen (chronische Aufnahme) krebserregend sein kann. Die regelmäßige Einnahme von höheren Dosen kann außerdem zu irreversiblen Leberschäden (Leberzirrhose) und in Extremfällen auch zum Tod führen. Dabei besteht insbesondere bei Kindern, Schwangeren und Stillenden, ein Risiko einer gesundheitlichen Gefährdung.

Bei Menschen sind akute Vergiftungsfälle durch Pyrrolizidinalkaloide (PA), die in hohen Dosen aufgenommen wurden, beschrieben worden. Zum Beispiel waren 1977/1978 zwei Kleinkinder betroffen, denen eine bestimmte Art an Kreuzkraut (Senecio longilobus) über den Zeitraum von 4 bis 14 Tagen als Kräutertee verabreicht wurde. Für einen zwei Monate alten Buben endete dies tödlich. Bei einem sechs Monate alten Mädchen wurde einige Monate später eine Leberzirrhose festgestellt (BfR 2016a). Seit den 1970er Jahren sind auch Vergiftungen aus Indien, Pakistan und Afghanistan dokumentiert. In Afghanistan kam es zuletzt 2008 bei Personen zu Leberschädigungen, die 2-6 Monate lang Getreide gegessen hatten, das mit PA-haltigen Samen verunreinigt war (BfR 2016a).

Charakteristisch für eine Vergiftung sind Schmerzen im Oberbauch, Bauchwassersucht, Übelkeit und Erbrechen. Seltener können Gelbsucht und Fieber auftreten. Nach wenigen Wochen ist in der Regel eine Lebervergrößerung und -verhärtung feststellbar. Eine akute Vergiftung kann tödlich enden. Da Vergiftungserscheinungen auch erst Tage später auftreten können, wird die Ursache der Vergiftung selten erkannt.

Siehe auch AGES Information (2017): Achtung vor Verwechslungen bei Gemüse

Wie gelangen PA in Lebensmittel?

Pyrrolizidinalkaloide (PA) können durch das Miternten von PA-haltigen Pflanzenteilen und Samen (Unkraut) in die Nahrung beispielsweise in Gewürze, Tees, Blattgemüse, Salat gelangen. Auch tierische Lebensmittel wie Honig, seltener auch Milch oder Eier können PA enthalten, wenn über das Futter PA-haltige Pflanzen aufgenommen werden (EFSA 2015).
Geeignete Maßnahmen zur Vermeidung der Verunreinigung von Lebensmitteln mit Pyrrolizidinalkaloiden sind die Sorgfalt bei Anbau und Ernte von Salaten, Blattgemüsen und Kräutern sowie von Lebensmitteln vor der Vermarktung.

Gibt es gesetzliche Grenzwerte für PA?

Derzeit gibt es keine gesetzlichen Bestimmungen bzw. Grenzwerte für Pyrrolizidinalkaloide (PA) in Futter- bzw. Lebensmitteln. Im Juni 2017 hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine detaillierte Risikobewertung von PA in Lebensmitteln veröffentlicht. Auf Basis dieser Bewertung sollen auf europäischer Ebene Höchstgehalte für PA in Lebensmitteln festgelegt werden. Pflanzliche Arzneimittel dürfen in Österreich nur dann in Verkehr gebracht werden wenn durch ihre Anwendung eine maximale Tagesdosis von 1 µg PA nicht überschritten wird (AGES 2016). Gibt es

Untersuchungen zu PA in Lebensmitteln?

In einer 2015 von der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) veröffentlichten Studie wurden PA-Gehalte in insgesamt 1.105 pflanzlichen und tierischen Produkten aus sechs europäischen Ländern (Frankreich, Deutschland, Griechenland, Italien, die Niederlande und Spanien) analysiert und bewertet. In Österreich untersuchte die AGES 2016 schwerpunktmäßig PAs in Tee und Honig.

Tee:
Über 90 Prozent aller im Auftrag der EFSA untersuchten Teeproben enthielten Pyrrolizidinalkaloide (EFSA 2015). Die mittlere Konzentration im Teeaufguss lag bei 6 µg/l. Die höchsten Konzentrationen fand man in Rotbuschtee (bis zu 64 µg/l Teeaufguss). PA Gehalte in Tee schwanken jedoch mitunter sehr stark. So kommt es häufig vor, dass eine untersuchte Probe einer Teesorte (z. B. Grüntee) einer Marke gar keine PA enthält, während dieselbe Teesorte einer anderen Marke sehr hohe Gehalte aufweist.

Für Personen die regelmäßig Tee (Kräutertee, Schwarztee, Grüntee, etc.) zu sich nehmen kann ein gesundheitliches Risiko hinsichtlich einer möglichen krebserzeugenden Wirkung nicht ausgeschlossen werden (EFSA 2017). Es ist daher auf europäischer Ebene vorgesehen, Grenzwerte für PA in Tee festzusetzen, sodass Lebensmittelproduzenten ihre Produktionsabläufe entsprechend anpassen, und somit PA Gehalte längerfristig auf ein so gering wie mögliches Maß gesenkt werden können. KonsumentInnen wird empfohlen, die Sorte, beziehungsweise die Marke / den Hersteller des Tees regelmäßig zu wechseln, um so ständig zu hohe PA Belastungen zu verringern.

Um die Situation in Tees am österreichischen Markt abzubilden, hat die AGES 2016 schwerpunktmäßig 56 Proben untersucht. In 59 Prozent der Tee Proben wurden PA nachgewiesen. Verglichen mit EU weiten Untersuchungen waren Tees des österreichischen Marktes im Durchschnitt mit deutlich geringeren PA Gehalten belastet (0,4 µg/l Teeaufguss).

Nahrungsergänzungsmittel:
Nahrungsergänzungsmittel (NEM), die pyrrolizidinalkaloidbildende Pflanzen enthalten, weisen mitunter hohe Gehalte an PA auf. 60 Prozent der im Rahmen der EFSA Studie untersuchten pflanzlichen Nahrungsergänzungsmittel enthielten PA in sehr unterschiedlichen Konzentrationen (EFSA 2015). Die Einnahme solcher NEMs kann die Aufnahme an PA im Vergleich zu Aufnahme über den herkömmlichen Lebensmittelverzehr deutlich erhöhen und somit zu deutlich höheren Gesundheitsrisiken, auch im Sinne von akuten Vergiftungen, führen.

Tierische Lebensmittel:
Über die Nahrungskette können über verunreinigte Futtermittel PA auch in tierische Lebensmittel wie Milch, Milchprodukte, Eier, Fleisch und Innereien gelangen. Derzeit liegen keine Hinweise vor, dass in tierischen Lebensmitteln PA-Konzentrationen auftreten, die für VerbraucherInnen gesundheitlich bedenklich wären.

In einer 2015 durch die EFSA veröffentliche Studie, fand man PA in nur 2 Prozent von 746 Proben tierischer Lebensmittel (Milch, Milchprodukte, Eier, Fleisch, Fleischprodukte). Elf Milchproben (6 %) enthielten PA in niedrigen Konzentrationen (zwischen 0,05 und 0,17 µg/l). Nur zwei Ei-Proben enthielten Spuren von PA (0,10-0,12 µg/kg) und in anderen tierischen Produkten konnten gar keine PA nachgewiesen werden.

Honig:
Bei einer schwerpunktmäßigen Untersuchung der AGES im Jahr 2016 wurden PAs in 20 von 54 Honigproben nachgewiesen. Bei den meisten Proben lag die Konzentration unter 10 µg/kg (76 %). Die Ergebnisse der Untersuchung zeigten, dass insbesondere Honige aus nicht EU-Ländern erhöhte Gehalte an PA aufweisen. Österreichischer Honig zeigte geringere PA-Werte.

Ähnlich wie bei Tee schwanken PA Gehalte auch in Honig mitunter sehr stark. So kommt es häufig vor, dass die eine Honigsorte gar keine PA enthält, während die andere Honigsorte sehr hohe Gehalte aufweist. Wie bei Tee ist es auch bei Honig empfehlenswert, die Sorte beziehungsweise die Marke / den Hersteller regelmäßig zu wechseln. Aufgrund ihrer geringeren Körpergröße kann es vor allem bei Kindern durch erhöhten Konsum von Honig zu gesundheitlich bedenklichen Belastungen mit PA kommen. 

Welche Empfehlungen gibt es für die Ernährung um gesundheitliche Risiken zu vermeiden?

Die Hauptquellen, über die VerbraucherInnen Pyrrolizidinalkaloide (PA) aufnehmen können, sind mit PA verunreinigte Tees (Kräuter-, schwarzer und grüner Tee), Nahrungsergänzungsmittel und Honig. In diesen Lebensmitteln können PA-Mengen enthalten sein, die bei längerer Aufnahme für Kinder und Erwachsene gesundheitlich bedenklich sind. Ein akutes Gesundheitsrisiko besteht hier jedoch nicht.

  • Prinzipiell wird empfohlen auf eine abwechslungsreiche Auswahl von Lebensmitteln zu achten. Dadurch kann einer einseitigen Belastung durch möglicherweise schädliche Stoffe vorgebeugt werden.
  • Zur Deckung des täglichen Flüssigkeitsbedarfs ist am besten Trinkwasser geeignet. Kräutertee und Tee sollten nur abwechselnd mit anderen Getränken (Trinkwasser, Früchtetee, ungesüßte verdünnte Fruchtsäfte) konsumiert werden.
  • Eltern sollten daher ihren Kindern vorrangig Trinkwasser und nicht ausschließlich Kräutertee als Durstlöscher anbieten. Als Alternative zu Kräutertee und Tee können auch Früchtetees oder ungesüßte verdünnte Fruchtsäfte angeboten werden. Schwarz- und Grüntees werden generell, aufgrund des enthaltenen Koffeins, nicht für Kinder empfohlen.
  • Schwangere und Stillende sollten Kräutertees nicht regelmäßig und nicht zur Deckung des Flüssigkeitsbedarfs trinken (auch nicht Kräuter-Stilltees). Ein regelmäßiger vermehrter Konsum von Kräutertees ist mit dem Arzt/ der Ärztin abzusprechen.
  • Durch regelmäßiges Wechseln der Marke bzw. des Herstellers von Tee und Honig kann der dauerhafte Konsum hoch kontaminierter Produkte verringert werden.
  • Honig ist generell für Säuglinge im ersten Lebensjahr nicht geeignet. Honig könnte bestimmte bakterielle Sporen enthalten, die vom kindlichen Darm noch nicht bekämpft werden können (Säuglingsbotulismus).
  • Bei der Zubereitung von Salat, Blattgemüse und Kräutern sollen Pflanzenteile die keiner bekannten essbaren Pflanze zugeordnet werden können, aussortiert werden. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn wildwachsende Kräuter oder Pflanzen selbst gepflückt und verarbeitet werden.
  • Vorsicht vor Nahrungsergänzungsmitteln die PA-bildende Pflanzen wie z. B. Wasserdorst, Boretsch oder Beinwell enthalten. Der Verzehr solcher Produkte wird nicht empfohlen, da diese die Aufnahme von PA immens erhöhen könnten.

Quellen/Links:

AGES (2016). Pyrrolizidinalkaloide in Arzneimitteln. www.basg.gv.at/news-center/news/news-detail/article/pyrrolizidinalkaloide-in-arzneimitteln-1125/

BfR 2013: Analytik und Toxizität von Pyrrolizidinalkaloiden sowie eine Einschätzung des gesundheitlichen Risikos durch deren Vorkommen in Honig. www.bfr.bund.de/cm/343/analytik-und-toxizitaet-von-pyrrolizidinalkaloiden.pdf

BfR 2013: Pyrrolizidinalkaloide in Kräutertees und Tees.
www.bfr.bund.de/cm/343/pyrrolizidinalkaloide-in-kraeutertees-und-tees.pdf

BfR (2016a) Pyrrolizidinalkaloide: Gehalte in Lebensmitteln sollen nach wie vor so weit wie möglich gesenkt werden. www.bfr.bund.de/cm/343/pyrrolizidinalkaloide-gehalte-in-lebensmitteln-sollen-nach-wie-vor-so-weit-wie-moeglich-gesenkt-werden.pdf

BfR (2016b) Fragen und Antworten zu Pyrrolizidinalkaloiden in Lebensmitteln. www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_pyrrolizidinalkaloiden_in_lebensmitteln-187302.html

BMGF. Ernährungspyramide für Schwangere und Stillende. www.bmgf.gv.at/home/Oe_Ernaehrungspyramide_Schwangere_Stillende

EFSA 2011: Scientific Opinion on Pyrrolizidine alkaloids in food and feed.
www.efsa.europa.eu/en/efsajournal/doc/2406.pdf

EFSA 2015: Occurrence of Pyrrolizidine Alkaloids in food.
www.efsa.europa.eu/de/supporting/pub/859e

EFSA 2016: Dietary exposure assessment to pyrrolizidine alkaloids in the European population. www.efsa.europa.eu/de/efsajournal/pub/4572

EFSA 2017: Risks for human health related to the presence of pyrrolizidine alkaloids in honey, tea, herbal infusions and food supplements.
www.efsa.europa.eu/de/efsajournal/pub/4908

Richtig essen von Anfang an! Babys erstes Löffelchen. www.richtigessenvonanfangan.at/eltern/workshops/steiermark/babys-erstes-loeffelchen/


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