Blei

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Zuletzt geändert: 08.09.2021

Steckbrief

Beschreibung

Blei ist ein giftiges Schwermetall, das natürlicherweise in der Umwelt vorkommt, aber auch durch Emissionen der Industrie in die Umwelt gelangt. Ein großer Teil der Blei-Emissionen stammt aus anthropogenen Aktivitäten wie Bergbau und Verhüttung von Metallen, Herstellung von Batterien, Munition und Metallwasserleitungen. In der Vergangenheit wurde Blei auch in Farben und Benzin eingesetzt. Durch das Verbot von bleihaltigem Benzin fiel eine Hauptquelle für die Bleibelastung der Umwelt weg.

Vorkommen

Blei ist aufgrund von Gesteinserosionen und Vulkanismus ubiquitär (allgegenwärtig) in der Umwelt verbreitet. Blei kommt sowohl in anorganischen als auch in organischen Formen vor. Organische Bleiverbindungen wie Tetraalkyl-Blei sind giftiger als anorganische Formen von Blei. In der Umwelt liegt Blei vor allem in anorganischer Form vor, während berufsbedingt (z.B. in Betrieben, die Blei und Bleiverbindungen produzieren, veredeln, verwenden oder entsorgen) insbesondere organische Formen aufgenommen werden.
Generell kann die Aufnahme von Blei über Lebensmittel, Wasser, Luft, Boden und Staub erfolgen. Über Staub und Niederschläge gelangt Blei auf die Oberfläche von Früchten und Blättern. Aus diesem Grund sind besonders Obst und Gemüsearten, die oberirdisch wachsen und die eine große Oberfläche haben, mit Blei verunreinigt. Über bleihaltige, pflanzliche Futtermittel kann Blei auch in tierische Lebensmittel gelangen. Kleinkinder und Kinder können zusätzlich über Hausstaub und Bodenpartikel bedeutende Mengen an Blei aufnehmen. Eine weitere Aufnahmequelle kann bleihaltiges Trinkwasser darstellen, wobei Bleirohre in älteren Wohnhäusern jedoch zunehmend ausgetauscht werden.

Gesundheitsrisiko

Die Aufnahme von Blei erfolgt hauptsächlich über den Verzehr von verunreinigten Lebensmitteln. Die Hauptquellen für die Aufnahme von Blei bei Erwachsenen stellen vor allem Wurst- und Fleischwaren sowie Gemüse und Gemüseerzeugnisse inklusive Pilze dar. Bei Kindern tragen auch Frucht- und Gemüsesäfte sowie Nektare maßgeblich zur Gesamtaufnahme von Blei bei.

Nach der Aufnahme von Blei über die Nahrung gelangt es über den Magen-Darm-Trakt ins Blut. Im Blut ist Blei zu einem Großteil an das Hämoglobin der roten Blutkörperchen gebunden und wird in Leber, Nieren und Gehirn angereichert. Die Resorptionsrate (Anteil eines Stoffs, der über den Magen-Darmtrakt aufgenommen wird und in die Blut-/Lymphbahn gelangt) löslicher Bleiverbindungen scheint bei Kindern höher zu sein als bei Erwachsenen.

Blei kann sich im Körper vor allem im Skelettknochen anreichern. Aus dem Skelett wird es allmählich wieder in die Blutbahn freigesetzt, insbesondere bei Veränderungen des Calciumstatus während der Schwangerschaft, in der Stillzeit und bei Osteoporose, wo es zu einer Knochendemineralisierung kommt. Die Halbwertszeit für anorganisches Blei im Blut beträgt ca. 30 Tage und in Knochen zwischen 10 und 30 Jahren.

Typische Anzeichen einer akuten Vergiftung durch Blei sind Darmkoliken. Diese treten bei einer sehr hohen Aufnahme von Blei, insbesondere bei hoher berufsbedingter Exposition (z.B. in Betrieben, die Blei und Bleiverbindungen produzieren, veredeln, verwenden oder entsorgen) auf und führen zu Symptomen wie Bauchschmerzen, Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit. Da Blei lange im Körper verbleibt, ist die langfristige giftige Wirkung von größerer Bedeutung.

Bei einer chronischen Aufnahme von anorganischem Blei über die Ernährung können verschiedene Organsysteme, vor allem jedoch das Zentralnervensystem, betroffen sein. In einer Reihe von Studien wurde auch ein Zusammenhang zwischen Bleikonzentration im Blut, erhöhtem systolischen Blutdruck und chronischen Nierenerkrankungen bei relativ niedrigen Blutbleiwerten identifiziert.

Situation in Österreich

Höchstgehalte für Blei sind für diverse Lebensmittelgruppen in der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 idgF. geregelt. Im August 2021 wurde die Verordnung (EU) 2021/1317 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 hinsichtlich der Höchstgehalte an Blei in bestimmten Lebensmitteln veröffentlicht. Um die ernährungsbedingte Exposition gegenüber Blei in der Europäischen Union zu verringern, wurden einige bereits geltende Höchstgehalte für Blei gesenkt und zusätzliche Höchstgehalte für Lebensmittel festgelegt.

Neben den auf europäischer Ebene geregelten Höchstgehalten sind in Österreich zudem für einige Warengruppen, für die keine Höchstgehalte festgelegt sind, Aktionswerte definiert. Diese sind in dem Erlass BMSGPK-2021-0.359.197 vom 5.7.2021 idgF. ersichtlich.

Im Rahmen der amtlichen Kontrolle werden die geregelten Produktgruppen auf die Einhaltung der gesetzlichen Blei-Höchstgehalte kontrolliert. Um einen aktuellen Überblick über die Belastung der am österreichischen Markt befindlichen Produkte pflanzlicher und tierischer Herkunft zu erhalten, wurden im Jahr 2020 411 Proben im Rahmen einer erweiterten Untersuchung von Planproben über das gesamte Warenspektrum verteilt auf Blei untersucht.  Von den 411 Proben in diversen Lebensmittelgruppen (Brot/Gebäck, Getreideerzeugnisse, Gemüse, Käse/-zubereitungen, Milch, Obst, pflanzliche Öle, Pökel- und Räucherfleisch, Eier, Tee, Würste und Zucker) lagen 179 Proben unter der Bestimmungsgrenze. Während 84% der Zuckerproben unterhalb der Bestimmungsgrenze lagen, gefolgt von Milch (67%) und pflanzlichen Ölen (64%), wurde Blei in allen Proben von Käse/-zubereitungen sowie in 93% der Teeproben über der Bestimmungsgrenze gemessen. In Tee wurden mit einem mittleren Gehalt von 290 µg/kg (Minimum 0,7 µg/kg; Maximum 1300 µg/kg) die höchsten Bleikonzentrationen bestimmt, gefolgt von Würsten (ausgenommen Wild- und Geflügelwürste) mit einem Mittelwert von 23,7 µg/kg sowie Käse und Käsezubereitungen mit einem durchschnittlichen Gehalt von 12,3 µg/kg. Es ist allerdings darauf hinzuweisen, dass im Zuge der Zubereitung von Tee durch die Zugabe von Wasser eine Verdünnung erfolgt, wodurch die enthaltenen Bleikonzentrationen im verzehrsfertigen Getränk deutlich reduziert werden. Die niedrigsten mittleren Bleigehalte wurden in Milch (0,8 µg/kg) und Zucker (2,9 µg/kg) festgestellt.

Tipps

  • Es wird empfohlen, Lebensmittel mit höheren Gehalten an Blei seltener oder in geringeren Mengen verzehren.
  • Einer abwechslungsreichen Mischkost den Vorzug geben und eine einseitige Ernährung mit einseitiger Lebensmittelauswahl vermeiden.
  • Um Blei von der Oberfläche von Obst und Gemüse zu entfernen, sollten diese gründlich gewaschen werden.

Fachinformation

Expositionsabschätzung 2013

Von 2007 bis 2011 haben wir insgesamt 2619 Lebensmittelproben aus dem österreichischen Handel auf Blei untersucht. Die höchsten durchschnittlichen Konzentrationen mit 627 μg/kg Blei wurden in der Lebensmittelgruppe „Besondere Nahrungsmittel“ gefunden, zu denen u.a. Nahrungsergänzungsmittel und diätetische Lebensmittel gehören. In allen anderen untersuchten Lebensmittelgruppen wurden deutlich niedrigere Gehalte mit bis zu 169 μg/kg ermittelt. Eine Überschreitung der europäischen Höchstgehalte wurde bei insgesamt 6 Proben Nahrungsergänzungsmittel festgestellt.

Die Expositionsabschätzung hat gezeigt, dass die durchschnittliche ernährungsbedingte Exposition gegenüber Blei für Frauen 0,11 µg/kg Körpergewicht/Tag, für Männer 0,12 µg/kg Körpergewicht/Tag und für Kinder 0,14 µg/kg Körpergewicht/Tag beträgt. Die Exposition von Vielverzehrerinnen und Vielverzehrern ist bei Frauen, Männern und Kindern sehr ähnlich. Es wurden Aufnahmemengen von 0,29 µg/kg Körpergewicht/Tag (Frauen, Kinder) und 0,30 µg/kg Körpergewicht/Tag (Männer) abgeschätzt.

Während bei Erwachsenen vor allem Wurst- und Fleischwaren sowie Gemüse und Gemüsezubereitungen inkl. Pilze maßgeblich an der Gesamtaufnahme von Blei beteiligt sind, stellen für Kinder insbesondere Frucht-, und Gemüsesäfte sowie Nektare die Hauptaufnahmequellen für Blei dar.

Sowohl die Aufnahmemengen von Durchschnittsverzehrerinnen und Durchschnittsverzehrern als auch jene von Vielverzehrerinnen und Vielverzehrerinnen lagen unter den toxikologischen Referenzwerten. Auf Grundlage der verfügbaren Daten wurde das Gesundheitsrisiko für die österreichische Bevölkerung durch die Aufnahme von Blei über die Nahrung daher als gering angesehen.


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