Beschreibende Sortenliste (BSL)

Zuletzt geändert: 08.04.2019

Österreichische Beschreibende Sortenliste (BSL)

Die "Beschreibende Sortenliste" gibt komprimiert und umfassend das Wissen über den "Landeskulturellen Wert" von Nutzpflanzensorten für die Ernährung und technische Nutzung wider. Die agronomischen Eigenschaften, Krankheitstoleranzen sowie Ertrags- und  Qualitätsmerkmale von Sorten der wichtigsten heimischen landwirtschaftlichen Kulturarten werden unter verschiedenen österreichischen Umwelten für die Verwertung des Erntegutes für Lebens- und Futtermittel und für technische Zwecke mit dem „Landeskulturellen Wert“ beschrieben. Die Verfügbarkeit umfassender objektiver Daten zu diesen Pflanzensorten trägt auch zur Sorten-Biodiversität im Zuge einer optimierten standortangepassten Auswahl durch die Landwirte bei. Diese differenzierte Bewertung in den verschiedenen regionalen Umwelten gibt den Landwirten in den verschiedenen klimatischen Regionen Österreichs mit der "Beschreibenden Sortenliste" ein Werkzeug für die optimierte Sortenwahl zur Hand. Die hohe Akzeptanz und damit die Wirkung der "Beschreibenden Sortenliste" wird durch herausragende Zugriffszahlen auf der BAES-Homepage ausgedrückt.


Dieses Informationsangebot der BSL über neue – aber auch schon bewährte Sorten – wird durch die AGES über die Fachpresse, die Feldbauratgeber in Zusammenarbeit mit den Landwirtschaftskammern und über das Internet an die interessierten Landwirte herangetragen. Neben dem Ertragspotential der Sorten kommt den Qualitäts-, den Toleranz- und pflanzenbaulichen Eigenschaften in verschiedenen Umwelten ein besonderer Stellenwert für eine nachhaltige und umweltschonende Pflanzenproduktion zu. Allein bei Winterweizen wird die Resistenz der Sorten gegenüber neun verschiedenen Pflanzenkrankheiten unter natürlichen und auch künstlich infizierten Bedingungen bewertet.


Durch die gezielte Sortenwahl auf Grund dieser mehrjährigen objektiven Daten aus der Sortenzulassung und darauf folgenden vergleichenden Sortenversuchen sowie durch die Fruchtfolgestellung und Sorten-Biodiversität der jeweiligen Kulturpflanzenart kann der Landwirt zumeist den Pflanzenschutzmittel-Aufwand maßgeblich reduzieren oder überhaupt vermeiden. Derart optimierte Fruchtfolgen ermöglichen die Ausbringung reduzierter Düngermengen ohne Ertragseinbußen, eine höhere Stickstoff-Effizienz, eine damit geringere Produktion von klimaschädigenden Treibhausgasen sowie die Vermeidung der Nitrat-Belastung von Grundwasser und Oberflächengewässer. Die weitgehende Ausschöpfung des hohen und stabilen Ertragspotentials und des Zuchtfortschrittes neuer Sorten – ca. 1 % Ertragsplus/Jahr – liefert zudem einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherung. Durch die Verwendung von toleranteren Sorten eröffnet sich einerseits die Reduzierung des Pflanzenschutzmittel-Aufwandes und andererseits kann dadurch die pilzliche Kontamination des Erntegutes und deren Schadstoffgehalt verringert werden. Damit wird die unerwünschte Belastung von Nahrungs- und Futtermitteln mit Mykotoxinen deutlich verringert. Die auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Integrierte Pflanzenproduktion auf Basis einer bewussten und kritischen Sortenwahl ist somit ein wesentlicher Beitrag zur Ernährungssicherheit und Ernährungssicherung einerseits und der Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft andererseits.


Für die Züchter und Antragsteller von Sorten der wichtigsten landwirtschaftlichen Kulturarten wie Getreide (Weizen, Gerste, Hafer, Roggen, Triticale), Körnermais, Zuckerrübe, Körnerleguminosen (Sojabohne, Erbse, Ackerbohne), Futtergräsern und Futterleguminosen etc. bestimmt die Sortenzulassung das damit einhergehende EU-weite Vermarktungsrecht. Die Prüfung des „Landeskulturellen Wertes“ erfolgt in einer umfangreichen zwei- bis dreijährigen Wertprüfung in verschiedenen Umwelten in Österreich. Im EU-Sortenkatalog (geprüft von Finnland bis Cypern) sind mit Stand 2015 ca. 20.000 Sorten gelistet und damit für die österreichischen Landwirte grundsätzlich verfügbar. Aus dieser Grundgesamtheit werden jene Sorten selektiert und unter den österreichischen Umwelt- und Produktionsbedingungen durch die AGES bzw. das Bundesamt für Ernährungssicherheit geprüft, sodass die 945 standortangepassten Sorten der Österreichischen Beschreibenden Sortenliste 2016 höchste Produktions- und Produktsicherheit sowie Umwelt- und Produkt-Qualität ermöglichen.


Besonders für den Landwirt ist die vergleichende Sortenbewertung und -beschreibung und die daraus ersichtliche bestmögliche Eignung für seinen Betrieb eine wertvolle Grundlage von betriebswirtschaftlicher Relevanz. Der große Bedarf nach dem AGES-Informationsangebot auf dem Sortensektor für landwirtschaftliche Kulturarten spiegelt sich auch in den steigenden Zugriffzahlen der Beschreibenden Sortenliste wider. In der Entscheidungsphase der Sortenwahl konnten vor dem Frühjahrsanbau (Februar 2016) über 25.000 Zugriffe, vor dem Herbstanbau (September 2015) fast 12.000 Zugriffe und fast 2500 Zugriffe auf den interaktiven „Sortenfinder“ von Beratern und Landwirten auf die Sortentabellen sowie Diagramme der Österreichischen Beschreibenden Sortenliste registriert werden.


Das AGES-seitige Informations-Angebot der „Beschreibenden Sortenliste“ wird laufend einer Evaluierung und Verbesserung unterzogen. Die objektive Datenlage zu Kulturpflanzen-Sorten und deren Saatgut schafft auf den vorhandenen Produktionsgrundlagen Boden und den klimatischen Umwelten, von Düngung und Pflanzenschutz die Chance und Voraussetzung einer nachhaltigen integrierten Pflanzenproduktion und Landbewirtschaftung.

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