EU-Pflanzenschutzpolitik oder Ernährungssicherheit bzw. Ernährungssicherung?

1. Warum Pflanzenschutzmittel ?

Die Konsumenten erwarten sich sichere, gesunde und qualitativ hochwertige Lebensmittel in einem ausreichendem Angebot. Gesunde Pflanzen und Pflanzenbestände sind die Basis für die Erzeugung sicherer, hochwertiger und gesunder Lebens- und Futtermittel sowie von Rohstoffen.
Die Landwirtschaft in Österreich hat sich der Strategie des integrierten Pflanzenschutzes sowie dem Biolandbau, einer nachhaltigen, umweltschonenden und optimierten Anwendung von Pflanzenschutzmitteln verpflichtet. Die Prämisse im österreichischen Programm zum integrierten Pflanzenschutz ist es ausgewählte Pflanzenschutzmittel zielgerichtet und auch nur dann einzusetzen, wenn keine anderen Maßnahmensetzungen einen ausreichenden Schutz der Kulturpflanzen gewährleisten. Pflanzenkrankheiten, tierische Schädlinge und die Konkurrenz mit unerwünschten, nicht selten giftigen Pflanzen gefährden die Kulturpflanzen und das Erntegut. 

Pflanzenschutzmittel sind unverzichtbare Betriebsmittel in der Landwirtschaft, im Gartenbau und in der Forstwirtschaft. Sie tragen substantiell dazu bei der wachsenden Weltbevölkerung den Zugang zu ausreichender und ausgewogener Ernährung in entsprechender Qualität sowie mit Rohstoffen zu sichern.

2. Zulassung, Überwachung, Kontrolle Pflanzenschutzmittel

Pflanzenschutzmittel unterliegen einerseits einem wissenschaftsbasierten Zulassungsprozeß und andererseits der Kontrolle in der Vermarktung und der Anwendung.

Pflanzenschutzmittel werden gem. § 7 des Pflanzenschutzmittelgesetzes nur zugelassen, wenn keine unmittelbaren oder mittelbaren schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier, keine unannehmbaren auf die Umwelt und die zu schützenden Pflanzen und Pflanzenerzeugnisse haben. Das österreichische Pflanzenschutzmittelgesetz fordert auch die Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln.

Pflanzenschutzmittel im Zulassungsverfahren:

  • Toxikologischen Bewertung: bei sachgerechter Anwendung von Pflanzenschutzmitteln darf es zu keiner Gesundheitsgefährdung von Verbraucher, Anwender oder zufällig beteiligter Dritte kommen. ADI-Wert (acceptable daily intake), ARfD-Wert (akute Referenzdosis) und AOEL-Wert (acceptable operator exposure level) werden im Zulassungsverfahren geprüft.
  • Rückstandsverhalten: Verhalten / Metabolismus eines Pflanzenschutzmittels in Pflanzen, in Tieren, im Boden, Einfluss von Verarbeitungsprozessen, mögliche Belastungen von Lebens- und Futtermittel und deren Risikobewertung insbesondere Höchstmengen für Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln (EU-harmonisierte Höchstwerte in der VO (EG) Nr. 396/2005 ab 1.9.2008) werden ermittelt. 
  • Umweltverhalten und Ökotoxikologie: Verbleib (Persistenz), Verhalten und Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln und deren Abbauprodukte auf die Umwelten Boden, Luft, Wasser, auf Nichtzielorganismen wie Bienen, Regenwürmer, Fische, Säugetiere wird geprüft.
  • Physikalisch-chemische Eigenschaften: Identität und Zusammensetzung, Eigenschaften wie Dampfdruck, Schmelzpunkt, Haltbarkeit, Applikationsverhalten welche auch Grundlage für die toxikologische, die ökotoxikologische und die Rückstandsbewertung sind.
  • Wirksamkeit und Phytotoxizität: der zu bekämpfende Schadorganismus soll auf ein vertretbares Maß (auch Schadschwellen) zurückgedrängt werden, die behandelten Kulturpflanzen und deren Produkte sollen nicht geschädigt werden; die geringst wirksame Menge ist das Ziel, Resistenzmanagementmaßnahmen werden festgelegt.

Kontrolle von Pflanzenschutzmitteln

  • Kontrolle der Inverkehrbringung: u.a. ob zugelassen, richtig gekennzeichnet, gefälscht, Auslauffristen
  • Kontrolle der Anwendung: u.a. ob zugelassen, richtige Anwendung, Lagerung, gute landwirtschaftliche Praxis – auch in Marktordungs- und Umweltprogrammen (Cross Compliance, ÖPUL)

3. Adaptierung des Pflanzenschutzmittelrechtes in der EU, Cut Off-Kriterien im Anhang II

Adaptierung des EU-Pflanzenschutzmittelrechtes (EU-VO-PSM–NEU, Ersatz für RL 91/414/EWG (Inverkehrbringen von PSM, Wirkstoffe) und RL 79/117/EWG (Verbot des Inverkehrbringens und der Verwendung von PSM mit bestimmten Wirkstoffen) mögliche Auswirkungen CUT-OFF Kriterien.

  • Zielsetzungen der neuen Rechtsnorm wie u.a. Harmonisierung der Regeln für die Genehmigung und Inverkehrbringung, der Prüfung (insbesondere Kriterien) von Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen und PSM, die verbesserte Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln in den Mitgliedstaaten und der Erhalt sowie Verbesserung des Schutzniveaus (Vorrang) für Mensch, Tier und Umwelt sowie der Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft in der EU sind unbestritten.

Ziele der VO: u.a. hohes Schutzniveau für die Gesundheit von Mensch und Tier sowie Umwelt; Verbesserung der Funktion des Binnenmarktes; Wettbewerbsfähigkeit der chemischen Industrie und der Landwirtschaft in EU; Harmonisierung der Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmittel für Landwirte; mehr Transparenz; Vermeidung der Wiederholung von Tierversuchen; Aktualisierung der Verfahren Definition der Aufgaben der EFSA.

  • Derzeit sind von den 936 Altwirkstoffen 189 und von 144 Neuwirkstoffen 82 in den Anhang I aufgenommen.
  • 695 bzw. 9 wurden NICHT aufgenommen und 52 bzw. 53 sind noch zu entscheiden.
  • 2009 verbleiben ca. 350 alte und neue Wirkstoffe im Anhang I
  • Cut-off Kriterien für die Prüfung von Wirkstoffen für Anhang I (Positivliste): führen zur Harmonisierung + Transparenz ABER auch SUBSTANTIELLEM Einfluß auf die Verfügbarkeit von Wirkstoffen (Wirkstoffgruppen) und damit Pflanzenschutzmittel – betreffend (damit Verlust von Wirkstoffen):
  • u.a. CMR-Stoffe (carzinogen-mutagen-reproduktionstoxisch) in Kategorie 1 (Effekte beim Menschen nachgewiesen) und 2 (beim Tier nachgewiesen, Mensch relevant): gefahrenbasiert (nicht risikobasiert)
  • u.a. Schädigung des endokrinen Systems

Risiko des Verlustes von Wirkstoffen und Pflanzenschutzmittel und noch abzuschätzende Lücken in der Verfügbarkeit;

  • Erfordernis eines impact assessment bzw. analysis (für Haupt- und Nebenkulturen)
  • Erfordernis einer FO-, Innovations- und Beratungsstrategie für die Landwirtschaft zur Minderung des Risikos mangelnder Verfügbarkeit hochwertiger gesunder Lebens- und Futtermittel sowie Nutzung der Produktionspotentiale (Rohstoffverfügbarkeit u.a. Biomassenutzung für erneuerbare Energien und industrielle Rohstoffe).
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