Yersinien - Pest

Yersinia pestis

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Zuletzt geändert: 10.12.2018
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Die Pest (lateinisch pestis: Seuche) ist eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Yersinia pestis hervorgerufen wird. Eine Infektion führt zunächst zu Symptomen wie bei einer schweren Grippe, dann schwellen Lymphknoten zu dicken Beulen (= Beulenpest) an. Bei früher Diagnose sind die Heilungschancen durch Antibiotika sehr hoch. Im fortgeschrittenen Stadium kann eine unbehandelte Beulenpest zur Lungenpest führen. Bei der oft tödlich verlaufenden Lungenpest kann dann auch eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung stattfinden. Diese akut verlaufende Lungenentzündung kann durch Tröpfchen aerogen übertragen werden und sich rasch ausbreiten. Sie führt unbehandelt schnell zum Tod. Seit Ende August 2017 gibt es in Madagaskar einen humanen Pest-Ausbruch mit bisher 560 Erkrankungsfällen und einem hohen Anteil an Lungenpest. Die Sterblichkeit liegt bei 10,1 %.

Wildlebende Nagetiere und deren Flöhe bilden das natürliche Erregerreservoir von Yersinia pestis. Der Erreger wird meist durch infizierte Flöhe von Ratten oder – im Westen der Vereinigten Staaten – von Erdhörnchen und Präriehunden auf den Menschen übertragen. Der Wild- und Haustierbestand der Europäischen Union ist frei von Pestbakterien.

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Die Pest (lateinisch pestis: Seuche) ist eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Yersinia pestis hervorgerufen wird. Eine Infektion führt zunächst zu Symptomen wie bei einer schweren Grippe, dann schwellen Lymphknoten zu dicken Beulen (= Beulenpest) an. Bei früher Diagnose sind die Heilungschancen durch Antibiotika sehr hoch. Im fortgeschrittenen Stadium kann eine unbehandelte Beulenpest zur Lungenpest führen. Bei der oft tödlich verlaufenden Lungenpest kann dann auch eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung stattfinden. Diese akut verlaufende Lungenentzündung kann durch Tröpfchen aerogen übertragen werden und sich rasch ausbreiten. Sie führt unbehandelt schnell zum Tod. Seit Ende August 2017 gibt es in Madagaskar einen humanen Pest-Ausbruch mit bisher 560 Erkrankungsfällen und einem hohen Anteil an Lungenpest. Die Sterblichkeit liegt bei 10,1 %.

Wildlebende Nagetiere und deren Flöhe bilden das natürliche Erregerreservoir von Yersinia pestis. Der Erreger wird meist durch infizierte Flöhe von Ratten oder – im Westen der Vereinigten Staaten – von Erdhörnchen und Präriehunden auf den Menschen übertragen. Der Wild- und Haustierbestand der Europäischen Union ist frei von Pestbakterien.

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Vorkommen

In Österreich ist seit 1945 kein einziger Fall von Pest festgestellt worden. Das Risiko der Einreise einer mit Pest infizierten Person nach Österreich wird als sehr gering angesehen; das Risiko, dass ein hoch-ansteckender Patient (also einer mit Lungenpest) einreist, ist wegen der kurzen Zeit zwischen Ansteckung und dem ersten Auftreten von Krankheitszeichen (Inkubationszeit) noch geringer. Grundsätzlich kann allerdings nicht ganz ausgeschlossen werden, dass im Einzelfall eine infizierte Person in der Inkubationszeit auch nach Österreich reisen könnte und sodann auch einzelne Sekundärinfektionen im engen Umfeld solcher Personen auftreten. In einem funktionierenden Gesundheitssystem ist nicht mit einer weiteren Ausbreitung der Erkrankung zu rechnen.

Unter Tieren ist die Pest gegenwärtig noch in vielen Ländern Afrikas (z. B. Uganda, Madagaskar, Demokratische Republik Kongo), Amerikas und Asiens verbreitet. In Australien existieren keine Verbreitungsgebiete. Seit Ende August 2017 gibt es in Madagaskar einen humanen Pest-Ausbruch. Kleinere Ausbrüche der Beulenpest sind für Madagaskar nicht ungewöhnlich. Die jetzige Epidemie ist jedoch bedeutend heftiger und die Mehrheit der Erkrankungen waren zudem Fälle der leicht übertragbaren Lungenpest.

In den USA (insbesondere den südwestlichen Bundesstaaten wie New Mexico, Arizona, Kalifornien und Colorado), werden beim Menschen jedes Jahr circa 5 bis 15 Fälle von Beulenpest diagnostiziert. Obwohl 20 % dieser Fälle zur sekundären Lungenpest führen, wurde in den USA seit 1924 keine einzige Mensch-zu-Mensch Übertragung (= primäre Lungenpest) dokumentiert. Bislang wurden in den USA jedoch fünf Fälle von primärer Lungenpest dokumentiert, die auf Katze-zu-Mensch-Übertragung zurück zu führen waren. Da auch betroffene Tiere erkranken und verenden, gelingt der Erregernachweis bei Wild- und Haustieren manchmal noch bevor Menschen betroffen sind. Dieses Vorgehen hat sich in den USA bewährt, wo wiederholt ganze Nationalparks wegen Pestfällen bei Erdhörnchen oder Präriehunden aus Sicherheitsgründen vorübergehend geschlossen wurden.

Übertragung

Bei der Beulenpest und Pestsepsis ist eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch extrem selten: Die Übertragung der Pest-Bakterien erfolgt vor allem durch den Stich infizierter Flöhe. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wäre in diesem Fall über Körperflüssigkeiten (z. B. durch die Bubonenflüssigkeit bei der Beulenpest) möglich. Eine Infektion des Menschen kann auch durch Kontakt mit infizierten Tieren erfolgen, z. B. wenn ein Jäger beim Abhäuten von infizierten Tieren in Kontakt mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten des Tieres in Kontakt kommt.

Weitaus gefährlicher wird die Situation, wenn eine unbehandelte Beulenpest zur Lungenpest fortschreitet: In diesem Fall ist eine aerogene Übertragung (= Übertragung durch infektiöse Tröpfchen) durch den an Lungenpest erkrankten Menschen oder durch das erkrankte Tier möglich.

Symptome

Bei der klinischen Symptomatik lassen sich je nach Stadium/Schweregrad/Verlauf folgende Formen unterscheiden:

Bubonenpest (Beulenpest):

Am häufigsten wird die Krankheit im Stadium der Bubonenpest diagnostiziert. Üblicherweise beträgt die Inkubationszeit nach einem infektiösen Flohbiss 2-5 Tage, sie kann aber zwischen wenigen Stunden bis zu zwölf Tagen variieren. Erste Symptome wie Schüttelfrost und ein rapider Temperaturanstieg auf oft über 40 °C treten plötzlich auf. Die Lymphknoten im Bereich der Flohbiss-Stelle schwellen an (1-10 cm) und bilden die typischen Beulen. Es kommt zu Hautveränderungen in der Region der befallenen Lymphknoten, wie Pusteln oder auch kleine Geschwüre. Unbehandelt führt die Bubonenpest in mehr als 50 % der Fälle zum Tod.

Pestsepsis:

Gelangen Pestbakterien in das Blut, kommt es zu Einblutungen unter die Haut, die auch größere Areale betreffen können. Vermutlich aufgrund der zunehmend dunkleren Verfärbung dieser Areale erhielt die Krankheit den Namen „der schwarze Tod“. Im Extremfall verläuft die Pestsepsis blitzartig, bei der sehr viele Pest-Bakterien ins Blut gelangen, die Lymphknoten aber nicht vergrößert sind.

Lungenpest:

In der Folge einer Beulenpest kann sich eine sekundäre Lungenpest entwickeln. Hierbei lösen die Erreger eine Lungenentzündung aus, die zu Husten und Auswurf hochinfektiösen Schleims, im Weiteren zur Zerstörung von Lungengewebe führt.

Erfolgt die Pestinfektion durch direkten Kontakt mit infektiösen (Husten-)Tröpfchen (auch von Haustieren wie z. B. Katzen mit Lungenpest), ist die Folge eine primäre Lungenpest. Diese hat eine sehr kurze Inkubationszeit von maximal 2-3 Tagen, die Sterblichkeit ist hoch. Sie beginnt mit hohem Fieber, Schüttelfrost und starken Kopfschmerzen. Nach rund 24 Stunden treten die ersten Hustenattacken auf. Sehr bald gesellt sich blutiger Auswurf dazu (hellrot/schaumig, „Himbeersirup/-gelee“). Die Lungenpest verläuft unbehandelt fast immer tödlich. In Einzelfällen erkranken und sterben Patienten innerhalb eines Tages nach der Infektion.

Spezielle Verlaufsformen der Pest:

Die Pharynxpest tritt auf, wenn Pestbakterien über den Mund aufgenommen werden. Dabei dominieren Halsschmerzen das klinische Bild. Die Pestmeningitis entwickelt sich zumeist bei unzureichender Therapie der Bubonenpest. In Endemiegebieten kann es durch Immunitätund zur so genannten „Pestis minor“ („verringerte Pest“) kommen, bei der Infizierte nur leicht erkranken.

Therapie/Prävention

Therapie/Prävention

Die Pest kann mit Antibiotika gut behandelt werden. Die intravenöse Therapie sollte aber so bald wie möglich (innerhalb 24 Stunden nach Auftritt der ersten Symptome) begonnen werden und über 10 bis 14 Tage oder bis 48 Stunden nach Entfieberung gegeben werden. An Pest erkrankte Personen sollten stationär in einem Krankenhaus aufgenommen werden. Patienten mit Lungenpest müssen dort isoliert werden.

Es gibt keine Schutzimpfung: Es wurden in der Vergangenheit mehrere, schlecht wirkende Impfungen gegen Pest erprobt. Derzeit ist in Österreich – so wie in den meisten Ländern - kein zugelassener Impfstoff gegen Pest verfügbar.

Robert Koch Institut: Ratgeber für Ärzte

Diagnostik

Die Anzucht von Pestbakterien stellt prinzipiell kein sonderliches Problem dar. Die Kultivierung von Y. pestis erfordert jedoch die Infrastruktur einer BSL-3 Laborsicherheitsstufe. Zudem können Pesterreger durch die kommerziell erhältlichen Identifikations-Systeme nicht zuverlässig identifiziert werden, sodass die Gefahr von Fehldiagnosen besteht.

In Österreich ist die AGES nationale Referenzzentrale für Pest. Mittels molekularbiologischer Untersuchung liegt im Verdachtsfall das Ergebnis binnen weniger Stunden vor.

Literatur:
Haditsch M.:  Yersinien. In: H. Mittermayer und F. Allerberger: Spektrum der Infektionskrankheiten. Spitta Verlag, Balingen, 2006, pp. 646-662.

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