Yersinien - Durchfallerkrankung

Yersinia enterocolitica, Yersinia pseudotuberculosis

Zuletzt geändert: 21.09.2020
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Die Yersiniose ist eine lebensmittelbedingte Infektionskrankheit die vor allem von Bakterien der Spezies Yersinia(Y.) enterocolitica und seltener Y. pseudotuberculosis verursacht wird.

Vorkommen

Die enterale Yersiniose kommt weltweit vor und stellt in der EU die dritthäufigste bakterielle Zoonose dar. Y. enterocolitica ist in der Umwelt und der Tierpopulation, in erster Linie bei Schweinen, seltener bei Milchkühen verbreitet. Zu finden ist Y. enterocolitica auch bei Wildtieren. Y. pseudotuberculosis kann hauptsächlich in der Umwelt gefunden werden. Ähnlich wie Listerien, kann sich auch Y. enterocolitica auf kontaminierten Speisen im Kühlschrank vermehren.

Erregerreservoir

Tiere, vor allem Schweine und in geringerem Umfang Milchkühe gelten als Hauptreservoir für humanpathogene Y. enterocolitica.

Infektionsweg

Yersiniose wird meist fäkal-oral durch den Verzehr von kontaminierten Nahrungsmitteln und Wasser verursacht, vor allem durch rohes oder medium-gekochtes Schweinefleisch und rohe oder nicht entsprechend erhitzte Milchprodukte. Die Bakterien können sich auch bei 4 °C (z. B. Kühlschrank) vermehren. Bei größeren lebensmittelbedingten Y. pseudotuberculosis- Ausbrüchen in der EU wurden kontaminiertes Gemüse (Bohnensprossen, Tofu), Wasser und Milch als Infektionsvehikel bestätigt. Ebenfalls kann es durch kontaminierte Blutkonserven zur Übertragung kommen. Eine direkte Übertragung von infektiösen Tieren und Menschen erfolgt selten.

Inkubationszeit

3 bis 7 Tage

Symptomatik

Bei Kindern äußert sich die Erkrankung meist mit gastrointestinalen Symptomen, wohingegen Erwachsene Zeichen einer Blinddarmentzündung zeigen können (Pseudo-Appendicitis). Die klassischen Symptome sind Durchfall, Fieber und starke Bauchschmerzen (unbehandelt für eine Dauer von 1-3 Wochen). Der Durchfall kann wässrig aber auch blutig sein; nach einigen Tagen können auch Gelenksschmerzen, Gelenksentzündung und Hautveränderungen, in seltenen Fällen kann sich das sog. Reiter-Syndrom (Arthritis, Urethritis, Konjunktivitis) entwickeln.

Therapie

Infektionen mit Y. enterocolitica und Y. pseudotuberculosis sind üblicherweise selbstlimitierend, daher sind symptomatische Behandlungen zur Erhaltung des Wasser- und Elektrolythaushaltes ausreichend. Schwere Verlaufsformen rechtfertigen den Einsatz einer Antibiotikatherapie.

Vorbeugung

Hygiene beim Schlachten von Schweinen; meiden von rohem Schweinefleisch und rohen Schweinefleischprodukten sowie von Rohmilch

Situation in Österreich

Mensch

Im Jahr 2019 wurden 112 laborbestätigte Fälle von Yersiniose gemeldet. Die NRZ-Yersiniose erhielt 95 Isolate, 94 wurden als Y. enterocolitica und eines als Y. pseudotuberculosis spezifiziert. Die Inzidenz lag bei 1,1 Fällen je 100.000 Bevölkerung, damit etwas niedriger als 2018 jedoch innerhalb der Inzidenzen der letzten 10 Jahre.


Legende

    Lebensmittel

    Im Jahr 2019 wurden keine Proben auf Yersinien untersucht.

    Tier

    Bei Schweinen, die als Hauptreservoir für Y. enterocolitica gelten, ist in Einzelfällen das Auftreten blutiger Durchfälle möglich, bei Jungtieren finden sich Gelenks- und Lungenentzündungen. Meist jedoch bleiben Infektionen asymptomatisch und von der Tierhalterin oder vom Tierhalter unbemerkt.

    Fachinformation

    Humanmedizin

    Yersinien sind fakultativ anaerobe (also auch bei Fehlen von Sauerstoff wachsende), pleomorphe, Gram-negative (in der sogenannten Gram-Färbung rot gefärbte) Stäbchen, die zur Familie der Enterobacteriaceae gehören. Als psychrophile (= kälteliebende) Keime können sie bei Temperaturen zwischen 4 °C und 42 °C angezüchtet werden. Sie kommen häufig in den gemäßigten Klimazonen vor.

    Zur Gattung Yersinia gehören 14 Spezies, wobei enteropathogene Yersinien (Y. enterocolitica und Y. pseudotuberculosis) als obligat pathogene Krankheitserreger von humanmedizinische Bedeutung sind.

    2019 ergab die Typisierung der 94 Y. enterocolitica-Isolate im nationalen Referenzzentrum für Yersiniose 90,4 % Bioserovar 4/O:3 und 9,6 % Bioserovar 2/O:9. Die Erkrankungshäufigkeit zeigt in den letzten Jahren die stärkste Betroffenheit in den Altersgruppen bis 14 Jahre, die Inzidenz in der jüngsten Altersgruppe bis 4 Jahre hat sich signifikant verringert.

    Diagnostik

    Eine rein symptomatische Diagnostik ist alleine anhand des klinischen Bildes sehr schwer möglich. Anzüchtung der Keime aus dem Stuhl ist das Mittel der Wahl, auch um Sero- und Biotypen zu bestimmen. Weiteres können auch Blut, Liquor, Punktate, Lymphknotenaspirat oder Peritonealflüssigkeit verwendet werden. Die Keime können bei nicht behandelten Patienten auch nach Sistieren der klinischen Symptome noch für Wochen mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Auch molekularbiologische Methoden wie PCR-Untersuchungen stehen für den Erregernachweis zur Verfügung.

    Symptomatik

    Die verursachten Infektionen – sogenannte Yersiniosen – zeigen ein breites Spektrum an Symptomen.

    Bei Säuglingen und Kleinkindern tritt meistens eine selbstlimitierende, akute Gastroenteritis mit Erbrechen, wässrigen bis blutigen Durchfällen und Fieber auf. Die Erkrankung kann ein bis zwei Wochen dauern.

    Bei Schulkindern und Jugendlichen verlaufen die Infektionen meist in Form einer akuten mesenterialen Lymphadenitis (entzündliche Schwellung von Bauchraum-Lymphknoten) mit abdominalen Schmerzen. Das klinische Bild kann einer Appendizitis (= Blinddarm-Entzündung) ähneln ("Pseudoappendizitis").

    Bei Erwachsenen kommen unterschiedliche klinische Formen vor, wie grippale Infekte mit Pharyngitis (= Rachenentzündung), Myalgie (= Muskelschmerzen) und Fieber, oder eine Ileokolitis (= Entzündung des Dick- und Teilen des Dünndarms) mit Beteiligung der mesenterialen Lymphknoten ("Pseudocrohn").

    Yersiniosen können mit Begleit- oder Folgeerscheinungen assoziiert sein: reaktive Arthritis, Erythema nodosum (= akute Entzündung des Unterhautfettgewebes), Arthralgie (= Gelenksschmerzen) oder Myalgie (= Muskelschmerzen). Y. enterocolitica führt eher zu einem gastro-enteritischen Krankheitsbild, Y. pseudotuberculosis häufiger zu einer Pseudoappendizitis.  

    Kontakt, Formulare

    Nationale Referenzzentrale für Yersinien (ausgenommen Yersinia pestis)

    Beethovenstraße 6
    8010 Graz
    Dr. Shiva Pekard-Amenitsch
    Telefon: +43 50 555-61210
    E-Mail:shiva.pekard-amenitsch@ages.at

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