Vogelgrippe

Aviäre Influenza

Zuletzt geändert: 20.11.2020
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Erreger der Vogelgrippe (Aviäre Influenza oder Geflügelpest) sind Influenzaviren. Sie werden in Typ A, B und C unterteilt. Beim Influenzavirus A gibt es verschiedene Subtypen, die sich durch verschiedene Oberflächenantigene (Neuraminidase, N und Hämagglutinin, H) ergeben. Als Folge von Genveränderungen entstehen ständig neue Varianten der Grippeviren. Bisher gibt es 16 Hämagglutinin- und 9 Neuraminidase-Untertypen.

Vorkommen

Die aviäre Influenza oder Geflügelpest wurde 1878 erstmals in Italien beobachtet. Die Erreger kommen weltweit vor.

Erregerreservoir

Influenza-A-Viren vom Subtyp H5 und H7 kommen bei Hühnern, Puten und zahlreichen wildlebenden Vogelarten vor. Enten, Gänse und andere Wildvögel erkranken entweder kaum oder zeigen keine Symptome, sind aber für die Erregerverbreitung von Bedeutung.

Infektionsweg

Die Geflügelpest ist für Geflügel hoch ansteckend. Das Virus wird mit Kot, Speichel und Tränenflüssigkeit ausgeschieden. Bei starker Staubentwicklung ist auch die indirekte Ansteckung über Luft möglich.

Symptomatik

Die Unterscheidung in hochpathogene und niedrigpathogene AI-Typen bezieht sich auf den Schweregrad der Erkrankung bei Vögeln: während niedrigpathogene AI-Typen keine oder nur milde Symptome verursachen, kommt es bei hochpathogenen AI-Typen zu schweren Krankheitsverläufen und hohen Sterberaten.

Situation in Österreich

Im Jahr 2019 wurden insgesamt 3.478 Blutproben auf das Aviäre Influenza-Virus untersucht. Alle Proben waren negativ.

Das europaweite Überwachungsprogramm besteht aus einem aktiven (Wirtschaftsgeflügel) und einem passiven (Wildvögel) Teil. Im aktiven Überwachungsprogramm 2019 gelangte Schlachtblut von 1.250 Legehennen aus 125 Betrieben (davon 63 Freilandhaltungen), von 390 Huhn-Elterntieren aus 39 Elterntierbetrieben, von 530 Mastputen aus 53 Betrieben, von 1.215 Gänsen und Enten aus 65 Betrieben und von 93 Straußen aus 17 Betrieben zur serologischen Untersuchung. Es konnten keine Antikörper gegen das AI-Virus nachgewiesen werden. Auch 200 Geflügelproben, die zusätzlich auf das AI-Virusgenom getestet wurden, waren negativ.

In der passiven Überwachung im Jahr 2019 wurden 84 Proben von tot aufgefundenen und 1 lebenden Wildvogel auf das Aviäre Influenza-A-Virusgenom untersucht. Bei 84 konnten keine pathogene AI-Viren und bei 1 toten Wildvogel konnte ein nicht  pathogenes AI-Virus festgestellt werden. 

Zuletzt trat die Vogelgrippe 2016/17 in Österreich auf: In zwei landwirtschaftlichen Betrieben wurde HPAIV H5N8 nachgewiesen. Die beiden Ausbrüche (10.11.2016, 17.01.2017) in Vorarlberg und Burgenland hatten mit dem Bodensee und dem Neusiedlersee die unmittelbare Seenähe und positive Wildvogelfunde in der näheren Umgebung gemeinsam. Auch in den Bundesländern Salzburg und Oberösterreich wurde HPAIV H5N8 in den Seenregionen bei Wildvögeln nachgewiesen, Seucheneinträge in landwirtschaftliche Betriebe kamen jedoch nicht vor. Seither wurde in Österreich kein HPAI Virus mehr nachgewiesen.


Legende

    Situation in Europa

    Im Jänner 2020 wurde Vogelgrippe bei Geflügel in Polen, der Slowakei, Ungarn, Rumänien, Tschechien, Deutschland und Bulgarien festgestellt. Bei den erkrankten Tieren wurde der Virustyp H5N8 festgestellt.

    Seit Ende Oktober treten in einigen Ländern Europas (Deutschland, Niederlande, Belgien, Dänemark, Schweden, Irland, Vereinigtes Königreich, Frankreich) wieder Fälle von Geflügelpest (HPAI) bei Wildvögeln, aber auch im Hausgeflügelbestand auf.

    Aktuell sind Ausbrüche in Kroatien und Bayern gemeldet worden, sodass sich das Risiko eines Seuchenausbruchs in Österreich erhöht.

    Es wurde der Subtyp H5N8 festgestellt. Bisher ist weltweit kein Fall bekannt, bei dem das H5N8-Virus auf Menschen übertragen wurde.

    Fachinformation

    Veterinärmedizin

    Am Nationalen Referenzlabor für Aviäre Influenza werden Proben (Organe, Tupfer, Tierkörper) zum direkten Virusnachweis mittels Real Time RT – PCR, Sequenzierung und mit Eikultur und Hämagglutinationstest (HA) untersucht. Der indirekte Nachweis durch Bestimmung der Antikörper wird mittels ELISA und Hämagglutinationshemmungstest (HAH) erbracht.

    Hämagglutinationstest: Bestimmte Viren wie Influenzaviren binden mittels Hämagglutinin Erythrozyten an ihre Oberfläche. Dadurch verklumpt (agglutiniert) das Blut. Mittels Verdünnungsreihen kann die Virusmenge ermittelt werden.

    Hämagglutinationshemmungstest: Spezielle Antikörper können  die vom Virus verursachte Agglutination/Verklumpung  verhindern. Auf diese Weise können Antikörpertiter und spezifisch einzelne Virus-Stämme bestimmt werden.

    ELISA: Enzyme-linked Immunosorbent Assay ist ein antikörperbasiertes Nachweisverfahren, Antikörper binden an ein Antigen und werden mittels einer enzymatischen Farbreaktion dargestellt.

    Real-Time RT-Polymerase-Chain-Reaction (PCR) und Sequenzierung: AI Virus-Genabschnitte werden detektiert und es kann direkt typisiert werden, ob ein H5 oder H7 Typ vorliegt. Mittels Sequenzierung kann der Pathotyp des Virusstammes (hoch- oder niedrigpathogen) bestimmt werden.

    Eikultur: Aus den Proben wird eine potenziell infektiöse Impflösung hergestellt, mit der garantiert virenfreie Hühnereier beimpft werden. Diese Eier werden mindestens fünf Tage lang bebrütet. Sind hochpathogene aviäre Influenza-Viren vorhanden, sterben die Embryos in den Eiern ab und das Virus in der Allantios kann mittels Hämagglutination (HA) identifiziert  werden.

    Kontakt, Formulare

    Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling

    Robert Koch-Gasse 17 , 2340 Mödling
    Telefon: +43 50 555-38112
    Fax: +43(0)5 0555 38529
    vetmed.moedling@ages.at

    Seuchenverdachtsfälle außerhalb der Öffnungszeiten nach telefonischer Absprache:
    Telefon: +43 664 9670940 bzw +43 664 8398216.

    Öffnungszeiten und Probenanlieferung: Montag - Freitag: 7.00 - 15.00 Außerhalb der Dienstzeiten können dringende Proben unter Angabe des Auftraggebers und mit gültigem Formular beim Portier abgegeben werden. E-mailadresse der Befundauskunft: servicezentrale.moedlingno@Spam@agesno.Spam.at

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