Vogelgrippe

Aviäre Influenza

Zuletzt geändert: 22.01.2020
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Seuchenkategorien:

Erreger der Vogelgrippe - Elektronenmikroskopie

Erreger der Vogelgrippe (aviäre Influenza oder Geflügelpest) sind Influenzaviren. Sie werden in Typ A, B und C unterteilt. Beim Influenzavirus A gibt es verschiedene Subtypen, die sich durch verschiedene Oberflächenantigene (Neuraminidase, N und Hämagglutinin, H) ergeben. Als Folge von Genveränderungen entstehen ständig neue Varianten der Grippeviren. Bisher gibt es 16 Hämagglutinin- und 9 Neuraminidase-Untertypen. Im Jänner 2020 trat Vogelgrippe bei Geflügel in Polen, der Slowakei, Ungarn, Rumänien und Tschechien auf; es wurde der Virustyp H5N8 festgestellt. Bisher ist weltweit kein Fall bekannt, bei dem das H5N8-Virus auf Menschen übertragen wurde.

Steckbrief

Vorkommen

Die aviäre Influenza oder Geflügelpest wurde 1878 erstmals in Italien beobachtet. Die Erreger kommen weltweit vor.

Erregerreservoir

Influenza-A-Viren vom Subtyp H5 und H7 kommen bei Hühnern, Puten und zahlreichen wildlebenden Vogelarten vor. Enten, Gänse und andere Wildvögel erkranken entweder kaum oder zeigen keine Symptome, sind aber für die Erregerverbreitung von Bedeutung.

Infektionsweg

Die Geflügelpest ist für Geflügel hoch ansteckend. Das Virus wird mit Kot, Speichel und Tränenflüssigkeit ausgeschieden. Bei starker Staubentwicklung ist auch die indirekte Ansteckung über Luft möglich.

Die Influenzaviren vermehren sich im Atmungstrakt. In einer Wirtszelle können bis zu 100.000 neue Influenzaviren gebildet werden Die Wirtszelle stirbt dann ab und die freigesetzten Viren infizieren weitere Nachbarzellen. Durch Mutationen können sich Wirtsarten und krankmachende Eigenschaften ändern. Eine wichtige Rolle spielt das Hämagglutinin. Es bewirkt die Verklumpung von Erythrozyten (= rote Blutkörperchen) und vermittelt bei der Infektion einer Wirtszelle die Anheftung und das Eindringen des Virus. Neuraminidase spielt eine entscheidende Rolle bei der Freisetzung von neuen Viren aus den bereits infizierten Zellen, was zu einem Ausbreiten der Infektion innerhalb des Organismus und auch zu einem Übergreifen der Infektion auf andere Organismen führen kann. Darüber hinaus behindert es die Immunantwort des infizierten Organismus.

Für Geflügel nur gering pathogene Virusstämme erzeugen ein Hämagglutinin, das nur von Enzymen des oberen Atmungstraktes gespaltet werden kann, so dass eine Virusinfektion lokal begrenzt bleibt (LPAI-Low Pathogenic Avian Influenza). Bei den HPAI (Highly Pathogenic Avian Influenza) Varianten ist die Spaltung in einer Vielzahl von Geweben möglich. Dies hat zur Folge, dass die Viren im Prinzip alle inneren Organe befallen und zerstören können. Der Subtyp H5N1, der 2006 erstmals in Östereich nachgewiesen wurde, gilt als besonders aggressiv.

Symptomatik

Die Unterscheidung in hochpathogene und niedrigpathogene AI-Typen bezieht sich auf den Schweregrad der Erkrankung bei Vögeln: während niedrigpathogene AI-Typen keine oder nur milde Symptome verursachen, kommt es bei hochpathogenen AI-Typen zu schweren Krankheitsverläufen und hohen Sterberaten: Bei Geflügel kommt es zu Massenerkrankungen mit schweren respiratorischen Symptomen, grünlich wässrigem Durchfall, Blutungen an Innenorganen, Kammspitzen und Ständern, nekrotischen Entzündungen des Pankreas, Tracheitis, Sinusitis, Ödemen im Kopfbereich, ausgeprägtem Rückgang der Legeleistung, Mattigkeit, Fieber.

Situation in Österreich

Im Jahr 2018 wurden insgesamt 4.117 Blutproben auf das Aviäre Influenza-Virus untersucht. Alle Proben waren negativ.

Das europaweite Überwachungsprogramm besteht aus einem aktiven (Wirtschaftgeflügel) und einem passiven (Wildvögel) Teil:

Im aktiven Überwachungsprogramm gelangte Schlachtblut von 1.251 Legehennen aus 124 Betrieben (davon 62 Freilandhaltungen), von 370 Huhn-Elterntieren aus 37 Elterntierbetrieben, von 600 Mastputen aus 60 Betrieben, von 1.249 Gänsen und Enten aus 69 Betrieben und von 85 Straußen aus 16 Betrieben zur serologischen Untersuchung. Es konnten keine Antikörper gegen das AI-Virus nachgewiesen werden. Auch 200 Geflügelproben, die zusätzlich auf das AI-Virusgenom getestet wurden, waren negativ.

In der passiven Überwachung wurden 109 Proben von tot aufgefundenen und 3 von lebenden Wildvögeln auf das Aviäre Influenza-A-Virusgenom untersucht. Bei 7 toten Wildvögel konnten nicht pathogenen AI-Viren festgestellt werden, eine Probe einer Stockente davon wurde als niedrig pathogenes H5 Virus (LPAI H5) subtypisiert wurde.

Zuletzt trat die Vogelgrippe 2016/17 in Österreich auf: In zwei landwirtschaftlichen Betrieben wurde HPAIV H5N8 nachgewiesen. Die beiden Ausbrüche (10.11.2016, 17.01.2017) in Vorarlberg und Burgenland hatten mit dem Bodensee und dem Neusiedlersee die unmittelbare Seenähe und positive Wildvogelfunde in der näheren Umgebung gemeinsam. Auch in den Bundesländern Salzburg und Oberösterreich wurde HPAIV H5N8 in den Seenregionen bei Wildvögeln nachgewiesen, Seucheneinträge in landwirtschaftliche Betriebe kamen jedoch nicht vor.

Situation in Europa

Im Jänner 2020 wurde Vogelgrippe bei Geflügel in Polen, der Slowakei, Ungarn, Rumänien und Tschechien festgestellt. Bei den erkrankten Tieren wurde der Virustyp H5N8 festgestellt. Bisher ist weltweit kein Fall bekannt, bei dem das H5N8-Virus auf Menschen übertragen wurde.

Sozialministerium: Aktuelle Vogelgrippesituation in Europa

Fachinformation

Veterinärmedizin

Am Nationalen Referenzlabor für Aviäre Influenza werden Proben serologisch, mittels Hämagglutinationshemmungstest (HAH), über Real Time RT – PCR, Sequenzierung und mit Eikultur untersucht:

Hämagglutinationstest: Spezielle Antikörper verhindern die vom Virus verursachte Blutgerinnung. Auf diese Weise können spezifisch einzelne Virus-Stämme bestimmt werden.

Real-Time RT-Polymerase-Chain-Reaction (PCR) und Sequenzierung: AI Virus-Genabschnitte werden detektiert und es kann direkt typisiert werden, ob ein H5 oder H7 Typ vorliegt. Mittels Sequenzierung kann der Pathotyp des Virusstammes (hoch- oder niedrigpathogen) bestimmt werden.

Eikultur: Aus den Proben wird eine potenziell infektiöse Impflösung hergestellt, mit der dann garantiert virenfreie Hühnereier beimpft werden. Diese Eier werden mindestens fünf Tage lang bebrütet. Sind hochpathogene aviäre Influenza-Viren vorhanden, sterben die Embryos in den Eiern ab.

Kontakt, Formulare

Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling

Robert Koch-Gasse 17 , 2340 Mödling
Telefon: +43 50 555-38112
Fax: +43(0)5 0555 38529
vetmed.moedling@ages.at

Seuchenverdachtsfälle außerhalb der Öffnungszeiten nach telefonischer Absprache:
Telefon: +43 664 9670940 bzw +43 664 8398216.

Öffnungszeiten und Probenanlieferung: Montag - Freitag: 7.00 - 15.00 Außerhalb der Dienstzeiten können dringende Proben unter Angabe des Auftraggebers und mit gültigem Formular beim Portier abgegeben werden. E-mailadresse der Befundauskunft: servicezentrale.moedlingno@Spam@agesno.Spam.at

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