Vogelgrippe

Aviäre Influenza

Zuletzt geändert: 02.12.2021
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Erreger der Vogelgrippe (Aviäre Influenza oder Geflügelpest) sind Influenzaviren. Sie werden in Typ A, B und C unterteilt. Beim Influenzavirus A gibt es verschiedene Subtypen, die sich durch verschiedene Oberflächenantigene (Neuraminidase, N und Hämagglutinin, H) ergeben. Als Folge von Genveränderungen entstehen ständig neue Varianten der Grippeviren. Bisher gibt es 16 Hämagglutinin- und 9 Neuraminidase-Untertypen.

Vorkommen

Die aviäre Influenza oder Geflügelpest wurde 1878 erstmals in Italien beobachtet. Die Erreger kommen weltweit vor.

Erregerreservoir

Influenza-A-Viren vom Subtyp H5 und H7 kommen bei Hühnern, Puten und zahlreichen wildlebenden Vogelarten vor. Enten, Gänse und andere Wildvögel erkranken entweder kaum oder zeigen keine Symptome, sind aber für die Erregerverbreitung von Bedeutung.

Infektionsweg

Die Geflügelpest ist für Geflügel hoch ansteckend. Das Virus wird mit Kot, Speichel und Tränenflüssigkeit ausgeschieden. Bei starker Staubentwicklung ist auch die indirekte Ansteckung über Luft möglich.

Symptomatik

Die Unterscheidung in hochpathogene und niedrigpathogene AI-Typen bezieht sich auf den Schweregrad der Erkrankung bei Vögeln: während niedrigpathogene AI-Typen keine oder nur milde Symptome verursachen, kommt es bei hochpathogenen AI-Typen zu schweren Krankheitsverläufen und hohen Sterberaten.

Situation in Österreich

In Europa breitet sich seit Mitte Oktober die Geflügelpest immer mehr aus. Am 25.11.2021 hat die AGES den ersten Fall in Österreich bestätigt: In einer kleinen Hühnerhaltung in Fischamend (Niederösterreich) wurde Geflügelpest diagnostiziert. Die Hühner des betroffenen Betriebs sind gestorben bzw. wurden unter behördlicher Aufsicht getötet. Der Betrieb wurde gesperrt. Zuletzt trat die Geflügelpest im Frühjahr 2021 in Österreich auf, ebenfalls in einem Kleinbetrieb.

Das Gesundheitsministerium erlässt daher, im Einvernehmen mit dem Landwirtschaftsministerium, den Bundesländern und unter Berücksichtigung der wissenschaftlichen Expertise der AGES, eine Stallpflicht für jene Betriebe, die 350 und mehr Stück Geflügel in den Risikogebieten halten.

Geflügelhalter:innen sollten besonders auf die Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen achten, wie beispielsweise die Fütterung in überdachten Bereichen. Direkte und indirekt Kontakte zwischen Geflügel und Wildvögeln sollten unbedingt verhindert werden. Bei unklaren Gesundheitsproblemen in Geflügelbetrieben sollte unbedingt eine tierärztliche Untersuchung erfolgen. Die verpflichtende Meldung von tot aufgefundenen wildlebenden Wasservögeln und Greifvögeln bei der lokal zuständigen Veterinärbehörde (Amtstierarzt/Amtstierärztin) ist ebenfalls für die Früherkennung wichtig.

Abbildung 1: Risikogebiete in Österreich
Tabelle 1: HPAI-positive Wildvögel (Stand 15.4.2021)

Ergebnisse der Überwachung in Österreich

Im Jahr 2020 wurden insgesamt 3.655 Blutproben auf das Aviäre Influenza-Virus untersucht. Alle Proben waren negativ. Das europaweite Überwachungsprogramm besteht aus einem aktiven (Wirtschaftsgeflügel) und einem passiven (Wildvögel) Teil. Im aktiven Überwachungsprogramm 2020 gelangte Schlachtblut von 1.240 Legehennen aus 124 Betrieben (davon 61 Freilandhaltungen), von 440 Huhn-Elterntieren aus 44 Elterntierbetrieben, von 530 Mastputen aus 53 Betrieben, von 1.407 Gänsen und Enten aus 75 Betrieben und von 64 Straußen aus 8 Betrieben zur serologischen Untersuchung. Es konnten keine Antikörper gegen das AI-Virus nachgewiesen werden. Auch 158 Geflügelproben, die zusätzlich auf das AI-Virusgenom getestet wurden, waren negativ. In der passiven Überwachung im Jahr 2020 wurden 187 Proben von tot aufgefundenen Wildvögeln auf das Aviäre Influenza-A-Virusgenom untersucht. Bei 4 toten Wildvögeln konnte ein nicht  pathogenes AI-Virus festgestellt werden. 

Zuletzt trat die Vogelgrippe 2016/17 in Österreich auf: In zwei landwirtschaftlichen Betrieben wurde HPAIV H5N8 nachgewiesen. Die beiden Ausbrüche (10.11.2016, 17.01.2017) in Vorarlberg und Burgenland hatten mit dem Bodensee und dem Neusiedlersee die unmittelbare Seenähe und positive Wildvogelfunde in der näheren Umgebung gemeinsam. Auch in den Bundesländern Salzburg und Oberösterreich wurde HPAIV H5N8 in den Seenregionen bei Wildvögeln nachgewiesen, Seucheneinträge in landwirtschaftliche Betriebe kamen jedoch nicht vor.


Legende

    Situation in Europa

    Im österreichischen Tierseuchenradar werden Informationen zur internationalen Lage und Ausbreitung der bedeutendsten Tierseuchen und Tierkrankheiten, die für Österreich relevant sind, bewertet und zusammengestellt. Dadurch können mögliche Risiken für Österreich früh erkannt und kommuniziert werden. Der Tierseuchenradar erscheint monatlich.

    Tierseuchenradar Österreich

    Fachinformation

    Veterinärmedizin

    Am Nationalen Referenzlabor für Aviäre Influenza werden Proben (Organe, Tupfer, Tierkörper) zum direkten Virusnachweis mittels Real Time RT – PCR, Sequenzierung und mit Eikultur und Hämagglutinationstest (HA) untersucht. Der indirekte Nachweis durch Bestimmung der Antikörper wird mittels ELISA und Hämagglutinationshemmungstest (HAH) erbracht.

    Hämagglutinationstest: Bestimmte Viren wie Influenzaviren binden mittels Hämagglutinin Erythrozyten an ihre Oberfläche. Dadurch verklumpt (agglutiniert) das Blut. Mittels Verdünnungsreihen kann die Virusmenge ermittelt werden.

    Hämagglutinationshemmungstest: Spezielle Antikörper können  die vom Virus verursachte Agglutination/Verklumpung  verhindern. Auf diese Weise können Antikörpertiter und spezifisch einzelne Virus-Stämme bestimmt werden.

    ELISA: Enzyme-linked Immunosorbent Assay ist ein antikörperbasiertes Nachweisverfahren, Antikörper binden an ein Antigen und werden mittels einer enzymatischen Farbreaktion dargestellt.

    Real-Time RT-Polymerase-Chain-Reaction (PCR) und Sequenzierung: AI Virus-Genabschnitte werden detektiert und es kann direkt typisiert werden, ob ein H5 oder H7 Typ vorliegt. Mittels Sequenzierung kann der Pathotyp des Virusstammes (hoch- oder niedrigpathogen) bestimmt werden.

    Eikultur: Aus den Proben wird eine potenziell infektiöse Impflösung hergestellt, mit der garantiert virenfreie Hühnereier beimpft werden. Diese Eier werden mindestens fünf Tage lang bebrütet. Sind hochpathogene aviäre Influenza-Viren vorhanden, sterben die Embryos in den Eiern ab und das Virus in der Allantios kann mittels Hämagglutination (HA) identifiziert  werden.

    Kontakt, Formulare

    Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling

    Robert Koch-Gasse 17 , 2340 Mödling
    Telefon: +43 50 555-38112
    Fax: +43(0)5 0555 38529
    E-Mail: vetmed.moedlingno@Spam@agesno.Spam.at

    Seuchenverdachtsfälle außerhalb der Öffnungszeiten nach telefonischer Absprache:
    Telefon: +43 664 9670940 bzw +43 664 8398216.

    Öffnungszeiten und Probenanlieferung: Montag - Freitag: 7.00 - 15.00 Außerhalb der Dienstzeiten können dringende Proben unter Angabe des Auftraggebers und mit gültigem Formular beim Portier abgegeben werden. E-mailadresse der Befundauskunft: servicezentrale.moedlingno@Spam@agesno.Spam.at

    Downloads

      Untersuchung auf Geflügelpest im Referenzlabor der AGES (1,19 M)
      druckfähiges Foto, ©AGES
      Datei Download

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