Vogelgrippe

Aviäre Influenza

Zuletzt geändert: 15.04.2021
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Erreger der Vogelgrippe (Aviäre Influenza oder Geflügelpest) sind Influenzaviren. Sie werden in Typ A, B und C unterteilt. Beim Influenzavirus A gibt es verschiedene Subtypen, die sich durch verschiedene Oberflächenantigene (Neuraminidase, N und Hämagglutinin, H) ergeben. Als Folge von Genveränderungen entstehen ständig neue Varianten der Grippeviren. Bisher gibt es 16 Hämagglutinin- und 9 Neuraminidase-Untertypen.

Vorkommen

Die aviäre Influenza oder Geflügelpest wurde 1878 erstmals in Italien beobachtet. Die Erreger kommen weltweit vor.

Erregerreservoir

Influenza-A-Viren vom Subtyp H5 und H7 kommen bei Hühnern, Puten und zahlreichen wildlebenden Vogelarten vor. Enten, Gänse und andere Wildvögel erkranken entweder kaum oder zeigen keine Symptome, sind aber für die Erregerverbreitung von Bedeutung.

Infektionsweg

Die Geflügelpest ist für Geflügel hoch ansteckend. Das Virus wird mit Kot, Speichel und Tränenflüssigkeit ausgeschieden. Bei starker Staubentwicklung ist auch die indirekte Ansteckung über Luft möglich.

Symptomatik

Die Unterscheidung in hochpathogene und niedrigpathogene AI-Typen bezieht sich auf den Schweregrad der Erkrankung bei Vögeln: während niedrigpathogene AI-Typen keine oder nur milde Symptome verursachen, kommt es bei hochpathogenen AI-Typen zu schweren Krankheitsverläufen und hohen Sterberaten.

Situation in Österreich

In Österreich wurden am nationalen Referenzlabor der AGES in den vergangenen Wochen vermehrt tot aufgefunden Wildvögel auf Geflügelpest untersucht: Am 4. Februar 2021 wurde bei einem verendet aufgefundenen Schwan in Niederösterreich das Virus der hoch pathogenen aviären Influenza (HPAI, Serotyp H5N8) diagnostiziert. Es handelt sich um den ersten Nachweis von hoch pathogenen aviären Influenza in Österreich seit dem Jahr 2017. Seitdem sind mehrere Wildvögel positiv auf HPAI getestet worden (siehe Abbildung 1 und Tabelle).

In Russland ist nach Angaben der Behörden erstmals eine Übertragung des Subtyps H5N8 von Tieren auf den Menschen nachgewiesen worden. Sieben Mitarbeiter einer Geflügelfarm seien im Dezember erkrankt. Den Betroffenen gehe es gut, die Krankheit sei mild verlaufen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch oder über Lebensmittel wurde bisher noch nie nachgewiesen.

Risikogebiete in Österreich

In enger Abstimmung mit den Bundesministerien (BMSGPK, BMLRT), den Bundesländern, der AGES, der Österreichischen Qualitätsgeflügelvereinigung (QGV) und der Zentralen Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Geflügelwirtschaft (ZAG) wurden ab 7.12.2020 per Verordnung Präventionsmaßnahmen in den Risikogebieten umgesetzt. Für die Ausweisung der Risikogebiete wurden unter anderem die Nähe zu den positiven Wildvögeln in Bayern (Passau), die Lage an Flussläufen und Seen, bei denen bereits bei der damaligen Vogelgrippe 2016/2017 positiv getestete Wildvögel gefunden wurden, herangezogen.

Abbildung1/Tabelle1: Risikogebiete in Österreich und Fundorte HPAI-positiver Wildvögel (Stand 15.4.2021)

Maßnahmenkatalog zur Prävention

Mit 22.02.2021 gilt in den Risikogebieten Stallpflicht für Betriebe ab 350 Tieren: Geflügel und andere in Gefangenschaft gehaltene Vögel müssen dauerhaft in Stallungen oder jedenfalls in geschlossenen Haltungsvorrichtungen, die zumindest oben abgedeckt sind, so gehalten werden, dass der Kontakt zu Wildvögeln und deren Kot bestmöglich hintangehalten wird und zu wildlebenden Wasservögeln jedenfalls ausgeschlossen ist. Brieftauben dürfen in der Umgebung der Schläge zu Übungs- und Trainingszwecken aufgelassen werden, vorausgesetzt, die Tiere werden im Schlag gefüttert und getränkt.

Ausgenommen von der Stallpflicht sind Betriebe mit weniger als 350 Tieren, wenn sich diese in Haltungen befinden, bei denen sichergestellt ist, dass in allen gemischten Haltungen von Geflügel und anderen in Gefangenschaft gehaltenen Vögeln eine Trennung der Enten und Gänse von anderem Geflügel derart erfolgt, dass ein direkter und indirekter Kontakt ausgeschlossen ist und

  1. das Geflügel durch Netze, Dächer, horizontal angebrachte Gewebe oder andere geeignete Mittel vor dem Kontakt mit Wildvögeln geschützt ist oder
  2. die Fütterung und Tränkung der Tiere nur im Stall oder unter einem Unterstand erfolgt, der das Zufliegen von Wildvögeln erschwert und verhindert, dass Wildvögel mit Futter oder Wasser, das für Geflügel und andere in Gefangenschaft gehaltene Vögel bestimmt ist, in Berührung kommt und die Ausläufe gegenüber Oberflächengewässern, an denen sich wildlebende Wasservögel aufhalten können, ausbruchssicher abgezäunt sind.

Die Tränkung der Tiere darf nicht mit Wasser aus Sammelbecken für Oberflächenwasser, zu dem Wildvögel Zugang haben, erfolgen.

Die Reinigung und Desinfektion der Beförderungsmittel, Ladeplätze und Gerätschaften hat mit besonderer Sorgfalt zu erfolgen.

Der Behörde (der Amtstierärztin/dem Amtstierarzt) ist zu melden, wenn ein Abfall der Futter- und Wasseraufnahme um mehr als 20 %, ein Abfall der Eierproduktion um mehr als 5 % für mehr als 2 Tage besteht oder wenn die Mortalitätsrate höher als 3 % in einer Woche ist.

Auf Grund des Wintereinbruchs ist auch damit zu rechnen, dass es zu einem vermehrten Aufkommen von tot aufgefundenen Wildvögeln kommt.  Tot aufgefundene Wild- und Wasservögel sind der Amtstierärztin bzw. dem Amtstierarzt zu melden.

Information des Gesundheitsministeriums zur Geflügelpest (Aviäre Influenza)

Ergebnisse der Überwachung in Österreich

Im Jahr 2020 wurden insgesamt 3.655 Blutproben auf das Aviäre Influenza-Virus untersucht. Alle Proben waren negativ. Das europaweite Überwachungsprogramm besteht aus einem aktiven (Wirtschaftsgeflügel) und einem passiven (Wildvögel) Teil. Im aktiven Überwachungsprogramm 2020 gelangte Schlachtblut von 1.240 Legehennen aus 124 Betrieben (davon 61 Freilandhaltungen), von 440 Huhn-Elterntieren aus 44 Elterntierbetrieben, von 530 Mastputen aus 53 Betrieben, von 1.407 Gänsen und Enten aus 75 Betrieben und von 64 Straußen aus 8 Betrieben zur serologischen Untersuchung. Es konnten keine Antikörper gegen das AI-Virus nachgewiesen werden. Auch 158 Geflügelproben, die zusätzlich auf das AI-Virusgenom getestet wurden, waren negativ. In der passiven Überwachung im Jahr 2020 wurden 187 Proben von tot aufgefundenen Wildvögeln auf das Aviäre Influenza-A-Virusgenom untersucht. Bei 4 toten Wildvögeln konnte ein nicht  pathogenes AI-Virus festgestellt werden. 

Zuletzt trat die Vogelgrippe 2016/17 in Österreich auf: In zwei landwirtschaftlichen Betrieben wurde HPAIV H5N8 nachgewiesen. Die beiden Ausbrüche (10.11.2016, 17.01.2017) in Vorarlberg und Burgenland hatten mit dem Bodensee und dem Neusiedlersee die unmittelbare Seenähe und positive Wildvogelfunde in der näheren Umgebung gemeinsam. Auch in den Bundesländern Salzburg und Oberösterreich wurde HPAIV H5N8 in den Seenregionen bei Wildvögeln nachgewiesen, Seucheneinträge in landwirtschaftliche Betriebe kamen jedoch nicht vor.


Legende

    Situation in Europa

    Seit Ende Oktober 2020 treten in einigen Ländern Europas (Deutschland, Niederlande, Belgien, Dänemark, Schweden, Irland, Vereinigtes Königreich, Frankreich) wieder Fälle von Geflügelpest (HPAI) bei Wildvögeln, aber auch im Hausgeflügelbestand auf. Aktuell sind Ausbrüche in Kroatien und Bayern gemeldet worden, sodass sich das Risiko eines Seuchenausbruchs in Österreich erhöht. Es wurde der Subtyp H5N8 festgestellt. Bisher ist weltweit kein Fall bekannt, bei dem das H5N8-Virus auf Menschen übertragen wurde.

    Im österreichischen Tierseuchenradar werden Informationen zur internationalen Lage und Ausbreitung der bedeutendsten Tierseuchen und Tierkrankheiten, die für Österreich relevant sind, bewertet und zusammengestellt. Dadurch können mögliche Risiken für Österreich früh erkannt und kommuniziert werden. Der Tierseuchenradar erscheint monatlich.

    Tierseuchenradar Österreich

    Fachinformation

    Veterinärmedizin

    Am Nationalen Referenzlabor für Aviäre Influenza werden Proben (Organe, Tupfer, Tierkörper) zum direkten Virusnachweis mittels Real Time RT – PCR, Sequenzierung und mit Eikultur und Hämagglutinationstest (HA) untersucht. Der indirekte Nachweis durch Bestimmung der Antikörper wird mittels ELISA und Hämagglutinationshemmungstest (HAH) erbracht.

    Hämagglutinationstest: Bestimmte Viren wie Influenzaviren binden mittels Hämagglutinin Erythrozyten an ihre Oberfläche. Dadurch verklumpt (agglutiniert) das Blut. Mittels Verdünnungsreihen kann die Virusmenge ermittelt werden.

    Hämagglutinationshemmungstest: Spezielle Antikörper können  die vom Virus verursachte Agglutination/Verklumpung  verhindern. Auf diese Weise können Antikörpertiter und spezifisch einzelne Virus-Stämme bestimmt werden.

    ELISA: Enzyme-linked Immunosorbent Assay ist ein antikörperbasiertes Nachweisverfahren, Antikörper binden an ein Antigen und werden mittels einer enzymatischen Farbreaktion dargestellt.

    Real-Time RT-Polymerase-Chain-Reaction (PCR) und Sequenzierung: AI Virus-Genabschnitte werden detektiert und es kann direkt typisiert werden, ob ein H5 oder H7 Typ vorliegt. Mittels Sequenzierung kann der Pathotyp des Virusstammes (hoch- oder niedrigpathogen) bestimmt werden.

    Eikultur: Aus den Proben wird eine potenziell infektiöse Impflösung hergestellt, mit der garantiert virenfreie Hühnereier beimpft werden. Diese Eier werden mindestens fünf Tage lang bebrütet. Sind hochpathogene aviäre Influenza-Viren vorhanden, sterben die Embryos in den Eiern ab und das Virus in der Allantios kann mittels Hämagglutination (HA) identifiziert  werden.

    Kontakt, Formulare

    Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling

    Robert Koch-Gasse 17 , 2340 Mödling
    Telefon: +43 50 555-38112
    Fax: +43(0)5 0555 38529
    E-Mail: vetmed.moedlingno@Spam@agesno.Spam.at

    Seuchenverdachtsfälle außerhalb der Öffnungszeiten nach telefonischer Absprache:
    Telefon: +43 664 9670940 bzw +43 664 8398216.

    Öffnungszeiten und Probenanlieferung: Montag - Freitag: 7.00 - 15.00 Außerhalb der Dienstzeiten können dringende Proben unter Angabe des Auftraggebers und mit gültigem Formular beim Portier abgegeben werden. E-mailadresse der Befundauskunft: servicezentrale.moedlingno@Spam@agesno.Spam.at

    Downloads

      Untersuchung auf Geflügelpest im Referenzlabor der AGES (1,19 M)
      druckfähiges Foto, ©AGES
      Datei Download

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