Tularämie (Hasenpest)

Francisella tularensis

Zuletzt geändert: 31.08.2020
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Die Tularämie (Hasen-, Nagerpest, Lemmingfieber, Hirschfliegenfieber, Ohara-Krankheit) ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Francisella tularensis verursacht wird. Der Erreger kann vom Tier auf den Menschen übertragen werden.

Vorkommen

Gesamte nördliche Halbkugel.

Erregerreservoir

Hasenartige und Nagetiere. Ektoparasiten, vor allem Zecken, spielen als Vektoren eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung des Vorkommens.

Infektionsweg

Kontakt- und Schmierinfektion oder Spritzer erregerhaltiger Flüssigkeiten (vor allem beim Zerlegen von Feldhasen), aber auch durch Zeckenbisse oder Insektenstiche. Es kann auch zu einer Staub- oder Tröpfcheninfektion beim Abhäuten oder Zerlegen von infizierten Feldhasen und bei Arbeiten mit landwirtschaftlichen Produkten wie Heu, Stroh, Getreide oder Zuckerrüben kommen, wenn diese mit Exkreten oder Kadavern von Mäusen kontaminiert sind. Eine Übertragung durch kontaminierte Lebensmittel oder Wasser ist möglich.

Inkubationszeit

Bis zu 14 Tage, in der Regel drei bis fünf Tage.

Symptomatik

Meist entsteht an der Kontaktstelle ein schmerzloses Geschwür. Häufige Symptome sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und schmerzhafte Schwellung der regionalen Lymphknoten. Es kann zu unterschiedlichen Krankheitsverläufen mit unterschiedlichen Symptomen wie z. B. Pharyngitis, Erbrechen, Durchfällen oder abdominellen Schmerzen kommen.

Erkrankte Feldhasen können ungewöhnliche Bewegungen ausführen und fehlendes Fluchtverhalten zeigen.

Therapie

Die Krankheit kann mit Antibiotika behandelt werden

Vorbeugung

Kranke, getötete oder verendete Feldhasen dürfen nicht abgehäutet werden, sondern sollten nur mit Handschuhen berührt und sofort sicher verpackt werden.

Situation in Österreich

In Österreich wurden zwischen 2015 und 2019 insgesamt 57 Fälle von Tularämie beim Menschen gemeldet, der genaue Übertragungsweg ist in den meisten Fällen nicht bekannt.

Im äußersten Nordosten Österreichs besteht ein aktiver Tularämie-Naturherd, der mit den Endemiegebieten in der Slowakei und Tschechien entlang den Flüssen March und Thaya zusammenhängt. Sporadische Tularämiefälle sind auch in anderen Gebieten Österreichs möglich. So existiert im südlichen Burgenland und der angrenzenden Steiermark ein weiteres Endemiegebiet, in dem die Tularämie mehrmals bei Feldhasen nachgewiesen wurde. Tularämiefälle bei Feldhasen und Menschen wurden vereinzelt auch in Oberösterreich festgestellt. 2018 wurde ein endemisches Vorkommen der Tularämie auch in Westösterreich, mit einer Häufung von Todesfällen bei Feldhasen in Salzburg und Vorarlberg, nachgewiesen (siehe Abbildung 1).

Fachinformation

Veterinärmedizin

Während im Osten Francisella tularensis subspecies holarctica Biovar II (Erythromycin resistent) endemisch verbreitet ist, findet man in Westösterreich neben der Biovar II auch die Biovar I (Erythromycin sensibel) der Subspecies holarctica. Die unterschiedlichen Verbreitungsgebiete der Biovare I und II im Westen bzw. Osten Europas überschneiden sich in Westösterreich.

Als Reservoirtiere der Tularämie gelten Hasenartige und Nagetiere (Lagomorpha und Rodentia). Auch Ektoparasiten, vor allem Zecken, spielen als Vektoren eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung des Naturherdes. Francisella tularensis subspecies holarctica, die in Europa, Nordamerika und Japan vorkommt sowie Subspecies mediaasiatica, die in Zentralasien vorkommt, verursachen beim Menschen meist weniger schwere, lokalisierte Erkrankungen, während bei einer Infektion durch die vorwiegend in Nordamerika vorkommende hochvirulente Subspecies tularensis auch lebensbedrohende, generalisierte Krankheitsformen möglich sind.

Die Übertragung erfolgt durch Kontakt- und Schmierinfektion oder Spritzer erregerhaltiger Flüssigkeiten (vor allem beim Zerlegen von Feldhasen), aber auch durch Zeckenbisse oder Insektenstiche. Es kann auch zu einer Staub- oder Tröpfcheninfektion beim Abhäuten oder Zerlegen von infizierten Feldhasen und bei Arbeiten mit landwirtschaftlichen Produkten wie Heu, Stroh, Getreide oder Zuckerrüben kommen, wenn diese mit Exkreten oder Kadavern von Mäusen kontaminiert sind.

Symptomatik

Das Krankheitsbild ist je nach Übertragungsweg und Eintrittsort des Erregers sehr vielfältig. Während bei einer Infektion durch Feldhasen meist die ulceroglanduläre oder glanduläre Form mit Entzündung der Lymphknoten an den oberen Extremitäten beobachtet wird, liegt die Eintrittsstelle der Erreger bei einer Übertragung durch Arthropoden eher im Bereich der unteren Extremitäten. Erkrankte Feldhasen können ungewöhnliche Bewegungen ausführen und fehlendes Fluchtverhalten zeigen.

Vorbeugung und Bekämpfung

Verendete und kranke, getötete Feldhasen sowie erlegte Feldhasen mit krankhaften Veränderungen an den inneren Organen dürfen auf keinen Fall weggeworfen oder vergraben werden, sondern sollten zur Untersuchung an das IVET in Mödling eingeschickt oder seuchensicher entsorgt werden. Da Feldhasen mit chronischer Nierentularämie die Francisellen über lange Zeit mit dem Harn ausscheiden, sollten Jäger in den Endemiegebieten verstärkt darauf achten, kranke Tiere mit ungewöhnlichem Verhalten zu töten, um eine weitere Erregerverbreitung zu verhindern. Kranke, getötete oder verendete Feldhasen dürfen nicht abgehäutet werden, sondern sollten nur mit Handschuhen berührt und sofort sicher verpackt werden, um eine Infektion von Menschen durch Einatmen von erregerhältigem Staub oder Berührung von Fell, Blut oder Exkreten zu verhindern.

Kontakt, Formulare

Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling
Robert Koch-Gasse 17
2340 Mödling
Telefon: +43 50 555-38112
Fax: +43(0)5 0555 38529
E-Mail: vetmed.moedlingno@Spam@agesno.Spam.at

Downloads

    Erstmalige Isolierung von Francisella tularensis subsp. holarctica Biovar II und Brucella suis Biovar 2 beim Rotfuchs in Österreich (5,70 M)
    Datei Download  | PDF öffnen

    Zur Überwachung der österreichischen Tularämie- und Brucellose-Naturherde mit dem Rotfuchs (Vulpes vulpes) als Bioindikator (201 K)
    Datei Download  | PDF öffnen

    Epidemiological study of Francisella tularensis ssp. holarctica Biovar II srains in Austria from 1995 to 2010 (905 K)
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