Toxoplasmose

Toxoplasma gondii

Zuletzt geändert: 17.05.2021
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Toxoplasmose wird durch den einzelligen Parasiten Toxoplasma (T.) gondii ausgelöst. Bei einer Erstinfektion während einer Schwangerschaft können die Toxoplasmen auf das ungeborene Kind übertragen werden (konnatale Infektion) und schwere Schäden am Ungeborenen bis hin zum Tod verursachen. Etwa die Hälfte aller Toxoplasmosen soll lebensmittelbedingt sein.

Vorkommen

Infektionen mit T. gondii sind bei Tieren und Menschen weltweit verbreitet.

Erregerreservoir

Katzen und andere Katzenartige (Feliden) stellen die Endwirte dar, in ihnen kann die geschlechtliche Vermehrung der Parasiten stattfinden. Fressen Katzen Nagetiere oder Vögel, die im Gewebe Toxoplasmazysten enthalten oder werden sie mit rohem Fleisch gefüttert, das Toxoplasmazysten enthält, machen die Parasiten einen sexuellen Vermehrungszyklus durch und werden als Oozysten mit dem Kot ausgeschieden.

Das Spektrum möglicher Zwischenwirte, die sich an Oozysten diesen infizieren können, inkludiert Mensch, Schaf, Ziege, Nagetiere, Schwein, Rinder, Hühner und Vögel.

Infektionsweg

Zwischenwirte einschließlich des Menschen erwerben die Infektion durch orale Aufnahme von Oozysten im Rahmen des Kontakts mit infizierten Katzen, durch Aufnahme von mit Katzenkot kontaminierter Nahrung oder durch orale Aufnahme von Dauerformen (Toxoplasmazysten) im Gewebe eines Zwischenwirtes (z. B. nicht vollständig durchgegartes Schaffleisch). Tritt während einer Schwangerschaft eine erstmalige Infektion mit Parasitämie (Auftreten von Parasiten im Blut) auf, können die Toxoplasmen auch auf dem Blutweg diaplazentar auf das ungeborene Kind übertragen werden.

Inkubationszeit

10-23 Tage nach Verzehr von Zysten in rohem Fleisch oder 5-20 Tage nach Aufnahme von Oozysten (z. B. durch mit Katzenkot kontaminiertes Gemüse).

Symptomatik

Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektion mit T. gondii meist ohne Krankheitszeichen oder mit uncharakteristischen Symptomen. In der Mehrzahl führt eine Infektion im ersten Drittel der Schwangerschaft zu einem Absterben der Frucht. Im zweiten Drittel der Schwangerschaft kann es zu Hydrozephalus, Kalzifikationen im Gehirn oder schweren Augenschäden komen. Im letzten Drittel führt eine Infektion zu meist klinisch unauffälligen Neugeborenen; Spätschäden können erst nach Monaten oder Jahren, in Form von Entwicklungsstörungen, geistiger Retardierung oder Augenveränderungen bis hin zur Erblindung auftreten. Bei immungeschwächten Personen (z. B. AIDS) kann eine Infektion zu ungehemmter Vermehrung der Toxoplasmenzysten führen, mit Ausbildung einer Hirntoxoplamose in Form einer Enzephalitis.

Therapie

Die Behandlung bei bestehender Symptomatik erfolgt medikamentös.

Vorbeugung

Schwangere, die negativ auf Antikörper getestet wurden, sollten Kontakt mit neuen Katzen (Katzen, die nicht schon seit längerem im Haushalt leben und Katzen, deren Fressgewohnheiten man nicht kontrollieren kann) meiden sowie auf halbgegartes Fleisch verzichten und Gemüse vor Konsum gründlich waschen. Bei Gartenarbeiten wegen der Möglichkeit des Kontaktes mit Katzenkot Arbeitshandschuhe tragen.

Situation in Österreich

Mensch

In Österreich besteht keine amtliche Meldepflicht für Toxoplasmose. Im Jahr 2018 wurden mit dem Toxoplasmose-Screening der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der Medizinischen Universität Wien 96 Schwangere mit Infektion gefunden und antiparasitär behandelt. Es wurden acht gesicherte konnatale Infektionen mit Toxoplasma gondii diagnostiziert.


Legende

    Tier

    Bei Nutztieren und Katzen werden lediglich nach klinischem Verdacht, wie z. B. nach Aborten, aus privatem Interesse oder im Rahmen von Studien Proben von Tieren an die Laboratorien zur Untersuchung auf T. gondii geschickt. Im Jahr 2018 kamen 35 Proben von Rindern, 21 von Schafen und 30 Proben von Ziegen zur serologischen Untersuchung. In fünf Proben von Rindern, in elf von Schafen und 19 von Ziegen waren Toxoplasma-Antikörper zu finden; der Erreger war in keiner Probe direkt nachweisbar (vier Proben von Rindern, 23 von Schafen und 15 von Ziegen).

    Fachinformation

    In Österreich besteht keine amtliche Meldepflicht für Toxoplasmose. Das Toxoplasmoselabor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der Medizinischen Universität Wien verarbeitet Fruchtwasserproben zur PCR-Analyse aus den österreichischen Pränatalzentren und es wird im Sinne der Qualitätskontrolle auch Nabelschnurblut von Kindern infizierter Schwangerer österreichweit untersucht. Das erlaubt ein Follow-up von Kindern infizierter Mütter und die Erhebung des Infektionsstatus der Kinder.

    Diagnostik

    Der serologische Antikörpernachweis aus Blutproben stellt die primäre Routinemethode dar. Neben dem indirekten Erregernachweis stehen auch direkte mikroskopische Nachweisverfahren sowie der Nukleinsäure-Nachweis mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) für Fruchtwasser, Rückenmarksflüssigkeit, Bronchiallavagen, Augenkammerwasser oder Plazenta-Material zur Verfügung.

    Kontakt, Formulare

    Toxoplasmoselabor und Nachsorgeambulanz
    Toxoplasmose-Diagnostik in der Schwangerschaft und kindliches Follow-up
    Nationales Toxoplasmose-Register
    Klinische Abteilung für Neonatologie, pädiatrische Intensivmedizin und Neuropädiatrie
    Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde
    Medizinische Universität Wien1090 Wien
    Währinger Gürtel 18-20

    Nationale Referenzzentrale für Toxoplasmose, Echinokokkosen, Toxokarose u. a. Parasitosen
    Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin
    Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie
    Medizinische Universität Wien
    1090 Wien, Kinderspitalgasse 15

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