Schmallenberg-Virusinfektion

SBV

Zuletzt geändert: 11.12.2020
Icon Icon Icon Icon Icon

Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Die Infektion mit dem Schmallenberg-Virus (SBV) kann bei Haus- und Wildwiederkäuern zu (fieberhaften) Durchfallerkrankungen mit stark vermindertem Allgemeinbefinden und Milchrückgang führen. Erfolgt die Infektion im Mutterleib, können schwerwiegende Missbildungen der Jungtiere vorkommen. Die Übertragung erfolgt durch den Biss von Gnitzen (beißend-saugende Insekten), sowie vom infizierten Muttertier auf den ungeborenen Nachwuchs. Der Erstnachweis in Tieren aus Österreich stammt aus dem Jahr 2012. Menschen sind nicht für die Infektion empfänglich.

Vorkommen

Der internationale Erstnachweis stammt aus dem Jahr 2011. Mittlerweile ist SBV in Europa weitverbreitet, es ist von einer sogenannten endemischen Situation auszugehen.

Erregerreservoir

Das eigentliche Erregerreservoir ist nicht geklärt, vermutlich kann das Virus in den Gnitzen überwintern. In den von den Gnitzen parasitierten Tieren ist die Phase, in der Virus im Blut nachweisbar ist, sehr gering, sodass diese als Reservoir ausscheiden.

Infektionsweg

Die Übertragung erfolgt durch den Biss von Gnitzen bzw. auch von infizierten Muttertieren, die noch keine SBV-Infektion durchgemacht haben, auf den ungeborenen Nachwuchs.

Inkubationszeit

Wenige Tage

Symptomatik

Bei geborenen Tieren bleibt die Infektion unbemerkt, oder führt zu einer milden, vorübergehenden Erkrankung mit Durchfall, Fieber und Milchleistungsrückgang. Die Infektion von Feten kann abhängig vom Infektionszeitpunkt zu Aborten oder verschiedenen Missbildungen im Bereich des Kopfes und der Extremitäten sowie zur Geburt von lebensschwachen Kälbern, Lämmern oder Zicklein führen.

Therapie

Es gibt keine ursächliche Therapie. Die Infektion führt jedoch nur selten zu einer klinisch auffälligen Erkrankung.

Vorbeugung

Kommerzielle Impfstoffe wurden entwickelt. Es ist derzeit aber kein Impfstoff gegen SBV in Österreich zugelassen.

Situation in Österreich

Im Zug des ersten Auftretens von SBV in Österreich kam es im Jahr 2012 zu einer sehr raschen Durchseuchung eines Großteils (annähernd 100 %) der österreichischen Rinderpopulation. Zeitlich versetzt wurden im Frühjahr des Folgejahres 2013 viele Missbildungen bei Kälbern, Lämmern und Zicklein beobachtet. Der Nachweis von Antikörpern in Wildwiederkäuern lieferte den Hinweis, dass auch diese Tiere von der SBV-Infektion betroffen waren. Seit dem ersten Auftreten ist die Häufigkeit an jährlichen Neuinfektionen aufgrund einer bestehenden Basisimmunität in der Wiederkäuerpopulation (Vorhandensein schützender Antikörper) deutlich geringer, es kommt jedoch zumeist im Zuge von Exportuntersuchungen alljährlich zu vereinzelten Nachweisen.

Im Jahr 2019 wurden 3.510 Blutproben von Rindern, Schafen und Ziegen auf Antikörper gegen SBV untersucht, wovon 1.279 (36 %) positiv waren. Demgegenüber wurde das Virus selbst nur in 39 von 26.712 virologisch untersuchten Proben nachgewiesen.

Fachinformation

Das SBV ist ein behülltes RNA-Virus mit einzelsträngigem, segmentiertem Genom aus der Familie Bunyaviridae, Genus Orthobunyavirus. Verwandte Viren (Shamonda-, Aino- und Akabane-Virus; „Simbu-Serogruppe“) sind in Australien, Asien und Afrika verbreitet und rufen dort in der Regel zunächst nur eine sehr milde Klinik hervor. Werden allerdings trächtige Tiere infiziert, so können zeitverzögert zum Teil erhebliche kongenitale Schäden, Frühgeburten und Störungen im Fruchtbarkeitsgeschehen auftreten.

Nach heutigem Wissensstand ist von keiner Gefährdung des Menschen durch SBV auszugehen.
Treten in einem Bestand bei Kälbern Missbildungen oder Totgeburten auf, so ist mit dem zuständigen Amtstierarzt Kontakt aufzunehmen, der die erforderlichen Schritte zur Einsendung von Proben oder des abortierten Fötus an geeignete Laborstellen durchführen wird. Nachdem die Infektion mit SBV nicht anzeigepflichtig ist, bleibt der Nachweis aber seuchenrechtlich ohne Konsequenzen.

Übertragung

Die Übertragung erfolgt durch Gnitzen (Culicoides spp.). Aufgrund des saisonalen Auftretens dieser Vektoren sind akute Infektionen sowie zufällige Nachweise von SBV im Rahmen von Routineuntersuchungen (z. B. Exportuntersuchungen) auf die Sommer und Herbstmonate beschränkt. Naive Muttertiere können die Infektion auf die Feten transplazentar übertragen.

Symptomatik

Symptomatik bei akuter Infektion: In den meisten Fällen kommt es zu keiner oder nur einer gering ausgeprägten und kurzzeitigen klinischen Symptomatik, die durch Fieber, Durchfall oder Milchleistungsrückgang gekennzeichnet ist. Im Zuge der akuten Infektion kann es bei trächtigen Tieren auch zu Aborten kommen.

Symptomatik bei transplazentarer Infektion:
Werden trächtige, naive Muttertiere in einem empfänglichen Zeitraum infiziert (beim Schaf vermutlich zwischen dem 30. und 50. Tag, beim Rind etwa während des 75. bis 175. Trächtigkeitstages), kann die Infektion zu schweren Missbildungen an Extremitäten (Arthrogrypose) und Kopf (Hydrocephalie, Torticollis, Hydranencenphalie) führen. Die Geburt missgebildeter und/oder lebensschwacher Jungtiere erfolgt abhängig vom Infektionszeitpunkt und der Tragezeit der unterschiedlichen betroffenen Tierarten im Winter und Frühling.

Diagnostik

Die Untersuchung auf Antikörper aus Blut (Serum) erfolgt mittels ELISA oder (selten) Serumneutralisationstest. Das Ergebnis erlaubt eine Aussage, ob das Tier Kontakt mit dem Virus hatte. Zur Abgrenzung einer rezenten von einer länger zurückliegenden Infektion kann ein Serumneutralisationstest an paarigen Serumproben durchgeführt werden. Eine durchgemachte Infektion führt in der Regel zur Immunität.

Untersuchung mittels PCR aus Blut, Samen und Organen (Gehirn, Rückenmark, Milz), sowie Abortmaterial: Die PCR weist das Virus bzw. Virusbestandteile direkt nach. Im Blut ist SBV nur während eines sehr kurzen Zeitraumes (wenige Tage) nachweisbar. Auch im Samen ist SBV im Zuge einer akuten Infektion zumeist kurzzeitig nachweisbar; in seltenen Fällen kann es auch zu längerfristiger Nachweisbarkeit von SBV im Samen kommen.

In allen Fällen sollte der Probenversand an das Labor idealerweise unter Beigabe von Kühlmitteln und Berücksichtigung der entsprechenden Transportbestimmungen (UN3373) durch ein dazu berechtigtes Logistikunternehmen durchgeführt werden.

Kontakt, Formulare

Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling
Robert Koch-Gasse 17
A-2340 Mödling
Tel: +43 505 55-38112
Fax: +43 505 55-38108
vetmed.moedlingno@Spam@agesno.Spam.at

zur Übersicht
x