Schaf- und Ziegenpocken

Sheep pox (SPP), Goat Pox (GTP)

Zuletzt geändert: 17.05.2021
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Tierseuchenkategorien: A D E

Steckbrief

Schaf- und Ziegenpocken sind Pockenerkrankungen der kleinen Wiederkäuer. Für den Menschen sind Schaf- und Ziegenpocken ungefährlich.

Vorkommen

Endemisch in Asien, Kleinasien, im Mittleren Osten und in Afrika. In Österreich bzw. in der EU, mit Ausnahme von Griechenland und Bulgarien, kommen Schaf- und Ziegenpocken nicht vor.

Wirtstiere

Kleine Wiederkäuer: Schafe und Ziegen. Wie weit Wildschafe und Wildziegen von dieser Krankheit betroffen sind, ist wissenschaftlich nicht geklärt; eine Infektion wildlebender kleiner Wiederkäuer mit Schaf- oder Ziegenpockenviren kann nicht ausgeschlossen werden.

Infektionsweg

Die Ansteckung erfolgt über direkten Kontakt von Tier zu Tier, oftmals über Aerosole. Eine indirekte Verbreitung, z. B. über kontaminiertes Stallequipment, Arbeitsgeräte, Gegenstände und Transportfahrzeuge ist aufgrund der Langlebigkeit des Virus in der Umgebung möglich. Nicht fachgemäß behandelte Tierhäute und Felle sind ebenfalls wichtige Verbreitungsquellen der Erreger.

Inkubationszeit

4-14 Tage

Symptomatik

Häufig auftretende Symptome sind hohes Fieber (40-42 °C), Nasen- und Augenausfluss, Lungenentzündung, Störung des Allgemeinbefindens, Mattigkeit sowie Verweigerung der Nahrungsaufnahme durch schmerzhafte Blasen im Maul. Die Sterblichkeitsrate ist abhängig von der Tierrasse, dem Virusstamm und dem Alter der Tiere. Sie schwankt zwischen 50 % und 100 % und ist bei Jungtieren besonders hoch.

Therapie

Es gibt keine Therapie

Vorbeugung

Intensive Beobachtung bzw. kurzzeitige Absonderung von neu zugekauften Tieren. Lebend attentuierte Impfstoffe sind vorhanden, jedoch in der EU nicht zugelassen. Prophylaktische Impfungen sind in allen EU-Staaten untersagt.

Situation in Österreich

Schaf- und Ziegenpocken zählen zu den anzeigepflichtigen Erkrankungen der kleinen Wiederkäuer. Bislang kam die Krankheit in Österreich nicht vor.

Fachinformation

Schaf- und Ziegenpocken kommen endemisch in Afrika, im Mittleren Osten, in Kleinasien (Türkei) und in Asien vor. In Europa kommt es immer wieder zum periodisch auftretenden Seuchengeschehen in Griechenland und Bulgarien (2013-2014, 2015, 2017). Betroffene Tierarten sind Schafe und Ziegen. Infektionen von wildlebenden kleinen Wiederkäuern sind bislang nicht dokumentiert, können aber nicht ausgeschlossen werden. Eine Infektion des Menschen mit dem Schaf- bzw. Ziegenpockenvirus ist nicht bekannt.

Der Import von Schafen und Ziegen aus Regionen mit endemischem Vorkommen von Schaf- und Ziegenpocken (z. B. aus der Türkei) ist verboten. Das Erstauftreten dieser Tierkrankheiten konnte in Griechenland und Bulgarien auf illegale Verbringung einzelner infizierter Tiere im Zuge der Wanderviehwirtschaft bzw. der Immigrationsbewegungen sowie auf den illegalen Tierhandel zurückgeführt werden (EFSA Journal 2014;12(11):3885.). Eine Verbringung von gesunden Tieren innerhalb der betroffenen EU-Staaten Griechenland und Bulgarien erfolgt nur in Hinblick auf Züchtung und Schlachtung.  Weitere Verbreitungsmechanismen über geographisch längere Distanzen (z. B. über Wildtiere, Vögel bzw. über Vektoren) sind nicht erforscht.

Die Erreger der Schaf- und Ziegenpocken, das Schafpockenvirus (SPPV) und das Ziegenpockenvirus (GTPV), gehören zur Gattung der Capripoxviren. Schaf- und die Ziegenpockenviren sind doppelsträngige, behüllte DNA-Viren (Größe: 170–260nm x 300–450nm). Sie kommen in genetisch verschiedenen Stämmen vor. Einige dieser Virusstämme können auf die nach ihnen benannte Tierart spezialisiert sein; manche Stämme können aber sowohl Ziege als auch Schaf infizieren. Phylogenetisch unterscheiden sich das Schaf- und das Ziegenpockenvirus vom ebenfalls zu den Capripocken gehörenden Lumpy skin disease virus (LSDV); serologisch sind Capripoxviren bislang noch nicht zu differenzieren.

Die direkte Verbreitung der Erreger vom infizierten zum gesunden Tier erfolgt über mit Erregern behaftete Aerosole durch Husten, Niesen und heftiges Kopfschütteln. Dabei werden mit Erregern behaftete Exkrete (Nasen-, Augenexkrete, Hustenschleim) verbreitet. Die direkte Übertragung von Erreger über offene Hautwunden bei Kontakt mit infizierten Tieren ist ebenfalls möglich. Saugende Lämmer und Kitze können sich auch beim infizierten Muttertier über Hautläsionen am Euter anstecken. Erkrankte Tiere sind bereits bei den ersten Anzeichen von Hautläsionen infektiös.

Die indirekte Übertragung erfolgt über Arthropoden (z. B. Stallfliegen). Wissenschaftliche Studien über Vektoren sind spärlich. Virushaltige Exkrete im Futtermittel, Wasser, in der Wolle, in der Stallumgebung und in Transportern sowie schlecht präparierte bzw. unbehandelte Tierhäute infizierter Tiere tragen ebenso zur Verbreitung der Krankheit bei. Im Speichel und in der Nasen- bzw. Augenflüssigkeit infizierter Tiere sind die Viren bis zu 64 Tage, in den Hautläsionen bis zu 30 Tage, in abgefallenen Krusten der Läsionen bis zu 180 Tage, im Urin 15 Tage und im Kot 61 Tage nach Infektion nachweisbar. Die Viren können über längere Zeit in der Umgebung -  z. B. bis zu 180 Tage auf Weiden oder 6 Monate im Schatten im Stallgebäude - überdauern. Die Viren sind anfällig für Temperaturen über 70 °C (65 °C/30min., 56 °C/2h). Bevorzugtes pH-Milieu ist zwischen 6.6. und 8.6. Hoher alkalischer oder saurer pH zerstören die meisten Erreger. 1 % Formalin bzw. Chloroform, 2-3 %iges Sodiumhypochlorit und einige weiteren Viruzide können die Viren inaktivieren.

Symptomatik

Die Schwere der Krankheit hängt von der Virulenz des Virusstammes, der Rasse und dem Alter der Wirtstiere ab. Der Krankheitsverlauf sowie die Ausprägung der Symptome ist in homolog infizierten Tieren ausgeprägter. Jungtiere sind stärker betroffen als ältere Tiere; die Morbidität beträgt 70-90 %, die Mortalität über 50 %. Die Mortalität kann bei Lämmern und Kitzen nahezu 100 % betragen. Genesene Tieren haben zeitlebens eine Immunität gegenüber Neuinfektionen.

Die Infektion der Tiere erfolgt meist über offene Hautwunden oder über die respiratorischen Organe durch erregertragende Aerosole. Das Auftreten erster Hautläsionen beginnt 6 Tage nach der Infektion. Bis zum 6. Tag sind die meisten Tiere nicht infektiös. Die ersten Symptome sind Nasen- und Augenabsonderungen, Fieber (40-42 °C), Atmungsprobleme, Appetitlosigkeit und depressives Verhalten. Hautläsionen treten zuerst im Gesicht, um Lippe und Nasenregion und an den Augenlidern auf. Hautläsionen finden sich oft auch am Euter und am Schwanzansatz sowie manchmal unter der Wolle. Pockenläsionen können in nahezu allen internen Organen - in der Mundhöhle, Nasenhöhle, auf der Zunge, in der Lunge und an den Schleimhäuten des Verdauungstraktes und respiratorischen Traktes auftreten. Lymphknoten, Leber und Milz sind in geringerem Maße befallen. Nach 21 dpi ist eine Erholung der Tiere möglich. Die Tiere zeigen zwar keine klinischen Symptome mehr, können aber bis zu 64 Tage nach der Infektion Erreger absondern. Bei Lämmern sind die Krankheitssymptome stärker ausgeprägt. Aufgrund der schmerzhaften Läsionen im Maul, Nasenbereich, im respiratorischen Trakt und im Verdauungstrakt verweigern die Jungtiere oft die Nahrungsaufnahme und verhungern.

Therapie, Bekämpfung

Schaf- und Ziegenpocken sind anzeigepflichtige Tierseuchen. Die Bekämpfung beider Krankheiten stützt sich daher auf

  • die Verhinderung der Einschleppung und Verbreitung des Erregers aufgrund von Handelsrestriktionen in Hinblick auf Tierhandel und Handel mit tierischen Produkten von betroffenen Länder   
  • die frühe Detektion der Krankheiten
  • die „stamping out“ Methode (Keulung infizierter und seuchenverdächtiger Tiere)

Bei Auftreten von Schaf- und Ziegenpocken sind Restriktionen bei der Verbringung von Tieren und tierischen Produkten, sowie Errichtung von Schutzzonen um Ausbruchsherde bzw. andere krankheitsspezifische Restriktionen zu erwarten. Nach der Keulung von betroffenen Tierbeständen sind intensive Reinigung und Desinfektion der Ställe sowie eine Warteperiode vor Neubesatz Voraussetzung für eine neuerliche Einstallung. Die Beobachtung und Untersuchung von Sentineltieren ist für das weitere Auftreten von Infektionen bedeutsam.
Attentuierte Lebendimpfstoffe sind vorhanden, diese sind jedoch in der EU nicht zugelassen. Diagnostisch ist keine Unterscheidung zwischen geimpften und mit einem Feldstamm infizierten Tieren möglich. Prophylaktische Impfungen sind in allen EU-Staaten untersagt.

Diagnostik

Probenart:
lebende Tiere:

  • Hautläsionen und/oder Hautkrusten
  • Speichelflüssigkeit (nativ in Röhrchen oder Tupfer möglich - keine bakteriologischen Tupfertransportmedien)
  • Nasen- und Augenflüssigkeit (mit Tupfer - keine bakteriologischen Tupfertransportmedien)
  • Blut (EDTA/Heparin) und Serum

Tierkörper (tot):

  • ganze Tierkörper
  • Hautläsionen und/oder Hautkrusten
  • Lymphknoten
  • Milz
  • Lunge und veränderte Regionen des Respirationstraktes
  • Nasenflüssigkeit (mit Tupfer - keine bakteriologischen Tupfertransportmedien)

Die Proben können über den Amtstierarzt an das Nationale Referenzlabor für Capripocken (Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling) eingesandt werden.

Nachweisverfahren:

  • Pathomorphologische Untersuchungen inkl. Elektronenmikroskopie
  • Molekularbiologische Methoden (PCR)
  • Nachweis von Antikörpern mittels ELISA
  • Serumneutralisationstest (SNT)
  • Virusanzüchtung in der Zellkultur (nur für Forschungszwecke)

Die diagnostischen Methoden werden auch in der Ausschlussdiagnostik angewandt. Mit der Ausschlussdiagnostik kann nicht nur frühzeitig ein Seuchengeschehen erkannt werden, sie dient auch zur Aufrechterhaltung der Kompetenz der labordiagnostischen Untersuchungen.

Zur Diagnostik siehe auch Leistungen - Kleine Wiederkäuer

Kontakt, Formulare

Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling (Nationales Referenzlabor für Capripocken)
Robert Koch-Gasse 17
2340 Mödling
Tel: +43 50 555-38112
Fax: +43 50 555-38529
E-Mail: vetmed.moedlingno@Spam@agesno.Spam.at

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