RHD - Hämorrhagische Krankheit der Kaninchen

Rabbit hemorrhagic Disease

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Zuletzt geändert: 22.01.2019
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Die Hämorrhagische Krankheit der Kaninchen (Rabbit hemorrhagic disease, Chinaseuche oder RHD) kann bei seuchenhaftem Auftreten hohe wirtschaftliche Verluste in der Kaninchenfleisch- und Pelzindustrie verursachen. Ein Ausbruch hat signifikante negative ökologische Auswirkungen auf wilde Kaninchenpopulationen und indirekt auch auf deren Räuber. Die RHD ist seit den 1980er Jahren bekannt. Der Erreger der Hämorrhagischen Krankheit der Kaninchen ist das RHD-Virus (RHDV), ein unbehülltes, einzelsträngiges RNA-Virus aus der Virusfamilie der Caliciviridae (Genus: Lagovirus). Das Virus ist außerhalb des Wirtes sehr widerstandsfähig. Im Jahr 2010 wurde in Frankreich vom Auftreten einer neuen Variante des RHD-Virus berichtet, welches als RHD-Virus 2 (RHDV-2) bezeichnet wird.

Die Hämorrhagische Krankheit der Kaninchen (Rabbit hemorrhagic disease, Chinaseuche oder RHD) kann bei seuchenhaftem Auftreten hohe wirtschaftliche Verluste in der Kaninchenfleisch- und Pelzindustrie verursachen. Ein Ausbruch hat signifikante negative ökologische Auswirkungen auf wilde Kaninchenpopulationen und indirekt auch auf deren Räuber. Die RHD ist seit den 1980er Jahren bekannt. Der Erreger der Hämorrhagischen Krankheit der Kaninchen ist das RHD-Virus (RHDV), ein unbehülltes, einzelsträngiges RNA-Virus aus der Virusfamilie der Caliciviridae (Genus: Lagovirus). Das Virus ist außerhalb des Wirtes sehr widerstandsfähig. Im Jahr 2010 wurde in Frankreich vom Auftreten einer neuen Variante des RHD-Virus berichtet, welches als RHD-Virus 2 (RHDV-2) bezeichnet wird.

Vorkommen

Die Hämorrhagische Krankheit der Kaninchen (RHD) wurde erstmals 1984 in China beschrieben. Wenige Jahre später wurde ein seuchenhafte Auftreten dieser Erkrankung auch in Europa festgestellt. Eine ähnliche Virusinfektion, ebenfalls verursacht durch ein Calicivirus aus dem Genus Lagovirus, war zuvor bei Feldhasen unter der Bezeichnung European brown hare syndrome (EBHS) nachgewiesen worden.

Das Virus der Hämorrhagischen Krankheit der Kaninchen (RHDV) ist weltweit verbreitet; kommt in Australien, Neuseeland, Amerika, Asien und Europa vor. Die Ausbreitung erfolgte unter anderem auch durch Import/Export von Kaninchenfleisch. Ausgangspunkt für die Verbreitung des Virus in Australien war eine dem australischen Kontinent vorgelagerte Insel. Dort wurde das Virus experimentell zur Dezimierung der Wildkaninchenpopulation eingesetzt.

Das Wirtspektrum umfasst Haus- und Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus). Das klassische RHD-Virus ist sehr wirtspezifisch und nicht ansteckend für den Mensch und andere Säugetiere. Im Gegensatz zum „klassischen“ RHDV sind für das RHDV-2 auch Feldhasen empfänglich. An RHDV-2 erkranken Jungtiere schon ab einem Alter von ca. 1 Monat.

In Deutschland wurden erstmals 2014 Fälle von RHDV-2-Infektionen nachgewiesen, in Österreich im Jahr 2016. Über RHDV-Infektionen bei Haus- und Wildkaninchen wird in Österreich gelegentlich berichtet. Von der AGES wurden bisher zwei Fälle von RHDV-2-Infektionen (Steiermark, Salzburg) diagnostiziert. Der letzte bekannte Nachweis der Klassischen RHD  war Ende 2016 bei Wildkaninchen der Donauinsel in Wien.

Übertragung

Die Erregerübertragung erfolgt direkt von Kaninchen zu Kaninchen (über Sekrete und Exkrete) und indirekt über kontaminierte unbelebte und belebte Vektoren (z. B. verunreinigtes Wasser, Futter, Kleidung, Schuhe, Gegenstände, Hände, blutsaugende Insekten). Die Erregeraufnahme kann oral, nasal, konjunktival und parenteral über blutsaugende Insekten erfolgen.

Symptome

Die Inkubationszeit beträgt 1-3 Tage. Erkrankte Tiere verenden in der Regel nach 12-72 Stunden. Jungtiere bis zu einem Alter von ca. 2 Monaten erkranken nicht an klassischer RHDV-Infektion (juvenile Resistenz), während sie aber ab einem Alter von 1 Monat an RHDV-2-Infektion erkranken können.

Die Erkrankung ist durch einen meist perakuten Verlauf gekennzeichnet, der mit einer nekrotisierenden Hepatitis (Leberentzündung) und generalisierten Gerinnungsstörung einhergeht.

Der perakute/akute Verlauf zeichnet sich durch plötzliche Todesfälle ohne klinische Symptomatik oder durch akut auftretende Mattigkeit, Appetitlosigkeit, hohes Fieber (> 40 °C), blutigen Nasenausfluss sowie gelegentlich respiratorische und neurologische Symptome (z. B. Opisthotonus, Paralysen, Ataxie) aus.

Der subakute/chronische Verlauf hingegen kommt selten vor und ist gekennzeichnet durch eine mildere klinische Symptomatik: Ikterus, Appetitlosigkeit, Lethargie. Eine Rekonvaleszenz nach der Erkrankung ist eher untypisch.

Bekämpfung/Prävention

Bekämpfung/Prävention

Eine Bekämpfung und Prävention der RHD erfolgt über Impfprophylaxe und Verhinderung der Einschleppung in Kaninchenbestände. Es wird berichtet, dass monovalente RHDV-Impfstoffe nach Grundimmunisierung gefolgt von halbjährlichen Auffrischungsimpfungen einen zusätzlichen Schutz gegen schwere klinische Ausprägungen einer RHDV-2-Infektion bieten. Seit Herbst 2016 ist für Mastkaninchen europaweit ein RHDV-2 Impfstoff zugelassen.

Diagnostik

Hauptbefunde der Obduktion bei verendeten Kaninchen sind eine trockene, brüchige, zunderfarbene Leber, Stauungsorgane, kleinere Blutungen, Milzschwellung und Lungenödem.

Histologisch dominiert eine akute Hepatitis bedingt durch den virusinduzierten Untergang zahlreicher Leberzellen und akute Stauungsorgane mit begleitenden Blutungen infolge Blutgerinnungsstörungen und Mikrothrombenbildung.

Anhand der Obduktions- und histologischen Befunde ist die Diagnose von RHD relativ sicher, eine Unterscheidung zwischen RHDV und RHDV-2 ist jedoch nicht möglich. Die Unterscheidung erfolgt  mittels molekularbiologischer Methoden.

Bei einem Verdacht wird empfohlen, den Tierkörper zur pathologischen Untersuchung an das Institut für Veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling einzuschicken. Eine Differenzierung zwischen RHDV und RHDV-2 kann anschließend durch eine weiterführende molekularbiologische Untersuchung (Inst. für klinische Virologie, Veterinärmedizinische Universität Wien) erfolgen.

In der AGES wird RHD am Institut für Veterinärmedizinische Untersuchungen in Mödling (im Pathologiezentrum Ost Mödling) untersucht:
AGES-Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling,
Robert Kochgasse 17,
2340 Mödling
Tel: +43 50555 38112
E-Mail: vetmed.mödlingno@Spam@agesno.Spam.at


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