Pest der kleinen Wiederkäuer

PPR

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Zuletzt geändert: 05.07.2018
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Die Pest der kleinen Wiederkäuer (Peste de petits ruminants (PPR)) ist eine anzeigepflichtige (RL 92/119/EWG), akute, hoch fieberhaft verlaufende Virusinfektion der Schafe und Ziegen; gelegentlich erkranken auch andere Paarhufer. Die Tierseuche zeichnet sich durch eine hohe Morbidität und Mortalität insbesondere in Ländern mit erstmaligem Vorkommen aus. Sie verursacht hohe wirtschaftliche Verluste, da bei Infektion der Bestand gekeult werden muss. Infizierte Schlachtkörper müssen vernichtet werden und dürfen, wie auch Rohmilchprodukte infizierter Tiere, nicht in den Handel gelangen. Seitens der FAO und der OIE besteht das Bestreben die Krankheit bis 2030 zu eliminieren.

Aktuell wurden im Juni 2018 Ausbrüche in Bulgarien gemeldet.

Erreger

Der Erreger der Pest der kleinen Wiederkäuer ist das Peste de Petits Ruminants virus (PPRV), ein Paramyxovirus (Genus Morbillivirus), welches mit dem Erreger der Rinderpest, dem Rinderpestvirus (RPV) genetisch eng verwandt ist. Obwohl eine Antigenverwandtschaft zum RPV besteht, lässt sich das PPRV deutlich davon abgrenzen. Der Serotyp PPRV spaltet sich in 4 unterschiedliche Genotypen (I-IV) auf.

Weiterführende Literatur
LINKS zu internationalen Organisationen

Vorkommen

Vorkommen

Die Pest der kleinen Wiederkäuer ist endemisch in Afrika, im Mittleren Osten, Zentral-, Mittel- und Ostasien. Die PPRV-Linie IV hat sich zuletzt sehr in Asien (z.B. China, Nepal, Indien, Pakistan) und Afrika (vom Norden bis Tansania) ausgebreitet. Es gibt regelmäßig Ausbrüche in der Türkei; letzter Ausbruch: 2011-2016. In Europa ist erstmalig ein Auftreten in Bulgarien im Juni 2018 gemeldet worden.

PPR ist eine Tierseuche der kleinen Wiederkäuer, der Schafe und Ziegen. Ziegen erkranken meistens schwerer als Schafe, wobei häufig ein Großteil der Herde betroffen ist. Jungtiere werden von dieser Erkrankung stärker in Mitleidenschaft gezogen als Alttiere. Es sind jedoch auch andere Paarhufer wie das Hausrind, Büffel, und Wildwiederkäuer (z.B. Hirsch, Steinwild, Gazellen, Antilopen) sowie das Dromedar davon betroffen. Manche dieser Paarhufer zeigen häufig keine Krankheitssymptome (z.B. das Hausrind); sie können jedoch das Virus ausscheiden. In der Mongolei kam es 2017 indes zu einem Krankheitsausbruch mit hoher Mortalität bei Saiga-Antilopen. Beim Schwein konnte die symptomlos auftretende Krankheit nur im experimentellen Infektionsversuch nachgewiesen werden.

Der Mensch kann sich nicht infizieren.

Übertragung

Übertragung

Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch engen direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder deren Ausscheidungen, kann jedoch auch aerogen über den Respirationstrakt erfolgen. Die Virusausscheidung ist vor der Ausprägung von klinischen Symptomen möglich. Sie erfolgt über die Tränenflüssigkeit, das Nasen- und Rachensekret sowie den Kot. Der Urin und Speichel von Ziegen ist ebenfalls virushaltig. Als Virusreservoir dienen klinisch inapparent infizierte Tiere (z.B. Hausrind aber auch Wildwiederkäuer). Tiere, die PPR-Infektionen überstehen sind immun gegenüber Reinfektion, sowie auch gegenüber anderen Genotypen.

Eine Übertragung des PPRV über die Rohmilch von Ziegen ist aufgrund wissenschaftlicher Untersuchungen (Ausbruch in Bangladesh 2012-2015) belegt.

Symptome

Symptome

Ziege und Schaf, Rind, Schwein, Wildwiederkäuer sind empfänglich. Die Pest der kleinen Wiederkäuer verläuft bei Ziegen meist dramatischer als bei Schafen und führt bei etwa 90 % der Ziegenkitze zum Tod. Bei Rindern und bei manchen Wildwiederkäuern löst das Virus eine subklinische Erkrankung aus. Eine hohe Morbidität und eine variable Mortalität sind typisch für PPR. Die generelle Sterblichkeitsrate variiert zwischen 10 und 90 %.

Die Inkubationszeit beträgt 4-5 Tage, danach – ab dem 6. Tag – wird hohes Fieber beobachtet. Es kann eine prodromale und eine erosive Phase unterschieden werden können.

Die Prodromalphase, die vorwiegend Symptome einer Allgemeinerkrankung zeigt, kann 3 Tage dauern und kann mit ulzerös-nekrotisierenden Entzündungen in der Maulhöhle und des Zahnfleisches einhergehen (siehe Abbildungen).

Die befallenen Tiere zeigen meist hohes Fieber zwischen 40 und 41,5 °C. Weitere wichtige klinische Erscheinungen sind Anorexie, Verstopfung, seröser Nasen- und Augenausfluss, starker Durchfall und Lungenentzündung. Durch den wässrigen Nasen- und Augenausfluss bilden sich Krusten an den Augen und Nasenlöchern.

Zu Beginn der erosiven Phase kommt es zur Entwicklung von Erosionen, Ulzera und Nekrosen der Maulschleimhaut. Erosionen können mitunter im gesamten Gastrointestinaltrakt nachgewiesen werden (häufig mit einer streifenförmiger Musterung „Zebrastreifen“). Gelegentlich tritt auch eine Lungenentzündung auf. Sie  ist charakterisiert durch eine bronchointerstitielle Pneumonie mit Nachweis viraler zytoplasmatischer Einschlußkörperchen und Synzitien.

Bei hoch empfänglichen Tieren kommen neben akuten auch perakute Verlaufsformen vor, die kurz nach der Prodromalphase sofort zum Tod führen. Umgekehrt gibt es auch eine chronische Verlaufsform, die meist durch schwach virulente Viren ausgelöst wird. Sie verursacht kaum sichtbare Läsionen bis stark ausgeprägte noduläre Proliferationen im Maulbereich.

Aufgrund des Ausbruches in Bulgarien, ist auch bei ähnlich auftretenden Einzelsymptomen eine labordiagnostische Untersuchung über die Ausschlussdiagnostik bzw. bei Verdacht eine Verdachtseinsendung über den Amtstierarzt angezeigt.

Differentialdiagnose:

Alle erosiven oder vesikulären Haut- und Schleimhauterkrankungen der Wiederkäuer mit schwerer Störung des Allgemeinbefindens, z.B.S

  • Schaf- und Ziegenpocken,
  • Lippengrind,
  • Maul- und Klauenseuche,
  • Blauzungenkrankheit,
  • Contagious caprine pleuropneumonia,
  • Pasteurellosen,        
  • Salmonellosen,
  • Kokzidiose

 

 

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Nasen- und Augenausfluss
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Nekrosen in der Maulhöhle
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Nekrosen am Maul
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nekrotisierende Entzündung des Zahnfleisches
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typische Veränderungen an der Leber
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Errosionen / Darmtrakt

Bekämpfung, Prävention

Bekämpfung, Prävention

Die Pest der kleinen Wiederkäuer ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Bei Verdacht muss der Amtstierarzt umgehend verständigt werden. Dieser trifft dann die für eine Anzeigepflicht notwendigen Maßnahmen. Da die Krankheit in Österreich noch nie aufgetreten ist, die Symptomatik kaum bekannt ist, ist auch bei Auftreten einzelner symptomartigen Veränderungen im Bestand eine Ausschlussdiagnostik angezeigt.

Vorbeugende Maßnahmen:

  • Das Betreten des Stalles sollte Fremdpersonen mit Ausnahme des Tierarztes untersagt werden. Haustiere (Hunde, Katzen) sind ebenso vom Betreten abzuhalten.
  • Für alle Personen, die den Stall betreten gelten strenge Hygiene- und Biosicherheitsmaßnahmen – diese sind unbedingt einzuhalten.
  • Vorbeugend sollte man keine fremden Tiere, deren Gesundheitsstatus nicht bekannt ist, gleich in den Bestand eingliedern. Eine Quarantäne von 3–4 Wochen kann, wie auch die  Nachfrage über ein mögliches Krankheitsgeschehen in der Herkunftsherde die Gefahr eines Krankheitseintrages in den Bestand wesentlich verringern. Die Verbreitung und Übertragung von PPR durch Tierverkehr in Regionen mit nicht-geimpften Tierpopulationen spielte in der Türkei eine große Rolle.

Es gibt derzeit keinen in Europa zugelassenen Impfstoff zur Bekämpfung der Seuche. Abgeschwächte Lebendimpfstoffe (z.B. auf Basis des Stammes Nigeria-75) werden außerhalb Europas  (z.B. in der Türkei) in Gebieten mit endemischer Verbreitung eingesetzt. In der Türkei betrug der Impfdeckungsgrad (2010-2012)  bei Jungtieren zwischen 65% und 76%. Derzeit wird intensiv an geeigneten Impfstoffen geforscht.

Diagnostik

Diagnostik

Zeitpunkt der Probenahme: 

Der Virusnachweis kann bereits früh nach Infektion, von hochfiebrigen Tieren und Tieren mit beginnenden Schleimhautläsionen, durchgeführt werden. Proben für die serologische Testung können bereits 6 Tage nach Infektion gezogen werden.

Probenart für Probennahme:

Lebende Tiere:

  • Tupferproben von Nasen-, Augen- und Rachensekret  (keine bakteriologischen Tupfertransportmittel)
  • Blut (EDTA/Heparin) und Serum

Proben von toten Tieren: ganze Tierkörper oder Organe wie z.B.:

  • Lymphknoten (speziell Mesenteriallymphknoten)
  • Milz
  • Tonsillen
  • Darm

Probentransport und Kurzzeitlagerung:  bei +4 °C

Nachweismethoden:

Direkter Virusnachweis:

  • Molekularbiologische Methoden
  • Virusisolierung

Indirekter Virusnachweis (Antikörpernachweis):

  • ELISA

Diagnostisches Labor / Nationales Referenzlabor:

Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen  Mödling (= Nationales Referenzlabor)
Robert Koch-Gasse 17
A-2340 Mödling
Tel.Nr.: +43 50 555-38112
e-mail: vetmed.moedlingno@Spam@agesno.Spam.at

Ansprechpartner:

Univ.-Prof. Dr. Friedrich Schmoll, friedrich.schmollno@Spam@agesno.Spam.at
Dr. Angelika Loitsch, angelika.loitschno@Spam@agesno.Spam.at
Dr. Zoltán Bagó, zoltan.bago@ages.at

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