Moderhinke

Dichelobacter nodosus

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Zuletzt geändert: 08.04.2019
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Die Moderhinke ist eine hochansteckende und schmerzhafte Klauenerkrankung beim Kleinen Wiederkäuer. Sie ist durch entzündliche Veränderungen im Klauenbereich und daraus resultierender Stützlahmheit gekennzeichnet. Die Moderhinke ist in der Nutztierhaltung von Schafen mit erheblichen ökonomischen Schäden verbunden. Primärerreger der Moderhinke ist das gramnegative anaerobe Bakterium Dichelobacter nodosus (D. nodosus, siehe Abbildung), das in einer benignen (gutartigen) oder virulenten (bösartigen) Variante auftritt. Nur die virulente Variante des Bakteriums führt zur vollen Ausprägung der Moderhinke. Als Wegbereiter für eine Infektion mit D. nodosus spielt das ubiquitär vorkommende Bakterium Fusobacterium necrophorum mit seiner proteolytischen Aktivität eine wichtige Rolle.

Die Moderhinke ist eine hochansteckende und schmerzhafte Klauenerkrankung beim Kleinen Wiederkäuer. Sie ist durch entzündliche Veränderungen im Klauenbereich und daraus resultierender Stützlahmheit gekennzeichnet. Die Moderhinke ist in der Nutztierhaltung von Schafen mit erheblichen ökonomischen Schäden verbunden. Primärerreger der Moderhinke ist das gramnegative anaerobe Bakterium Dichelobacter nodosus (D. nodosus, siehe Abbildung), das in einer benignen (gutartigen) oder virulenten (bösartigen) Variante auftritt. Nur die virulente Variante des Bakteriums führt zur vollen Ausprägung der Moderhinke. Als Wegbereiter für eine Infektion mit D. nodosus spielt das ubiquitär vorkommende Bakterium Fusobacterium necrophorum mit seiner proteolytischen Aktivität eine wichtige Rolle.

Vorkommen

Vorkommen

MH tritt weltweit vor allem bei Schafen auf, wobei seltener auch Ziegen sowie Wildwiederkäuer (Rotwild, Muffelwild, Gämsen und Steinwild) an Moderhinke erkranken können.

Genaue Daten zur Verbreitung der Moderhinke in Österreich sind nicht verfügbar.

Übertragung

Übertragung

Der Erreger Dichelobacter nodosus hat auf Weiden und im Boden eine begrenzte Lebensdauer von rund 14 Tagen. Er überlebt in trockener Umgebung nur kurz, sodass ein Infektionsrisiko schon nach wenigen Tagen ausgeschlossen werden kann. Das Bakterium kann jedoch auf feuchten Böden bis zu 42 Tage, unter günstigen Bedingungen sogar bis zu 6 Monate überleben. In Klauenhorn und in erkrankten Klauen kann der Erreger bis zu 3,5 Jahre nachgewiesen werden.

Die Moderhinke ist hochansteckend und führt dadurch zu einer besonders schnellen Ausbreitung innerhalb der Herde. Auf kontaminierten Weiden breitet sich der Erreger durch indirekte Übertragung über den Boden auf immer mehr Tiere aus. Auch scheinbar gesunde Tiere können D. nodosus  übertragen. Über kontaminierte Transportfahrzeuge bzw. Triebwegen kann ebenfalls eine Ansteckung erfolgen.

Für die Infektion und die daraus folgende klinische Ausprägung sind neben der Virulenz der beteiligten Erregerstämme vor allem die Feuchtigkeit, Temperaturen über 10°C, mangelhafte Klauenpflege, Klauenläsionen und die oben genannten Sekundärinfektionen ausschlaggebend. Eine Verschleppung des Erregers in nicht infizierte Betriebe ist möglich.  

 

 

 

Symptome

Symptome

Bei der Klinik der Moderhinke gibt es verschiedene Krankheitsstufen. Das Ausmaß der Läsionen wird durch die Definition der Moderhinkestadien in die Grade 1-5 eingeteilt (siehe Tabelle). Grundsätzlich können sämtliche Verlaufsformen gleichzeitig in einer Herde vorkommen.

GradKennzeichenDauer
0Klauenspalt ohne Veränderungen, behaart
1Entzündungen der haut im Klauenspalt, Rötung
2schmierige, stinkende Belege im Klauenspalt3-4 Tage
3Ablösung von Ballenhorn und Innenwand
4Ausdehnung auf gesamte Sohle und Außenwand7-14 Tage
5Ausdehnung bis zur Spitze, Ausschuhen> 21 Tage

Definition der Moderhinkestadien nach H. Strobel 2018

Die Anfangsstadien sind von einer einfachen Klauenspaltentzündung ohne Beteiligung von D. nodosus nicht zu unterscheiden. Beginnend mit einer Entzündung im Zwischenklauenspalt, der Dermatitis interdigitalis (Abbildung 2), kommt es zu einer fortschreitenden Entzündung und Schädigung des Klauenhornes (Abbildung 3)?. Das Horn ist unterschiedlich stark von der Klauenlederhaut abgelöst; zwischen beiden befindet sich oftmals eine übel riechende, grauweißlich schmierige Masse als Produkt des Eiterungsprozesses. Schwere Fälle sind gekennzeichnet durch Sohlendurchbrüche und Ausschuhen.

Typische Symptome sind Lahmheit („Stützbeinlahmheit“) und das auf den Vorderextremitäten knieende Fressen zur Entlastung der schmerzhaften Klauen (Abbildung 1). Betroffene Tiere liegen vermehrt und es kommt in Folge zu verminderter Futteraufnahme, Abmagerung, Wollschäden und Leistungsdepression.

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Knieende Haltung beim Fressen zur Entlastung der schmerzhaften Klauen
Knieende Haltung beim Fressen zur Entlastung der schmerzhaften Klauen
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Dermatitis interdigitalis - milde Verlaufsform der Moderhinke
Dermatitis interdigitalis - milde Verlaufsform der Moderhinke
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Klauenhornläsionen sowie hochgradige Entzündung im Zwischenklauenbereich
Klauenhornläsionen sowie hochgradige Entzündung im Zwischenklauenbereich

Bekämpfung/Prävention

Bekämpfung/Prävention

Bekämpfung/Therapie

Moderhinke ist eine schmerzhafte Erkrankung und muss in Hinblick auf Tierschutz behandelt werden.
Maßnahmen sind sowohl beim Nachweis der benignen Infektion als auch bei der virulenten Infektion von D. nodosus notwendig, da auch bei der gutartigen Form akute Schmerzen verbunden mit Leistungseinbußen auftreten. Hinsichtlich der Therapie haben sich unter anderem durch die Neuzulassung von Medikamenten entscheidende Änderungen ergeben.

Therapie:

  • Trennung gesunder und erkrankter Tiere;
  • Chirurgische Behandlungen wie restloses Entfernung des betroffenen veränderten Klauenhorns und der eitrigen Masse durch Ausschneiden sind aufgrund des langwierigen Gesundungsprozesses und der Schmerzhaftigkeit problematisch. Grundsätzlich sind beim Klauenschnitt blutende Verletzungen zu vermeiden. Verbände sollten aufgrund des idealen feuchtwarmen, anaeroben Mikroklimas (fördert das Bakterienwachstum!) täglich gewechselt werden. Die sichere Beseitigung nekrotischer Abfälle nach chirurgischen Behandlungen ist aufgrund der Infektionsgefahr durch bakteriell verkeimte Wundabfälle notwendig!
  • Versorgung der betroffenen Klauen mit antiseptischem Wundspray und/oder Klauenbädern (z.b. mit Zinksulfat);
  • Antibiotischer Allgemeinbehandlung schwer erkrankter Tiere;
  • Nachkontrolle und Nachbehandlung in regelmäßigen Abständen bis zur Heilung;
  • Impfung (z.B. mit der derzeit verfügbaren polyvalente Vakzine „Footvax“ der Fa. MSD) wirkt sowohl prophylaktisch als auch therapeutisch. Die Impfung allein reicht zur Herdensanierung nicht aus.

Bei der Moderhinke handelt es sich um eine Herdenerkrankung. Die ausschließliche Behandlung einzelner erkrankter Tiere ist daher nicht ausreichend. Für eine erfolgreiche Bekämpfung der Moderhinke ist eine Herdensanierung erforderlich.

Siehe dazu den Informationsfilm des Tiergesundheitsdienstes (Download bzw. Informationsmaterial).

Um Erfolg in der Herdensanierung zu erzielen, müssen folgende Kriterien erfüllt werden:

  • Alle Tiere müssen in die Behandlung einbezogen werden.
  • Alle akuten Klaueninfektionen müssen innerhalb der ersten Tage behandelt werden.
  • Alle behandelten Tiere müssen bis zur vollständigen Heilung nachuntersucht werden.
  • Alle gesunden Tiere müssen geschützt werden, sobald akute Fälle auftreten.

Bei Einzeltieren sollte nach Behandlung eine deutliche Besserung der Lahmheitssymptome innerhalb weniger Tage eintreten. Die vollständige Abheilung nimmt in der Regel ebenso viel Zeit in Anspruch wie der Krankheitsverlauf vor der Therapie.

In der Herde ist es notwendig, alle Tiere zeitgleich zu untersuchen und zu behandeln: Infizierte Tiere werden systematisch antibiotisch behandelt; gesunde Tiere durch Vorsorgemaßnahmen (Klauenbäder) geschützt. Durch unterschiedliche Farbmarkierungen und/oder örtlicher Trennung von gesunden und erkrankten Tieren ist es möglich den weiteren Verlauf der Krankheit in der Herde zu beobachten. Regelmäßige Herdenbehandlungen können zur Moderhinkefreiheit führen, wenn es über Jahre gelingt, die Zahl latent infizierter Tiere kontinuierlich zu senken. Die Tiere müssen nach der Genesung auf eine Weide gebracht werden, die mindestens ein halbes Jahr nicht benutzt wurde, um eine Neuansteckung der gereizten Klauen zu vermeiden. Sind Tiere einer Herde in Kontakt mit der Wildtierpopulation ist dies jedoch nur schwer möglich.

Prophylaxe

  • Regelmäßige Klauenpflege und Klauenhygiene,
  • Trockenlegung oder Auszäunung häufig benutzter nasser Stellen (z. B. in Stallnähe),
  • Mehrwöchige Quarantäne und Isolierung zugekaufter Tiere,
  • Neu hinzugekaufte Tiere sollten vorsorglich mehrmals mit einem Klauenbad behandelt werden.

Diagnostik

Diagnostik

Die Anwendung molekularbiologischer Verfahren ermöglicht nicht nur die rasche Bearbeitung einer Probe und die Typisierung des spezifischen Moderhinkeerregers Dichelobacter nodosus, sondern auch die Erfassung von subklinisch infizierten Tieren, was für eine Bestandskontrolle von großer Wichtigkeit ist. Mit Hilfe der PCR-Untersuchung von Tupferproben des Zwischenklauenspaltes kann festgestellt werden, ob eine Infektion mit der benignen oder der virulenten Form von D. nodosus vorliegt.
In der Routinediagnose ist bei einem eindeutigen Bild in der Regel keine Anzüchtung des Erregers erforderlich. Mikroskopisch lassen sich die Stäbchenbakterien von Dichelobacter nodosus anhand der Gramfärbung darstellen.

Differentialdiagnostisch sind unter anderem:

  • traumatische Lahmheitssyndrome (z.B. Wand-, Sohlen-, Spitzenabszesse, Fremdkörperverletzungen, Hämatome)  
  • Klauenspaltenzündungen (Dermatitis interdigitalis)
  • atypische Klauenentzündungen (wie z.B. CODD (contagious ovine digital dermatitis), die podale Form des Lippengrindes oder Infektionen durch Prevotella sp. und Fusobacterium necrophorum),
  • Panaritium (Fußabszeß, „Hitzfuß“),
  • Rotlauf
  • Blauzungenerkrankung und
  • Maul- und Klauenseuche zu berücksichtigen.

Untersuchungsmaterial:

Kunststofftupferproben des Zwischenklauenspaltes (ohne Medium) - Probenentnahmehinweise im Infoblatt beachten!

Infoblatt

Untersuchungsantrag

Untersuchungslabor:

AGES-Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Linz
Wieningerstraße 8
4020 Linz
Tel.Nr.: +43 50 555-45111
e-mail: vetmed.linz@ages.at

Video/TGD

Literatur

Literatur

Literatur:

  1. Behrens, H.; Ganter, M.;  Hiepe, Th. (2001): Lehrbuch der Schafkrankheiten. 4. Auflage. Parey Buchverlag, Berlin, ISBN 3-8263-3186-9, S. 234–237.
  2. Ganter, M.; Lottner, S. (2004): Klauenkrankheiten IV - Moderhinke konsequent und erfolgreich sanieren. In: Deutsche Schafzucht. Jahrgang 2004, Heft 21, ISSN 0720-0862, S. 4–8.
  3. Ganter, M.;Winkelmann, J. (2008): Farbatlas Schaf- und Ziegenkrankheiten. Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart, ISBN 978-3-8001-5380-0, S. 97–100.
  4. Kümper, H. (2008): Moderhinke bei Schafen und Ziegen. In: Veterinär-Spiegel, ISSN 0940-8711, Heft 3, S. 161–166.
  5. Strobel, H. (2009): Klauenpflege Schaf und Ziege. Grundlagen, Praxis, Moderhinke. Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart, ISBN 978-3-8001-5851-5, S. 95–138.
  6. Strobel, H.; Hilke, J.; Spengler, D.; Axt, H.; Ganter, M.; Voigt, K. (2018): Klaueninfektionen beim Schaf – Therapiemöglichkeiten in der tierärztlichen Praxis unter besonderer Berücksichtigung der Moderhinkebekämpfung. Tierärztliche Praxis Großtiere 6:385-396.

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