Lumpy Skin Disease

Lumpy Skin Disease

Zuletzt geändert: 17.05.2021
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Tierseuchenkategorien: A D E

Steckbrief

Die Lumpy Skin Disease (LSD, (syn. Hautknotenkrankheit)) ist eine hochansteckende virale Erkrankung der Wiederkäuer. Von der Krankheit betroffen sind Hausrind, Zebu, Bison und Wasserbüffel sowie in Gefangenschaft gehaltene Wildwiederkäuer. Das Virus ist für den Menschen ungefährlich, Menschen können nicht an Lumpy Skin Disease erkranken.

Vorkommen

Die Lumpy Skin Disease war über lange Zeit ausschließlich in Ost-, Süd- und Westafrika endemisch verbreitet. Der erste Nachweis von Lumpy Skin Disease in der EU erfolgte im August 2015.

Erregerreservoir

Rinder, Amerikanischer Bison, Zebu, Wasserbüffel, Afrikanischer Büffel, Altweltkamele, Giraffen und Antilopen

Infektionsweg

Die wichtigste Rolle für die Verbreitung von LSD spielt laut derzeitiger epidemiologischer Erkenntnis die indirekte Erregerverbreitung durch Insekten und Milben (Vektoren), z. B. Bremsen (Tabanidae), Fliegen (Muscidae, Sciomyzidae), Gnitzen (Culicoides), Stechmücken (Culicidae), Milben (Ixodidae). Die Übertragung ist auch durch direkten Kontakt, infiziertes Sperma, unbehandelte Tierhäute und Felle und deren Produkte (z. B. Jagdtrophäen), Rohfleischprodukte, Rohmilchprodukte und durch daraus gewonnenes Tierfutter inkl. Kolostrum möglich.

Symptomatik

Hautknoten an Kopf, Hals, Schwanzbereich, Extremitäten; Fieber, stark vergrößerte Lymphknoten, erhöhter Speichel- und Tränenfluss, Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust

Vorbeugung

Die Bekämpfung der LSD-Vektoren stellt aufgrund der Diversität der Vektoren und der daraus resultierenden Bekämpfungsmethoden für die betroffenen Länder der EU eine große, kaum zu bewältigende Herausforderung dar. Bislang stehen nur wenige wissenschaftlich fundierte Daten über Vektoren in Europa zur Verfügung.

Neben der Tötung der infizierten und empfänglichen Tiere des Bestandes („Total stamping out“) und den Verbringungsbeschränkungen von empfänglichen Tieren und Tierprodukten gilt die flächendeckende Impfung (Deckungsgrad bei 95 %) mit einem homologen, attenuierten LSDV-Stamm (Neethling) als zielführendste Maßnahme zur Bekämpfung der Krankheit. Der Impfstoff ist in Europa nicht zugelassen; die Anwendung bedarf einer Bewilligung der zuständigen Behörden.

Situation in Österreich

Lumpy Skin Disease kommt in Österreich nicht vor. Seit 2017 werden im Rahmen der Ausschlussdiagnostik Rinder bzw. Wiederkäuer mit größtenteils auffallenden Hautsymptomen untersucht. Alle Fälle waren bisher LSD-negativ.

Tabelle 1: Untersuchungen zur Ausschlussdiagnostik

Jahr Betriebe Rinder
2015 2 19
2016 2 3
2017 12 15
2018 7 15
2019 5 5

Situation in Europa

Der erste Nachweis von Lumpy Skin Disease in der EU erfolgte im August 2015 in Griechenland, im Evros-Delta nahe der türkisch-griechischen Grenze. Von Griechenland ausgehend, breitete sich die Krankheit in Südosteuropa aus. 2016 gab es zahlreiche Ausbrüche in Bulgarien, Nordmazedonien, Griechenland, Albanien, Montenegro, Kosovo und Südserbien. Die meisten Ausbrüche in Europa fanden zwischen Mai und August statt – zu der Jahreszeit mit der höchsten Vektorendichte. In den betroffenen Ländern wurden mehrere Maßnahmen zur Bekämpfung von LSD getroffen.

Die Mortalität und Morbidität in infizierten europäischen Rinderherden variierte in den Seuchenjahren 2016 und 2017 regional zwischen 0-100 %; im Mittel betrug die Morbidität z. B. in Albanien 0,8-7,2 %, die Mortalität 0,3-2,9 %.

In der Balkanregion gingen die Ausbruchszahlen der Lumpy Skin Disease von 7.483 im Jahr 2016 auf 385 im Jahr 2017 zurück. Die Zahlen bestätigen, dass die Impfung von Rindern – von der EFSA im Jahr 2016 empfohlen – der wirksamste Weg zur Eindämmung der Krankheit ist.

Lumpy Skin Disease: Situation in Europa

Fachinformation

Veterinärmedizin

Gesundheitsministerium: Maßnahmen und Empfehlungen

Das Lumpy skin disease-Virus (LSDV) gehört neben dem Schafpockenvirus, dem Sheeppox virus (SPV), und dem Ziegenpockenvirus, dem Goatpox virus (GPV), zum Genus Capripoxvirus. Wirtstiere sind in Europa vor allem als Nutztiere gehaltene bovine Wiederkäuer (Rinder, Büffel, Bison, Zebu). Trotz Gemeinschaftshaltung mit kleinen Wiederkäuern und Neuweltkameliden ist in Europa kein Fall von klinischer Erkrankung bei Schaf, Ziege, Alpaka oder Lama aufgetreten. Wildwiederkäuer waren auch nicht betroffen. Testungen an Rehwild in Seuchengebieten Bulgariens verliefen bislang negativ.

Der erste Nachweis von Lumpy Skin Disease in der EU erfolgte im August 2015 in Griechenland, im Evros-Delta nahe der türkisch-griechischen Grenze. Von Griechenland ausgehend, breitete sich die Krankheit in Südosteuropa aus. 2016 gab es zahlreiche Ausbrüche in Bulgarien, Nordmazedonien, Griechenland, Albanien, Montenegro, Kosovo und Südserbien. In Europa gelang es mit Hilfe mehrerer Maßnahmen vor allem mit umfassenden Impfmaßnahmen die Tierseuche zu bekämpfen. In der Balkanregion gingen die Ausbruchszahlen der Lumpy Skin Disease von 7.483 im Jahr 2016 auf 385 im Jahr 2017 zurück; ab 2018 wurde in Europa kein Fall von LSD gemeldet (Abb. 1). LSD Ausbrüche wurden von Kleinasien, Russland, Israel, Ostafrika, China, Bangladesch und Indien gemeldet. In diesen Ländern wurden oft heterologe Impfstoffe gegen LSD angewandt bzw. wurde die Impfpflicht aufgehoben. Die europäischen Zahlen bestätigen, dass die Impfung von Rindern mit einem homologen Impfstoff - von der EFSA im Jahr 2016 empfohlen - der wirksamste Weg zur Eindämmung der Krankheit ist.

Die Übertragung durch Vektoren, blutsaugende Insekten und Milben, wird neben der Verbringung von subklinisch erkrankten Tieren, als wichtigste Ursache für die Ausbreitung der Tierseuche in Europa angeführt. Da Vektorforschung aufwendig ist und die direkte Bekämpfung der Tierseuche in den betroffenen Ländern an erster Stelle stand, konnten bislang nur wenige wissenschaftlich fundierte Daten über Vektoren in Europa erhoben werden. Die Übertragung der Krankheit durch Culicidae (Aedes aegyptii) und Muscidae (Stomoxys calcitrans, Haematobia irritans) sowie durch Milben (Rhipicephalus appendiculatus, R. decoloratus und Amblyomma hebraeum) gilt als wissenschaftlich erwiesen. Als Vektoren kommen weiters noch blutsaugende Milben (Ixodidae), Culicidae (Stechmücken), Culicioides (z. B. die Gnitze Culicoides punctatus) und Muscidae (z. B. der Wadenstecher Stomoxys calcitrans) in Frage. Die Verbreitung der Erreger ist auch durch indirekten Kontakt z. B. durch infiziertes Sperma, durch mit Erregern in Kontakt gekommenes Stallequipment bzw. durch Transportfahrzeuge (z. B. durch infizierte Insekten im Ladebereich, durch Reifenkontakt mit abgefallenen Krusten infizierter Tiere) sowie iatrogen möglich. Der direkte Kontakt zwischen infiziertem und gesunden erwachsenen Tier spielt bei der Übertragung der Krankheit eine eher untergeordnete Rolle. Kälber können sich beim Saugen am Euter infizierter Muttertiere anstecken. Infizierte Muttertiere können infizierte Kälber mit Hautläsionen gebären. Capripockenviren konnten in unbehandelten Tierhäuten und Fellen und deren Produkte (z. B. Jagdtrophäen), in Rohfleischprodukte und Rohmilchprodukte sowie in daraus gewonnenem Tierfutter nachgewiesen werden.

Die meisten Krankheitsausbrüche von LSD in Europa fanden zwischen Mai und August statt - zu der Jahreszeit mit der höchsten Vektorendichte. Impfungen sollten daher vor Auftreten von Vektoren durchgeführt werden. Da in Europa keine Jahreszeit frei von Vektoren ist bzw. viele Vektoren auch in Ställen vorhanden sind, kam es auch in einigen Fällen zu LSD-Ausbrüche außerhalb der angeführten Periode. Landstriche mit großer Rinderdichte, gemeinsame Weiden und Wasserstellen erhöhten das Risiko der Verbreitung der Krankheit. Stehende Kleingewässer in Nachbarschaft von landwirtschaftlichen Betrieben sollten daher, da sie Brutstätte von Insekten sind, vermieden werden. Geographische Topographie spielte nur insofern eine Rolle als entlang von Gewässern die Ansammlung von Arthropoden größer ist. Infektionen mit LSD kamen sogar in Gebieten mit bis zu 1500 Höhenmetern (Montenegro, Türkei) vor. Hohe Vektorendichte, hohe Populationsdichte der Nutztiere, Ausbruchsherde um landwirtschaftliche Betriebsansammlungen als auch eine verkehrsgünstig gelegene geographische Lage der Ausbruchsherde war für die Ausbreitung von LSD von Vorteil. Die Mortalität und Morbidität in infizierten europäischen Rinderherden variierte in den Seuchenjahren 2016 und 2017 regional zwischen 0-100 %; im Mittel betrug die Morbidität z.B. in Albanien 0,8-7,2 %, die Mortalität 0,3-2,9 %.

Diagnostik

Zuständig für die LSD-Laboranalysen ist das das AGES-Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling als Nationales Referenzlabor für Capripocken.

Für die diagnostischen Untersuchungen werden Hautveränderungen, Blut und Exkrete (Tränenflüssigkeit, Speichel) herangezogen. Die Proben werden mithilfe international anerkannter molekularbiologischer (PCR und Sequenzierung), elektronenmikroskopischer, virologischer (Isolierung mittels Zellkultur) und serologischer Verfahren (SNT, ELISA) analysiert. Das NRL kann mittels PCR zwischen Feld- und Impfvirus unterscheiden. Die diagnostischen Methoden werden auch in der Ausschlussdiagnostik angewandt. Mit der Ausschlussdiagnostik kann nicht nur die frühzeitige Erkennung eines Seuchengeschehens erfasst werden; sie dient auch zur Aufrechterhaltung der Kompetenz der labordiagnostischen Untersuchungen und des Notfallplanes. So wurden 2017 und 2018 im Rahmen der Ausschlussdiagnostik je 15 Rinder mit größtenteils auffallenden Hautsymptomen untersucht. Alle Fälle waren LSD-negativ.

Probenart für Probennahme:

lebende Tiere:

  • Hautläsionen und/oder Hautkrusten
  • Speichelflüssigkeit (nativ in Röhrchen oder Tupfer möglich - keine bakteriologischen Tupfertransportmittel)
  • Nasen- und Augenflüssigkeit (mit Tupfer - keine bakteriologischen Tupfertransportmittel)
  • Blut (EDTA/Heparin) und Serum

Tierkörper (tot):

  • Hautläsionen und/oder Hautkrusten
  • Lymphknoten
  • Milz
  • Lunge und veränderte Regionen des Respirationstraktes
  • Nasenflüssigkeit (mit Tupfer - keine bakteriologischen Tupfertransportmittel)

Das BMASGK und die AGES haben Vorkehrungen für einen eventuellen Seuchenausbruch in Form von zahlreichen Maßnahmen (Erstellung von Krisenplan, Risikoanalyse und Impfplan; Verbreitung von Information über Publikationen, Bereitstellung von Probensets und Anleitungen zur Biosicherheit am Betrieb etc.) getroffen. Seit 1. Dezember 2017 ist die nationale „Lumpy skin disease-Verordnung“ (BGBl. II Nr. 315/2017) in Kraft. Die Verordnung regelt behördliche Maßnahmen zur Früherkennung (LSD-Monitoring), behördliche Maßnahmen bei Seuchenverdacht und Seuchenausbruch, die Zonenlegung und Verbringungsbeschränkungen; sie informiert über die Umsetzung von unionsrechtlichen Bestimmungen und Verweisungen sowie über die Wiedererlangung des Freiheitsstatus.

Symptome

Der Verlauf der Erkrankung bei Rindern ist akut bis subakut, manchmal auch chronisch. Typische Symptome sind:

  • ein papulo-vesikuläres Exanthem, das in Form von 0,5-5cm großen Hautknoten bevorzugt an Kopf, Hals, im Schwanzbereich, im Perineum, auf den äußeren Genitalorganen (Euter-Mastitis!) und den Extremitäten auftreten kann. Nur 40-50 % der Rinder entwickeln generalisierte Hautschwellungen.
  • biphasische Fieberschübe von bis zu 41 °C
  • stark vergrößerte Lymphknoten
  • nekrotische Läsionen in den Organen des respiratorischen Traktes (Trachea, Lungen), in der Skelettmuskulatur, im Unterhautgewebe, im Magen und am Uterus
  • erhöhter Speichel- und Tränenfluss
  • Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
  • Konjunktivitis (kann bis zur Erblindung führen)
  • fehlender Duldungsreflex bei weiblichen Tieren
  • infektiös bedingte Aborte

Differentialdiagnostisch kommt eine Infektion mit BHV-2 (syn. Pseudo lumpy skin disease), mit Parapocken, Demodikose und die Dermatophilose, eine Infektion mit dem Bakterium Dermatophilus congolensis, in Betracht.

Bei geringstem Verdacht sollten vom Amtstierarzt Proben (Hautnekrosen, Tränenflüssigkeit, Speichelflüssigkeit, Serum und EDTA Blut) genommen werden.

Bekämpfung / Prävention

Das BMSGPK und die AGES haben Vorkehrungen für einen eventuellen Seuchenausbruch in Form von zahlreichen Maßnahmen (Erstellung von Krisenplan, Risikoanalyse und Impfplan; Verbreitung von Information über Publikationen, Bereitstellung von Probensets und Anleitungen zur Biosicherheit am Betrieb etc.) getroffen. Seit 1. Dezember 2017 ist die nationale „Lumpy skin disease-Verordnung“ (BGBl. II Nr. 315/2017) in Kraft. Die Verordnung regelt behördliche Maßnahmen zur Früherkennung (LSD-Monitoring), behördliche Maßnahmen bei Seuchenverdacht und Seuchenausbruch, die Zonenlegung und Verbringungsbeschränkungen; sie informiert über die Umsetzung von unionsrechtlichen Bestimmungen und Verweisungen sowie über die Wiedererlangung des Freiheitsstatus.

Die Bekämpfung der LSD-Vektoren stellte aufgrund der Diversität der Vektoren und der daraus resultierenden Bekämpfungsmethoden für die betroffenen Länder der EU eine große, kaum zu bewältigende Herausforderung dar. Bislang stehen daher nur wenige wissenschaftlich fundierte Daten über Vektoren in Europa zur Verfügung. Neben der Tötung der infizierten und empfänglichen Tiere des Bestandes („Total stamping out“) und den Verbringungsbeschränkungen von empfänglichen Tieren und Tierprodukten gilt die flächendeckende Impfung (Deckungsgrad bei 95 %) mit einem homologen, attenuierten LSDV-Stamm (Neethling) als zielführendste Maßnahme zur Bekämpfung der Krankheit. Der Impfstoff ist in Europa nicht zugelassen; die Anwendung bedarf einer Bewilligung der zuständigen Behörden. 28 Tage nach der Impfung waren die meisten Rinder durch Antikörper geschützt. Ein geringer Prozentsatz der Rinder entwickelte 2 Wochen nach der Impfung Symptome wie Fieber, Milchabfall, Ödeme und Hautknoten nahe der Einstichstelle. Die Symptome verschwanden nach kurzer Zeit. Impfungen in Asien mit einem heterologen Impfstamm, einem Schaf- oder Ziegenpockenvirusstamm, haben einen geringeren Wirkungsgrad. In diesen Ländern (z.B. in der Türkei) konnte die Seuche bis heute nicht zur Gänze eliminiert werden. Die Einhaltung der Biosicherheit, gezielte zeitnahe Informationskampagnen, die Betreuung der landwirtschaftlichen Bevölkerung, die Keulung aller Tiere eines infizierten Betriebes als auch die seuchenrelevante Entsorgung der Tierkörper waren in den betroffenen Regionen eine große Herausforderung während des Seuchenzuges. Die Anwendung von Repellents im Stall, die Desinfektion der im Seuchengebiet benutzten landwirtschaftlichen Fahrzeuge, der betroffenen Ställe und der landwirtschaftlichen Werkzeuge trug ebenfalls wesentlich zur Kontrolle der Vektoren bei.

LSD-typische Hautschwellungen / Rinderkörper
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Rindereuter mit LSD-Läsionen
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Trachea eines an LSD-erkrankten Rindes, Schleimhautläsionen

Kontakt, Formulare

Referenzzentrale:
Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling, Zentrum für biologische Sicherheit

Robert Koch-Gasse 17
2340 Mödling
Telefon: +43 50 555-38112
Fax: +43(0)5 0555 38529
vetmed.moedlingno@Spam@agesno.Spam.at

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