Lumpy Skin Disease

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Zuletzt geändert: 13.03.2017
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Lumpy Skin Disease: Verbreitung Stand 13.03.2017

Lumpy skin disease (syn. Hautknotenkrankheit), eine Pockenerkrankung der Wiederkäuer, wurde in der Vergangenheit für Europa als Virusinfektion von untergeordneter Bedeutung eingestuft. Derzeit breitet sich die Tierseuche, vom Mittleren Osten kommend, in Europa aus.

Der Erreger der Lumpy skin disease (LSD) ist ein Virus aus dem Genus Capripoxvirus. Zu dieser Virusgattung gehört auch das Sheeppox virus und das Goatpox virus, die Erreger der Schaf- und Ziegenpocken. Das Lumpy skin disease virus, das Sheeppox virus und das Goatpox virus sind phylogenetisch eng verwandt. Das Virus ist für den Menschen ungefährlich: Menschen können nicht an Lumpy Skin Disease erkranken.

LSD ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Ein Ausbruch in einem Rinderzuchtbetrieb und/oder in einem Milchbetrieb ist mit hohen wirtschaftlichen Verlusten verbunden.

Kommunikationsplattform VerbraucherInnengesundheit des Bundesministeriums für Gesundheit: Lumpy Skin Disease

Aktueller Stand der Ausbreitung in Europa (ab 01.07.2016) - Auswertung der ADNS-Meldungen

Ausbreitung in Europa (01.01.2016 bis 30.06.2016)

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Lumpy Skin Disease: Verbreitung Stand 13.03.2017

Lumpy skin disease (syn. Hautknotenkrankheit), eine Pockenerkrankung der Wiederkäuer, wurde in der Vergangenheit für Europa als Virusinfektion von untergeordneter Bedeutung eingestuft. Derzeit breitet sich die Tierseuche, vom Mittleren Osten kommend, in Europa aus.

Der Erreger der Lumpy skin disease (LSD) ist ein Virus aus dem Genus Capripoxvirus. Zu dieser Virusgattung gehört auch das Sheeppox virus und das Goatpox virus, die Erreger der Schaf- und Ziegenpocken. Das Lumpy skin disease virus, das Sheeppox virus und das Goatpox virus sind phylogenetisch eng verwandt. Das Virus ist für den Menschen ungefährlich: Menschen können nicht an Lumpy Skin Disease erkranken.

LSD ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Ein Ausbruch in einem Rinderzuchtbetrieb und/oder in einem Milchbetrieb ist mit hohen wirtschaftlichen Verlusten verbunden.

Kommunikationsplattform VerbraucherInnengesundheit des Bundesministeriums für Gesundheit: Lumpy Skin Disease

Aktueller Stand der Ausbreitung in Europa (ab 01.07.2016) - Auswertung der ADNS-Meldungen

Ausbreitung in Europa (01.01.2016 bis 30.06.2016)

Vorkommen

Vorkommen

Lumpy skin disease ist seit vielen Jahren in Afrika endemisch. Von dort breitete sich die Krankheit über Ägypten in Richtung Mittleren Osten nach Israel (ab 2006), Jordanien (2013), Libanon (2013) und Syrien aus. Die politische Situation und die damit verbundenen Migrationsbewegungen in Syrien trugen für eine weitere Verbreitung der Tierseuche nach Norden, in die Türkei (ab 2013), bei. Durch den Handel mit lebenden Tieren, sowie aufgrund der Übertragung mittels Insekten waren 2014 sehr schnell große Teile der Türkei betroffen, 2015 trat Lumpy Skin Disease dann erstmalig auch in Griechenland auf. Auch in Georgien (2015), Russland (2015), Armenien (2016), Azerbaijan (2014) und im Iran und Irak fanden 2013 und 2014 Ausbrüche der Rinderseuche statt. 2015 wurde Lumpy skin disease bei Rindern auf der arabischen Halbinsel nachgewiesen.
In Europa breitet sich die Tierseuche vom Evros Delta in Griechenland nach Norden aus. Im April 2016 wurden erstmals infizierte Rinderherden in Bulgarien und Mazedonien registriert. Nachweise gibt es auch aus Serbien, Kosovo und Albanien. Berichte über Infektionen bei europäischen Wildwiederkäuern oder  bei anderen Nutztieren wurden derzeit nicht gemeldet. Die rasche Ausbreitung in Bulgarien wird auf eine hohe Vektorendichte in den meist humiden mit Wasserstellen angereicherten Ausbruchslokalisationen zurückgeführt.

Empfängliche in Europa vorkommende Tierarten sind Nutztiere und Wildwiederkäuer:

  • Bos primigenius taurus - das Hausrind (einige Rassen wie Holstein Fresian, Jersey, Guernsey und Ayrshire sind besonders empfänglich)
  • Bos bonasus - das Wisent oder der Europäische Bison

Das genaue Wirtsspektrum für Europa ist noch nicht wissenschaftlich erfasst.
Nach neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen kann man möglicherweise auch eine Infektion der kleinen (Wild)Wiederkäuer und der Neuweltkamele nicht gänzlich ausschließen.

weltweit vorkommende empfängliche Wildtierarten:
Bos bison - der Amerikanische Bison, Bos indicus - das Zebu, Bubalus arnee - der Wasserbüffel; weiters: der Afrikanische Büffel, Altweltkamele, Giraffen und Antilopen

Übertragung

Übertragung

Die Verbreitung der Krankheit erfolgt durch:

  • Vektoren: durch stechend saugende Insekten (Wadenstecher, Culicoides etc.), Milben und Fliegen (Stubenfliege, Stallfliege). In Fliegen findet die unmittelbare Übertragung der Viren auf rein mechanischem Weg über den Kontakt mit Ausscheidungsflüssigkeiten (Tränen- und Speichelflüssigkeit) statt, ohne das die betreffenden Keime an oder in der Fliege erst eine besondere Entwicklung durchmachen müssen. Das genaue Artenspektrum der Vektoren für LSD, insbesondere das Vektorenspektrum von Europa, ist derzeit noch nicht wissenschaftlich untersucht.
  • direkten Kontakt
  • infiziertes Sperma (in Sperma experimentell infizierter Bullen konnte der Erreger 22-159 Tage nach Infektionsbeginn nachgewiesen werden)
  • Handel mit Lebendtieren, die als Wirtstiere in Frage kommen
  • Handel mit unbehandelten Tierhäuten und Fellen und deren Produkte (z.B. Jagdtrophäen, in unbehandelten trockenen Tierhäuten kann das Virus bis zu 18 Tagen überleben)
  • Rohfleischprodukte und Rohmilchprodukte, durch daraus gewonnenes Tierfutter inkl. Kolostrum
  • Aerosole und Stäube (derzeit keine genauen wissenschaftlichen Kenntnisse vorhanden; Fahrzeuge, die die Sperrzonen der Ausbruchslokalisationen in Bulgarien verlassen, müssen (lt. Commission implementing decision 2016/645) desinfiziert und gereinigt werden)

Symptome

Symptome

Der Verlauf der Erkrankung bei Rindern ist akut bis subakut, manchmal auch chronisch.

Typische Symptome sind:

  • ein papulo-vesikuläres Exanthem, das in Form von 0,5-5cm großen Hautknoten bevorzugt an Kopf, Hals, im Schwanzbereich, im Perineum, auf den äußeren Genitalorganen (Euter-Mastitis!) und den Extremitäten auftreten kann. Nur 40-50% der Rinder entwickeln generalisierte Hautschwellungen.
  • biphasische Fieberschübe von bis zu 41°C
  • stark vergrößerte Lymphknoten
  • nekrotische Läsionen in den Organen des respiratorischen Traktes (Trachea, Lungen), in der Skelettmuskulatur, im Unterhautgewebe, im Magen und am Uterus
  • erhöhter Speichel- und Tränenfluss
  • Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
  • Konjunktivitis (kann bis zur Erblindung führen)
  • fehlender Duldungsreflex bei weiblichen Tieren
  • infektiös bedingte Aborte

Differentialdiagnostisch kommt eine Infektion mit BHV-2 (syn. Pseudo lumpy skin disease), mit Parapocken, Demodikose und die Dermatophilose, eine Infektion mit dem Bakterium Dermatophilus congolensis, in Betracht.


Die nachfolgenden Symptombilder aus Bulgarien (2016) wurden von den bulgarischen Kollegen dankenswerterweise zur Verfügung gestellt. Die Bilder zeigen die für Lumpy skin disease typischen Hautschwellungen.

LSD-typische Hautschwellungen / Rinderkörper

Bekämpfung, Prävention

Bekämpfung, Prävention

Eine Eindämmung der Seuche ist nur durch konsequente Maßnahmen möglich. Die unter anderem für Bulgarien getroffenen Maßnahmen lt. Commission implementing decision 2016/645 vom 22.05.2016 sind:

  • Errichtung von Schutzzonen und Überwachungszonen um die Ausbruchslokalisationen
  • Nottötung infizierter und verdächtiger Tiere
  • Überwachung und Kontrolle von gesunden Tieren in und um die Ausbruchslokalisationen durch die Behörden
  • Überwachung und Kontrolle von Wildwiederkäuern in und um die Ausbruchslokalisationen
  • Impfung: Impfungen mit dem Schafpockenvirusstamm RM-65 und LSDV-Stamm Neethling schützen zwar die Tiere vor einer klinischen Erkrankung, verhindern aber nicht die Infektion. Symptomlose virämische Tiere sind gefährlich, da sie die Tierseuche unbemerkt auf gesunde Tiere verbreiten können. Trotz Impfung gab es in Griechenland 2016 Neuinfektionen!
  • kontrollierter Handel mit LSD empfänglichen lebenden Tieren aus den betroffenen Gebieten - kein Verbringen von Lebendtieren (Rinder und Wildwiederkäuer) aus den Sperrzonen (Ausnahme: Transport der Rinder zum Schlachthof auf direktem Weg)
  • fachgerechte Behandlung von Rohfleisch- und Rohmilchprodukten von Rindern und Wildwiederkäuern für den menschlichen Verzehr; kein Vertrieb von Rohfleisch- und Rohmilchprodukte sowie Tierfutter incl. Kolostrum aus betroffenen Gebieten
  • Reinigung und Desinfizierung von Fahrzeugen bei Verlassen der Sperrzone

Diagnostik

Diagnostik

Lumpy skin disease ist eine anzeigepflichtige Pockenviruserkrankung. Bei geringstem Verdacht muss daher der  Amtstierarzt informiert werden. Das Auftreten der Krankheit führt zu hohen wirtschaftlichen Verlusten. Die rasche Verbreitung durch direkten Kontakt und durch zahlreiche Vektoren ist Grund genug für ein rasches Handeln. Bei geringstem Verdacht sollten vom Amtstierarzt Proben (Hautnekrosen, Tränenflüssigkeit, Speichelflüssigkeit, Serum und EDTA Blut) genommen werden (siehe Download Anleitung zur Probennahme Lumpy skin disease (LSD) für Amtstierärzte).

In Österreich wird Lumpy skin disease im AGES-Zentrum für biologische Sicherheit untersucht:

AGES-Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling,
Robert Kochgasse 17,
2340 Mödling
Tel.Nr. 0043 50555 38112
E-mail: vetmed.mödling@ages.at

In den Labors des Zentrums für biologische Sicherheit (BSL3+), werden die Proben unter gesicherten Bedingungen mit modernsten Methoden untersucht.

Angewandte diagnostische Methoden:

  1. Pathomorphologische Methoden (Histologie, Sektion)
  2. Molekularbiologie (PCR, Sequenzierung)
  3. Serologie
  4. Elektronenmikroskopie (Schnelldiagnose)
  5. Virusisolierung mittels Zellkultur

Probenart für Probennahme:

lebende Tiere:

  • Hautläsionen und/oder Hautkrusten
  • Speichelflüssigkeit (nativ in Röhrchen oder Tupfer möglich - keine bakteriologischen Tupfertransportmittel)
  • Nasen- und Augenflüssigkeit (mit Tupfer - keine bakteriologischen Tupfertransportmittel)
  • Blut (EDTA/Heparin) und Serum

Tierkörper (tot):

  • Hautläsionen und/oder Hautkrusten
  • Lymphknoten
  • Milz
  • Lunge und veränderte Regionen des Respirationstraktes
  • Nasenflüssigkeit (mit Tupfer - keine bakteriologischen Tupfertransportmittel)

 

Nähere Auskünfte über die Krankheit:angelika.loitsch@ages.at

Dr. Susanne Richter, susanne.richter@ages.at
Dr. Angelika Loitsch, angelika.loitsch@ages.at


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