Lumpy Skin Disease

Lumpy Skin Disease

Zuletzt geändert: 01.04.2020
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Seuchenkategorien: A D E

Steckbrief

Die Lumpy Skin Disease (LSD, (syn. Hautknotenkrankheit)) ist eine hochansteckende virale Erkrankung der Wiederkäuer. Von der Krankheit betroffen sind Hausrind, Zebu, Bison und Wasserbüffel sowie in Gefangenschaft gehaltene Wildwiederkäuer. Das Virus ist für den Menschen ungefährlich, Menschen können nicht an Lumpy Skin Disease erkranken.

Vorkommen

Die Lumpy Skin Disease war über lange Zeit ausschließlich in Ost-, Süd- und Westafrika endemisch verbreitet. Der erste Nachweis von Lumpy Skin Disease in der EU erfolgte im August 2015.

Erregerreservoir

Rinder, Amerikanischer Bison, Zebu, Wasserbüffel, Afrikanischer Büffel, Altweltkamele, Giraffen und Antilopen

Infektionsweg

Die wichtigste Rolle für die Verbreitung von LSD spielt laut derzeitiger epidemiologischer Erkenntnis die indirekte Erregerverbreitung durch Insekten und Milben (Vektoren), z. B. Bremsen (Tabanidae), Fliegen (Muscidae, Sciomyzidae), Gnitzen (Culicoides), Stechmücken (Culicidae), Milben (Ixodidae). Die Übertragung ist auch durch direkten Kontakt, infiziertes Sperma, unbehandelte Tierhäute und Felle und deren Produkte (z. B. Jagdtrophäen), Rohfleischprodukte, Rohmilchprodukte und durch daraus gewonnenes Tierfutter inkl. Kolostrum möglich.

Symptomatik

Hautknoten an Kopf, Hals, Schwanzbereich, Extremitäten; Fieber, stark vergrößerte Lymphknoten, erhöhter Speichel- und Tränenfluss, Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust

Vorbeugung

Die Bekämpfung der LSD-Vektoren stellt aufgrund der Diversität der Vektoren und der daraus resultierenden Bekämpfungsmethoden für die betroffenen Länder der EU eine große, kaum zu bewältigende Herausforderung dar. Bislang stehen nur wenige wissenschaftlich fundierte Daten über Vektoren in Europa zur Verfügung.

Neben der Tötung der infizierten und empfänglichen Tiere des Bestandes („Total stamping out“) und den Verbringungsbeschränkungen von empfänglichen Tieren und Tierprodukten gilt die flächendeckende Impfung (Deckungsgrad bei 95 %) mit einem homologen, attenuierten LSDV-Stamm (Neethling) als zielführendste Maßnahme zur Bekämpfung der Krankheit. Der Impfstoff ist in Europa nicht zugelassen; die Anwendung bedarf einer Bewilligung der zuständigen Behörden.

Situation in Österreich

Lumpy Skin Disease kommt in Österreich nicht vor. 2017 und 2018 wurden im Rahmen der Ausschlussdiagnostik je 15 Rinder mit größtenteils auffallenden Hautsymptomen untersucht. Alle Fälle waren LSD-negativ.

Situation in Europa

Der erste Nachweis von Lumpy Skin Disease in der EU erfolgte im August 2015 in Griechenland, im Evros-Delta nahe der türkisch-griechischen Grenze. Von Griechenland ausgehend, breitete sich die Krankheit in Südosteuropa aus. 2016 gab es zahlreiche Ausbrüche in Bulgarien, Nordmazedonien, Griechenland, Albanien, Montenegro, Kosovo und Südserbien. Die meisten Ausbrüche in Europa fanden zwischen Mai und August statt – zu der Jahreszeit mit der höchsten Vektorendichte. In den betroffenen Ländern wurden mehrere Maßnahmen zur Bekämpfung von LSD getroffen.

Die Mortalität und Morbidität in infizierten europäischen Rinderherden variierte in den Seuchenjahren 2016 und 2017 regional zwischen 0-100 %; im Mittel betrug die Morbidität z. B. in Albanien 0,8-7,2 %, die Mortalität 0,3-2,9 %.

In der Balkanregion gingen die Ausbruchszahlen der Lumpy Skin Disease von 7.483 im Jahr 2016 auf 385 im Jahr 2017 zurück. Die Zahlen bestätigen, dass die Impfung von Rindern – von der EFSA im Jahr 2016 empfohlen – der wirksamste Weg zur Eindämmung der Krankheit ist.

Fachinformation

Veterinärmedizin

Gesundheitsministerium: Maßnahmen und Empfehlungen

Das LSD-Virus (LSDV) gehört neben dem Schafpockenvirus, dem Sheeppox virus, und dem Ziegenpockenvirus, dem Goatpox virus, zum Genus Capripoxvirus.

Diagnostik

Zuständig für die LSD-Laboranalysen ist das das AGES-Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling als Nationales Referenzlabor für Capripocken.

Für die diagnostischen Untersuchungen werden Hautveränderungen, Blut und Exkrete (Tränenflüssigkeit, Speichel) herangezogen. Die Proben werden mithilfe international anerkannter molekularbiologischer (PCR und Sequenzierung), elektronenmikroskopischer, virologischer (Isolierung mittels Zellkultur) und serologischer Verfahren (SNT, ELISA) analysiert. Das NRL kann mittels PCR zwischen Feld- und Impfvirus unterscheiden. Die diagnostischen Methoden werden auch in der Ausschlussdiagnostik angewandt. Mit der Ausschlussdiagnostik kann nicht nur die frühzeitige Erkennung eines Seuchengeschehens erfasst werden; sie dient auch zur Aufrechterhaltung der Kompetenz der labordiagnostischen Untersuchungen und des Notfallplanes. So wurden 2017 und 2018 im Rahmen der Ausschlussdiagnostik je 15 Rinder mit größtenteils auffallenden Hautsymptomen untersucht. Alle Fälle waren LSD-negativ.

Probenart für Probennahme:

lebende Tiere:

  • Hautläsionen und/oder Hautkrusten
  • Speichelflüssigkeit (nativ in Röhrchen oder Tupfer möglich - keine bakteriologischen Tupfertransportmittel)
  • Nasen- und Augenflüssigkeit (mit Tupfer - keine bakteriologischen Tupfertransportmittel)
  • Blut (EDTA/Heparin) und Serum

Tierkörper (tot):

  • Hautläsionen und/oder Hautkrusten
  • Lymphknoten
  • Milz
  • Lunge und veränderte Regionen des Respirationstraktes
  • Nasenflüssigkeit (mit Tupfer - keine bakteriologischen Tupfertransportmittel)

Das BMASGK und die AGES haben Vorkehrungen für einen eventuellen Seuchenausbruch in Form von zahlreichen Maßnahmen (Erstellung von Krisenplan, Risikoanalyse und Impfplan; Verbreitung von Information über Publikationen, Bereitstellung von Probensets und Anleitungen zur Biosicherheit am Betrieb etc.) getroffen. Seit 1. Dezember 2017 ist die nationale „Lumpy skin disease-Verordnung“ (BGBl. II Nr. 315/2017) in Kraft. Die Verordnung regelt behördliche Maßnahmen zur Früherkennung (LSD-Monitoring), behördliche Maßnahmen bei Seuchenverdacht und Seuchenausbruch, die Zonenlegung und Verbringungsbeschränkungen; sie informiert über die Umsetzung von unionsrechtlichen Bestimmungen und Verweisungen sowie über die Wiedererlangung des Freiheitsstatus.

Symptome

Der Verlauf der Erkrankung bei Rindern ist akut bis subakut, manchmal auch chronisch. Typische Symptome sind:

  • ein papulo-vesikuläres Exanthem, das in Form von 0,5-5cm großen Hautknoten bevorzugt an Kopf, Hals, im Schwanzbereich, im Perineum, auf den äußeren Genitalorganen (Euter-Mastitis!) und den Extremitäten auftreten kann. Nur 40-50 % der Rinder entwickeln generalisierte Hautschwellungen.
  • biphasische Fieberschübe von bis zu 41 °C
  • stark vergrößerte Lymphknoten
  • nekrotische Läsionen in den Organen des respiratorischen Traktes (Trachea, Lungen), in der Skelettmuskulatur, im Unterhautgewebe, im Magen und am Uterus
  • erhöhter Speichel- und Tränenfluss
  • Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
  • Konjunktivitis (kann bis zur Erblindung führen)
  • fehlender Duldungsreflex bei weiblichen Tieren
  • infektiös bedingte Aborte

Differentialdiagnostisch kommt eine Infektion mit BHV-2 (syn. Pseudo lumpy skin disease), mit Parapocken, Demodikose und die Dermatophilose, eine Infektion mit dem Bakterium Dermatophilus congolensis, in Betracht.

Bei geringstem Verdacht sollten vom Amtstierarzt Proben (Hautnekrosen, Tränenflüssigkeit, Speichelflüssigkeit, Serum und EDTA Blut) genommen werden.

LSD-typische Hautschwellungen / Rinderkörper
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Rindereuter mit LSD-Läsionen
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Trachea eines an LSD-erkrankten Rindes, Schleimhautläsionen

Kontakt, Formulare

Referenzzentrale:
Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling, Zentrum für biologische Sicherheit

Robert Koch-Gasse 17
2340 Mödling
Telefon: +43 50 555-38112
Fax: +43(0)5 0555 38529
vetmed.moedlingno@Spam@agesno.Spam.at

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