Kaninchenseuche, -pest

Myxomatose

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Zuletzt geändert: 16.01.2017
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Die Myxomatose oder Kaninchenpest ist eine ausschließlich bei Haus- und Wildkaninchen vorkommende Viruserkrankung. Der Erreger gehört der Pockenvirusfamilie „Leporipoxvirus“ an und wird als Myxoma virus bezeichnet. Zur Familie der Leporipoxviren zählen zudem das Hare fibroma virus (Fibromatose des Feldhasen), das Rabbit fibroma virus (Fibromatose des Kaninchens) und das Squirrel fibroma virus (Fibromatose der Eichhörnchen).

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Die Myxomatose oder Kaninchenpest ist eine ausschließlich bei Haus- und Wildkaninchen vorkommende Viruserkrankung. Der Erreger gehört der Pockenvirusfamilie „Leporipoxvirus“ an und wird als Myxoma virus bezeichnet. Zur Familie der Leporipoxviren zählen zudem das Hare fibroma virus (Fibromatose des Feldhasen), das Rabbit fibroma virus (Fibromatose des Kaninchens) und das Squirrel fibroma virus (Fibromatose der Eichhörnchen).

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Übertragung

Die Übertragung des Virus findet vorwiegend durch stechende, blutsaugende Insekten wie Stechmücken oder Flöhe statt; vor allem der Kaninchenfloh gilt als Hauptvektor. Eine Übertragung des Myxomatosevirus durch Milben, Zecken und Läuse kann ebenfalls nicht ausgeschlossen werden. Das Virus bleibt im Insekt bis zu 3 Monate aktiv. Eine erhöhte Insektenpopulation in feuchtwarmen Sommern und im Herbst führt zu einem gehäuften Auftreten der Erkrankung. Myxomatose ist dafür bekannt, nur alle 4-5 Jahre, dafür dann hochvirulent, aufzutreten.

Weitere Übertragungswege sind:

  • direkter Tier zu Tier Kontakt durch Beschnuppern und Schleimhautkontakt
  • indirekte Übertragung über Grünfutter
  • indirekte Übertragung über Fliegen

Obwohl das Virus wirtsspezifisch ist, kann der Mensch bei Kontakt mit erkrankten Tieren als indirekter Überträger fungieren. Verschmutzte Arbeitsgeräte, Stallkleidung bzw. Stallzubehör sind, bei Kontakt mit infizierten Tieren, ebenfalls für die Verbreitung des Virus verantwortlich. Das Virus bleibt bis zu 7 Monate virulent.

Wirtstiere, Gefährdung für den Menschen

Hauptwirte des Virus sind das europäische Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) und das Hauskaninchen. Die Wildkaninchen Südamerikas (Sylvilagus brasiliensis) sind wesentlich resistenter gegenüber dem Myxomatosevirus (milde bzw. symptomlose Infektion!) als ihre europäischen Vertreter. Feldhasen sind für Myxomatose weitgehend unempfindlich; selbst bei hohem Infektionsdruck erkranken maximal 1% der Feldhasen.

Andere Tiere oder Menschen sind durch das Myxomatosevirus nicht gefährdet. Bei Verdacht auf Myxomatose (siehe Symptome) sollte sofort der Tierarzt benachrichtigt werden. Kranke Tiere sollten nicht mit bloßen Händen berührt werden (Händewaschen, Händedesinfektionen, Handschuhe).

Symptome

Je nach Virulenz des Erregers liegt die Mortalität bei 20 bis 100 %. Nach anfänglicher Sterblichkeit von bis zu 100 %, ausgelöst durch einen hochvirulenten Stamm, kommt es durch Abschwächung und Anpassung des Virus an die Wirte zunehmend zu milderen und atypischen Verläufen.
Nach einer Inkubationszeit von 3 bis 9 Tagen treten erste Symptome auf; nach ca. 10 bis 14 Tagen endet die Krankheit meistens mit dem Tod.

Die wichtigsten Symptome sind:

  • Schwellungen und Entzündungen im Bereich der Augenlider
  • Augenausfluss
  • Schwellungen im Bereich des Kopfes (Mund, Ohren, Lippen)
  • Schwellungen im Bereich des Genitalbereiches
  • Schluckbeschwerden
  • hohes Fieber
  • Ödembildungen (Hinterlaufödeme in Ausnahmefällen)

Verlaufsform

Myxomatose äußert sich hauptsächlich in drei Verlaufsformen:

a) akuter Verlauf: Typisch sind geschwollene Augenlider (Bindehautentzündung), Anschwellungen im Kopfbereich (Nase, Ohren, Lippen, Augen) und eitriges Augensekret, später auch Fieber und Ödembildung am ganzen Körper. Infolge der Schwellungen und Knotenbildung am Ohr knicken bei stehohrigen Rassen die Ohren ein (hohe Gewichtslast!). Durch die Ödembildung wird der Kopf zudem unförmig ("Nilpferdkopf" oder "Löwenkopf“). Unterhautödeme finden sich vermehrt im Bereich der Geschlechtsorgane, des Analbereiches, der Hinterläufe, des Unterbauches und auf dem Rücken. Zu Beginn der Erkrankung sind die Tiere noch munter und nehmen Futter auf; nach 1-2 Wochen stellen sie die Nahrungsaufnahme ein und verenden.

b) beim periakuten Verlauf sind die Krankheitssymptome weniger ausgeprägt: Meist erkennt man die Anzeichen an einer Augenschwellung, die in eine Bindehautentzündung übergeht. Die Tiere sterben innerhalb weniger Tage.

c) beim chronischen Verlauf treten vermehrt Knoten- und Unterhautödembildungen auf, vor allem im Kopfbereich und an den Hinterläufen. Eine Heilung ist in Einzelfällen möglich; das „geheilte“ Tier trägt die Seuche jedoch weiterhin in sich.

Bekämpfung

Für Myxomatose gibt es keine spezielle Behandlung. Sie ist nicht heilbar, auch wenn Medikamente und Antibiotika unterstützend eingesetzt werden können. Überlebt ein Tier, überträgt es auch noch nach Monaten das Virus und wird nicht immunisiert. Latent infizierte Kaninchen scheiden ebenfalls Myxomatoseviren aus, sodass eine Krankheitsverbreitung über Kontaktinfektionen innerhalb des Bestandes möglich wird.

Die Erreger der Myxomatose sind lange überlebensfähig, insbesondere an Gerätschaften und in den Stallungen. Deshalb müssen alle Gegenstände oder Gebäude, mit denen erkrankte Tiere in Berührung kommen, nach dem Verenden der Tiere gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Das Virus ist relativ unempfindlich gegenüber einer Mehrzahl von Chemikalien wie Kaliumpermanganat, Sublimat, Phenol und Borsäure. Das Virus ist nicht kälte-, jedoch wärmeempfindlich.

Prophylaxe, Schutz- und Hygienemaßnahmen

Bei neu in einen Bestand einzuführenden Kaninchen sollte eine 14-tägige Quarantäne eingehalten sowie eine Impfung durchgeführt werden. Vorbeugend kann eine halbjährliche Impfung mit abgeschwächtem Lebendimpfstoff Schutz gegen eine Infektion bieten. In Österreich und Deutschland ist im Gegensatz zur Schweiz eine Impfung zugelassen. Detaillierte Informationen über Impfungen erhalten Sie bei Ihrem Tierarzt.

Es gibt verschiedenen Impfstoffe, die meist sub- bzw. intrakutan appliziert werden.

Grundimmunisierung bei Jungtieren:

  • Impfung im Alter von 4-6 Wochen
  • Wiederholungsimpfung: nach 4 Wochen
  • weiterer Impfmodus: alle 6 Monate

Grundimmunisierung bei Alttieren:

  • Impfung Anfang März/April, Alter egal
  • Wiederholungsimpfung nach 4 Wochen
  • weiterer Impfmodus: alle 6 Monate

Alle Hauskaninchen, egal ob freilebend oder im Stall, sollten geimpft werden; impfwürdig sind nur 100 % gesunde Tiere. Trächtigkeit, Saugtätigkeit oder Wachstum (ab einem Alter von 4 Wochen) sind kein Hinderungsgrund. Vor der Impfung sollte der Tierarzt eine allgemeine Gesundheitskontrolle durchführen. Rechtzeitig vor Beginn der warmen Jahreszeit impfen! Die Impfung kann mit anderen Kaninchen-Impfungen (RHD) kombiniert werden, allerdings ortsgetrennt. Die Impfung bleibt wirkungslos bei Kaninchen, die bereits latent infiziert oder bereits erkrankt sind.

Die Impfung erreicht keine hundertprozentige Immunisierung; mit ihr sollten weitere Vorsichts- und Hygienemaßnahmen einher gehen. Die Wirksamkeit der Impfung kann durch ungünstige Haltungsbedingungen sowie durch Kokzidien- und Parasitenbefall oder versteckte bakterielle Infektionen negativ beeinflusst werden. Es kann passieren, dass Jungtiere durch das Muttertier (durch Säugung) einen derart hohen Antikörperspiegel besitzen, dass das Immunsystem der jungen Kaninchen nicht zur Antikörperbildung angeregt wird – es entsteht eine immunologische Lücke. Die vom Muttertier übertragenen Antikörper und die durch das Vakzin freigesetzten Viren kompensieren sich gegenseitig, und das Jungtier entwickelt keinen Impfschutz. Dieses Infektionsrisiko kann durch Durchimpfung aller im Stall befindlichen Tiere jedoch eingeschränkt werden.

Weitere Schutz- bzw. Hygienemaßnahmen:

  • wirksamer Mückenschutz, empfohlen bei größeren Beständen
  • kein Grünfutter aus Gebieten, in welchen sich Wildkaninchen aufhalten
  • Bekämpfung der Fliegen, die virushaltiges Augensekret oder Sekret aufbrechender Pusteln verbreiten können
  • Vermeidung von Kontakt zwischen Hauskaninchen und Wildkaninchen im Freigehege
  • Reinigung der Hände nach dem Anfassen von erkrankten Tieren
  • Übertragungsmöglichkeit kann auch während Ausstellungen erfolgen

Gesetzliche Bestimmungen

Myxomatose ist nicht anzeigepflichtig, jedoch gegenüber der OIE meldepflichtig („Notifiable Disease“-OIE).

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