Infektiöse Anämie der Einhufer

Equine infectious anemia virus (EIAV)

Zuletzt geändert: 23.03.2021
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Tierseuchenkategorien: D E

Steckbrief

Die Infektiöse Anämie der Einhufer ist eine Viruserkrankung bei Pferden und anderen Einhufern, die vor allem durch blutsaugende Insekten übertragen wird.

Vorkommen

Das EIA-Virus ist weltweit verbreitet. In Europa gilt die Erkrankung in Rumänien als endemisch, deshalb gelten strenge Regeln für den Transport lebender Pferde aus Rumänien.

Wirtstiere

Wirtstiere sind Unpaarhufer wie Pferd, Maultier, Maulesel, Esel, Zebra etc. Nach derzeitigem Wissenstand besteht keine Infektionsgefahr für Menschen.

Infektionsweg

Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch blutsaugende Insekten wie Stechmücken, Stechfliegen (Wadenstecher) und Bremsen. Eine Übertragung über größere Entfernungen (mehr als 200 m) konnte nicht beobachtet werden. Die Übertragung von Pferd zu Pferd über Körperflüssigkeiten setzt einen engen Tierkontakt voraus.

Inkubationszeit

1-3 Wochen, selten länger als 3 Monate

Symptomatik

Der Verlauf der Krankheit ist vom Allgemeinzustand des Tieres abhängig: Fieber über 40 °C, Konditions- und Gewichtsverlust, Schwanken auf der Hinterhand, oftmals Ödeme an Gliedmaßen, Bauch und Unterbrust. Die infektiöse Anämie der Pferde kann als perakute (plötzlicher Tod), akute oder chronische Erscheinungsform auftreten. Die akute Form der Erkrankung endet meist tödlich, die Tiere können innerhalb weniger Tage sterben. Bei der chronischen Erkrankung kann die Krankheit mehrere Jahre andauern.

Therapie

Bislang gibt es keine Therapie gegen die infektiöse Anämie. Das EIA-Virus ist durch handelsübliche Desinfektionsmittel inaktivierbar.

Vorbeugung

Die infektiöse Anämie der Pferde ist eine nach dem Tierseuchengesetz anzeigepflichtige Tierseuche. Es gibt keinen wirksamen Impfstoff.

Situation in Österreich

Im Jahr 2019 wurden zwei Fälle von Infektiöser Anämie der Einhufer von der AGES bestätigt. Es handelte sich um die ersten Fälle in Österreich seit 2002: Am 18. Juni 2019 wurde in Lustenau (Vorarlberg) der Verdacht auf das Vorliegen von EIA bei einem Pferd in einer Hobbyhaltung gemeldet. Untersuchungen durch den Amtstierarzt und durch das nationale Referenzlabor der AGES bestätigten den Verdacht. Eine zweiter EIA-Verdachtsfall im Bezirk Perg (Oberösterreich) wurde am 28. Juni 2019 von der AGES bestätigt. Alle Pferde im Umkreis von einem Kilometer um die Ausbruchsbetriebe wurden von der lokalen Veterinärbehörde beprobt und serologisch untersucht. 292 nachfolgenden Untersuchungen von Serumproben aus den genannten Gebieten um die bestätigten Fälle erbrachten ein negatives Ergebnis.

Alle im Jahr 2020 untersuchten Serumproben von Pferden waren negativ. Im Jahr 2020 wurden keine Fälle nachgewiesen.

Abbildung 1: EIA-Untersuchungen in Österreich


Legende

    Fachinformation

    Die Infektiöse Anämie der Einhufer (EIA) wurde erstmals 1843 in Frankreich diagnostiziert. Der Erreger der Infektiösen Anämie der Einhufer, das Equine infectious anemia virus (EIAV), ist ein Lentivirus aus der Familie der Retroviridae, Unterfamilie Orthoretrovirinae. Wirtstiere der EIA sind alle Unpaarhufer aus der Familie der Pferde (Equidae), also Pferde, Ponys, Maultiere, Maulesel, Esel, Zebras etc.

    Das Virus wird nicht als Risiko für die menschliche Gesundheit angesehen, nach derzeitigem Wissenstand besteht somit keine Infektionsgefahr für den Menschen.

    Das EIA-Virus ist weltweit verbreitet und tritt in Nord-, Mittel- und Südamerika, Südafrika, Nordaustralien, Japan, Großbritannien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Rumänien, Slowenien, Kroatien, Ungarn und Griechenland auf. Die im ersten Halbjahr 2010 gemeldeten Ausbrüche in Belgien, Deutschland, Frankreich und England konnten zum überwiegenden Teil auf aus Rumänien verbrachte Pferde zurückgeführt werden (SCoFCAH 2010). In Rumänien gilt die Erkrankung als endemisch, weshalb strenge Regeln für den Transport lebender Pferde aus Rumänien gelten. Das EIA-Virus ist durch handelsübliche Desinfektionsmittel inaktivierbar. Als Reinigungs- bzw. Desinfektionsmittel eignen sich Fettlösemittel, stark saure und alkalische Verbindungen; nicht jedoch Aldehyde wie Formaldehyd und Glutaraldehyd.

    Übertragung

    Der Übertragungsweg der Infektiösen Anämie der Einhufer erfolgt hauptsächlich durch blutsaugende Insekten wie Stechmücken, Stechfliegen (Wadenstecher) und Bremsen. Das EIA-Virus überdauert auf den Mundwerkzeugen lediglich 30 Minuten bis einige Stunden und wird im Insekt nicht vermehrt. Eine Übertragung über größere Entfernungen (mehr als 200 m) konnte bisher nicht beobachtet werden. Die Übertragungsrate ist im späten Frühjahr ansteigend, kulminiert im späten Sommer und Frühherbst und ist im Winter am geringsten. In Flusstälern, Sumpf- und Waldgebieten ist die Häufung von Krankheitsfällen nach Weidegang am größten, auf Hochweiden und bei Stallhaltung geringer. Die regionalen und jahreszeitlichen Verteilungsmuster werden mit dem Auftreten und der Populationsdichte der Insekten erklärt.

    Die Übertragung von Pferd zu Pferd setzt einen engen Tierkontakt voraus. Das Virusreservoir bilden chronisch oder symptomlos erkrankte Pferde, die lebenslang Träger des Virus sind. Diese Tiere stellen potentielle Infektionsquellen für eine Einschleppung des Virus in seuchenfreie Herden dar. Die Übertragung kann im Zuge des Fortpflanzungsaktes, bei trächtigen Stuten über die Plazenta auf den Fötus, über die Muttermilch sowie über Exkretion von Speichel und Urin erfolgen.
    Auch eine Übertragung durch mit Blut und Sekreten kontaminierte Pflegeutensilien bzw. durch das Maulgatter sowie über Injektionskanülen, chirurgische Instrumente und nicht lizensierte Blut- und Plasmaprodukte ist möglich.

    Symptomatik

    Der Verlauf der Krankheit ist vom Allgemeinzustand des Tieres abhängig. Die Inkubationszeit beträgt 1-3 Wochen, selten länger als 3 Monate.

    Die infektiöse Anämie der Pferde kann als perakute (plötzlicher Tod), akute oder chronische Erscheinungsform auftreten aber auch weitgehend symptomlos verlaufen. Die akute Form der Erkrankung endet meist innerhalb weniger Tage tödlich. Bei der chronischen Erkrankung kann die Krankheit mehrere Jahre andauern.

    Die akute Verlaufsform äußert sich in Fieber, Apathie, Schwäche, Störungen der Bewegungskoordination (= Ataxie), Gelbsucht (= Ikterus), Herzrasen, Herzarrhythmie und Blutungen aus den Kapillaren der Schleimhäute (= Petechien), die vor allem an der Zungenunterseite sowie an den Lidbindehäuten auftreten. Es kommt zu einem Anstieg der inneren Körpertemperatur auf bis über 40 °C, das Fieber kann eintägig sein, kann aber auch einige Tage andauern. Die Tiere sind matt, werden anämisch und zeigen gestaute, manchmal ikterische Schleimhäute als Folge einer eintretenden Herzschwäche. Konditions- und Gewichtsverlust sind die Folge. Erkrankte Tiere können auf der Hinterhand schwanken und zeigen oftmals Ödembildungen an Gliedmaßen, Bauch und Unterbrust.
    Bei trächtigen Stuten kann es zu Aborten und zur Geburt von lebensschwachen Fohlen kommen. Bei therapieresistenten Fieberschüben als auch bei Thrombozytopenie (= Verringerte Anzahl an Thrombozyten) sollte die EIA immer differenzialdiagnostisch abgeklärt werden.

    Die chronische Form ist durch Erkrankungsschübe mit Fieberanfällen, Abgeschlagenheit und Ödembildung an der Bauchunterseite gekennzeichnet. Die Krankheitsschübe, die im Abstand von 4-6 Wochen auftreten, dauern 2-5 Tage. Danach sind die Tiere wieder beschwerdefrei bis ein neuerlicher Krankheitsschub erfolgt. Mit zunehmender Dauer der Erkrankung entwickeln die Tiere eine Anämie und Hypergammaglobulinämie (= erhöhter Gehalt an Gammaglobulinen im Blut). Sie werden schließlich so schwach, dass sie nicht mehr stehen können. Die Tiere magern trotz Futteraufnahme ab.
    Ein infiziertes Tier muss als lebenslanger Virusträger (persistierende Virämie) und potentieller Virusausscheider angesehen werden, unabhängig davon, ob eine klinische Manifestation beobachtet wird. 30 bis 90 % der Infektionen verlaufen oft sehr lange Zeit ohne augenscheinliche Krankheitssymptome. Die der Krankheit ihren Namen gebende Anämie wird oft nicht beobachtet - sie entsteht durch immunpathologischen Zerfall von roten Blutkörperchen.

    Bislang gibt es weder eine Therapie noch einen wirksamen Impfstoff. Die EIA ist in allen EU-Mitgliedstaaten anzeigepflichtig und zählt zu den meldepflichtigen Tierseuchen an die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE). Beim Ankauf von Pferden aus Anämiegebieten sollte vorher ein Antikörper-Nachweis zum Ausschluss der EIA vorgenommen werden.

    Diagnostik

    Als Probenmaterial für Antikörpertests geeignet ist Blut (Serum).

    Die Diagnose der EIA beruht auf serologischen Nachweisverfahren von Antikörpern gegen das EIA-Virus (Coggins-Test oder ELISA Verfahren), da die PCR-Methode derzeit weder an die Sensitivität und Spezifität der serologischen Nachweisverfahren herankommt noch eine Routinemethode in der Diagnostik dieser Krankheit darstellt. Die Antikörper sind mittels Coggins-Test frühestens 2 bis 3 Wochen, selten mehr als 60 Tage nach der Infektion nachweisbar.

    Positive Fälle können mittels PCR (Polymerase Kettenreaktion) bestätigt werden. Als Target wird das konservierte gag – Gen herangezogen. Dennoch wird weder seitens der OIE noch des EU-Referenzlabors ANSES aufgrund der hohen genetischen Variabilität eine bestimmte PCR Methode zum Nachweis von EIA empfohlen.

    Als Probenmaterial für die PCR Untersuchung eignen sich Serum, EDTA-Blut sowie Organproben.
    Differentialdiagnostisch sind die Equine Virale Arteritis, die Afrikanische Pferdepest, die Piroplasmose, Babesiose, Ehrlichiose, Leptospirose, Petechialfieber, eine Nieren- oder Herzerkrankung, chronisch bakterielle Infektionen, schwerer Parasitenbefall oder ein Magen- und Darmkatarrh zu beachten.

    Kontakt, Formulare

    Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling
    Robert Koch-Gasse 17
    A-2340 Mödling
    Tel: +43 (0) 505 55-38112
    Fax: +43 (0) 505 55-38108
    E-Mail: vetmed.moedling@ages.at

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