Geflügelpocken

Vogelpocken, Fowlpox, Avipox

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Zuletzt geändert: 20.06.2017
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Aviäre Pocken stellen aufgrund der wirtschaftlichen Verluste eine der  bedeutsamsten Infektionskrankheiten in der Geflügelhaltung dar. Konsequenter prophylaktischer Einsatz von Lebendimpfstoffen und verbesserte Hygienebedingungen bewirkten, dass über lange Zeit bei intensiv gehaltenem Wirtschaftsgeflügel keine Pockeninfektion beobachtet wurde. Seit 2006 traten, möglicherweise bedingt durch den Verzicht auf die bislang durchgeführte Schutzimpfung, in Österreich wieder Pockeninfektionen in Geflügehaltungen auf. In Österreich sind Geflügelpocken nicht melde- bzw. anzeigepflichtig.

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Aviäre Pocken stellen aufgrund der wirtschaftlichen Verluste eine der  bedeutsamsten Infektionskrankheiten in der Geflügelhaltung dar. Konsequenter prophylaktischer Einsatz von Lebendimpfstoffen und verbesserte Hygienebedingungen bewirkten, dass über lange Zeit bei intensiv gehaltenem Wirtschaftsgeflügel keine Pockeninfektion beobachtet wurde. Seit 2006 traten, möglicherweise bedingt durch den Verzicht auf die bislang durchgeführte Schutzimpfung, in Österreich wieder Pockeninfektionen in Geflügehaltungen auf. In Österreich sind Geflügelpocken nicht melde- bzw. anzeigepflichtig.

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Übertragung

Übertragung

Die Virusübertragung kann durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren über Hauteffloreszenzen, Pustelsekret, Nasen- und Augensekret erfolgen. Eine indirekte Virusübertragung ist auch über Arthropoden, insbesondere über die Rote Federmilbe (Dermanyssus gallinae), aber auch über andere Milben, Fliegen und Federlinge möglich. Auch Staub, Aerosole, Tränken und Futtermittel tragen zur Verbreitung der Infektion bei. Des Weiteren ist auch eine Übertragung über kranke Wildvögel möglich. So können Geflügelpocken über Federparasiten von Sperlingen auf Hühnervögel übertragen werden. Avipockenviren sind labil gegen Fettlösungsmittel, Ether, Chloroform und andere Desinfektionsmittel; in Hautschuppen und Federstaub sind Pockenviren mehrere Monate infektiös.

Symptome

Symptome

Die Infektion kann in Form einer lokalen Infektion oder einer Generalisation verlaufen. Bei der lokalen Infektion treten nur geringe lokale Läsionen auf und die Krankheit heilt ab. Die Generalisation hingegen zeichnet sich durch einen zyklischen Krankheitsverlauf aus: Der primären Virusvermehrung an der Eintrittspforte folgt eine schwache Virämie. Während dieser Phase gelangen die Viren zu den primär affinen Organen (Leber, Knochenmark), wo eine weitere Virusvermehrung, resultierend in einer sekundären Virämie, erfolgt. Die Viren gelangen sodann zu den Zielorganen Haut und Schleimhaut. Die Inkubationszeit beträgt zwischen 4 und 14 Tagen.

Beim Wirtschaftsgeflügel unterscheidet man drei Erscheinungsformen:

a) die Hautform zeichnet sich durch charakteristische Hautläsionen mit Krustenbildung an, vor allem unbefiederten Körperstellen wie Ständer, Kloakenöffnung, Kamm, Ohr, Kehllappen, Schnabelregion und Augenlid, aus. Selten, in schweren Fällen, finden sich Hautläsionen auch an befiederten Stellen. Zunächst entstehen kleine rötliche Flecken, die sich zu gelblichen Knötchen mit rauer Oberfläche entwickeln (papulöses Stadium). Es bilden sich sodann großflächige Papeln mit zerklüfteter Oberfläche, die danach braun-schwarze Krusten bilden (siehe Abbildung 1). Blutige Pusteln und Papeln sind Ausgangsherde für Sekundärinfektionen. Die Pockenkrusten heilen nach 3 bis 4 Wochen ohne Narbenbildung ab.  
b) die Schleimhautform (diphtheroide Form) ist durch proliferative Veränderungen und gelbliche membranöse Beläge in der Schnabelhöhle, auf der Zunge, im Gaumen der Rachenhöhle und im Kehlkopf gekennzeichnet. Die Schleimhaut ist zuerst stark gerötet, dann gelblich-weiß; bakterielle Sekundärinfektionen können folgen. Die Futteraufnahme ist stark beeinträchtigt und führt in der Folge zu verminderter Legeleistung und zu verzögertem Wachstum.
c) die Mischform (= Kombination von Haut- und Schleimhautform) ist die beim Wirtschaftsgeflügel häufigste Form.

Bei Zier- (z. B. Papageien), Wild-, Greifvögeln und Brieftauben treten wie beim Wirtschaftsgeflügel alle Formen auf. Tauben zeichnen sich zudem durch sogenannte "Blutgeschwüre" (symmetrisch auftretende beidseitige kirschgroße Gebilde) aus. Für Tauben und Finkenvögel wird zusätzlich eine tumoröse Form beschrieben. Kanarienvögel zeigen neben den oben beschriebenen Formen noch eine perakute (= septikämisch-toxische) Form, bei der nur Allgemeinsymptome zu beobachten sind und die erkrankten Tiere nach drei Tagen verenden, weiters die letale Lungenform (Schnappatmung) sowie die nicht letale, aber höchst gefährliche asymptomatische Form (Ansteckungsgefahr!).

Die Mortalität kann bei Wirtschaftsgeflügel, Tauben und Papageien 50 %, bei Kanarien- und Finkenvögeln bis zu 100 % betragen.

Differentialdiagnostisch kommen bei Hauteffloreszenzen Papillomavireninfektionen, bakterielle Hauterkrankungen, Verletzungen, die kutane Form der Marek’Disease, Knemidokoptesbefall in Betracht; bei Schleimhautdeformationen ILT, Psittakose/Ornithose, Coryza, Bronchitis sowie Pilzerkrankungen.

Bekämpfung

Bekämpfung

Die Bekämpfung konzentriert sich auf die prophylaktische Vakzinierung mit attenuierten Lebendimpfstoffen und die Verbesserungen der Haltungsbedingungen insbesondere der Hygienebedingungen. Eine spezielle Behandlung erkrankter Vögel ist nicht möglich. Erkrankte Einzeltiere sind zum Schutz der anderen Tiere zu isolieren. Beim Wirtschaftsgeflügel ist das dauerhafte Entfernen erkrankter Tiere vorzuziehen. Die Ställe bzw. Volieren sind zu reinigen.

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