SARS-CoV-2-Varianten in Österreich

Zuletzt geändert: 20.07.2021

Tierseuchenkategorien:

In Österreich wurde am 3. Jänner 2021 erstmals bei vier Personen die britische Variante des SARS-CoV-2-Virus (B.1.1.7) und bei einer Person die südafrikanische Varante (B.1.351) bestätigt. Seitdem wurden Untersuchungsverfahren zur Auffindung von Fällen einer Infektion mit verdächtigten SARS-CoV-2-Virusvarianten etabliert.

Bestimmte Varianten werden von nationalen und internationalen Gesundheitsorganisationen und -behörden als so genannten "Variants of Concern" (besorgniserregende Varianten) gelistet:

  • B.1.1.7 (Alpha), B.1.1.7 mit E484K
  • B.1.351 (Beta)
  • P.1 (Gamma)
  • B.1.617.2 (Delta)

Übersicht "Variants of Concern" in Österreich

Tabelle 1: Anzahl der laborbestätigten SARS-Cov-2-Fälle in Österreich und Anzahl der "Variants of Concern" (B.1.1.7, B.1.351., P.1, B.1.617.2) nach Kalenderwoche der Labordiagnose, basierend auf PCR-Testverfahren oder Sequenzierung. Fälle von B.1.1.7 inkludieren Fälle mit/ohne E484K (EMS-Falldatenstand 20.07.2021, 07:00 Uhr).

Kalenderwoche B.1.1.7 (Alpha) B.1.351 (Beta) P.1 (Gamma) B.1.617.2 (Delta) Fälle gesamt
1 109 6 0 0 14635
2 354 59 0 0 10948
3 455 137 0 0 10161
4 1050 179 0 0 9510
5 1978 123 0 0 9116
6 1984 111 0 0 9465
7 3668 88 0 0 11637
8 7696 147 0 0 14203
9 9609 98 0 0 16339
10 11419 103 1 0 18231
11 13036 80 2 0 21093
12 12850 61 1 0 22319
13 12149 23 0 1 20786
14 9428 23 1 0 17608
15 9625 36 2 1 16819
16 9914 32 6 2 15047
17 8807 24 12 1 12531
18 5834 3 24 3 9018
19 3801 0 10 4 5733
20 2661 7 10 8 4152
21 1957 5 27 24 3163
22 1608 5 27 63 2422
23 1043 1 19 193 1684
24 437 0 1 307 1003
25 195 0 1 255 680
26 105 0 1 309 632
27 83 0 2 579 1069
28 69 0 0 942 2190
131924 1351 147 2692 282194

Tabelle 2: Anzahl der laborbestätigten SARS-Cov-2-Fälle und Anzahl der "Variants of Concern" (B.1.1.7, B.1.351., P.1, B.1.617.2) nach Bundesland, basierend auf PCR-Testverfahren oder Sequenzierung. Fälle von B.1.1.7 inkludieren Fälle mit/ohne E484K (EMS-Falldatenstand 20.07.2021, 07:00 Uhr).

Bundesland B.1.1.7 (Alpha) B.1.351 (Beta) P.1 (Gamma) B.1.617.2 (Delta) Fälle gesamt
Burgenland 5809 4 0 52 8637
Kärnten 7947 3 2 97 18027
Niederösterreich 23009 60 1 297 53481
Oberösterreich 18061 26 2 203 43872
Salzburg 11465 15 1 149 21117
Steiermark 14665 14 1 176 36869
Tirol 13112 964 120 219 22481
Vorarlberg 4872 12 11 125 10651
Wien 32984 253 9 1374 67059
131924 1351 147 2692 282194

Österreichweite Überwachung der SARS-CoV-2-Varianten

Mit April 2021 wurde die AGES vom Gesundheitsministerium beauftragt, ein Überwachungssystem (Sentinel-System) für neu auftretende und bereits existierende Mutationen von SARS-CoV-2 einzuführen. Mit diesem Überwachungssystem kann ein Überblick über die derzeit in Österreich auftretenden Mutationen beziehungsweise Varianten gewonnen werden.

Ergebnisse der Überwachung

Im Zeitraum Juni wurden insgesamt 380 Proben aus 9 Bundesländern bzw. vom Flughafen Wien eingesandt.  Von den aktuellen besorgniserregenden Varianten konnten B.1.1.7 (339 Proben), B.1.351 (1 Probe), P.1 (6 Proben), B.1.617.2 (3 Proben) festgestellt werden.

Im Zeitraum Mai (KW 18-KW 21) wurden insgesamt 330 Proben aus 8 Bundesländern sowie vom Flughafen Wien eingesandt. Von den aktuellen besorgniserregenden Varianten konnten B.1.1.7 (305 Proben, alle ohne E484K), B.1.351 (3 Proben) und B.1.617.2 (2 Proben) festgestellt werden (Hinweis: Die Daten wurden am 11.6. aktualisiert, da sie in der Vorversion nicht zur Gänze korrekt dargestellt waren).

Für den Zeitraum April 2021 (KW 14-KW 17) konnten in 240 untersuchten Proben ebenfalls 9 Varianten festgestellt werden; 213 Mal B.1.1.7 (90 Prozent), wobei in keiner dieser Proben eine E484K Mutation festgestellt wurde. Die Varianten B.1.351 und P.1 wurden in keiner der Proben nachgewiesen.

Ablauf Varianten-Überwachung

In jedem Bundesland wurde ein Labor ausgewählt und zum Sentinel-Labor ernannt: Jedes dieser Labore schickt pro Woche die ersten zehn positiven SARS-CoV-2 Rückstellproben an die AGES. Zusätzlich wurde ein zehntes Labor damit beauftragt, ausschließlich positive Proben von Besuchern des Flughafens Wien einzusenden. In der AGES wird die Virus-RNA isoliert und anschließend am Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften einer Ganzgenomsequenzierung unterzogen.

Bei den Proben aus dem Überwachungs-System handelt es sich nicht zwangsläufig um Proben, bei denen schon konkret die Vermutung auf eine bestimmte Mutation besteht, sondern um stichprobenartig ausgewählte Proben, die positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden. Da die Proben aus allen Bundesländern stammen, ist ein Überblick über die in Österreich zirkulierenden Virusvarianten möglich.

Die Monatsberichte werden auf AGES Wissen aktuell veröffentlicht

Varianten

Viren verändern sich ständig durch Mutation, Untersuchungen des Erbguts von SARS-CoV-2 haben gezeigt, dass es etwa alle zwei Wochen zu einer derartigen Mutation kommt. Die meisten neu auftretenden Mutationen haben keinen Einfluss auf die Ausbreitung des Virus oder die Schwere der Erkrankung.
Einige Mutationen oder Kombinationen von Mutationen können allerdings dem Virus einen Vorteil verschaffen, wie z. B. eine erhöhte Übertragbarkeit oder die Fähigkeit, sich der Immunantwort des Wirts zu entziehen. Derzeit stehen vier so genannte „Variants of Concern“ im Fokus der Öffentlichkeit: B.1.1.7 (Alpha), B.1.351 (Beta), P.1 (Gamma) und B.1.617.2 (Delta). Diese Varianten sind leichter übertragbar und sind in einigen Regionen der Welt zum vorherrschenden SARS-CoV-2-Typ geworden. So werden mittlerweile bereits weit über 90 Prozent der Neuinfektionen in Österreich durch B.1.1.7 verursacht.

GISAID Österreich-Report

Im Bericht GISAID Österreich-Report sind die Sequenzierungs-Ergebnisse angeführt, die von den österreichischen Laboratorien und Instituten in GISAID hochgeladen wurden. GISAID (Global Initiative on Sharing All Influenza Data) ist eine globale Wissenschaftsinitiative, deren Ziel es ist, Genomdaten zu Influenza- bzw. SARS-CoV-2 Viren frei zugänglich zu machen sowie den schnellen und unkomplizierten Austausch aller verfügbarer Daten zu gewährleisten. Laboratorien und Institute in Österreich, die sich mit der Sequenzierung von SARS-CoV-2 Viren befassen, stellen ihre Ergebnisse bereits auf freiwilliger Basis im Rahmen der GISAID-Initiative zur Verfügung.

Variants of Concern (VOC)

Die N501Y-Mutation ist kennzeichnend für die momentan unter Beobachtung stehenden Variants of Concern (VOC) B.1.1.7 (Alpha), B.1.1.7+E484K, B.1.351 (Beta) und P.1 (Gamma). Bei ihrem Nachweis liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine dieser Varianten vor. Die Variante B.1.617.2 (Delta) zeichnet sich durch zwei Mutationen aus, die mit einer leichteren Übertragbarkeit und einer reduzierten Immunantwort in Verbindung gebracht werden.

B.1.1.7 (Alpha)

Im Dezember 2020 berichteten britische Behörden von einer neuen SARS-CoV-2-Virusvariante (Linie B.1.1.7), die sich seit September 2020 in Großbritannien ausbreitet. Nach derzeitigem Kenntnisstand ist sie leichter von Mensch zu Mensch übertragbar als die „Wildform“ von SARS-CoV-2. Die erhöhte Übertragbarkeit führt zu einer höheren absoluten Anzahl von Infektionen und erhöht somit die Wahrscheinlichkeit schwerer Fälle. Zudem wird von einer erhöhten Sterblichkeit durch Erkrankungen mit der B.1.1.7-Variante ausgegangen. Es gibt bislang keine Hinweise auf eine verringerte Wirksamkeit der zugelassenen Impfstoffe.

Bei B.1.1.7 mit E484K handelt es sich um eine Sonderform der Variante, die eine zusätzliche Mutation (E484K) aufweist, die auch in den Varianten B.1.351 und P.1 auftritt und das Virus unempfindlicher gegen bereits gebildete neutralisierende Antikörper macht.

ECDC: https://www.ecdc.europa.eu/en/current-risk-assessment-novel-coronavirus-situation

British Medical Journal (BMJ): Risk of mortality in patients infected with SARS-CoV-2 variant of concern 202012/1: matched cohort study: https://www.bmj.com/content/372/bmj.n579

B.1.351 (Beta)

Über diese Virusvariante aus Südafrika wurde erstmals im Dezember 2020 berichtet. Sie ist mittlerweile der vorherrschende Virus-Typ in dieser Region, d. h. die Mehrzahl der Infektionen wird durch diese Virus-Variante verursacht. Vorläufige Studien-Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Variante um 50 % übertragbarer ist als die zuvor in Südafrika zirkulierenden Varianten. Es liegen noch keine ausreichenden Informationen darüber vor, ob die Anzahl der Reinfektionen im Zusammenhang mit dieser Variante tatsächlich höher ist. Erste Studien lassen vermuten, dass bei Personen, die an der ursprünglichen Variante erkrankt waren oder einen Impfstoff erhalten haben, der auf der ursprünglichen Variante beruht, der Schutz durch neutralisierende Antikörper (eine Komponente der Immunabwehr) gegenüber B.1.351 reduziert sein könnte.

Fast-spreading COVID variant can elude immune responses, https://www.nature.com/articles/d41586-021-00121-z

P.1 (Gamma)

Diese SARS-CoV-2-Variante zirkulierte erstmals im brasilianischen Staat Amazonas und ähnelt in ihren Veränderungen der südafrikanischen Variante. Eine erhöhte Übertragbarkeit wird ebenfalls als denkbar erachtet. Laut ECDC gibt es derzeit allerdings keine mikrobiologischen oder epidemiologischen Hinweise auf eine Veränderung der Übertragbarkeit. Bisher gibt es keinen Hinweis darauf, ob die Anzahl der Reinfektionen im Zusammenhang mit dieser Variante höher ist.

ECDC: https://www.ecdc.europa.eu/en/current-risk-assessment-novel-coronavirus-situation

Es gibt erste Hinweise darauf, dass einige der Mutationen in der P.1-Variante die Fähigkeit von Antikörpern (aus natürlicher Infektion oder Impfung), das Virus zu erkennen und zu neutralisieren, beeinträchtigen könnten.

SARS-CoV-2 reinfection by the new Variant of Concern (VOC) P.1 in Amazonas, Brazil, https://virological.org/t/sars-cov-2-reinfection-by-the-new-variant-of-concern-voc-p-1-in-amazonas-brazil/596

B.1.617.2 (Delta)

Die Variante B.1.617 (mit den Untervarianten B.1.617.1, B.1.617.2 und B.1.617.3) wurde zuerst im indischen Bundesstaat Maharashtra gefunden und verbreitet sich dort stark. Sie zirkuliert auch in anderen indischen Bundestaaten und wird auch in Europa immer öfter nachgewiesen. Es gibt Hinweise, dass die Variante B.1.617.2 (Delta) leichter übertragbar ist und mit einer reduzierten Wirksamkeit der Immunantwort in Verbindung gebracht werden kann. Die Mutation N501Y liegt in diesen Varianten nicht vor.

Risikoeinschätzung des Europäischen Zentrums für Seuchenkontrolle und Prävention (ECDC)

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