Campylobacter

Zuletzt geändert: 21.09.2020
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Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Campylobacter sind gramnegative, nicht sporenbildende spiralförmig gebogene Bakterien. Sie wachsen unter mikroaeroben Bedingungen (erhöhter CO2-Bedarf sowie höhere O2-Empfindlichkeit), reagieren empfindlich auf saure und basische pH-Werte, werden durch Pasteurisieren sicher abgetötet. Die häufigsten Arten sind C. jejuni, die etwa 90 % der humanen Erkrankungsfälle (Campylobacteriose) verursachen, und C. coli.

Vorkommen

Infektionen durch Campylobacter sind weltweit verbreitet und treten gehäuft in der warmen Jahreszeit auf. Sie stellen neben den Salmonellen die bedeutendsten Erreger bakterieller Darmerkrankungen beim Menschen dar. In Österreich liegt auch im Jahr 2018 die Campylobacteriose an erster Stelle der gemeldeten lebensmittelbedingten bakteriellen Infektionskrankheiten.

Erregerreservoir

Geflügel, Schweine, Rinder, Haustiere wie Hunde und Katzen sowie Vögel können Träger von Campylobacter sein. Es handelt sich bei diesen Keimen um mögliche Darmbewohner dieser Tiere, bei denen sie nur selten Erkrankungen hervorrufen.

Infektionsweg

Die Campylobacteriose des Menschen gilt hauptsächlich als nahrungsmittelbedingte Infektion. Hauptinfektionsquellen stellen in erster Linie unzureichend erhitztes Geflügelfleisch, damit kontaminierte nicht erhitzte Speisen (z. B. nach Verwendung desselben Schneidbrettes ohne gründliche Reinigung nach Zerlegen des Geflügels) und Rohmilch dar. Spezielles Augenmerk muss auf strengste Hygiene bei der Speisenzubereitung gelegt werden, um Kreuzkontaminationen zwischen rohem Fleisch und anderen Lebensmitteln zu vermeiden. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch (fäkal-oral) ist selten.

Inkubationszeit

Meist 2 bis 5 Tage, abhängig von der aufgenommenen Keimzahl. Bereits etwa 500 Keime reichen für das Angehen der Krankheit beim Menschen aus; auf einem Gramm Geflügelhaut können mehr als 10.000 Kolonie-bildende Einheiten (KBE) gefunden werden.

Symptomatik

Erkrankungen können sich durch hohes Fieber, wässrige bis blutige Durchfälle, Bauchschmerzen, Kopfweh und Müdigkeit für ein bis sieben Tage äußern. Die Campylobacteriose kann aber auch zu Autoimmunerkrankungen führen, die erst mehrere Wochen nach Abklingen der akuten Symptome auftreten. Dabei können Spätfolgen wie Reizdarmsyndrom, reaktive Arthritis (inkl. Morbus Reiter-Arthritis (Gelenkentzündung), Urethritis (Harnröhrenentzündung) und Konjunktivitis (Bindehautentzündung)) und das Guillain-Barré-Syndrom, bei dem es zu Lähmungserscheinungen der peripheren Nerven kommt, auftreten.

Therapie

In der Regel ist eine Erkrankung selbstlimitierend und als Therapie der Ausgleich des Wasser- und Elektrolythaushaltes ausreichend. Kleinkinder sowie Patientinnen und Patienten, die hohes Fieber entwickeln oder immungeschwächt sind, können zusätzlich mit Antibiotika behandelt werden.

Situation in Österreich

Mensch

Das saisonale Auftreten von Campylobacteriosen zeigte in den vergangenen Jahren ein gleichartiges Muster: die wenigsten Erkrankungsfälle zwischen November und April, die meisten Fälle von Juni bis September. Ein annähernd gleiches Bild liefern die Isolationsraten thermotoleranter Campylobacter aus geschlachteten Masthühnerherden, mit den höchsten Werten in den Sommermonaten, die in der Folge im Sommer auf höhere Kontaminationsraten von frischem Hühnerfleisch im Einzelhandel schließen lassen und somit auf dieses Lebensmittel als bedeutendstes Erregervehikel für Campylobacter hinweisen.

Abbildung 1: Campylobacter-Fälle in Österreich


Legende

    Abbildung 2: Vergleich Inzidenz Salmonellosen/Campylobacteriosen

    Lebensmittel

    Im Jahr 2019 war thermotoleranter Campylobacter in 110 von 235 untersuchten Proben von rohem Geflügelfleisch und -zubereitungen (47 %) nachweisbar, davon in rohem Hühnerfleisch und -zubereitungen in 81 von 131 Proben (62 %; 2018: 75 %; 2017: 67 %), in 11 von 56 Proben von rohem Putenfleisch und –zubereitungen (19,6 %) und in 18 von 48 Proben von rohem Geflügelfleisch (38 %).

    Nicht nachweisbar waren Campylobacter in verzehrfertigem Geflügelfleisch (20 Proben), Rohmilch und anderen Speisen. Rind- und Schweinefleisch wird nur selten untersucht (vier Rindfleischproben), weil Campylobacter durch die Produktionsbedingungen (dieses Fleisch wird gereift, die Fleischoberfläche trocknet ein) im Allgemeinen nicht überlebt und daher diesen Lebensmitteln als Infektionsquelle für den Menschen nur eine geringe Rolle zukommt.

    Proben Untersuchungen positiv
    Hühnerfleisch roh 131 81
    Putenfleisch roh 56 11
    verschiedenes Geflügelfleisch roh 48 18
    Geflügelfleisch verzehrfertig 20 0
    Rohmilch 23 0
    andere Lebensmittel 66 0

    Tier

    Seit 2004 sind vom Bund, gemeinsam mit beauftragten Tierärztinnen, Tierärzten und der AGES, alljährlich Monitoring-Programme in Österreich gemäß der Überwachungsprogramme-Verordnung hinsichtlich ausgewählter Erreger bei Rindern, Schafen, Schweinen und Hühnern durchgeführt worden. Im Jahr 2014 trat ein neuer EU-Durchführungsbeschluss in Kraft, der vorsieht, im 2-Jahresrhythmus Masthühner- und Putenherden auf das Vorkommen von thermotolerantem Campylobacter zu untersuchen und die isolierten C. jejuni auf ihre Empfindlichkeit gegenüber Antibiotika auszutesten. 2015, 2017 und 2019 musste Geflügel nicht auf Campylobacter untersucht werden, im Jahr 2018 lag die Prävalenz von thermotoleranten Campylobacter in Masthühnerherden bei 55,5 %, in Putenherden bei 54,9 %, 2019 wurde die Prävalenz nicht untersucht.

    Fachinformation

    Humanmedizin

    Diagnostik

    Der Nachweis des Erregers erfolgt meist durch Anzucht aus dem Stuhl.

    Nationale Referenzzentrale für Campylobacter

    • Spezies-/Genusdifferenzierung von Campylobacter und verwandten Genera (biochemisch, MALDI-TOF, PCR, Sequenzierung)
    • Antibiotikaresistenztestung: Ermittlung der Resistenz von Isolaten aus Mensch, Tier, Lebensmittel und Umwelt gegenüber klinisch relevanten bzw. epidemiologisch wichtigen Antibiotika auf Basis der minimalen Hemmkonzentration
    • Wahrnehmung der Aufgaben im Rahmen der Zoonosen-Überwachungsrichtlinie 2003/99/EG
    • Molekularbiologische Feintypisierung (mittels PFGE, MLST) von Isolaten im Rahmen der laborgestützten infektionsepidemiologischen Aufklärung von Infektionsquellen und -wegen
    • Qualitativer und quantitativer Nachweis von Campylobacter in Lebensmitteln
    • Stammsammlung (Human-, Veterinär-, Futtermittel- und Lebensmittelisolate)
    • Durchführung von Ringversuchen
    • Beratung

    Für den Versand der Stämme eignen sich am besten frische Kulturen in Amies-Transportmedium mit Aktivkohle. Es sollten unbedingt Reinkulturen eingesandt werden. Einsendungen sollten stets mit der Angabe zur Herkunft der Isolate sowie mit den notwendigen klinischen und epidemiologischen Daten versehen sein. Bitte hierzu das entsprechende Einsendeformular verwenden.

    Kontakt, Formulare

    Nationale Referenzzentrale für Campylobacter / Nationales Referenzlabor für Campylobacter in Lebensmitteln und Futtermitteln:
    AGES Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene/Zentrum für lebensmittelbedingte Infektionskrankheiten in Graz
    Beethovenstraße 6
    8010 Graz

    Mag. Dr. Sandra Köberl-Jelovcan
    Telefon: +43 50 555-61262
    E-mail: sandra-birgitta.koeberl-jelovcan@ages.at

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