Brucellose

Brucella melitensis, Brucella abortus

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Zuletzt geändert: 24.08.2018
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Informationen zum aktuellen Brucellose-Fall in Oberösterreich

Erreger der Brucellose sind verschiedene Bakterien der Gattung Brucella. Brucellen kommen weltweit vor und sind gegenüber Hitze und allen geläufigen Desinfektionsmitteln empfindlich.

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Informationen zum aktuellen Brucellose-Fall in Oberösterreich

Erreger der Brucellose sind verschiedene Bakterien der Gattung Brucella. Brucellen kommen weltweit vor und sind gegenüber Hitze und allen geläufigen Desinfektionsmitteln empfindlich.

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Vorkommen

Die Krankheit ist bei Haus- und Nutztieren weltweit verbreitet; der Mensch ist durch infizierte Nutztiere gefährdet. Endemiegebiete sind der Mittelmeerraum, die Arabische Halbinsel, Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika. Humanpathogen sind B. melitensis, B. suis, B. abortus und in geringem Maße B. canis. Infektionen mit B. ovis und B. neotomae sind beim Menschen bisher nicht bekannt.

Österreich ist von der EU als frei von Rinderbrucellose (B. abortus) sowie Schaf- und Ziegenbrucellose (B. melitensis) anerkannt.

Die Spezies B. melitensis tritt vor allem bei Schafen und Ziegen in Mittelmeerländern auf; auch Rinder können mit B. melitensis infiziert werden. Beim Menschen wird die durch B. melitensis ausgelöste Infektionkrankheit mit B. melitensis als Maltafieber bezeichnet.

B. abortus verursacht das seuchenhafte Verwerfen bei Rindern und die Bang’sche Krankheit (Morbus Bang) beim Menschen.

B. suis ist in Europa selten und findet sich neben Schweinen hauptsächlich bei Feldhasen. B. suis kommt in mehreren Varianten (Biovar1-5) mit unterschiedlich krankmachenden Eigenschaften vor. Die Biovare 1 bis 3 treten bei Haus- und Wildtieren auf. Während die Biovare 1 und 3 beim Menschen sehr ernste Erkrankungen auslösen können, ist das Biovar 2 für Menschen weniger gefährlich. Berichte über den Nachweis von Infektionen mit Brucella suis beim Menschen sind sehr selten. B. suis Biovar 2 ist in Österreich endemisch verbreitet, das Wildschwein ist unter einheimischen Bedingungen ein Reservoir. Unter anderem wurde B. suis auch bei Feldhasen, Hausschweinen und Füchsen isoliert. Naturherde befinden sind in Niederösterreich, im Burgenland, in der Steiermark und in Oberösterreich.

B. microti ist eine neu beschriebene Spezies, die 2000 erstmals in Tschechien bei erkrankten Feldmäusen und 2007 in Niederösterreich bei Füchsen nachgewiesen wurde. Eine noch nicht offiziell beschriebene, potentiell neue Brucella-Species (Stämme F60, F965) wurde 2008 im niederösterreichischen Bezirk Hollabrunn aus den Mandibularlymphknoten von 2 Füchsen isoliert.

Übertragung

Übertragung beim Tier

Epidemiologisch bedeutsame massive Ausscheidungen erfolgen besonders bei Aborten und infizierten Normalgeburten, aber auch mit Milch, Harn, Kot und Nasensekret. Typische Ansteckungswege sind die orale Aufnahme und die Übertragung beim Deckakt. Infektionen über die Haut, auch durch Arthropoden als Vektoren, müssen in Betracht gezogen werden.

B. abortus: Eine Übertragung durch den Deckakt und das Sperma ist ebenfalls möglich.

B. suis: Neben dem Schwein ist der Feldhase Hauptwirt von B. suis Biovar 2. In Hasenpopulationen, aber auch in Wildschweinpopulationen kann sich ein eigenständiges Seuchengeschehen entwickeln, das einen Naturherd repräsentiert und dadurch zur Ansteckungsquelle für das Hausschwein wird. Das Schwarzwild trägt durch seinen großen Bewegungsradius stärker zur Erregerpopulation bei als die standorttreuen Hasen (siehe Schweinebrucellose).

B. canis: Die Infektion erfolgt genital und oral, latent infizierte Tiere sind für die Verbreitung verantwortlich.

Übertragung beim Menschen

Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist äußerst selten (in Einzelfällen durch Stillen oder Bluttransfusionen) und kommt nur in Ausnahmefällen vor. Sie ist im Wesentlichen nur bei Säuglingen durch die Milch infizierter Mütter beobachtet worden. Die Brucellen können direkt durch Kontakt mit erkrankten Tieren oder indirekt über kontaminierte Lebensmittel übertragen werden. Die Rinderbrucellose verläuft im Bestand enzootisch. Sie stellt ein Risiko für die menschliche Gesundheit vor allem der Personen dar, die direkten Kontakt haben (Landwirte, Tierarzt, Schlachthofpersonal).

Rohmilch (nicht pasteurisierte Milch bzw. aus ihr hergestellte Produkte wie Butter aus Rohmilch und  Rohmilchkäse) und rohes Fleisch von infizierten Tieren stellen das größte Übertragungsrisiko dar. Die Aufnahme des Erregers in den Körper kann außer über den Magen-Darm-Trakt auch auf mehreren anderen Wegen erfolgen, so über die Konjunktiven, die Atemwege und die verletzte Haut.

Nach Eindringen in den Körper werden Brucellen von Zellen des Monozyten-Makrophagen-Systems aufgenommen und zu den nächstgelegenen Lymphknoten transportiert. Von den befallenen Lymphknoten werden die Keime zuerst lymphogen und dann hämatogen disseminiert und gelangen so in die meisten Organe, insbesondere in die Leber, Milz und das Knochenmark. In den befallenen Organen können sich durch Aktivierung spezifischer T-Zellen entzündliche Granulome aus Makrophagen und Lymphozyten bilden. Aus diesen Entzündungsherden können die Brucellen in Schüben in den Blutkreislauf gelangen.

In Österreich treten sporadisch im Ausland (Urlaubsaufenthalte in Mittelmeerländern) erworbene Lebensmittelinfektionen mit B. melitensis auf; im letzten Jahrzehnt waren es 1 bis 7 importierte Fälle pro Jahr. Im Jahr 2017 wurden sechs laborbestätigte Fälle gemeldet (EMS/NRL, Stand 31.01.2018). Zwei Mal wurde B. melitensis identifiziert, die übrigen Fälle nur serologisch befundet. Vier Fälle wurden als importierte Fälle ausgewiesen, bei zwei Fällen blieb der Infektionsort unbekannt. Die Häufigkeit bestätigter Brucellose-Fälle beim Menschen in Österreich lag 2016 mit einer Inzidenz von 0,05/100.000 Bevölkerung niedriger als der EU-Durchschnittswert von 0,12/100.000 Bevölkerung.

Humane Brucellose-Fälle 2000-2017 (ab 2009 EMS, Stand 30.06.2018)

2000200120022003200420052006200720082009201020112012201320142015201620172018
2245221152353711465

 

 

 

Symptome

Symptome beim Tier

Die Brucellose bei Wiederkäuern wird auch als enzootischer Abort bezeichnet, weil als Hauptsymptome Aborte, Frühgeburten oder die Geburt toter, lebensschwacher und unterentwickelter Tiere zu beobachten sind.

Rind: Vor den häufig auftretenden Aborten verläuft die Infektion bis auf eine vorübergehende Temperaturerhöhung meist symptomlos. Die Tiere bleiben Erregerausscheider. Verkalbungen in der 2. Hälfte der Trächtigkeit sind das auffälligste Symptom, vor dem Abort werden in der Regel keine Anzeichen der Erkrankung beobachtet. Im Anschluss kommt es oft zu Entzündungen der Gelenke, Sehnenscheiden und Schleimbeutel, seltener zu klinisch auffälligen Euterentzündungen (Erregerausscheidung!). Nach dem Abort kann eine Kuh durchaus wieder ein normales Kalb austragen, eine neuerliche Verkalbung ist ebenso möglich wie Sterilität nach dem ersten Abort. Beim Bullen werden Hoden und Nebenhodenentzündungen beobachtet.

Die Rinderbrucellose verläuft im Bestand enzootisch. Infektionen mit B. abortus kommen selten bei anderen Tierarten vor (Schaf, Ziege, Schaf, Schwein). Ihr Auftreten ist meist mit Kontakt zu infizierten Rinderherden zu erklären.

In Österreich ist die Rinderpopulation seit 1999 amtlich anerkannt frei von B. abortus. Die Bekämpfungsmaßnahmen einschließlich durchzuführender Untersuchungen von Blut- und Milchproben sind in der Verordnung zum Schutz gegen die Brucellose der Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen vom 28.10.1993 geregelt.
 
Schaf und Ziege:
Die Schaf- und Ziegenbrucellose wird hauptsächlich durch B. melitensis mit seinen 3 Biovaren hervorgerufen. Der Verlauf ähnelt der Rinderbrucellose. Bei Tieren kommt es häufig zu Abortusfällen, zur Geburt lebensschwacher Lämmer und zu entzündlichen Veränderungen, vor allem am Geschlechtsapparat. Daneben treten Mastitiden, Hoden- und Nebenhodenentzündungen auf. Bei Schafböcken tritt auch die Brucellose in Form der infektiösen ein- und beidseitige Nebenhodenentzündung einhergehend mit einer Verschlechterung der Spermaqualität auf, die durch Brucella ovis  hervorgerufen wird. Brucellen werden beim Deckakt übertragen und kann beim Muttertier zu Aborten führen. Nach einer Nierenbesiedlung erfolgt die Ausscheidung über den Harn.
 
Gemäß Entscheidung der EU ist Österreich seit 2001 anerkannt frei von Brucella melitensis. Zur Aufrechterhaltung dieses Status ist ein jährliches Überwachungsprogramm notwendig.

Schwein: Siehe Schweinebrucellose

Symptome beim Menschen

Die Inkubationszeit der Brucellose liegt in der Regel bei 1 bis 2 Monaten (Inkubationszeiten von 5 Tagen bis 150 Tagen wurden in Einzelfällen beschrieben). Bis zu 90 % aller Infektionen verlaufen subklinisch; sie lassen sich nur über den Nachweis spezifischer Antikörper beim Patienten erkennen und sind Ausdruck einer erfolgreichen Immunabwehr.

Bei der akuten Brucellose kommt es in der Anfangsphase zu Müdigkeit, leichtem Fieber sowie zu Kopf- und Gliederschmerzen. Nach einem kurzen, beschwerdefreien Intervall, können grippeähnliche Symptome auftreten, die dann aber nicht wie bei Influenza üblich nach 7 bis 10 Tagen aufhören. Für Brucellose typisch sind abendliche Temperaturanstiege auf bis zu 40 °C verbunden mit massiven Schweißausbrüchen! Die Temperatur ist am Morgen wieder normal. Dieses undulierende Fieber ist typisch für eine Brucellose beim Menschen. Die Phasen dauern bis zu 5 Wochen und werden von bis zu 2-wöchigen Remissionsabschnitten mit stark abgemilderten Symptomen unterbrochen. Der Fieberverlauf erstreckt sich über 7-21 Tage und kann von 2- bis 5-tägigen fieberfreien Intervallen unterbrochen sein (undulierendes Fieber). Bei chronischen Krankheitsverläufen kann es zu Komplikationen im Nervensystem und an inneren Organen kommen.

Die Erkrankung kann mit Antibiotika gut behandelt werden. Die Diagnostik basiert auf einem kulturellen Nachweis des Erregers im Patientenblut oder auf dem Nachweis spezifischer Antikörper im Serum des Patienten.

Bekämpfung/Prävention

Beim Tier

Die Brucellose der Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Die Bekämpfung konzentriert sich auf die Erkennung, Isolierung und Ausmerzung der infizierten Tiere sowie die Kontrolle des Tierverkehrs, um die Erregerverbreitung zu verhindern. Die Überwachung der Seuchenfreiheit erfolgt durch serologische Untersuchungen.

Österreich ist amtlich frei von Brucella melitensis und Brucella abortus. Dieser Status muss durch jährliche, repräsentative Stichprobenuntersuchungen bestätigt werden.

Beim Menschen

Die Erkrankung kann mit Antibiotika gut behandelt werden.

Für Landwirte, Tierärzte, Tierzüchter und Schlachthofpersonal gilt strengste Einhaltung der Hygienevorschriften beim Umgang mit infizierten Tieren. Auch Personen in jenen Betrieben, die mit Tieren aus dem betroffenen Betrieb beliefert werden, sollten über die Natur dieser Erkrankung und das vorhandene Risiko einer Infektion über Tiere, Karkassen und  Schlachtabfälle informiert werden. Neben dem Einsatz von Schutzhandschuhen, insbesondere in der Geburtshilfe, sind gründliche Händedesinfektion mit einem zugelassenen Händedesinfektionsmittel sowie die Reinigung der Hände mit Wasser und Seife unbedingt erforderlich. Ein  geeigneter Salbenschutz kann zusätzlichen Schutz vor transdermalen Infektionen bieten. Kleidung und Schuhe sind nach der Stallarbeit zu wechseln. Flächendesinfektion in Tierställen ist angebracht.

Diagnostik

Die Untersuchung der Organproben von Tieren erfolgt mittels PCR an der AGES Mödling; das Ergebnis liegt innerhalb von 24 Stunden nach Einlangen der Proben im Labor vor. Tiere sind bis zum Vorliegen des Ergebnisses unter amtlicher Sperre zu halten.

Werden zusätzlich auch Proben für eine mikrobiologische Fleischuntersuchung gem. § 10 Abs. 1 Z 3 der Fleischuntersuchungsverordnung 2006 entnommen, sind diese ebenfalls an die AGES Mödling zur Untersuchung zu übermitteln.

Veterinärmedizinisches Untersuchungslabor :
Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen, Mödling (= Nationales Referenzlabor)
Robert Koch-Gasse 17
A-2340 Mödling
Tel.Nr.: +43 50 555-38112
e-mail: vetmed.moedlingno@Spam@agesno.Spam.at

Ansprechpartner:
Dr. Erwin Hofer, erwin.hoferno@Spam@agesno.Spam.at
Univ.-Prof. Dr. Friedrich Schmoll, friedrich.schmollno@Spam@agesno.Spam.at


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