Bovine Virusdiarrhoe/Mucosal Disease

BVD/MD

Zuletzt geändert: 18.12.2020
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Tierseuchenkategorien: C D E

Steckbrief

Die Bovine Virusdiarrhoe/Mucosal Disease ist eine durch ein Virus verursachte Infektionskrankheit des Rindes. Beim Menschen führt das Virus zu keiner Erkrankung.

Vorkommen

Die Krankheit ist weltweit verbreitet

Wirtstiere

Rinder, Schafe, Ziegen und Wildwiederkäuer

Infektionsweg

Die Übertragung erfolgt hauptsächlich über persistent (dauerhaft) infizierte Tiere (PI-Tiere). Diese Tiere werden schon im Mutterleib infiziert und scheiden zeitlebens Virus über sämtliche Körperexkrete und -sekrete aus.

Symptomatik

Der Großteil der Infektionen mit BVD-Viren verläuft symptomlos. Möglich sind Durchfall, Fieber, Atemwegserkrankungen, Schleimhauterosionen, Fressunlust, reduzierte Milchleistung, Fruchtbarkeitsstörungen. Trächtige Tiere können verwerfen, missgebildete oder lebensschwache Kälber zur Welt bringen. Als besondere Krankheitsvariante tritt die tödlich verlaufende Mucosal Disease auf.

Therapie

Es gibt keine Therapie gegen das BVD Virus

Vorbeugung

In Österreich werden Rinderbestände durch Antikörper-Untersuchungen im Serum und in der Milch überwacht.

Situation in Österreich

Die erfolgreiche und kontinuierlich positive Entwicklung der BVD-Bekämpfung (im Jahr 2006 - somit zwei Jahre nach Beginn der bundesweiten Bekämpfung - wurden beispielsweise noch 2.600 PI-Tiere in ca. 1.700 Betrieben festgestellt) zeigt sich in den vergangenen Jahren: Die der BVD-Verordnung unterliegenden Betriebe Österreichs waren fast vollständig amtlich anerkannt BVD-frei, es traten im Jahr 2018 und 2019 keine Neuausbrüche auf.

Abbildung 1: Entwicklung der Anzahl an PI-Tieren von 2012 bis 2019


Legende

    Fachinformation

    Die Bovine Virusdiarrhoe/Mucosal Disease gehört zu den weltweit wirtschaftlich bedeutendsten Infektionskrankheiten des Rindes. Zahlreiche Länder haben sich für die aktive Bekämpfung und Überwachungsprogramme von BVD/MD entschieden. Die Krankheit wird durch ein Pestivirus, Familie Flaviviridae, verursacht und ist weltweit verbreitet. Wirtstiere sind Rinder, Schafe, Ziegen und Wildwiederkäuer.

    Übertragung

    Der Übertragungsweg von BVD erfolgt hauptsächlich über persistent (dauerhaft) infizierte Tiere (PI-Tiere). Sie sind die wichtigste Quelle der Virusverbreitung. Die Entstehung eines PI-Tieres erfolgt durch eine Infektion des ungeborenen Kalbes über das Muttertier zwischen dem 40. und 120. Tag der Trächtigkeit. Zu diesem Zeitpunkt ist das Immunsystem des Fetus noch nicht vollständig ausgebildet, eine Immuntoleranz gegenüber dem Virus entsteht, die Tiere bleiben zeitlebens infizierte und scheiden das Virus aus. Die Ausscheidung erfolgt über sämtliche Körperexkrete und -sekrete.

    Symptomatik

    Der Großteil der Infektionen mit BVD-Viren (BVDV) verläuft symptomlos. Möglich sind Durchfall, Fieber, Atemwegserkrankungen, Schleimhauterosionen, Fressunlust, reduzierte Milchleistung, Fruchtbarkeitsstörungen. Trächtige Tiere können verwerfen, missgebildete oder lebensschwache Kälber zur Welt bringen.

    Als besondere Krankheitsvariante tritt die Mucosal Disease (MD) auf. Sie entsteht, wenn ein PI-Tier zusätzlich mit einem weiteren Virusstamm infiziert wird. MD ist gekennzeichnet von einem schweren Krankheitsverlauf und endet tödlich. Symptome von MD sind blutiger Durchfall, hohes Fieber, Schleimhauterosionen und Geschwürbildungen (am Flotzmaul, Nase, Zwischenklauenspalt).

    Bekämpfung

    Zur Bekämpfung von BVD werden im Bestand vorhandene Virusausscheider (PI-Tiere) beseitigt, um die Herde vor Neuansteckung zu schützen.

    Phylogenetische Analysen der Virus-Stämme können wertvolle Hinweise auf Infektionsrouten bei epidemiologischen Fragestellungen liefern. Erreger-Analysen sind äußerst hilfreich bei der Rückverfolgbarkeit von Infektionsquellen. Um Daten über zirkulierende BVDV- und BDV (Border Disease Virus)-Stämme in Westösterreich in den Jahren 2005 und 2006 zu erhalten, wurde von der AGES eine umfassende Studie durchgeführt (Hornberg, A.; Revilla-Fernández, S.; Vogl, C.; Vilcek, St.; Matt, M.; Fink, M.; Köfer, J.; Schöpf, K. (2008): Genetic diversity of pestivirus isolates in cattle from Western Austria. Vet Microbiol. 2009 Mar 30;135(3-4):205-13). Die in den veterinärmedizinischen Instituten Mödling und Innsbruck durchgeführte Studie basierte auf der genetischen Heterogenität der BVDV-Stämme. Diese wurde mittels molekularbiologischer Sequenzanalyse bestimmt. Die Typisierung der Proben zeigte eine sehr hohe genetische Variabilität der in Tirol und Vorarlberg zirkulierenden BVDV-Stämme. Insgesamt konnten 8 verschiedene BVDV-1 Subtypen gefunden werden, wobei 3 Subtypen zum ersten Mal in Österreich isoliert wurden. Der Subtyp BVDV-1h trat am häufigsten auf (143 Isolate), aber auch Subtyp 1f (79 Isolate) war weit verbreitet. Außerdem konnten zwei BVDV-2 Stämme und erstmalig ein BDV-Isolat beim Rind klassifiziert werden. Auf Betriebsebene konnte nur ein geringer geographischer Zusammenhang im Auftreten der verschiedenen Stämme gefunden werden.

    BVD beim Rotwild

    Rinder und Rotwild (Cervus elaphus) können auf Weiden oder Almen direkt oder indirekt miteinander in Kontakt kommen, sodass eine Erregerübertragung zwischen diesen beiden Tierarten möglich wird. In mehreren europäischen Ländern wie auch in den USA konnten Hinweise auf eine Übertragung von Pestiviren zwischen Rindern und Wildwiederkäuern festgestellt werden.

    Am Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen der AGES in Innsbruck wurde im Zuge einer Studie das Vorkommen von BVDV in der österreichischen Rotwildpopulation mittels Virusnachweis aus Ohrgewebeproben erhoben. Zwischen 2007 und 2009 wurde bei österreichischem Rotwild im Rahmen eines amtlich angeordneten Überwachungsprogramms auf Chronic Wasting Disease bei insgesamt 567 Tieren aus freier Wildbahn sowie bei 133 aus Gatterhaltung neben Gehirnproben auch aus den eingesandten Ohren jeweils eine Ohrgewebeprobe pro Tier untersucht. Im Labor wurden die Ohrgewebeproben mittels HerdCheck-BVDV-Antigen-ELISA und kommerzieller Real-time RT-PCR auf BVDV untersucht. Bei allen 700 untersuchten Gewebeproben konnte mittels ELISA und Real-time RT-PCR kein BVDV nachgewiesen werden.

    Aktuelle Literatur aus Österreich
    Schöpf, Karl; Revilla-Fernández, Sandra; Steinrigl, Adolf; Fuchs, Reinhard; Sailer, Andreas; Weikel, Joachim; Schmoll, Friedrich (2016): Retrospective epidemiological evaluation of molecular and animal husbandry data within the Bovine Viral Diarrhoea (BVDV) control programme in Western Austria during 2009–2014. Berl Münch Tierärztl Wochenschr 129:196-201. doi 10.2376/0005-9366-129-15102, http://vetline.de/open-access/158/3216/)

    Diagnostik

    Antikörpernachweis: Eine Infektion mit BVDV führt zur Bildung von Antikörpern (nachweisbar im Serum, Einzel- und Tankmilch)

    Antigennachweis: Direkter Erregernachweis (serologische und molekularbiologische Verfahren aus Blut, Gewebe-, Sekret- und Organproben)

    Nachweis in Ohrgewebeproben: Im Frühjahr 2005 wurde in Tirol ein innovatives und effizientes Bekämpfungsprogramm zur Entdeckung von PI Tieren eingeführt. Erstmalig wurde die Untersuchung von Ohrgewebeproben zum Antigennachweis bei allen neugeborenen Kälbern flächendeckend durchgeführt. Im Jahr 2008 wurde das System verbessert, mit dem Ziel bereits bei der gesetzlich vorgeschriebenen Tierkennzeichnung mit demselben Arbeitsschritt eine Ohrgewebeprobe zu entnehmen (verwechslungssicheres Entnahmeverfahren!).

    Eines der wichtigsten Ziele in der BVD Diagnostik ist die rechtzeitige Erkennung eines PI-Tieres. Durch maternale Antikörper (Antikörper, die von der Mutter über Kolostralmilch an Jungtiere weitergegeben werden) können BVDV im Blut maskiert werden, wodurch eine frühzeitige Erkennung nicht mehr möglich ist. Diese sogenannte "diagnostische Lücke" spielt bei der Untersuchung von Gewebeproben keine Rolle und die Erkennung und Ausmerzung der PI-Tiere ist bereits in der ersten Lebenswoche möglich. Ebenso problematisch ist der zeitlich verzögerte Anstieg von Antikörpern nach einer BVD Infektion. BVD-Antikörper sind erst ca. ab dem 7. Tag nach der Infektion nachweisbar. Bei der Untersuchung der Tankmilch ist diese zeitliche Verzögerung noch größer.

    Kontakt, Formulare

    Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling (Nationales Refrenzlabor)
    Robert Koch-Gasse 17
    2340 Mödling
    Telefon: +43 50 555-38112
    Fax: +43 50 555-38529
    vetmed.moedlingno@Spam@agesno.Spam.at

    Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Linz
    Wieningerstraße 8
    4020 Linz
    Telefon: +43 50 555-45111
    Fax: + 43 50 555-45109
    vetmed.linzno@Spam@agesno.Spam.at

    Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Innsbruck
    Technikerstraße 70
    6020 Innsbruck
    Telefon: +43 50 555-71111
    Fax: +43 50 555-71333
    vetmed.innsbruckno@Spam@agesno.Spam.at

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