Bovine Virusdiarrhoe/Mucosal Disease

BVD/MD

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Zuletzt geändert: 16.01.2017
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Die Bovine Virusdiarrhoe/Mucosal Disease gehört zu den weltweit wirtschaftlich bedeutendsten Infektionserkrankungen des Rindes. Zahlreiche Länder haben sich für die aktive Bekämpfung und Überwachungsprogramme von BVD/MD entschieden. Die Krankheit wird durch ein Pestivirus, Familie Flaviviridae, verursacht und ist weltweit verbreitet. Wirtstiere sind Rinder, Schafe, Ziegen und Wildwiederkäuer. Für den Menschen besteht keine Gefährdung.

Die Bovine Virusdiarrhoe/Mucosal Disease gehört zu den weltweit wirtschaftlich bedeutendsten Infektionserkrankungen des Rindes. Zahlreiche Länder haben sich für die aktive Bekämpfung und Überwachungsprogramme von BVD/MD entschieden. Die Krankheit wird durch ein Pestivirus, Familie Flaviviridae, verursacht und ist weltweit verbreitet. Wirtstiere sind Rinder, Schafe, Ziegen und Wildwiederkäuer. Für den Menschen besteht keine Gefährdung.

Übertragung

Der Übertragungsweg von BVD erfolgt hauptsächlich über persistent infizierte Tiere (PI Tiere). Sie sind die wichtigste Quelle der Virusverbreitung (Transmissionsquelle). Die Entstehung eines PI Tieres erfolgt durch eine Infektion des ungeborenen Kalbes über das Muttertier zwischen dem 40. und 120. Tag der Trächtigkeit. Zu diesem Zeitpunkt ist das Immunsystem des Fetus noch nicht vollständig ausgebildet und es entsteht eine lebenslange Virämie. Das Kalb erkennt den Erreger nicht als solchen und wird als Virusausscheider (PI Tier) geboren.

Nachweisverfahren

Antikörpernachweis
Eine Infektion mit BVD-Virus führt zur Bildung von Antikörpern (nachweisbar im Serum, Einzel- und Tankmilch)
Antigennachweis
direkter Erregernachweis (serologische und molekularbiologische Verfahren aus Blut, Gewebs-, Sekret- und Organproben)

Nachweis aus Ohrgewebsproben

Seit dem Frühjahr 2005 wurde in Tirol ein innovatives und effizientes Bekämpfungsprogramm zur Entdeckung von PI Tieren eingeführt. Erstmalig wird die Untersuchung von Ohrgewebsproben bei allen nachgeborenen Kälbern flächendeckend durchgeführt. Im Jahr 2008 wurde das System verbessert, mit dem Ziel bereits bei der gesetzlich vorgeschriebenen Tierkennzeichnung mit demselben Arbeitsschritt eine Ohrgewebsprobe zu entnehmen (verwechslungssicheres Entnahmeverfahren!). Mittels ELISA Untersuchung wird anschließend im Labor das Antigen nachgewiesen.

Eines der wichtigsten Ziele in der BVD Diagnostik ist die rechtzeitige Erkennung eines PI Tieres. Durch maternale Antikörper (Antikörper, die von der Mutter über Kolostralmilch an Jungtiere weitergegeben werden) können BVD-Viren im Blut maskiert werden, wodurch eine frühzeitige Erkennung nicht mehr möglich ist. Diese sogenannte "diagnostische Lücke" spielt bei der Untersuchung von Gewebsproben keine Rolle. Daher ist die Erkennung und Ausmerzung der PI Tiere bereits in der ersten Lebenswoche möglich. Ebenso problematisch ist der zeitlich verzögerte Anstieg von Antikörpern nach einer BVD Infektion. BVD-Antikörper sind erst ca. ab dem 7. Tag postinfektionem nachweisbar. Bei der Untersuchung der Tankmilch ist diese zeitliche Verzögerung noch größer.

Symptome

Der Großteil der Infektionen mit BVD-Viren verläuft symptomlos, möglich sind Durchfall, Fieber, Husten, Schleimhauterosionen, Fressunlust, reduzierte Milchleistung, Fruchtbarkeitsstörungen, Schwächung des Immunsystems (Leistungsabfall). Trächtige Tiere können verwerfen oder missgebildete und lebensschwache Kälber zur Welt bringen.

Als besondere Krankheitsvariante tritt bei einer Doppelinfektion die Mucosal Disease (= MD) beim Einzeltier auf. Sie entsteht, wenn ein PI Tier zusätzlich mit einem zytophathogenen Virusstamm infiziert wird. MD ist gekennzeichnet von einem schweren Krankheitsverlauf und endet ausnahmslos tödlich. Symptome von MD sind blutiger Durchfall, hohes Fieber, Schleimhauterosionen und Geschwürbildungen im Flotzmaul und Nase.

Bekämpfung

Verhinderung der Entstehung von Virusausscheidern (PI Tieren)

Im Bestand vorhandene Virusausscheider beseitigen, um Herde vor Neuansteckung zu schützen

Überwachungsmaßnahmen durch Antikörper-Untersuchungen im Serum und in der Milch

Phylogenetische Analysen der Virus-Stämme können wertvolle Hinweise auf Infektionsrouten bei epidemiologischen Fragestellungen liefern. Erreger-Analysen sind äußerst hilfreich bei der Rückverfolgbarkeit von Infektionsquellen.

Um Daten über zirkulierende BVDV- und BDV-Stämme in Westösterreich in den Jahren 2005 und 2006 zu erhalten, wurde von der AGES eine umfassende Studie durchgeführt (Hornberg, A.; Revilla-Fernández, S.; Vogl, C.; Vilcek, St.; Matt, M.; Fink, M.; Köfer, J.; Schöpf, K. (2008): Genetic diversity of pestivirus isolates in cattle from Western Austria. Vet Microbiol. 2009 Mar 30;135(3-4):205-13)

Blutproben aus den Jahren 2005/2006 aus Tirol und Vorarlberg mit einmaligem Ag-positivem Ergebnis im Erns ELISA wurden kontinuierlich tiefgefroren und archiviert. Diese 353 BVDV - Antigen positive Blutproben wurden am AGES Institut für Veterinärmedizinische Untersuchungen in Mödling weitergehend molekularbiologisch untersucht. Die positiven Feldproben wurden mittels Real-time (RT) - PCR geprüft und die BVDV - Stämme anschließend mittels Nukleotidsequenzierung und anschließender phylogenetischer Analyse charakterisiert.

Die in den veterinärmedizinischen Instituten Mödling und Innsbruck durchgeführte Studie basierte auf der genetische Heterogenität der BVDV-Stämme. Diese wurde mittels molekularbiologischer Sequenzanalyse bestimmt. Die Typisierung der Proben zeigte eine sehr hohe genetische Variabilität der in Tirol und Vorarlberg zirkulierenden BVD-Stämme. Insgesamt konnten 8 verschiedene BVDV-1 Subtypen gefunden werden, wobei 3 Subtypen zum ersten Mal in Österreich isoliert wurden. Der Subtyp BVDV-1h trat am häufigsten auf (143 Isolate), aber auch Subtyp 1f (79 Isolate) war weit verbreitet. Außerdem konnten zwei BVDV-2 Stämme und erstmalig ein Border Disease Virus (BDV) - Isolat beim Rind klassifiziert werden. Die BVDV-2 Isolate zeigten eine 99%-Übereinstimmung mit den deutschen Subtypen 104-98 aus Niedersachsen, die von Tajima et al. 2001 beschrieben wurden. Auf Hofniveau konnte nur ein geringer geographischer Zusammenhang im Auftreten der verschiedenen Stämme gefunden werden.

BVD Rotwild

Rinder und Rotwild (Cervus elaphus) können auf Weiden oder Almen direkt oder indirekt miteinander in Kontakt kommen, sodass eine Erregerübertragung zwischen diesen beiden Tierarten möglich wird. In mehreren europäischen Ländern wie auch in den USA konnten Hinweise auf eine Übertragung von Pestiviren zwischen Rindern und Wildwiederkäuern festgestellt werden.
Am Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen der AGES in Innsbruck wurde im Zuge einer Studie die Prävalenz von BVDV in der österreichischen Rotwildpopulation mittels Virusnachweis aus Ohrgewebsproben erhoben.

Zwischen 2007 und 2009 wurde bei österreichischem Rotwild im Rahmen eines amtlich angeordneten Überwachungsprogramms auf Chronic Wasting Disease bei insgesamt 567 Tieren aus freier Wildbahn sowie bei 133 aus Gatterhaltung neben Gehirnproben auch aus den eingesandten Ohren jeweils eine Ohrgewebsprobe pro Tier entnommen. Im Labor wurden die Ohrgewebsproben mittels HerdCheck-BVDV-Antigen-ELISA und kommerzieller Real-time RT-PCR auf BVDV untersucht. Bei allen 700 untersuchten Gewebeproben konnte mittels ELISA und Real-time RT-PCR kein BVDV nachgewiesen werden.

Serologische Studien über die Verbreitung des BVDV in Wildtieren ergaben beim Rotwild in Deutschland und Italien Prävalenzen von ca. 5 %. Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass Infektionen auch bei österreichischem Rotwild vorkommen. In einer Untersuchung aus dem Jahr 2004 wurde bei einem Rotwild aus dem Bundesland Kärnten ein serologischer Hinweis auf eine BVDV-Infektion festgestellt.

Für effektive Kontrollprogramme ist das Wissen über die Dynamik von komplexen Infektionen aus Reservoiren außerhalb der Zielpopulation von Bedeutung. Die Befunddaten der Studie sprechen dafür, dass eine persistente Virämie bei österreichischem Rotwild, wenn überhaupt, äußerst selten vorkommt. Daraus lässt sich rückfolgernd schließen, dass das Virus in der Rotwildpopulation nicht selbstzirkulierend vorliegt und das österreichische Rotwild kein Erregerreservoir für das BVDV darstellt. Eine Übertragungsmöglichkeit des Virus von Rotwild auf Rinder ist als äußerst gering einzuschätzen.

Aktuelle Literatur

Aktuelle Literatur

Schöpf, Karl; Revilla-Fernández, Sandra; Steinrigl, Adolf; Fuchs, Reinhard; Sailer, Andreas; Weikel, Joachim; Schmoll, Friedrich (2016): Retrospective epidemiological evaluation of molecular and animal husbandry data within the Bovine Viral Diarrhoea (BVDV) control programme in Western Austria during 2009–2014. Berl Münch Tierärztl Wochenschr 129:196-201. doi 10.2376/0005-9366-129-15102, http://vetline.de/open-access/158/3216/ 


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