Aujeszky`sche Krankheit

Morbus Aujeszky; Pseudowut; Pseudorabies, infektiöse Bulbärparalyse, Juckseuche, mad itch

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Zuletzt geändert: 16.01.2017
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Der Erreger der Aujeszky'schen Krankheit ist das Suid Herpesvirus 1 (SHV-1), syn. Pseudorabies-Virus aus der Unterfamilie Alphaherpesvirinae, Gattung Varicellovirus. Die Krankheit wurde 1902 in Ungarn erstmalig von Tierarzt Aladar Aujeszky beschrieben und ist weltweit verbreitet. Österreich ist amtlich anerkannt frei von SHV-1 im Hausschweinebestand.

Die Virusstämme schwanken in ihrer Virulenz, verhalten sich aber serologisch einheitlich. Schwach virulente Virusstämme sind streng neurotrop und verursachen im Gegensatz zu den stark virulenten Stämmen keine weiteren Organschäden.

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Der Erreger der Aujeszky'schen Krankheit ist das Suid Herpesvirus 1 (SHV-1), syn. Pseudorabies-Virus aus der Unterfamilie Alphaherpesvirinae, Gattung Varicellovirus. Die Krankheit wurde 1902 in Ungarn erstmalig von Tierarzt Aladar Aujeszky beschrieben und ist weltweit verbreitet. Österreich ist amtlich anerkannt frei von SHV-1 im Hausschweinebestand.

Die Virusstämme schwanken in ihrer Virulenz, verhalten sich aber serologisch einheitlich. Schwach virulente Virusstämme sind streng neurotrop und verursachen im Gegensatz zu den stark virulenten Stämmen keine weiteren Organschäden.

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Übertragung

In Hausschweinebeständen wird der Erreger meist durch latent infizierte Schweine (schwache bis keine klinische Erscheinungen) auf gesunde Schweine übertragen. In stark infizierten Beständen kann eine Übertragung auch während der tierischen Pflege über Handkontakt, durch Futter und/oder bei enger Nachbarschaft sogar über Luftbewegung ("aerogen") erfolgen. In Gebieten mit dichter Schweinehaltung breitet sich die Infektion rasch aus.

Weitere  Ansteckungsquellen sind:

  • Nasensekret (Virusausscheidung 2-4 Wochen nach der Primärinfektion des Schweines, selten bis zu 6 Monate)
  • Milch und Sperma

Tragende Sauen verbreiten das Virus über:

  • abortierte Föten
  • die Plazenta
  • den Vaginalausfluss

Zum Virusträger können nicht nur empfängliche, sondern auch geimpfte Schweine werden. Eine Impfung ist daher in Österreich verboten. Das Virus zieht sich nach einer Infektion in die Trigeminusganglien sowie die Tonsillen zurück und ist dort mehr als ein Jahr nachweisbar. Durch Stressfaktoren wie Transporte etc. kann es wieder zur Ausscheidung des Virus kommen.
Latent infizierte Wildschweine, wie auch latent infizierte Hausschweine,  können Virusüberträger sein. Die Übertragung der Viren ist nicht an eine Jahreszeit gebunden. 

Für Fleischfresser ist die wichtigste Ansteckungsquelle die Aufnahme von Fleisch und Innereien  infizierter (auch latent infizierter) Schweine und Ferkel, gelegentlich auch infizierter Ratten.

Symptome

  • Ferkel: Anfangs Fieber, Erbrechen, Bewegungsstörungen, Kreisbewegungen, Schlucklähmung, starke Speichelbildung; danach zentralnervöse Störungen: Muskelzittern, Krämpfe, Paddelbewegung der Gliedmaßen und teilweise Lähmung; bei Ferkeln bis 2 Wochen beträgt die Sterblichkeit 100 %; bei 3-4 Wochen alten Ferkeln noch immer 50 %. Jungtiere im Alter von 1-3 Monaten zeigen geringen Appetit, Schnupfen (Nasenausfluss), leichtes Fieber und Atemnot. Der Tod tritt meist nur bei zentralnervösen Störungen auf.
  • Läufer/Mastschweine: Erkrankungen des Atmungstrakts, hohes Fieber, Niedergeschlagenheit, schlechte Gewichtszunahme, selten zentralnervöse Störungen. Die Inkubationszeit beträgt 3-5 Tage bei einer Erkrankungsrate von 100 % und einer Sterberate von 5 %.
  • Sauen/Eber: Fruchtbarkeitsprobleme
  • Wildschweine: Zeigen meist eine nicht so ausgeprägte Symptomatik wie Hausschweine – oftmals ohne Anzeichen einer Erkrankung.
  • Hund/Katze/Rind/kleine Wiederkäuer: Gehirn- und Rückenmarksentzündung mit zentralnervösen Erscheinungen, Speichelfluss und starkem Juckreiz. Die Krankheit endet bei diesen Tieren immer tödlich, meist nach 1-3 Tagen.

Im Unterschied zu Tollwut haben erkrankte Endwirte Durst, Fleischfresser keine Symptome der Aggressivität und Wiederkäuer keine Wasserscheu sowie ausgeprägte Symptome des Atemtraktes, z. B. verstärktes Hecheln oder Kurzatmigkeit.

Bekämpfung

Verhinderung der Einschleppung von Aujeszky'scher Krankheit in seuchenfreie Gebiete (ganz Österreich) und Kontrolle der Hausschweinebestände durch entsprechenden Maßnahmen, z. B. durch Überwachungsprogramme.

In Österreich ist die Anwendung einer Schutzimpfung verboten!

Die für Schweine entwickelten Lebendimpfstoffe sind für Rinder, Hunde und Katzen krankmachend, inaktivierte Vakzinen sind zu wenig wirksam.

Auf Grund des Auftretens der Aujeszky’schen Krankheit bei Wildschweinen wird vom BMG empfohlen, die entsprechenden Biosicherheitsmaßnahmen im eigenen Betrieb zu überprüfen, wie z. B.:

  • Wechsel der Schuhe/der Überbekleidung vor dem Betreten des Stallgebäudes
  • Vermeidung des Kontakts zwischen Haus- und Wildschweinen
  • Hände waschen auch vor dem Betreten des Stallgebäudes 
  • Kein Wildschwein im eigenen Bestand aufbrechen
  • Die Einhaltung des Trankfütterungsverbotes wird vorausgesetzt 
  • Keine Verfütterung von rohem Fleisch und rohen Innereien an Hunde und Katzen

Gesetzliche Bestimmungen

Gemäß §16 des Tierseuchengesetzes besteht Anzeigepflicht in Österreich bei Hausschweinen.

Es gibt ein permanentes Überwachungsprogramm für Hausschweinebestände in Österreich. Aufgrund dieses permanenten Überwachungsprogramms wird jährlich die Aujeszky-Situation in Österreich beurteilt. Gemäß der Ergebnisse dieser Untersuchungen ist Österreich seit 1997 amtlich anerkannt frei von der Aujeszky’schen Krankheit in Hausschweinen

Richtlinie des Rates vom 26. Juni 1964 zur Regelung viehseuchenrechtlicher Fragen beim innergemeinschaftlichen Handelsverkehr mit Rindern und Schweinen (64/432/EWG) i.d.g.F.
Veterinärrechtsänderungsgesetz 2007 i.d.g.F. 

ACHTUNG: Hier finden Sie ausgewählte Rechtstexte aus dem Bereich der Europäischen Union und der österreichischen Rechtssprechung (Gesetze, Verordnungen sowie Kundmachungen).

Den kompletten aktuellen österreichischen Rechtsbestand bzw. den Rechtsbestand der Europäischen Union können Sie unter den folgenden Links abrufen:

Die AGES übernimmt keine Haftung für die Aktualität der angeführten Rechtsgrundlagen, sie sind ein Service für unsere Kunden und dienen lediglich als Informationsimpuls – die aktuellen Gesetzestexte (konsolidierte Fassungen) entnehmen Sie bitte den oben genannten Datenbanken (EUR-LEX und RIS).

Literatur

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