Ansteckende Schweinelähmung

Teschovirus encephalomyelitis

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Zuletzt geändert: 06.12.2017
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Die ansteckende Schweinelähmung (Syn.: Teschovirus encephalomyelitis, Teschener Krankheit, Teschen/Talfan Disease, Polioencephalomyelitis enzootica suum, Porcine enterovirus enzephalomyelitis, Benign enzootic paresis) ist eine nur beim Schwein vorkommende, viral bedingte Infektionskrankheit. Sie wird durch das früher zu den Enteroviren zählende Porcine Teschovirus (PTV) (in der aktuellen Nomenklatur als Teschovirus A genannt) der Gattung Teschovirus und der Familie Picornaviridae verursacht.  Der Verdacht einer Teschovirus-Enzephalitis ist dem Amtstierarzt zu melden.  Bei entsprechender klinischer Symptomatik und dem diagnostischen Nachweis von PTV-1 entscheidet der Amtstierarzt ob Sperr-/Keulungsmaßnahmen  notwendig sind - je nach Virulenz/Verlaufsform der Krankheit.

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Die ansteckende Schweinelähmung (Syn.: Teschovirus encephalomyelitis, Teschener Krankheit, Teschen/Talfan Disease, Polioencephalomyelitis enzootica suum, Porcine enterovirus enzephalomyelitis, Benign enzootic paresis) ist eine nur beim Schwein vorkommende, viral bedingte Infektionskrankheit. Sie wird durch das früher zu den Enteroviren zählende Porcine Teschovirus (PTV) (in der aktuellen Nomenklatur als Teschovirus A genannt) der Gattung Teschovirus und der Familie Picornaviridae verursacht.  Der Verdacht einer Teschovirus-Enzephalitis ist dem Amtstierarzt zu melden.  Bei entsprechender klinischer Symptomatik und dem diagnostischen Nachweis von PTV-1 entscheidet der Amtstierarzt ob Sperr-/Keulungsmaßnahmen  notwendig sind - je nach Virulenz/Verlaufsform der Krankheit.

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Vorkommen

Infektionen mit virulenten Stämmen des Porcinen Teschovirus (PTV-1) sind heutzutage sehr selten geworden. In Westeuropa treten sie nicht mehr auf, hier dominieren vorwiegend milde Stämme und Verlaufsformen.

Übertragung

Die Übertragung des Virus erfolgt direkt von Tier zu Tier (fäkal-oral) oder indirekt über kontaminierte Infektionsträger (Gegenstände, kontaminiertes Schweinefutter etc.).

Die erste Replikation erfolgt in den Tonsillen sowie im Darmepithel (insbesondere Ileum, Colon). Die enterale Phase ist klinisch nicht signifikant und geht ohne morphologische Veränderungen einher.

Nach der enteralen Phase folgen die Virämie und die Invasion des ZNS mit dem typischen Bild einer nicht-eitrigen (Enzephalo)myelitis (Gehirn- bzw. Rückenmarkentzündung). Während der virämischen Phase zeigen manche Serotypen Affinität zum Uterus. Eine Besiedelung des Uterusgewebes mit den Erregern kann zum intrauterinem Fruchttod führen.

Symptome

Die Infektion tritt am häufigsten bei Absatzferkeln aufgrund der Abnahme der maternalen Immunität sowie aufgrund der in diesem Lebensalter üblichen gemeinsamen Unterbringung von Tieren unterschiedlicher Herkunft auf. Nach 24 Stunden ist das Virus in großen Mengen in den Tonsillen und Zervikallymphknoten, nach 48 Stunden in den Mesenteriallymphknoten und im Kot nachweisbar. Die meisten Infektionen verlaufen symptomlos, können aber auch zu ZNS-Symptomen etwa 6 Tage p.i. führen. Koinfektionen von Teschoviren mit anderen Picornaviridae, z. B. Porcinen Enteroviren, kommen vor.

Es werden historisch zwei klinisch relevante Formen unterschieden:

Teschen disease (schwerwiegende, fatale/letale Form)

  • Erreger: virulente Stämme von Porcines Teschovirus 1 (PTV 1)
  • Vorkommen: Europa (entdeckt 1929 in Teschen, Tschechische Republik) sporadisch Afrika
  • hohe Morbidität (Individuen einer Population), hohe Mortalität (bis zu 90 %), bei allen Altersgruppen
  • Klinik: Konvulsionen, Opisthotonus, Nystagmus, Koma, Tod nach 3-4 Tagen, überlebende weisen zurückbleibende Paralysen auf.

Talfan disease (milde Verlaufsform)

  • Erreger: Weniger virulente Teschovirus-Stämme, inklusive PTV-1
  • Vorkommen: kommt weltweit und häufiger vor als Teschen disease
  • niedrigere Morbidität und Mortalität, klinisch apparent bei Jungtieren. Diese milden Verlaufsformen sind heutzutage vorherrschend
  • Klinik: Parese, Ataxien, selten Paralyse, oft symptomlos, 95 % der einer Infektion ausgesetzten Tiere entwickeln latente oder inapparente Infektionen

Bekämpfung/Prävention

In Österreich besteht derzeit für Ansteckende Schweinelähmung (Infektion mit Porcinem Teschovirus 1 (PTV 1)) gemäß § 16 des Tierseuchengesetzes (TSG) Anzeigepflicht.

Im Abschnitt IV. des Tierseuchengesetzes  über besondere Bestimmungen für einzelne anzeigepflichtige Tierseuchen wird unter § 43a folgendes festgelegt:

„Ansteckende Schweinelähmung:
Besteht in einem Schweinebestande der Verdacht der ansteckenden Schweinelähmung, so ist dieser Bestand auf Anordnung der Bezirksverwaltungsbehörde sogleich seuchensicher abzusondern und amtstierärztlich zu beobachten.
Zur Klärung des Seuchenverdachtes hat die Bezirksverwaltungsbehörde die Tötung eines, wenn nötig mehrerer Schweine anzuordnen. Ist die ansteckende Schweinelähmung in einem Schweinebestande amtlich festgestellt, so sind alle Schweine dieses Bestandes auf Anordnung der Bezirksverwaltungsbehörde ohne Verzug zu töten. Die auf behördliche Anordnung wegen ansteckender Schweinelähmung getöteten sowie an dieser Seuche verendeten Schweine dürfen nicht enthäutet werden.
Das Fleisch der getöteten Tiere ist vor dem Verbrauche einem durch Verordnung festzusetzenden Entseuchungsverfahren zu unterziehen.
Die Schlachtung von Schweinen eines Bestandes, dessen seuchensichere Absonderung (erster Absatz) angeordnet wurde, ist nur mit Zustimmung der Bezirksverwaltungsbehörde zulässig.
Verendete Schweine, bei denen Schweinelähmung festgestellt wurde, sind zur Gänze unschädlich zu beseitigen. Das gleiche gilt für auf behördliche Anordnung getötete Schweine, wenn sie genußuntauglich befundet wurden.“

Diagnose

caption
Abb. 1: Teschovirus-Myelitis, Hausschwein. Nachweis von nicht-eitrigen perivaskulären entzündlichen Infiltraten, neuronalen Nekrosen sowie Gliose in der grauen Substanz des Rückenmarks. Mikrofoto, H.E.-Färbung, schwache Vergrößerung

Die klinischen Symptome erlauben lediglich eine Verdachtsdiagnose. Der Verdacht einer Teschovirus-Enzephalitis ist dem Amtstierarzt zu melden.

Als diagnostische Proben dienen idealerweise frisch euthanasierte, ganze Tiere oder Gehirn und Rückenmark. Als Referenzlabor fungiert das Institut für Veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling (AGES). Eine definitive Diagnose kann nur unter Berücksichtigung der klinischen Symptomatik und Epidemiologie, der pathomorphologischen Veränderungen (nicht-eitrige (Enzephalo)myelitis, Abb. 1) und bei erfolgreichem Erregernachweis gestellt werden.

Labordiagnostische Nachweismethoden:

RT-PCR (ggf. unterstützt durch Sequenzierung)
Virusisolierung in der Zellkultur
Serologische Tests
Histopathologische Untersuchung
Immunhistochemischer Antigennachweis am Gewebeschnitt

Interpretation der Ergebnisse – Empfehlungen für die Praxis:

Bei entsprechender klinischer Symptomatik, korrespondierenden histologischen ZNS-Veränderungen ((Enzephalo)myelitis) und molekularbiologischem Erregernachweis (Nachweis von PTV-1) entscheidet der Amtstierarzt ob Sperr-/Keulungsmaßnahmen  notwendig sind - je nach Virulenz/Verlaufsform).

Werden andere Teschovirus- oder Enterovirus-Serotypen nachgewiesen, so handelt es sich um milde Verlaufsformen ohne weiteren Handlungsbedarf, da die Krankheit nicht therapierbar ist. Schwer betroffene Tiere sollen bei progressivem Verlauf euthanasiert werden, vielfach kommt es jedoch zur Selbstheilung.

Differenzialdiagnosen:

Colienterotoxämie, Selenvergiftung bzw. andere Intoxikationen, Wirbelkanalabszesse, Traumata, bakterielle Meningo(enzephalitiden), Aujeszkysche Krankheit, Europäische Schweinepest, Afrikanische Schweinepest.


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