Fruchtsäurezubereitungen

Zuletzt geändert: 02.02.2017

Vorsicht bei hochkonzentrierten Fruchtsäurezubereitungen zur Selbstanwendung. Mögliche Folgen sind gereizte Haut, starker Sonnenbrand und Augenschäden.

Peeling

Unter Peeling versteht man ein kosmetisches oder dermatologisches Verfahren, dass dazu dienen soll,  je nach Art und Konzentration, die obersten Hautschichten zu entfernen. Dabei soll die Zellneubildung angeregt werden und die Haut danach frischer und glatter aussehen. Einerseits unterscheidet man zwischen mechanischem und chemischem Peeling und andererseits differenziert man die Tiefe des Peelings in oberflächliches, mittleres und tiefes Peeling.

Beim mechanischen Peeling werden die obersten Hautschichten durch Reibekörper abgetragen - dies führt in der Regel zu einer leichten Rötung und Reizung der Haut,die jedoch bald abklingt. Zum Einsatz kommen dabei feiner Quarzsand, gemahlene Kerne von Früchten (Aprikosen) oder auch fester Kunststoff (Polyurethan) oder wasserlösliche Salze (NaCl).

Beim chemischen Peeling wird mittels chemischer Reize das Ablösen der obersten Hautschicht bewirkt. Je nach gewünschter Wirktiefe des Peelings kommen verschiedene chemische Säuren zum Einsatz wie z. B. Vitamin-A-Säure, Trichloressigsäure, phenolische Verbindungen und Fruchtsäuren. Unter Fruchtsäuren versteht man oft in Obst vorkommende Hydroxycarbonsäuren, meist α-Hydroxysäuren (AHA) wie Äpfelsäure, Zitronensäure, Fumarsäure, Gluconsäure, Glycolsäure, Mandelsäure, Milchsäure, Oxalsäure, Salizylsäure, α-Hydroxycaprylsäure und Weinsäure.

Empfehlungen zum Einsatz von Fruchtsäure

Vitamin-A-Säure (Retinsäure) wird als pharmazeutischer Wirkstoff bei der Behandlung von Akne und hyperkeratotischen Hauterkrankungen eingesetzt und ist in kosmetischen Mitteln verboten.

1997 bewertete der „Cosmetic Ingredients Revier (CIR)“ die Sicherheit von Milchsäure und Glycolsäure. Das Panel kam zu dem Schluss, dass Produkte zur allgemeinen Anwendung mit bis 10 % Fruchtsäure (Milchsäure oder Glycolsäure) bei einem pH-Wert größer 3,5 als sicher gelten. Dabei muss sichergestellt sein, dass die Formulierung die Sonnenempfindlichkeit nicht erhöht bzw. Anwendungshinweise aufweist, die den täglichen Sonnenschutz inkludieren. Für den professionellen Anwender kam das Panel zu dem Schluss, dass der Schwellenwert bei 30 % bei einem pH-Wert von größer 3,0 liegt.

Der ehemalige wissenschaftliche Ausschuss der EU (SCCNFP) bewertete in seinem Positionspapier α-Hydroxysäuren und somit Glycol- und Milchsäure. Demnach soll unter Berücksichtung des Vorsorgeprinzips der Gehalt von Milchsäure in kosmetischen Mitteln nicht 2,5 % und Glycolsäure nicht 4 % überschreiten und dabei einen pH-Wert von größer 5 bzw. 3,8 aufweisen. Weiters sollte durch Warnhinweise sichergestellt werden, dass der Kontakt mit den Augen verhindert wird und dass während der Behandlung (bis sich die Hautschichten regeneriert haben) die UV-Exposition minimiert ist.

Mögliche Gefahren

Die Sicherheit der Produkte hängt somit im Wesentlichen vom pH-Wert und der Fruchtsäurekonzentration ab. Hochkonzentrierte Fruchtsäurezubereitungen können pH-Werte kleiner 1 aufweisen, wodurch sich auch die stark reizenden bzw. ätzenden Eigenschaften erklären lassen. Weiters ist entscheidend, ob geschulte professionelle Anwender/innen wie Kosmetiker/in oder Dermatologe/in diese Produkte anwenden. Professionelle Anwender/innen sind sich dieser Gefahren bewusst und achten besonders auf Einwirkdauer und Einwirkungsort. Die Durchführung eines Peelings durch professionelle Anwender/innen ist jedoch meist teurer, so dass sich die Selbstanwendung zu Hause steigender Beliebtheit erfreut. Dies hat zur Folge, dass immer mehr Produkte, die aufgrund ihrer Zusammensetzung und mangelhaften Kennzeichnung ein gesundheitliches Risiko darstellen können, unseriöserweise über das Internet vertrieben werden.

Vorsicht: α-Hydroxysäuren können die Empfindlichkeit gegenüber UV-Strahlen erhöhen und können irritativ auf die Haut wirken. Sowohl Milchsäure als auch Glycolsäure weisen im hohen Konzentrationsbereich (ca. 70 %) eine starke Reizwirkung bzw. sogar ätzende Wirkung auf. Wenn diese Produkte in die Augen gelangen, sind ernsthafte Augenschäden nicht auszuschließen.

Sicherheitstipp

Aufgrund dieser möglichen Gefahren gehören hochkonzentrierte Fruchtsäurepeelings auf jeden Fall in professionelle Hände. Niederdosierte Fruchtsäurezubereitungen sollen zumindest mittels entsprechender Warnhinweise auf die Gefahren hinweisen und entsprechende Anwendungshinweise vorsehen.

Quellen

CONSUMER SAFETY OF ALPHA-HYDROXY ACIDS  (SCCNFP/0799/04)

THE SAFETY OF ALPHA-HYDROXY ACIDS (SCCNFP/0370/00)

Safety Assessment of Alpha Hydroxy Acids as Used in Cosmetics (2013)

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