Bio- und Naturkosmetik

Zuletzt geändert: 15.03.2021

Umweltschonende nachhaltige Produktion, Bewahrung der Artenvielfalt, Schutz der natürlichen Ressourcen, Anwendung von hohen Tierschutzstandards, Produktion unter Verwendung natürlicher Bestandteile und einfache Herstellungsprozesse werden von Verbraucherinnen und Verbrauchern zunehmend auch bei kosmetischen Mitteln nachgefragt. Um die Interessen und das Vertrauen der Verbraucher zu wahren und einen lauteren Wettbewerb durch Transparenz, Kontrolle und Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten,  war es daher angebracht, Grundsätze und Regeln für die Herstellung und Kennzeichnung von "Bio- sowie Naturkosmetika" zu formulieren.

Auf europäischer Ebene gibt es keine einheitlichen, gesetzlichen Definitionen  zu den Begriffen Naturkosmetik und Biokosmetik. Es gibt diverse Naturkosmetik- und Bio-Gütesiegel, die auf privatrechtlichen Richtlinien basieren. Die dabei zugrunde liegenden Kriterien sind unterschiedlich, sodass diese Produkte keine einheitliche Norm erfüllen. Diese Situation ist sowohl für Konsumenten als auch für Hersteller unübersichtlich.

In Österreich ist im Österreichischen Lebensmittelbuch ÖLMB (Codex Alimentarius Austriacus, kurz: Codex) zusammengefasst, was sich der Konsument unter Naturkosmetik erwartet bzw. was die allgemeine Verkehrsauffassung betrifft.

Biokosmetik, geregelt im EU-Qualitätsregelungen- Durchführungsgesetz (EU-QuaDG), BGBl. I Nr. 130/2015 und der entsprechenden Richtlinie, welche seit 1.12.2017 gültig ist und das Codexkapitel A8 Abschnitt 6 Biokosmetik ersetzt.

Unter Naturkosmetik und Biokosmetik ist nicht dasselbe zu verstehen.

Naturkosmetik

Naturkosmetik

Grundsätzlich gilt: Naturkosmetika sind Erzeugnisse aus natürlichen Rohstoffen pflanzlichen, tierischen und mineralischen Ursprungs.

Laut Codex reicht es jedoch nicht, wenn das Ausgangsmaterial ein natürlicher Rohstoff ist, auch die weiteren Be- und Verarbeitungsschritte sind genau geregelt: Für die Gewinnung und Weiterverarbeitung dieser Naturstoffe sind nur physikalische, mikrobiologische oder enzymatische Methoden anzuwenden. Chemische Gewinnungs- oder Verarbeitungsschritte sind nicht erlaubt. Ausnahmen hiervon bestehen lediglich für Konservierungsmittel (diese dürfen auch in natur-identer Qualität verwendet werden, d. h. sie können durch chemische Verfahren auch aau nicht natürlichen Ausgangsstoffen hergestellt werden) und Emulgatoren bzw. Tenside (dürfen aus Naturstoffen einfach chemisch verarbeitet werden).

Nur Kosmetika, die diesen Kriterien entsprechen, dürfen als "Naturkosmetik" oder gleichsinnig bezeichnet werden, wobei zu beachten ist, dass „Öko-/Biokosmetik“ nicht als gleichsinnig zu betrachten ist.

Auf Naturkosmetikprodukten dürfen zwar Hinweise auf eine Bio-Produktion einzelner Inhaltsstoffe bzw. Bio-Bestandteile gemacht werden, dies ist jedoch folgendermaßen festgelegt (siehe Punkt 1.3.4 Hinweise auf Bio-Produktion):

  • Die Kennzeichnung von Bestandteilen aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft wie die Bezeichnung "aus biologischer Landwirtschaft" oder "aus ökologischem Anbau" oder die Abkürzungen "Bio" oder "Öko" oder gleichsinnig, müssen in der Bestandteilliste im Zusammenhang mit dem Bestandteil in derselben Farbe, Größe und Schrifttype wie die übrigen Angaben erfolgen.
  • Die Bezeichnungen aus "biologischer Landwirtschaft", "aus ökologischen/biologischer Anbau", "Bio" oder "Öko" dürfen jedoch nicht in der Sachbezeichnung des Produktes oder im selben Sichtfeld wie die Sachbezeichnung aufscheinen.

Damit soll verhindert werden, dass auf Naturkosmetikprodukten blickfangartige BIO-Siegel und diverse Bio–Auslobungen zu einer Täuschung des Verbrauchers führen.

Hingegen machen Hinweise wie z.B. „mit natürlichem Lindenblütenextrakt“ oder Pflanzenabbildungen auf der Verpackung das kosmetische Produkt noch nicht zum Naturkosmetikum. Es zählt der Gesamteindruck, den das kosmetische Mittel dem informierten, aufmerksamen und verständigen Konsumenten vermittelt.

Hinweise wie z.B. „mit natürlichem Lindenblütenextrakt“ oder Pflanzenabbildungen auf der Verpackung machen das kosmetische Produkt noch nicht zum Naturkosmetikum. Es zählt der Gesamteindruck, den das kosmetische Mittel dem informierten, aufmerksamen und verständigen Konsumenten vermittelt.

Seit 2008 steht dieses Codexkapitel über Naturkosmetik zur Verfügung und wird, wenn nötig, von der Kosmetikunterkommission überarbeitet um der Verbrauchererwartung zu entsprechen. Am 6.2.2017 wurde Dehydracetsäure als zulässiges Konservierungsmittel mit aufgenommen. Den Volltext finden Sie unter Codexkapitel B 33 Kosmetische Mittel, Teilkapitel: Naturkosmetik

Was kann ich als Konsument/in tun?

  • Die Abgabe in spezifischen Geschäften wie Reformhäuser ist noch keine Garantie, dass es sich um Naturkosmetikprodukte handelt.
  • Ein genaues Lesen und die Überprüfung der Bestandteilliste helfen bei der Einstufung ob es sich tatsächlich um ein Naturprodukt handelt.
  • Es gibt viele privatrechtliche Siegel im Bereich der Naturkosmetika. Der Konsument ist gut beraten, sich anzusehen nach welchem Siegel ein Produkt als Naturkosmetikum angepriesen wird und welche Kriterien sich dahinter verbergen. Die Kriterien dieser privatrechtlichen Siegel können sich jedoch von den Anforderungen des in der Regel strengeren österreichischen Lebensmittelbuches unterscheiden.
  • Das Verbot des Einsatzes von Parabenen oder synthetischen UV-Filter sowie Mineralöle haben jedoch beinahe alle Naturkosmetikdefinitionen gemeinsam.

In Österreich gilt für als Naturkosmetik und gleichsinnig ausgelobte Kosmetika grundsätzlich der Codex mit dem Teilkapitel Naturkosmetik; ausgenommen davon sind privatrechtliche Zertifizierungen: wenn

  • diese Zertifizierung am Produkt ersichtlich ist,
  • deren Kriterien für den Verbraucher öffentlich zugänglich bzw. einsehbar sind und
  • die Einhaltung der Kriterien von einer unabhängigen Stelle überprüft werden.

EU-weit sind keine einheitlich bindenden Regelungen zu Naturkosmetik vorhanden. Die Nachfrage nach Naturkosmetik in der EU nimmt aber zu und der Verbraucher hätte gerne Kosmetika, die aus natürlichen Rohstoffen und so wenig wie möglich verarbeitet sind.
In Österreich kann der Konsument einerseits darauf vertrauen, dass in Österreich erstandene Naturkosmetika dem Codex entsprechen und anderseits, wenn ein Naturkosmetik-Siegel darauf ist, er sich über diese Kriterien zumindest informieren kann und darauf vertrauen, dass diese unabhängig überprüft und zertifiziert sind.

Zu Naturkosmetik gibt es eine englischsprachige ISO-NORM 16128 mit dem Titel „Guidelines on Technical Definitions and Criteria for Natural & Organic Cosmetic Ingredients and Products“ bestehend aus 2 Teilen:

Im ersten Teil (16128:1) sind die Begriffsdefinitionen festgelegt, was unter natürlichen und biologischen kosmetischen Inhaltstoffen, sowie deren Derivate (das sind verarbeitete Stoffe, deren Ausgangsstoffe Natur- bzw. Bio-Rohstoffe darstellen) Naturstoffen, Bio-Rohstoffen und naturbasierten Stoffen zu verstehen ist. 
Der zweite Teil (16128:2) bietet die technischen Anleitungen zur Berechnung, wie groß der Anteil an Naturstoffen bzw. Biostoffen einerseits in den Inhaltstoffen und andererseits im Fertigprodukt ist.

Werbeaussagen und Kennzeichnung, menschliche Sicherheit, Umweltsicherheit und sozioökonomische Überlegungen (z. B. fairer Handel) fallen nicht in den Geltungsbereich dieser ISO-Norm. Darüber hinaus sind auch nicht die Eigenschaften von Verpackungsmaterialien in den Richtlinien enthalten.

Biokosmetik

Biokosmetik

Mit Inkrafttreten des EU-Qualitätsregelungen-Durchführungsgesetzes (EU-QuaDG) wurde der Inhalt des Codex-Kapitels A 8 „Landwirtschaftliche Produkte aus biologischer Produktion und daraus hergestellte Folgeprodukte" in die vom Beirat für die biologische Produktion erarbeiteten Richtlinie gemäß § 13 des EU-Qualitätsregelungen- Durchführungsgesetzes (EU-QuaDG), BGBl. I Nr. 130/2015, übernommen. Der Richtlinie  Landwirtschaftliche Produkte aus biologischer Produktion und daraus hergestellte Folgeprodukte (RL Biologische Produktion) RL_0003_2 kommt, wie schon beim österreichischen Lebensmittelbuch, die Wirkung eines objektivierten Sachverständigengutachtens zu.

In dieser Richtlinie werden die Anforderungen an Biokosmetika definiert. Dieses Kapitel behandelt die Herstellung, Berechnung des Bioanteils, Kennzeichnung und Aufmachung sowie die Werbung für Biokosmetik und das Kontrollsystem für Biokosmetika.

Für Biokosmetika gelten grundsätzlich dieselben Kriterien wie für Naturkosmetika und zusätzlich wurden Prinzipien aus den Anforderungen für biologische Lebensmittel übernommen.
Gemäß dieser Richtlinie darf ein Produkt  Bezeichnungen wie "biologisch", "ökologisch" und Verkleinerungsformen wie "Bio-" und "Öko-", aber auch die Bezeichnungen "organic", "eco" allein oder kombiniert nur dann verwenden, wenn das Produkt und seine Bestandteile die Anforderungen der Richtlinie erfüllen.

Kennzeichnung und Werbung für kosmetische Mittel, die nach den Vorgaben dieses Abschnittes erzeugt wurden, enthalten einen eindeutigen Hinweis auf die Erzeugung entsprechend  dieser Richtlinie  (hergestellt gemäß Richtlinie des Beirates für die biologische Produktion „Biologische Produktion, Abschnitt Biokosmetika“).

Kosmetikunternehmer, die ihre Produkte als Biokosmetika in Verkehr bringen, haben ihre Tätigkeit durch eine für die biologische Produktion nach der Verordnung (EG) Nr. 834/2007 bereits anerkannte Biokontrollstelle kontrollieren zu lassen. Die Angabe der Kontrollstelle ist erforderlich und das Kontrollstellen-Siegel darf angebracht werden, das Bio-Gemeinschaftslogo jedoch nicht, da die EU-Bioverordnung nicht für kosmetische Mittel gilt.

Die natürlichen Inhaltsstoffe in Biokosmetika werden unterschieden in natürliche Stoffe landwirtschaftlichen Ursprungs (pflanzliche und tierische Produkte) und jenen nicht landwirtschaftlichen Ursprungs (mineralische Rohstoffe und Wasser).

Pflanzliche und tierische Bestandteile landwirtschaftlichen Ursprungs,  müssen zumindest zu 95 % den Bestimmungen über die biologische/ökologische Produktion entsprechen (Verordnung (EG) Nr. 834/2007 samt  Durchführungsverordnungen). Zusätzlich muss ein biologischer Mindestanteil bezogen auf das Endprodukt vorhanden sein (siehe untenstehende Tabelle). Dies soll einer ungerechtfertigten Bio-Anpreisung, etwa im Falle einer wässrigen Lösung mit einer „homöopathischen“ Menge eines Rohstoffs in Bioqualität, entgegenwirken.

KategorieBiologischer Mindestbestandteil in % bezogen auf das Fertigprodukt*)
Kategorie
Öle/wasserfreie Reinigungs- und Pflegeprodukte
Biologischer Mindestanteil in % bezogen auf das Fertigprodukt*)
90
Kategorie
Parfums/Eau de Parfum/Eau de Toilette
Biologischer Mindestanteil in % bezogen auf das Fertigprodukt*)
60
Kategorie
Emulsionen zur Hautpflege (W/Ö)
Biologischer Mindestanteil in % bezogen auf das Fertigprodukt*)
30
Kategorie
Andere Produkte
Biologischer Mindestanteil in % bezogen auf das Fertigprodukt*)
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Tabelle: Biologische Mindestanteile in Biokosmetika

Weiters wurden Regeln festgelegt, bis zu welchem Anteil wässrige Gemische wie Destillate, Extrakte, Hydrolate oder auch rückverdünnte Konzentrate zur Berechnung des Bioanteils herangezogen werden dürfen. Es sollen nur die tatsächlich aus Pflanzen gewonnenen Anteile dem Bioanteil zugerechnet werden können.

Gleich wie bei den Naturkosmetikprodukten dürfen nur natürliche Riech- und Aromastoffe, die der internationalen Norm ISO 9235 entsprechen sowie die darin aufgeführten Stoffe, die durch physikalische Methoden isoliert wurden, eingesetzt werden. Die erlaubten natur-identen Konservierungsstoffe sind auch jene, die in Naturkosmetika eingesetzt werden dürfen.

Den Volltext der Richtline finden Sie unter:  Richtlinie  Landwirtschaftliche Produkte aus biologischer Produktion und daraus hergestellte Folgeprodukte (RL Biologische Produktion) RL_0003_2  (Abschnitt 6 Biokosmetik)

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