Bio- und Naturkosmetik

Zuletzt geändert: 20.02.2018

Umweltschonende nachhaltige Produktion, Bewahrung der Artenvielfalt, Schutz der natürlichen Ressourcen, Anwendung von hohen Tierschutzstandards, Produktion unter Verwendung natürlicher Bestandteile und einfache Herstellungsprozesse werden von Verbraucherinnen und Verbrauchern zunehmend auch bei kosmetischen Mitteln nachgefragt. Um die Interessen und das Vertrauen der Verbraucher zu wahren und einen lauteren Wettbewerb durch Transparenz, Kontrolle und Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten,  war es daher angebracht, Grundsätze und Regeln für die Herstellung und Kennzeichnung von "Bio- sowie Naturkosmetika" zu formulieren.

Auf europäischer Ebene gibt es keine einheitlichen, gesetzlichen Definitionen  zu den Begriffen Naturkosmetik und Biokosmetik. Es gibt diverse Naturkosmetik- und Bio-Gütesiegel, die auf privatrechtlichen Richtlinien basieren. Die dabei zugrunde liegenden Kriterien sind unterschiedlich, sodass diese Produkte keine einheitliche Norm erfüllen. Diese Situation ist sowohl für Konsumenten als auch für Hersteller unübersichtlich.

In Österreich ist im Österreichischen Lebensmittelbuch ÖLMB (Codex Alimentarius Austriacus, kurz: Codex) zusammengefasst, was sich der Konsument unter Naturkosmetik erwartet bzw. was die allgemeine Verkehrsauffassung betrifft.

Biokosmetik, geregelt im EU-Qualitätsregelungen- Durchführungsgesetz (EU-QuaDG), BGBl. I Nr. 130/2015 und der entsprechenden Richtlinie, welche seit 1.12.2017 gültig ist und das Codexkapitel A8 Abschnitt 6 Biokosmetik ersetzt.

Unter Naturkosmetik und Biokosmetik ist nicht dasselbe zu verstehen.

Naturkosmetik

Naturkosmetik

Naturkosmetika sind Erzeugnisse aus natürlichen Rohstoffen pflanzlichen, tierischen und mineralischen Ursprungs.

Für die Gewinnung und Weiterverarbeitung dieser Naturstoffe sind nur physikalische, mikrobiologische oder enzymatische Methoden anzuwenden. Chemische Gewinnungs- oder Verarbeitungsschritte sind nicht erlaubt. Ausnahmen hiervon bestehen lediglich für Konservierungsmittel (diese dürfen auch in natur-identer Qualität verwendet werden, d.h. sie können  durch chemische Verfahren hergestellt werden) und Emulgatoren bzw. Tenside (dürfen einfach chemisch verarbeitet werden).

Nur Kosmetika, die diesen Kriterien entsprechen, dürfen als "Naturkosmetik" oder gleichsinnig bezeichnet werden, wobei zu beachten ist, dass „Öko-/Biokosmetik“ nicht als gleichsinnig zu betrachten ist.

Hinweise wie z.B. „mit natürlichem Lindenblütenextrakt“ oder Pflanzenabbildungen auf der Verpackung machen das Produkt noch nicht zum Naturkosmetikum. Es zählt der Gesamteindruck, den das kosmetische Mittel dem informierten, aufmerksamen und verständigen Konsumenten vermittelt.

Seit 14.01.2009 ist die neu überarbeitete Fassung dieses Codexkapitels gültig. Den Volltext finden Sie unter Codexkapitel B 33 Kosmetische Mittel, Teilkapitel: Naturkosmetik

Was kann ich als Konsument/in tun?

  • Die Abgabe in spezifischen Geschäften wie Reformhäuser ist noch keine Garantie, dass es sich um Naturkosmetikprodukte handelt.
  • Ein genaues Lesen und die Überprüfung der Bestandteilliste helfen bei der Einstufung ob es sich tatsächlich um Naturprodukt handelt.
  • Es gibt viele privatrechtliche Siegel im Bereich der Naturkosmetika. Der Konsument ist gut beraten sich anzusehen nach welchem Siegel ein Produkt als Naturkosmetikum angepriesen wird und welche Kriterien sich dahinter verbergen. Die Kriterien dieser privatrechtlichen Siegel können sich jedoch von den Anforderungen des in der Regel strengeren österreichischen Lebensmittelbuches unterscheiden.
  • Das Verbot des Einsatzes von Parabenen oder synthetischen UV-Filter sowie Mineralöle haben jedoch beinahe alle Naturkosmetikdefinitionen gemeinsam.

Biokosmetik

Biokosmetik

Mit Inkrafttreten des EU-Qualitätsregelungen-Durchführungsgesetzes (EU-QuaDG) wurde der Inhalt des Codex-Kapitels A 8 „Landwirtschaftliche Produkte aus biologischer Produktion und daraus hergestellte Folgeprodukte" in die vom Beirat für die biologische Produktion erarbeiteten Richtlinie gemäß § 13 des EU-Qualitätsregelungen- Durchführungsgesetzes (EU-QuaDG), BGBl. I Nr. 130/2015, übernommen. Der Richtlinie  Landwirtschaftliche Produkte aus biologischer Produktion und daraus hergestellte Folgeprodukte (RL Biologische Produktion) RL_0003_2  kommt, wie schon beim österreichischen Lebensmittelbuch, die Wirkung eines objektivierten Sachverständigengutachtens zu.

In dieser Richtlinie  werden die Anforderungen an Biokosmetika definiert. Dieses Kapitel behandelt die Herstellung, Berechnung des Bioanteils, Kennzeichnung und Aufmachung sowie die Werbung für Biokosmetik.

Für Biokosmetika gelten grundsätzlich dieselben Kriterien wie für Naturkosmetika und zusätzlich wurden Prinzipien aus den Anforderungen für biologische Lebensmittel übernommen.
Gemäß dieser Richtlinie darf ein Produkt  Bezeichnungen wie "biologisch", "ökologisch" und Verkleinerungsformen wie "Bio-" und "Öko-", aber auch die Bezeichnungen "organic", "eco" allein oder kombiniert nur dann verwenden, wenn das Produkt und seine Bestandteile die Anforderungen die Richtlinie erfüllen.

Kennzeichnung und Werbung für kosmetische Mittel, die nach den Vorgaben dieses Abschnittes erzeugt wurden, enthalten einen eindeutigen Hinweis auf die Erzeugung entsprechend  dieser Richtlinie  (hergestellt gemäß Richtlinie des Beirates für die biologische Produktion „Biologische Produktion, Abschnitt Biokosmetika“).

Kosmetikunternehmer, die ihre Produkte als Biokosmetika in Verkehr bringen, haben ihre Tätigkeit durch eine für die biologische Produktion nach der Verordnung (EG) Nr. 834/2007 bereits anerkannte Biokontrollstelle kontrollieren zu lassen. Die Angabe der Kontrollstelle ist erforderlich und das Kontrollstellen-Siegel darf angebracht werden, das Bio-Gemeinschaftslogo jedoch nicht, da die EU-Bioverordnung nicht für kosmetische Mittel gilt.

Die natürlichen Inhaltsstoffe in Biokosmetika werden unterschieden in natürliche Stoffe landwirtschaftlichen Ursprungs (pflanzliche und tierische Produkte) und jenen nicht landwirtschaftlichen Ursprungs (mineralische Rohstoffe und Wasser).

Pflanzliche und tierische Bestandteile landwirtschaftlichen Ursprungs,  müssen zumindest zu 95 % den Bestimmungen über die biologische/ökologische Produktion entsprechen (Verordnung (EG) Nr. 834/2007 samt  Durchführungsverordnungen). Zusätzlich muss ein biologischer Mindestanteil bezogen auf das Endprodukt vorhanden sein (siehe untenstehende Tabelle). Dies soll einer ungerechtfertigten Bio-Anpreisung, etwa im Falle einer wässrigen Lösung mit einer „homöopathischen“ Menge eines Rohstoffs in Bioqualität, entgegenwirken.

KategorieBiologischer Mindestbestandteil in % bezogen auf das Fertigprodukt*)
Kategorie
Öle/wasserfreie Reinigungs- und Pflegeprodukte
Biologischer Mindestanteil in % bezogen auf das Fertigprodukt*)
90
Kategorie
Parfums/Eau de Parfum/Eau de Toilette
Biologischer Mindestanteil in % bezogen auf das Fertigprodukt*)
60
Kategorie
Emulsionen zur Hautpflege (W/Ö)
Biologischer Mindestanteil in % bezogen auf das Fertigprodukt*)
30
Kategorie
Andere Produkte
Biologischer Mindestanteil in % bezogen auf das Fertigprodukt*)
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Tabelle: Biologische Mindestanteile in Biokosmetika

Weiters wurden Regeln festgelegt, bis zu welchem Anteil wässrige Gemische wie Destillate, Extrakte, Hydrolate oder auch rückverdünnte Konzentrate zur Berechnung des Bioanteils herangezogen werden dürfen. Es sollen nur die tatsächlich aus Pflanzen gewonnenen Anteile dem Bioanteil zugerechnet werden können.

Gleich wie bei den Naturkosmetikprodukten dürfen nur natürliche Riech- und Aromastoffe, die der internationalen Norm ISO 9235 entsprechen sowie die darin aufgeführten Stoffe, die durch physikalische Methoden isoliert wurden, eingesetzt werden. Die erlaubten natur-identen Konservierungsstoffe sind auch jene, die in Naturkosmetika eingesetzt werden dürfen.

Den Volltext der Richtline finden Sie unter:  Richtlinie  Landwirtschaftliche Produkte aus biologischer Produktion und daraus hergestellte Folgeprodukte (RL Biologische Produktion) RL_0003_2  (Abschnitt 6 Biokosmetik)

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