Probenversand

Proben sind nach den jeweils aktuellen gefahrgutrechtlichen Bestimmungen zu verpacken, zu kennzeichnen und zu transportieren. Bitte beachten Sie die gesetzlichen Regelungen bei Gefahrenguttransport.

Dieses Dokument dient nur als Orientierungshilfe und es bleibt dem Absender überlassen, alle nationalen und internationalen Gesetze einzuhalten.

Ansteckungsgefährliche Stoffe
Proben zur Veterinärmedizinischen Untersuchung haben eine gewisse Wahrscheinlichkeit, Krankheitserreger zu enthalten, so genannte ansteckungsgefährliche Stoffe. Als solche unterliegen sie dem Gefahrgutrecht, welches in einem 1957 in Genf geschlossenen „Europäischen Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR)“ geregelt ist.

ADR - Nationales Recht
Die Abkürzung ADR steht für die französische Bezeichnung des Übereinkommens „Accord européen relatif au transport international des merchandises Dangereuses par Route“. In nationales Recht ist das ADR umgesetzt in der Verordnung über die innerstaatliche und grenzüberschreitende Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße und Eisenbahn (Gefahrgutverordnung Straße und Eisenbahn – GGVSE) mit Richtlinien zur Durchführung der Gefahrgutverordnung Straße und Eisenbahn (GGVSE-Durchführungsrichtlinien – RSE).

IATA
Für den sicheren Transport gefährlicher Güter auf dem Luftweg werden technische Anweisungen von der  Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) veröffentlicht. Die technischen Anweisungen sind rechtsverbindliche internationale Vorschriften. Die International Air Transport Association (IATA) veröffentlicht Dangerous Goods Regulations (DGR), die die ICAO-Bestimmungen enthalten. Die IATA kann, falls erforderlich, weitere Einschränkungen hinzufügen. Die ICAO-Regeln gelten für alle internationalen Flüge. Bei nationalen Flügen, d. H. Flügen innerhalb eines Landes, wenden die nationalen Zivilluftfahrtbehörden die nationalen Rechtsvorschriften an.

ADR
Das ADR ist ein umfassendes Basisregelwerk. Es enthält Vorschriften insbesondere für die Klassifizierung, Verpackung, Kennzeichnung und Dokumentation gefährlicher Güter, für den Umgang während der Beförderung und für die verwendeten Fahrzeuge.
Die gefährlichen Stoffe sind in neun Klassen eingeteilt, wobei die ansteckungsgefährlichen Stoffe in Klasse 6.2 zu finden sind. Klasse 6.1 z.B. sind giftige Stoffe, Klasse 7 radioaktive Stoffe.

Kriterien - was gilt als ansteckungsgefährlicher Stoff?
(Es folgen Auszüge aus dem Originaltext des ADR)
„Ansteckungsgefährliche Stoffe im Sinne des ADR sind Stoffe, von denen bekannt oder anzunehmen ist, dass sie Krankheitserreger enthalten.
Krankheitserreger sind Mikroorganismen (einschließlich Bakterien, Viren, Rickettsien, Parasiten und Pilze) und andere Erreger wie Prionen, die bei Menschen oder Tieren Krankheiten hervorrufen können.
Die Stoffe der Klasse 6.2 sind wie folgt unterteilt:
1. Ansteckungsgefährliche Stoffe, gefährlich für Menschen
2. Ansteckungsgefährliche Stoffe, gefährlich nur für Tiere
3. Klinische Abfälle
4. Biologische Stoffe
Wenn man Gefahrgut (infektiöses Material) für den Transport (Straße oder Flugverkehr) vorbereitet, muss zuerst die richtige UN Nummer eruiert werden.

Für Zwecke des ADR gilt:
Von Patienten entnommene Proben (Patientenproben) sind menschliches oder tierisches Material, das direkt von Menschen oder Tieren entnommen wird, einschließlich, jedoch nicht begrenzt auf Ausscheidungsstoffe, Sekrete, Blut und Blutbestandteile, Gewebe und Abstriche von Gewebsflüssigkeit sowie Körperteile, die insbesondere zu Forschungs-Diagnose-, Untersuchungs-, Behandlungs- oder Vorsorgezwecken befördert werden.
Zuordnung
Ansteckungsgefährliche Stoffe sind der Klasse 6.2 und je nach Fall der UN-Nummer 2814, 2900, 3291 oder 3373 zuzuordnen.“

UN-Nummern
Die Vereinten Nationen (UN) haben eine Arbeitsgruppe („Committee of Experts on the Transport of Dangerous Goods“ der „Transport Division“ der UNECE = United Nations Economic Commission for Europe), die sich mit der Klassifizierung und den Bedingungen für die Verpackung und Beförderung gefährlicher Güter befasst.
Jeder gefährliche Stoff bekommt zur Kennzeichnung die vierstellige UN-Nummer gemäß den UN-Modellvorschriften

United Nations-Empfehlungen für die Beförderung gefährlicher Güter
Die UN-Nummern werden bestimmten Verpackungsvorschriften (z.B. P 650, P 620, P 099)
zugeordnet.

Gefährlichkeit ansteckungsgefährlicher Stoffe - Kategorien
Je nach Gefährdungspotential sind die ansteckungsgefährlichen Stoffe in die Kategorien A und B eingeteilt, wobei Kategorie A die gefährlicheren Erreger umfasst.

Lesen sie auch unser Probenversand-Merkblatt - hier finden sie auch praktische Beispiele für die Verpackungen. Siehe auch " IATA Guidance Document - Infectious Substances". Nähere Angaben finden sich auch unter dem folgenden Link im Internet: https://www.post.at/

Proben, welche unter Kategorie A fallen, müssen vor dem Transport beim Bio Risk Officer (BRO) angekündigt werden. Dies gilt auch für Proben der Kategorie B, wenn diese aus anderen EU-Ländern oder Drittstaaten (Nicht-EU Ländern) stammen.  Proben für die Tollwutantikörperbestimmung von gesunden Haustieren (Katze, Hund, Frettchen) aus Drittländern sind "Exempt Animal Specimen (freigestellte veterinärmedizinische Proben)" und müssen NICHT dem BRO gemeldet werden!

BROs der AGES:

Wendy Shell, CMIOSH Bsc (Hons.) Msc
(BRO)
Email: mailto:wendy.shellno@Spam@agesno.Spam.at
Tel: +43 664 9670948

Dr. Angelika Loitsch
(BRO-Stellvertreterin)
Email: angelika.loitschno@Spam@agesno.Spam.at
Tel: +43 664 966 8326

Kategorie A

Kategorie A

Definition "Stoff der Kategorie A": "Ein ansteckungsgefährlicher Stoff, der in einer solchen Form befördert wird, dass er bei einer Exposition bei sonst gesunden Menschen oder Tieren eine dauerhafte Behinderung oder eine lebensbedrohende oder tödliche Krankheit hervorrufen kann." Eine Exposition erfolgt, wenn ein ansteckungsgefährlicher Stoff aus der Schutzverpackung austritt und zu einem physischen Kontakt mit Menschen oder Tieren führt. 

Ansteckungsgefährliche Stoffe der Kat. A sind mit UN-Nummern zu kennzeichnen:

  • UN-Nummer 2814 = Ansteckungsgefährliche Stoffe, die bei Menschen oder sowohl bei Menschen als auch bei Tieren eine Krankheit hervorrufen können. Offizielle Bezeichnung für die Beförderung der UN-Nummer 2814: „ANSTECKUNGSGEFÄHRLICHER STOFF, GEFÄHRLICH FÜR MENSCHEN“
  • UN-Nummer 2900 = Ansteckungsgefährliche Stoffe, die nur bei Tieren eine Krankheit hervorrufen können. Offizielle Bezeichnung für die Beförderung der UN-Nummer 2900: „ANSTECKUNGSGEFÄHRLICHER STOFF, nur GEFÄHRLICH FÜR TIERE“ 

Für Proben der Kategorie A ist die Verpackungsanweisung P620 verpflichtend. Siehe auch Probenversand - Merkblatt; siehe auch " IATA Guidance Document - Infectious Substances".

Ansteckungsgefährliche Stoffe sind Krankheitserreger. Beispiele für Ansteckungsgefährliche Stoffe, die diese Kriterien erfüllen, sind in der Tabelle 1  und 2 aufgeführt.

Die nachfolgenden Tabellen sind nicht vollständig. Ansteckungsgefährliche Stoffe, einschließlich neue oder auftauchende Krankheitserreger, die in den Tabellen nicht aufgeführt sind, die jedoch dieselben Kriterien erfüllen, sind der Kategorie A zuzuordnen. Darüber hinaus ist ein Stoff in die Kategorie A aufzunehmen, wenn Zweifel darüber bestehen, ob dieser die Kriterien erfüllt oder nicht.

Krankheitserreger sind Mikroorganismen, die in der nachfolgenden Tabelle in Kursivschrift dargestellt sind. Mikroorganismen sind Bakterien, Viren, Rickettsien, Parasiten oder Pilze aber auch Prione, die bei Menschen und Tieren Krankheiten hervorrufen können.
Beispiele für Mikroorganismen, die in jeder Form unter die Kategorie A fallen:

Tabelle 1:

UN-Nummer und Bezeichnung

  
Mikroorganismus (Beispiel) 

  

 

UN 2814

ANSTECKUNGS-

GEFÄHRLICHER

STOFF,

GEFÄHRLICH

FÜR MENSCHEN

Bacillus anthracis (nur Kulturen)

Brucella abortus (nur Kulturen)

Brucella melitensis (nur Kulturen)

Brucella suis (nur Kulturen)

Burkholderia mallei – Pseudomonas mallei – Rotz (nur Kulturen)

Burkholderia pseudomallei Pseudomonas pseudomallei (nur Kulturen)

Chlamydia psittaci – aviäre Stämme (nur Kulturen)

Clostridium botulinum (nur Kulturen)

Coccidioides immitis (nur Kulturen)

Coxiella burnetii (nur Kulturen)

Virus des hämorrhagischen Krim-Kongo-Fiebers

Denguevirus (nur Kulturen)

Virus der östlichen Pferde-Encephalitis (nur Kulturen)

Escherichia coli, verotoxigen (nur Kulturen)*

Ebolavirus

Flexalvirus

Francisella tularensis (nur Kulturen)

Guanaritovirus

Hantaanvirus

Hantavirus, das hämorrhagisches Fieber mit Nierensyndrom hervorruft

Hendravirus

Hepatitis-B-Virus (nur Kulturen)

Herpes-B-Virus (nur Kulturen)

Humanes Immundefizienzvirus (nur Kulturen)

Hoch pathogenes Vogelgrippevirus (nur Kulturen)

Japanisches Encephalitisvirus (nur Kulturen)

Juninvirus

Kyasanur-Waldkrankheitvirus

Lassavirus

Machupovirus

Marburgvirus

Affenpockenvirus

Mycobacterium tuberculosis (nur Kulturen)*

Nipahvirus

Virus des hämorrhagischen Omsk-Fiebers

Poliovirus (nur Kulturen)

Tollwutvirus (nur Kulturen)

Rickettsia prowazekii (nur Kulturen)

Rickettsia rickettsii (nur Kulturen)

Rifttal-Fiebervirus (nur Kulturen)

Virus der russischen Frühsommer-Encephalitis (nur Kulturen)

Sabiavirus

Shigella dysenteriae type 1 (nur Kulturen)*

Zecken-Encephalitisvirus (nur Kulturen)

Variolavirus

Virus der Venezuela-Pferde-Encephalitis (nur Kulturen)

West-Nil-Virus (nur Kulturen)

Gelbfiebervirus (nur Kulturen)

Yersinia pestis (nur Kulturen)

* Kulturen, die für diagnostische oder klinische Zwecke vorgesehen sind, dürfen jedoch als ansteckungsgefährliche Stoffe der Kategorie B klassifiziert werden.

Tabelle 2:

UN-Nummer und Bezeichnung  

  

Mikroorganismus (Beispiel)

 

 

UN 2900

ANSTECKUNGS-

GEFÄHRLICHER

STOFF,

nur GEFÄHRLICH

FÜR TIERE

Virus der Afrikanischen Schweinepest (nur Kulturen)

Aviäres Paramyxovirus Typ 1 – Virus der velogenen Newcastle-Krankheit (nur Kulturen)

Klassisches Schweinefiebervirus / Europäische Schweinepest (nur Kulturen)

Maul-und Klauenseuchevirus (nur Kulturen)

Lumpy skin disease virus (nur Kulturen)

Mycoplasma mycoides – Erreger der infektiösen bovinen Pleuropneumonie (nur Kulturen)

Virus der Pest der kleinen Wiederkäuer (nur Kulturen)  

Rinderpestvirus (nur Kulturen)

Schafpockenvirus (nur Kulturen)

Ziegenpockenvirus (nur Kulturen)

Virus der vesikulären Schweinekrankheit (nur Kulturen)

Vesicular Stomatitis Virus (nur Kulturen)

 

 

Kategorie B

Kategorie B

Definition "Stoff der Kategorie B" = "Ein ansteckungsgefährlicher Stoff, der den Kriterien für eine Aufnahme in Kategorie A nicht entspricht". Ansteckungsgefährliche Stoffe der Kategorie B sind der UN-Nummer 3373 zuzuordnen. Die offizielle Bezeichnung für die Beförderung der UN-Nummer 3373 lautet „BIOLOGISCHER STOFF, KATEGORIE B“

Für Proben der Kategorie B ist die Verpackungsanweisung P650 verpflichtend. Siehe auch Probenversand - Merkblatt; siehe auch " IATA Guidance Document - Infectious Substances" und das IATA Merkblatt zur Verpackung P650.

Freigestellte veterinärmedizinische Probe

Freigestellte veterinärmedizinische Probe

Von Tieren entnommene Proben, bei denen eine minimale Wahrscheinlichkeit besteht, dass sie Krankheitserreger enthalten, können als "Freigestellte veterinärmedizinische Probe" [eng. Exempt Animal Specimen(s)] befördert werden, wenn sie in einer Verpackung befördert werden, die jegliches Freiwerden der Probe verhindert."Freigestellte veterinärmedizinische Proben" unterliegen nicht den IATA Dangerous Goods Regulations oder dem ADR Vorschriften. 

"Freigestellte veterinärmedizinische Proben" sind z.B. Serumproben von Hund oder Katze für die Tollwutantikörperbestimmung. Proben für die Tollwutantikörperbestimmung müssen NICHT dem BRO gemeldet werden! 

Beim Transport solcher Proben sind bestimmte Verpackungsvorschriften einzuhalten.
Die Verpackung darf unter normalen Beförderungsbedingungen nicht zerbrechen! Der Absender ist für die vorschriftsmäßige Verpackung verantwortlich. Die Verpackung (z.B. von Serum- oder Blutproben) muss aus drei Komponenten bestehen (siehe Abbildung):

A) aus einem Gefäß als Erstverpackung

  • Primärgefäße müssen dicht sein.
  • Verwenden Sie wasserdichte Behälter für flüssige Proben mit dichtem Verschluss, z. B. mit einem Schraub- oder einem Schnappverschluss (z.B. Serumröhrchen oder Safe-lock Eppendorfröhrchen). Das Probengefäß sollte als zusätzliche Abdichtung mit Klebeband versehen sein.
  • Wenn Sie mehrere Primärgefäße in eine einzige Sekundärverpackung stecken, müssen die Primärgefäße durch ein absorbierendes Material voneinander getrennt werden. Ausreichende Polsterung und saugfähiges Material müssen jeden Flüssigkeit enthaltenden Primärbehälter umgeben.
  • Primärgefäße müssen sorgfältig gekennzeichnet werden, z.B. für die Tollwutantikörperbestimmung mit der Mikrochipnummer des Haustieres und ev. dem Namen des Haustieres. Verwenden Sie bitte einen wasserfesten Stift.

B) aus saugfähigem Material

  • Legen Sie saugfähiges Material zwischen den primären und sekundären Behältern, und verwenden Sie ausreichend Material, um den gesamten Inhalt aller primären Behälter aufzunehmen.
  • Zu den akzeptablen absorbierenden Materialien gehören Zellstoff, Küchenrollenmaterial oder Papiertücher.

C) aus einem zweiten Behälter (Sekundärverpackung)

  • Der zweite Behälter kann nicht als äußerer Versandcontainer dienen.
  • Der zweite Behälter muss für Flüssigkeiten wie z.B. Serum oder Blut dicht sein.
  • Platzieren Sie ein mitgesendetes Schriftstück, z.B das Tollwutformular - vorzugsweise in einem Plastikbeutel - zwischen Sekundärbehälter und Außenverpackung
  • Legen Sie bei Bedarf (z. B. für Seren) eine Kühlpatrone in den zweiten Behälter neben die Proben - verwenden Sie kein Trockeneis!

D) Außenverpackung
Primärgefäß (e) und Sekundärverpackung müssen in einer Außenverpackung eingeschlossen sein.

  • Die Außenverpackung muss starr sein. Schaumstoffboxen, Plastiktüten und Papierumschläge sind keine geeignete Außenverpackung.
  • Die äußere Versandverpackung muss auf der Adressseite mit den Worten „Exempt Animal Specimen(s)" oder "Freigestellte veterinärmedizinische Probe“
Verpackung / Packing instruction - Exempt Animal Specimen
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