Nationale Referenzzentrale für Shigellen

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Zuletzt geändert: 10.01.2020

Shigellen sind gramnegative, unbewegliche, fakultativ anaerobe Stäbchenbakterien. Sie sind die Erreger der Shigellose (Shigellenruhr, Shigellen-Dysenterie). Die einzig relevante Infektionsquelle ist der Mensch. Die Infektion wird über den Stuhl von Erkrankten oder infizierten Trägern (Person ohne Krankheitszeichen) weitergegeben. Die Infektionsdosis ist sehr niedrig. Bereits eine minimale Menge (10-200 Keime) genügt, um klinische Symptome auszulösen. Der Grund dafür liegt in einer im Vergleich zu Salmonellen relativ hohen Säuretoleranz.

Die Gattung Shigella zählt zur Familie der Enterobacterales und kann anhand ihrer biochemischen Merkmale und spezifischen O-Antigene in 4 Spezies oder auch Untergruppen (UG) unterteilt:

  • S. dysenteriae (Untergruppe A)
  • S. flexneri (Untergruppe B)
  • S. boydii (Untergruppe C)
  • S. sonnei (Untergruppe D)

Die Stämme innerhalb der UG A-C können in Serovare unterteilt werden. S. sonnei ist serologisch einheitlich und besteht aus einem Serovar.

Übertragung

Die Übertragung erfolgt durch Schmierinfektion entweder direkt von Mensch zu Mensch oder indirekt über kontaminierte (mit Shigellen verunreinigte) Gegenstände, Türklinken, Wäsche etc. sowie über kontaminierte Lebensmittel (einschließlich Trinkwasser) und Badegewässer. Shigellen werden bereits seit einigen Jahren immer häufiger als sexuell übertragbare Infektion registriert, vor allem bei Männern, die mit Männern Sex haben (MSM). In diesem Zusammenhang kommt es auch zu Ausbrüchen mit multiresistenten Shigella-Stämmen.

Verbreitung

Shigellen sind weltweit verbreitet. In Österreich werden Shigellosen größtenteils durch S. sonnei und S. flexneri verursacht. Die Mehrzahl aller Shigella Spezies wird von Reisenden importiert. Nach dem österreichischen Epidemie-Gesetz, BGBl. Nr. 186/1950 besteht für Shigellosen eine Meldepflicht.

Erkrankung

Inkubationszeit: 0,5 bis 4 Tage, selten länger.

Dauer der Ansteckungsfähigkeit: Eine Ansteckungsfähigkeit besteht vor allem während der akuten Infektion (d. h. solange die Person Krankheitssymptome zeigt) und solange der Erreger mit dem Stuhl ausgeschieden wird; dies kann 1-4 Wochen nach der akuten Krankheitsphase der Fall sein. Eine Ausscheidung über einen längeren Zeitraum ist selten. Bei asymptomatischem Trägertum kann die Ausscheidung über mehrere Monate anhalten.

Klinik: Alle Shigellen bilden ein aus Lipopolysacchariden bestehendes Endotoxin, welches für die entzündliche Reizung der Darmschleimhaut verantwortlich ist. Nur Shigella dysenteriae 1 bildet zusätzlich ein Exotoxin (Shiga-Toxin), das zu schweren Krankheitsbildern mit Beteiligung des ZNS führen kann. Die Krankheit variiert zwischen leichten Verlaufsformen mit geringer wässriger Diarrhoe und schweren Erkrankungen. Das Auftreten blutig-schleimiger Stühle entspricht dem klinischen Bild der Ruhr (daher die Bezeichnung Shigellenruhr, Bakterienruhr).

Die typische Bakterienruhr beginnt mit Fieber, krampfartigen Bauchschmerzen und wässrigem Durchfall. Beimengungen von Schleim, Eiter und Blut, die bei leichtem Verlauf fehlen, sind für Ruhrstühle charakteristisch. In typischen Fällen kommt es täglich zu 20 bis 30 Entleerungen, die mit schmerzhaftem Stuhldrang (Tenesmen) verbunden sind. Die jeweils abgesetzte Stuhlmenge ist gering. Abdominale Krämpfe sind typisch für eine Shigellose; es kann auch zu anderen Symptomen wie Erbrechen kommen. Bei schweren Formen kommt es im Dickdarm zu Epithelnekrosen und Geschwürbildung. Die Dauer der Erkrankung variiert abhängig vom Verlauf und beträgt im Durchschnitt 7 Tage. Etwa die Hälfte aller Shigellosen hat einen abortiven Verlauf, der als leichter, kurzzeitiger Durchfall ohne Blut im Stuhl auftritt. Diese Formen sind epidemiologisch besonders gefährlich, weil sie meist nicht erkannt werden.

Therapie

In Industrieländern werden Shigella-Infektionen meist durch S. sonnei verursacht. Es handelt sich dabei oft um milde Erkrankungen, wobei eine Antibiotika-Therapie nicht zwingend ist, jedoch zur Verhinderung von Sekundärinfektionen indiziert sein kann. Eine Behandlung der Shigellose mit Antibiotika verkürzt die Krankheitsdauer und reduziert die Erregerausscheidung. Die Therapie hat sich aufgrund der weit verbreiteten und sich schnell entwickelnden Resistenz bei Shigellen grundsätzlich nach dem Antibiogramm zu richten. Für Erwachsene werden als Therapie der Wahl Chinolone wie z. B. Ciprofloxacin verabreicht, bei Chinolon-Resistenz Drittgenerations-Cephalosporine. Bei Resistenz gegen Cotrimoxazol und Ampicillin ist für Kinder eine orale Therapie mit Pivmecillinam oder Drittgenerations-Cephalosporinen möglich. Bei hochresistenten Shigellen (Chinolon-Resistenz und ESBL-Bildung) eignet sich zur Behandlung sowohl für Erwachsene als auch für Kinder neben Pivmecillinam auch Azithromycin. Ein parenteraler Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes kommt primär bei Patientinnen und Patienten mit chronischen Grunderkrankungen und bei sehr jungen sowie alten Patientinnen und Patienten zur Anwendung. Motilitätshemmer sollen bei der Behandlung der Shigellose nicht eingesetzt werden.

Shigellen sind gramnegative, unbewegliche, fakultativ anaerobe Stäbchenbakterien. Sie sind die Erreger der Shigellose (Shigellenruhr, Shigellen-Dysenterie). Die einzig relevante Infektionsquelle ist der Mensch. Die Infektion wird über den Stuhl von Erkrankten oder infizierten Trägern (Person ohne Krankheitszeichen) weitergegeben. Die Infektionsdosis ist sehr niedrig. Bereits eine minimale Menge (10-200 Keime) genügt, um klinische Symptome auszulösen. Der Grund dafür liegt in einer im Vergleich zu Salmonellen relativ hohen Säuretoleranz.

Die Gattung Shigella zählt zur Familie der Enterobacterales und kann anhand ihrer biochemischen Merkmale und spezifischen O-Antigene in 4 Spezies oder auch Untergruppen (UG) unterteilt:

  • S. dysenteriae (Untergruppe A)
  • S. flexneri (Untergruppe B)
  • S. boydii (Untergruppe C)
  • S. sonnei (Untergruppe D)

Die Stämme innerhalb der UG A-C können in Serovare unterteilt werden. S. sonnei ist serologisch einheitlich und besteht aus einem Serovar.

Übertragung

Die Übertragung erfolgt durch Schmierinfektion entweder direkt von Mensch zu Mensch oder indirekt über kontaminierte (mit Shigellen verunreinigte) Gegenstände, Türklinken, Wäsche etc. sowie über kontaminierte Lebensmittel (einschließlich Trinkwasser) und Badegewässer. Shigellen werden bereits seit einigen Jahren immer häufiger als sexuell übertragbare Infektion registriert, vor allem bei Männern, die mit Männern Sex haben (MSM). In diesem Zusammenhang kommt es auch zu Ausbrüchen mit multiresistenten Shigella-Stämmen.

Verbreitung

Shigellen sind weltweit verbreitet. In Österreich werden Shigellosen größtenteils durch S. sonnei und S. flexneri verursacht. Die Mehrzahl aller Shigella Spezies wird von Reisenden importiert. Nach dem österreichischen Epidemie-Gesetz, BGBl. Nr. 186/1950 besteht für Shigellosen eine Meldepflicht.

Erkrankung

Inkubationszeit: 0,5 bis 4 Tage, selten länger.

Dauer der Ansteckungsfähigkeit: Eine Ansteckungsfähigkeit besteht vor allem während der akuten Infektion (d. h. solange die Person Krankheitssymptome zeigt) und solange der Erreger mit dem Stuhl ausgeschieden wird; dies kann 1-4 Wochen nach der akuten Krankheitsphase der Fall sein. Eine Ausscheidung über einen längeren Zeitraum ist selten. Bei asymptomatischem Trägertum kann die Ausscheidung über mehrere Monate anhalten.

Klinik: Alle Shigellen bilden ein aus Lipopolysacchariden bestehendes Endotoxin, welches für die entzündliche Reizung der Darmschleimhaut verantwortlich ist. Nur Shigella dysenteriae 1 bildet zusätzlich ein Exotoxin (Shiga-Toxin), das zu schweren Krankheitsbildern mit Beteiligung des ZNS führen kann. Die Krankheit variiert zwischen leichten Verlaufsformen mit geringer wässriger Diarrhoe und schweren Erkrankungen. Das Auftreten blutig-schleimiger Stühle entspricht dem klinischen Bild der Ruhr (daher die Bezeichnung Shigellenruhr, Bakterienruhr).

Die typische Bakterienruhr beginnt mit Fieber, krampfartigen Bauchschmerzen und wässrigem Durchfall. Beimengungen von Schleim, Eiter und Blut, die bei leichtem Verlauf fehlen, sind für Ruhrstühle charakteristisch. In typischen Fällen kommt es täglich zu 20 bis 30 Entleerungen, die mit schmerzhaftem Stuhldrang (Tenesmen) verbunden sind. Die jeweils abgesetzte Stuhlmenge ist gering. Abdominale Krämpfe sind typisch für eine Shigellose; es kann auch zu anderen Symptomen wie Erbrechen kommen. Bei schweren Formen kommt es im Dickdarm zu Epithelnekrosen und Geschwürbildung. Die Dauer der Erkrankung variiert abhängig vom Verlauf und beträgt im Durchschnitt 7 Tage. Etwa die Hälfte aller Shigellosen hat einen abortiven Verlauf, der als leichter, kurzzeitiger Durchfall ohne Blut im Stuhl auftritt. Diese Formen sind epidemiologisch besonders gefährlich, weil sie meist nicht erkannt werden.

Therapie

In Industrieländern werden Shigella-Infektionen meist durch S. sonnei verursacht. Es handelt sich dabei oft um milde Erkrankungen, wobei eine Antibiotika-Therapie nicht zwingend ist, jedoch zur Verhinderung von Sekundärinfektionen indiziert sein kann. Eine Behandlung der Shigellose mit Antibiotika verkürzt die Krankheitsdauer und reduziert die Erregerausscheidung. Die Therapie hat sich aufgrund der weit verbreiteten und sich schnell entwickelnden Resistenz bei Shigellen grundsätzlich nach dem Antibiogramm zu richten. Für Erwachsene werden als Therapie der Wahl Chinolone wie z. B. Ciprofloxacin verabreicht, bei Chinolon-Resistenz Drittgenerations-Cephalosporine. Bei Resistenz gegen Cotrimoxazol und Ampicillin ist für Kinder eine orale Therapie mit Pivmecillinam oder Drittgenerations-Cephalosporinen möglich. Bei hochresistenten Shigellen (Chinolon-Resistenz und ESBL-Bildung) eignet sich zur Behandlung sowohl für Erwachsene als auch für Kinder neben Pivmecillinam auch Azithromycin. Ein parenteraler Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes kommt primär bei Patientinnen und Patienten mit chronischen Grunderkrankungen und bei sehr jungen sowie alten Patientinnen und Patienten zur Anwendung. Motilitätshemmer sollen bei der Behandlung der Shigellose nicht eingesetzt werden.

Kontakt

Mag. Dr. Ingeborg Lederer
Telefon: +43 5 055561276
Beethovenstraße 6
8010 Graz



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