VO EU 2019/1009 über Düngeprodukte vom 15.07.2019

Mit der neuen EU-Düngeprodukteverordnung wurden einheitliche Qualitäts-, Kennzeichnungs- und Sicherheitsvorschriften für den Handel von CE gekennzeichneten Düngeprodukten auf dem Europäischen Binnenmarkt geschaffen. Eine Erweiterung des Geltungsbereiches gegenüber der VO EU 2003/2003 über Düngemittel ermöglicht den Handel mit neuen Produktgruppen wie organische Düngemittel, Biostimulantien, Kultursubstraten und Düngeproduktmischungen. Es besteht aber weiterhin die Möglichkeit Düngemittel nach nationalem Düngemittelrecht in Verkehr zu bringe. Der Hersteller kann wählen, ob er sein Produkt nach der EU-Düngeproduktverordnung innerhalb des EU-Binnenmarkt oder auf Basis von nationalem Recht in Verkehr bringt. Die Verordnung ist ab 16.07.2022 vollständig anwendbar. Düngemittel die bis zum 16.7.2022 schon am Markt waren, sind weiter verkehrsfähig.

Neuerungen:

  • Aufnahme von organischen Düngemitteln, Bodenverbesserungsmittel, Kultursubstrate, Biostimulanzien sowie Düngeproduktmischungen
  • Einführung von Produktionsfunktionskategorien (PFC)
  • Stärkung der Kreislaufwirtschaft durch die Zulassung von verschiedenen (tierischen und industriellen) Nebenprodukten als für die Herstellung von Düngeprodukten
  • Einführung von Komponenten Material Kategorien (CMC)
  • Einführung von Schadstoffgrenzwerten
  • Konformitätsnachweis inklusive Erstellung einer technischen Dokumentation ist Voraussetzung für das Inverkehrbringen eines EU-Düngeproduktes mit CE-Kennzeichnung

Voraussetzungen für die Verkehrsfähigkeit eines EU-Düngeproduktes

  1. Produkt muss die Anforderungen für eine Produktfunktionskategorie erfüllen
  2. Ausgangsstoffe müssen die Anforderungen für eine Komponentenmaterialkategorie erfüllen,
  3. Produkt muss die Kennzeichnungsvorschriften in Anhang III gekennzeichnet sein muss und
  4. Die Konformität des Düngeproduktes muss durch eines der Bewertungsmodule in Abhängigkeit der PFC und der verwendeten CMC festgestellt werden.

Bewertungsmodule

Modul Beschreibung des Moduls
A Internen Fertigungskontrolle ist ein Konformitätsbewertungsverfahren, mit dem der Hersteller auf eigene Verantwortung erklärt, dass die betreffenden EU-Düngeprodukte den für sie geltenden Anforderungen dieser Verordnung genügen (notifizierte Stelle nicht involviert)
A1 Fertigungskontrolle mit Produktprüfung durch eine notifizierte Stelle
B+C

Die Bewertung der technischen Gestaltung des EU-Düngeprodukts erfolgt anhand einer Prüfung der technischen Unterlagen (Typenprüfung –Modul B) durch eine notifizierte Stelle.

Im Rahmen der anschließenden internen Fertigungskontrolle (Modul C) erklärt der Hersteller auf eigene Verantwortung, dass das Düngeprodukt der Bescheinigung der vorangegangenen Typprüfung entspricht. Der Hersteller erstellt die EU-Konformitätserklärung und bringt das CE-Kennzeichen auf dem betreffenden Düngeprodukt an.

D1 Der Hersteller betreibt ein Qualitätssicherungssystem für die Produktion (Fertigungsbereich und Endabnahme), um die Konformität mit rechtlichen Anforderungen zu gewährleisten (kein EU-Baumuster, verwendet wie D ohne Modul B). Die notifizierte Stelle bewertet das Qualitätssicherungssystem für die Produktion (Fertigungsbereich und Endabnahme).

 

Produktionsfunktionskategorie

  Produktionskategorie
PFC 1 Düngemittel (organische, organisch-mineralische und anorganische)
PFC 2 Kalke
PFC 3 Bodenverbesserungsmittel
PFC 4 Kultursubstrate
PFC 5 Hemmstoffe
PFC 6 Pflanzen-Biostimulantien
PFC 7 Düngeproduktmischung

Komponentenmaterialkategorie

  Komponentenmaterialkategorie
CMC 1 Stoffe und Gemische aus unbearbeiteten Rohstoffen
CMC 2 Pflanzen, Pflanzenteile oder Pflanzenextrakte
CMC 3 Kompost
CMC 4 Gärrückstände von „frischen“ Pflanzen
CMC 5 Andere Gärrückstände als Gärrückstände von Energiepflanzen
CMC 6 Nebenprodukte der Nahrungsmittelindustrie
CMC 7 Mikroorganismen für Pflanzen-Biostimulantien
CMC 8 Nährstoff-Polymere
CMC 9 Sonstige Polymere mit Ausnahme von Nährstoff-Polymeren
CMC 10 Bestimmte tierische Nebenprodukte
CMC 11 Nebenprodukte im Sinne der Richtlinie 2008/98/EG
CMC 12 Gefällte Phosphatsalze (Struvit) Biokohle, Aschen
CMC 13 Durch thermische Oxidation gewonnene Produkt (Aschen)
CMC 14 Durch Pyrolyse gewonnene Produkte (Biokohle)
CMC 15 Zurückgewonnene hochreine Materialien

 

Zur Feststellung der Konformität muss das Modul B jedenfalls auf ein EU-Düngeprodukt angewendet werden, das ausschließlich aus einem oder mehreren der folgenden Komponentenmaterialien (CMC) besteht:

a) Nitrifikationshemmstoffe, Denitrifikationshemmstoffe oder Ureasehemmstoffe gemäß Anhang II Teil II CMC 1

b) Pflanzen, Pflanzenteile oder Pflanzenextrakte Anhang II Teil II gemäß CMC 2

c) sonstige Polymere mit Ausnahme von Nährstoff-Polymeren gemäß Anhang II Teil II CMC 9

d) Folgeprodukte im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 1069/2009 gemäß Anhang II Teil II CMC 10

Modul B muss jedenfalls auch in den folgenden Fällen angewendet werden:

a) auf einen Hemmstoff gemäß PFC 5

b) auf ein Pflanzen-Biostimulans gemäß PFC 6 und

c) auf eine Düngeproduktmischung gemäß PFC 7.

Modul B kann auch in folgenden Fällen angewendet werden:

a) Stoffe oder Gemische aus unbearbeiteten Rohstoffen gemäß Anhang II Teil II CMC 1, mit Ausnahme von Nitrifikationshemmstoffen, Denitrifikationshemmstoffen oder Ureasehemmstoffen

b) frische Gärrückstände von Pflanzen gemäß Anhang II Teil II CMC 4

c) Nebenprodukte der Nahrungsmittelindustrie gemäß Anhang II Teil II CMC 6

d) Mikroorganismen gemäß Anhang II Teil II CMC 7 Anhang II Teil II

e) Nährstoff-Polymere gemäß Anhang II Teil II CMC 8

f) Nebenprodukte im Sinne der Richtlinie 2008/98/EG gemäß Anhang II Teil II CMC 11.

Aktualisiert: 17.10.2022