Futtermittelsicherheit

RASFF

Das Europäische Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel (RASFF Rapid Alert System for Food and Feed) ist eine zentrale Informationsplattform für die nationalen Behörden aller EU-Mitgliedstaaten über aktuelle Risiken am Lebens - und Futtermittelsektor. Wir sind bereits seit 2002 RASFF Kontaktstelle für Futtermittel (Wien) und seit 2007 nationale Kontaktstelle für Lebensmittel (Salzburg).

Die einzelnen Meldungen zu Lebensmittel und Futtermittel können in anonymisierter Form auf dem öffentlich zugänglichen RASFF Portal der Europäischen Kommission abgerufen werden. Ziel ist die Information über die wichtigsten und aktuellen Risiken am Futtermittelsektor im EU Raum.

Salmonellen in Futtermitteln

Empfehlungen zur Beherrschung von Salmonellen in der Futtermittelproduktion

Nachdem in den Jahren 2011/2012 gehäuft Salmonella Agona in importiertem Sojaschrot gefunden wurde, entschloss sich die Futtermittelwirtschaft in Zusammenarbeit mit uns, Empfehlungen für die Eigenkontrolle von Salmonellenkontaminationen in Futtermitteln zu erstellen.

Die Arbeitsgruppe setzte sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Mischfutterbranche, der Ölmühlen, des Futtermittelgroßhandels und der AGES zusammen. Ziel war es, praktikable Leitlinien zu erarbeiten, um beim Auftreten von Salmonellen Eigenkontrolle und ein branchenmäßig abgestimmtes Vorgehen zu ermöglichen. Zugleich soll aber auch ein besseres Bewusstsein in Hinblick auf Hygiene und ein proaktiver Zugang zur Problemlösung gefördert werden.

Für die drei definierten Betriebsarten Ölmühlen, Großhandel und Mischfutterproduktion wurden vier Risikostufen erarbeitet, die unterschiedliche Vorgehensweisen vorschlagen:

  • Stufe 1: Routinebetrieb
  • Stufe 2: vereinzelt auftretende Salmonellen in Futtermitteln
  • Stufe 3: gehäufter Nachweis von Salmonellen in Futtermitteln
  • Stufe 4: Erkrankung von Menschen, die nachweislich im Zusammenhang mit einem kontaminierten Futtermittel steht

Die für die jeweiligen Stufen empfohlenen Maßnahmen finden Sie im Detail in den Empfehlungen zur Beherrschung von Salmonellen in der Futtermittelproduktion (siehe Downloads am Ende der Seite).

Salmonellen im Staub

Eiweißhaltige Einzelfuttermittel wie z.B. Soja-, Raps- oder Sonnenblumenextraktionsschrote gelten als bedeutende Kontaminationsquelle für Mischfutter und in Mischfutterbetrieben. Dabei kommen Salmonellen in Futtermitteln oft in sehr geringen Konzentrationen vor. Niedrige Keimgehalte erschweren jedoch den analytischen Nachweis von positiven Proben. Staubpartikel hingegen stellen aufgrund ihrer großen Oberfläche ein ausgezeichnetes Medium für Salmonellen dar und können hier eher nachgewiesen werden als im (Misch-)Futtermittel.

Vor diesem Hintergrund wurde mit dem Projekt SINS ein Überblick über die Kontaminationsrate in österreichischen Futtermittelbetrieben (Einzel- bzw. Mischfuttermittel) geschaffen. Dazu wurden entlang des gesamten Produktionsprozesses 3699 Staubproben in 39 Futterwerken genommen und untersucht. Zudem wurde - bezogen auf den Zeitraum von einem Jahr - eine Übersicht über den Hygienestatus in Hinblick auf Salmonellen erstellt.

Im Bereich der Rohwarenlagerung, vor allem bei eiweißhaltigen Einzelfuttermitteln (Extraktionsschrote), sowie um die Elevatoren und im Bereich um die thermische Behandlung wurden deutlich häufiger Salmonellen nachgewiesen als nach der thermischen Behandlung.

Im Beobachtungszeitraum wurden Salmonellen häufiger in Staubproben als in Einzelfuttermitteln nachgewiesen. Die in den Staubproben ermittelten Ergebnisse zeigen aber einen deutlichen Zusammenhang mit den in den Futtermitteln nachgewiesenen Serotypen.

Außerdem zeigte sich, dass Ölfrüchte einen wesentlichen Anteil am Eintrag von Salmonellen in den Mischfutterbetrieb haben. In ein Futtermittelwerk eingeschleppte Salmonellen können je nach Serovar und je nach den örtlichen Gegebenheiten in der Anlage persistent werden und die nachfolgenden Mischfutterchargen (re-) kontaminieren.

Besonders auffällig waren die jahreszeitlichen Schwankungen im Auftreten der Salmonellen. Hier zeigte sich gerade in der kalten Jahreszeit ein verstärktes Auftreten. Gerade im Pelletierprozess scheint das Verhältnis von Außentemperatur zu Pelletiertemperatur - im Hinblick auf eine mögliche Kondenswasserbildung - der entscheidende Faktor zu sein.

Weiterführende Informationen zu diesem Projekt finden Sie hier.

Dekontamination mit organischen Säuren

Salmonellen in Futtermitteln können in den betroffenen Mischfutterbetrieben und landwirtschaftlichen Betrieben enorme wirtschaftliche Schäden verursachen. Die Dekontamination von Salmonellen in Futtermitteln sowie die Wiederverwendung dieser dekontaminierten Futtermittel ist futtermittelrechtlich zulässig.

Mit der Einführung einer neuen Zusatzstoff-Funktionsgruppe „(n)“ zur Hygieneverbesserung wurde über die Verordnung (EU) 2015/2294 auf EU-Ebene eine rechtliche Basis geschaffen. Substanzen zur Hygieneverbesserung sind Stoffe oder Mikroorganismen, die einen günstigen Effekt auf die hygienischen Eigenschaften von Futtermitteln haben, indem sie eine spezifische mikrobiologische Kontamination reduzieren.

Der Einsatz von Formaldehyd zur Dekontamination von Futtermitteln ist nicht mehr zulässig.

Die Dekontamination von Futtermitteln kann entweder auf physikalischem oder auf chemischem Weg erfolgen. Eine physikalische Dekontamination kann entweder durch Hitze oder auch durch Bestrahlung (meist Hundekauspielzeug) erfolgen.

Die chemische Dekontamination erfolgt über eine Einmischung von organischen Säuren und deren Salzen bzw. Mischungen davon in das kontaminierte Futter. Die von den Säureproduzenten beworbene Wirkung stellt sich mit den für die Säurepräparate empfohlenen Einwirkzeiten und Beimischraten in der Praxis allerdings häufig nicht ein. Beispiele für organische Säuren zur Dekontamination sind: Ameisensäure, Milchsäure, Propionsäure und Benzoesäure und deren Salze. Meist werden Mischpräparate angeboten.

Der Erfolg einer Dekontamination ist grundsätzlich immer durch ein Analysenzertifikat nachzuweisen. Um falsch negative Ergebnisse auszuschließen, ist es ratsam, die Untersuchungen über einen Zehnfachansatz durchzuführen. Unzureichend durchgeführte Dekontaminationen von Futtermitteln führen zu weiteren Verunreinigungen anderer Futtermittel (Kreuzkontamination) und in weiterer Folge zu einer Infektion in der Geflügelherde und damit zu einem Infektionsrisiko des Menschen durch den Genuss tierischer Lebensmittel (Ei und Fleisch). Aufgrund unzureichender Dekontaminationswirkung kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Salmonellenausbrüchen in Geflügelbetrieben.

Dekontamination Studie - DECONTAM

Die DECONTAM-Studie wurde von unserem Institut für Tierernährung und Futtermittel zwischen 1.7.2014 und 30.6.2016 durchgeführt. Hauptziel der Studie war, herauszufinden, ab welcher Säuremenge und Einwirkzeit eine verlässliche Dekontamination in ausgewählten Testfuttermitteln erreicht werden kann.

Die Studie wurde mit drei Salmonellen-kontaminierten Futtermitteln durchgeführt (Sojaextraktionsschrot, gemahlene Mariendistelsamen und Maiskleber). Weiters wurden fünf Säurepräparate für die Untersuchung herangezogen. Die empfohlenen Dosierungsempfehlungen der Herstellerinnen und Hersteller bzw. Vertriebspartnerinnen und Vertriebspartner lagen für die vier flüssigen Präparate zwischen 0,1 – 1 % und für das Pulverpräparat bei 0,3 – 1,3 %. Mit den fünf Säurepräparaten und den drei Futtermitteln wurden in Summe drei verschiedene Einwirkzeiten (1, 2 und 7 Tage) und sieben Konzentrationen (1 %, 2 %, 3 %, 4 %, 5 % ,6 % und 7 %) getestet.

Jede Prüfvariante wurde mit einem Zehnfachansatz analysiert. Unter einer erfolgreichen Dekontamination wird in der Studie verstanden, dass im zuvor hoch belasteten Futter (10/10) nach einer Säurebehandlung und mit bestimmter Einwirkzeit in einem Zehnfachansatz keine Salmonellen mehr nachweisbar sind (0/10).

Bei niedriger Säurekonzentration, wie sie von den Herstellerinnen und Hersteller in den Produktdatenblättern empfohlen wurde, trat bei keinem der drei Futtermittel eine signifikante Dekontamination ein. Eine zuverlässige Wirkung trat selbst bei den wirksameren Flüssigpräparaten erst mit 6 % Säurezusatz bei 7-tägiger Einwirkzeit bzw. 7 % Säurezusatz bei eintägiger Einwirkzeit ein. Das verwendete Pulverpräparat lieferte in keinem der drei Testfuttermittel eine zufriedenstellende Dekontaminierung.

In der Mischfutterherstellung und für den landwirtschaftlichen Betrieb kann die Anwendung von Säurepräparaten zur Dekontamination von Salmonellen in Mischfuttermitteln, ganz besonders jedoch für Fertigfuttermittel, nicht empfohlen werden. Aufgrund der benötigten hohen Säuremenge kann es hierbei zu einer Futterverweigerung und zu schweren Reizungen im Verdauungstrakt der Tiere kommen. Zudem können Wechselwirkungen mit anderen Futterkomponenten, wie Kalziumkarbonat oder anderen Mineralstoffen, auftreten.

Auf Basis unserer DECONTAM-Studienergebnisse, kann eine Dekontaminierung von Salmonellen mit den fünf verwendeten Säurepräparaten nur für Rohwaren (Einzelfuttermittel) und nur in Dosierungen mit 7 % Säurezusatz bei eintägiger Einwirkzeit bzw. 6 % Säurezusatz und sieben Tagen Einwirkzeit empfohlen werden.

Weitere Informationen zur DECONTAM-Studie finden Sie hier.

Mykotoxine in Futtermitteln

Mykotoxine (Schimmelpilzgifte) und Körnermais

Körnermais stellt in der Nutztierfütterung, insbesondere in Schweineveredelungsbetrieben, einen integralen Futterrations-Anteil dar. Ebenso wird Körnermais maßgeblich als Nass- und Trockenmais in der Stärkeindustrie und in der Zitronensäureproduktion verwendet. Bei diesen Nutzungsrichtungen wird die verbleibende Eiweißkomponente als hochwertiges Futtermittel vermarktet. Für jede Verwertungsrichtung ist eine qualitativ möglichst einwandfreie Ernteware von Bedeutung. Die durch Fusarium-Pilze verursachte Kolbenfäule stellt dabei ein Qualitätsrisiko dar. Ihr Auftreten kann durch Anbaumaßnahmen, insbesondere die Sortenwahl, gemindert werden, ist aber sehr stark von der Jahreswitterung abhängig.

Mykotoxin-Vorerntemonitoring bei Körnermais
Mykotoxingehalte (Schimmelpilzgift-Gehalte) haben Einfluss auf die Verwendungsmöglichkeiten von Mais und Maisprodukten. Um bereits vor der Haupternte einen ersten Überblick über die Qualität der Maisernte zu erhalten, führen die Landwirtschaftskammern Österreich und wir ein Mykotoxin-Vorerntemonitoring bei Körnermais durch. Die aktuellsten Daten zum Mykotoxin-Monitoring erhalten Sie hier.

Das Jahr 2020 zeichnete sich vor allem durch einen niederschlagsreichen September und Oktober aus. Die Belastung mit Deoxynivalenol (DON) mit einem Jahresmedian von 1097 µg/kg und einem Jahresmittelwert von 1618 µg/kg war in diesem Jahr daher erwartungsgemäß höher als in den Jahren zuvor. Im illyrischen Klimaraum gab es 2020 vereinzelt Hagelereignisse, welche zu höheren Belastungen mit Fusarien und damit zu einem vermehrten Auftreten von Mykotoxinen führen können. Die Medianwerte von DON stellten die höchsten Medianwerte der jeweiligen Anbaugebiete der letzten fünf Jahre dar, mit Ausnahme des Medianwerts im Nordalpinen Feuchtgebiet im Jahr 2016 (887 µg/kg). Die DON-Ergebnisse aus dem Jahr 2020 stellen die zweithöchsten Werte seit Beginn des Monitoring-Programmes dar, nur im Jahr 2014 wurden höhere Werte verzeichnet. Ausgehend von den Gehaltswerten in den Proben aus den Sortenprüfungen ist erhöhte Umsicht im Hinblick auf Qualität und Verwendungszweck der Maisernte aus dem Illyrikum geboten.

Anbaugebiet Anzahl Mittelwert KI (MW) Median KI (Median)
2017          
Nordalpin 493 1043 693        1123  775 732         825
Pannonikum 180 436 406        467 402 376         423
Illyrikum 484 1061 993        1129  862 800         920
2018          
Nordalpin 496 263 256        270 237 231         249
Pannonikum 299 283 272        294 255 242         271
Illyrikum 449 620 570        669 483

453         523

2019          
Nordalpin 459 793 719        867 528 487        563
Pannonikum 200 910 817       1023 754 668        856
Illyrikum 387 1693 1576     1809   1375 1277     1497 
2020          
Nordalpin 428 1428 1270     1587 778 661        863
Pannonikum 201 1110 962        1257   884 764       1009
Illyrikum 375 1933 1773      2092 1387 1280     1556
2021          
Nordalpin 482 713 648         777 483 446         530
Pannonikum 230 426 383         470 298 259         318
Illyrikum 439 484 441         527 304 271         345

 

Im Rahmen des DaFNE-Projekts „Optimierung einer zuverlässigen Methodik zur Bewertung der genetischen Bestimmtheit und Differenzierung der Anfälligkeit gegenüber Kolbenfusariosen im Maissortiment in Österreich“ (Akronym: KOFUMA, Projekt Nr. 100792) wurden in den Jahren 2011 – 2014 Untersuchungen des Mykotoxingehaltes in der Körnermais-Sortenwertprüfung vorgenommen. Diese wurden im Rahmen des Monitoringprogrammes für Mykotoxine bei Körnermais weitergeführt. Hier finden Sie sämtliche Ergebnisse des Myktoxin-Monitorings der vergangenen Jahre.  

Mykotoxine - Futtermittelrechtliche Situation

Mykotoxine gehören zur Gruppe der unerwünschten Stoffe, wobei im zugehörigen Rechtstext (Richtlinie 2002/32/EG) lediglich für das Mykotoxin Aflatoxin B1 ein Grenzwert angeführt ist. Sonstige Mykotoxine, wie Deoxynivalenol (DON), Zearalenon (ZEA), aber auch Ochratoxin oder Fumonisine werden in der EU-Empfehlung 2006/576/EG mit Richtwerten geregelt. Derzeit wird auf europäischer Ebene diskutiert Höchstgehalte anstelle von Richtwerten für Mischfuttermittel festzulegen. Lediglich für Einzelfuttermittel soll in Zukunft noch Richtwerte geben. Weiters sollen auch die akzeptieren Werte an Mykotoxinen in Futtermitteln nach unten angepasst werden.

Bei Überschreiten eines Grenzwertes ist die betroffene Ware aus der Futtermittelkette auszuscheiden und darf auch nicht verdünnt werden. Einer Richtwertüberschreitung kann demgegenüber mit Verdünnung begegnet werden. Neben der Verdünnung mit unbelastetem oder geringer belastetem Mais ist auch der Einsatz anderer Getreidearten (Weizen, Gerste) zu empfehlen. Nachfolgend findet sich eine auszugsweise Darstellung der Richtwerte für die Mykotoxine Deoxynivalenol (DON) und Zearalenon (ZEA) gemäß der genannten EU-Empfehlung:

Produkt DON (µg/kg mit 88 %T) ZEA (µg/kg mit 88 %T)
Getreide- und Getreidenebenprodukte 8.000 2.000
Maisnebenprodukte 12.000 3.000
Mischfutter für Ferkel und Jungsauen 900 100
Mischfutter für Sauen und Mastschweine 900 250

Mykotoxinbinder

Beim Einsatz sogenannter Mykotoxinbinder ist darauf zu achten, dass nur Produkte, welche zur „Verringerung der Kontamination mit Mykotoxinen“ zugelassen sind, verwendet werden dürfen. Details zu Dosierung und Einsatzbedingungen sind den entsprechenden Zulassungsverordnungen zu entnehmen.

Sonstige – entgegen den futtermittelrechtlichen Vorgaben – als Mykotoxinbinder angepriesene Produkte gehören mehrheitlich zur Kategorie der technologischen Futtermittelzusatzstoffe und dürfen nicht für andere Verwendungszwecke beworben oder eingesetzt werden. Zudem ist zu beachten, dass diese womöglich aufgrund unterschiedlichster chemischer Eigenschaften meist gar nicht zur Bindung der gewünschten Mykotoxine geeignet sind.

Ethoxyquin in Futtermitteln

Ethoxyquin ist eine chemische Verbindung, die antioxidative Eigenschaften aufweist. Das heißt sie verhindert das Ranzigwerden von Fetten und verzögert den Abbau von Vitaminen wie Vitamin A, Vitamin E, Carotinoiden usw. Seit den 1950-er Jahren wurde Ethoxyquin als Antioxidans in Futtermitteln eingesetzt. Als technologischer Zusatzstoff war es im Futtermittelzusatzstoffregister mit der Kennnummer E 324 aufgenommen und mit einem Höchstwert von 150 mg/kg Alleinfuttermittel für alle Tierarten, mit Ausnahme von Hunden (100 mg/kg), zugelassen.

Aufgrund der unklaren Datenlage zur Toxizität von Ethoxyquin wurde dessen Zulassung als Futtermittelzusatzstoff mit 28.6.2017 außer Kraft gesetzt.

Futtermittel, die bestimmte Zusatzstoffzubereitungen aus fettlöslichen Vitaminen und verwandten Produkten und Ethoxyquin enthalten, dürfen seit dem 31.12.2018 nicht mehr verwendet werden. Alle übrigen Futtermittel, die den Zusatzstoff Ethoxyquin enthalten, dürfen seit dem 28.3.2018 nicht mehr verwendet werden.

Futtermittel, die Ausgangserzeugnisse wie Trockenalgen, Fische, andere Wassertiere und daraus gewonnenen Erzeugnisse enthalten, können Ethoxyquin enthalten und durften noch bis zum 30.6.2020 verwendet werden.

Gemäß der neuen Zusatzstoff-Verordnung musste für den Zusatzstoff innerhalb von sieben Jahren ein Antrag auf Zulassung gestellt und alle relevanten Zulassungsunterlagen übermittelt werden. Aufgrund der unklaren Datenlage hinsichtlich der Toxizität von Ethoxyquin konnte eine Sicherheitsbewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Oktober 2015 die Unbedenklichkeit des Zusatzstoffes nicht bestätigen.

Für ein Zwischenprodukt von Ethoxyquin, Ethoxyquinquinonimin, konnten nicht genügend Daten hinsichtlich der Genotoxizität (mögliche Schädigung der Erbsubstanz) vorgelegt werden. Des Weiteren gilt eine Verunreinigung mit einem anderen Zwischenprodukt aus dem Herstellungsprozess (p-Phenetidin) als ein mögliches Mutagen. Ein Mutagen verursacht eine bleibende Änderung am Erbgut.

Auch hinsichtlich des tatsächlichen Gefährdungspotentials für den Menschen sowie des Auftretens von Zwischenprodukten ist die Datenlage nicht ausreichend. Ethoxyquin lagert sich bevorzugt in fetthaltigem Gewebe ab. Bei einem übermäßigen Konsum von (fetthaltigem) Fisch, in dessen Fettgewebe sich Ethoxyquin angereichert hat, könnte eine potentielle Gefährdung für den Menschen gegeben sein.

Ethoxyquin wird derzeit durch andere Antioxidantien, wie z. B. Butylhydroxyanisol (BHA, E 320) und Butylhydroxytoluol (BHT, E 321) ersetzt. Das Vorkommen von Ethoxyquin in Futtermitteln wird durch die zuständigen Behörden in der Europäischen Union im Rahmen der Futtermittelkontrollen überprüft und überwacht.

Wozu werden Antioxidantien benötigt?

Futtermittelausgangserzeugnisse wie beispielsweise Fischmehl und Fischöl haben einen hohen Fettsäureanteil. Diese reagieren mit Sauerstoff. In Kombination mit höheren Temperaturen können sie sich entzünden bzw. explodieren. Beim Transport, z. B. auf Containerschiffen, kommen daher Antioxidantien zum Einsatz, um mögliche Explosionen zu verhindern.

Aber auch bei anderen Erzeugnissen, die der Futtermittelherstellung dienen und fettlösliche Vitamine enthalten, kam Ethoxyquin zum Einsatz. Bis zum Ende der Zulassung als Pflanzenschutzmittel im Jahr 2011 wurde Ethoxyquin außerdem zum Schutz vor Schalenfäule bei Birnen in Glashäusern verwendet.

Kontakt

Leitung

Dipl. Ing. Irmengard Strnad

Aktualisiert: 10.10.2023