Themenbericht Campylobacter 2021

Zahlen, Daten, Fakten zu Campylobacter in Österreich, 2016-2020

Zusammenfassung

Im Jahr 2020 wurden 5.162 Erkrankungen durch Campylobacter gemeldet. Im Vergleich dazu gab es 906 Salmonellosen. Die Anzahl gemeldeter Fälle liegt immer unter jener der tatsächlich aufgetretenen Fälle, da nicht alle Erkrankten einen Arzt aufsuchen und nicht immer eine mikrobiologische Untersuchung einer Stuhlprobe durchgeführt wird. Pro Jahr wird die Anzahl aller Campylobacteriosen für Österreich auf 44.000 geschätzt (EFSA, 2011).

Die Campylobacteriose ist eine zoonotische bakterielle Infektionskrankheit und verursacht in erster Linie Durchfall, Bauchkrämpfe und Fieber. Nach überstandener Infektion können seltene Folgekrankheiten wie reaktive Arthritis und das Guillain-Barré-Syndrom auftreten. Laut europäischem Zoonosenbericht wurden im Jahr 2019 in der EU insgesamt 47 Campylobacter-Fälle mit tödlichem Ausgang registriert (EFSA u. ECDC, 2021).

Für den Krankheitserreger Campylobacter gelten Hühner als Haupt-Reservoir. Ca. 50-80% der humanen Erkrankungsfälle werden diesem Reservoir zugeschrieben und 20-30% der Erkrankungsfälle stehen direkt mit dem Verzehr bzw. dem Hantieren von Hühnerfleisch in Verbindung (EFSA, 2011). Die Übertragung der Bakterien auf den Menschen kann durch den Verzehr von nicht vollständig durchgegartem Geflügelfleisch, durch den Konsum von verzehrfertigen Nahrungsmitteln nach Kontakt mit rohen Geflügelprodukten (also durch Kreuzkontamination) und direkt von Mensch-zu-Mensch oder direkt von Tier-zu-Mensch erfolgen. Auch andere Tiere, wie Rinder, Heimtiere und Schweine können als Reservoir dienen. Weitere Übertragungsmöglichkeiten von Campylobacter ergeben sich durch den Verzehr von Rohmilch und durch den Kontakt mit kontaminiertem Wasser (z. B. Oberflächengewässer, Trinkwasser).

Die Campylobacter Prävalenz in Mastgeflügelbetrieben liegt seit Jahren unverändert bei 47-60% mit einem Maximum von fast 100% im Sommer (MATT u. a., 2013). Bei der Grundlagenstudie der EU wurde 2008 Campylobacter auf 80,6% der untersuchten Broilerschlachtkörper in der EU nachgewiesen (EFSA, 2010). Diese Grundlagenstudie mündete in einem Prozesshygienekriterium an Schlachthöfen, welches 2018 in Kraft trat. Der Campylobacter-Nachweis in frischem Hühnerfleisch in Österreich liegt seit 2014 zwischen 60-70%. In tiefgefrorenem Hühnerfleisch und Hühnerfleischzubereitungen sind Campylobacter seltener nachweisbar (diverse Zoonosenberichte).

Rohmilch kann durch fäkale Verunreinigung beim Melken Campylobacter enthalten und gilt als mögliche Ursache für Krankheitsausbrüche. Nichts desto trotz wird der Keim in Rohmilch selten nachgewiesen.
Basierend auf einer Vielzahl internationaler Studien wird von einer linearen Reduktion des Gesundheitsrisikos bei entsprechender Reduktion der Herdenprävalenz bei Masthühnern ausgegangen. Ebenso kann beim Schlachtprozess die Hygiene optimiert werden. Eine zusätzliche Verringerung des Gesundheitsrisikos wird durch Interventionen in einem späteren Stadium der Lebensmittelproduktionskette erwartet. Eine Kombination von Interventionen auf allen Ebenen (Primärproduktion, Verarbeitung und Konsumverhalten) führte zu einer vielversprechenden Reduktion der Neuerkrankungen in einigen Ländern, wie in Island (um 71%) und Neuseeland (um 54%), wenngleich eine vollständige Elimination von Campylobacter nicht möglich scheint.

Aus diesem Grund wurde im Juni 2012 vom damaligen Gesundheitsministerium und aufgrund einer Initiative der AGES Expertinnen und Experten der Humanmedizin, Veterinärmedizin und Landwirtschaft auf Ebene der Landes- und Bundesbehörden sowie Fachgruppierungen der Sozialpartner eingeladen, um an der Diskussion bezüglich eines gangbaren Wegs zur Reduktion der humanen Campylobacter-Erkrankungen in Österreich teilzunehmen. Die Ergebnisse wurden im Konsensuspapier (Plattform Campylobacter 2012) veröffentlicht. Die Ergebnisse der damaligen Diskussion sind bis heute unverändert gültig.


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