Hitze-Mortalitätsmonitoring

Zuletzt geändert: 23.10.2020

Im Jahr 2020 gab es in in Österreich keine Todesopfer, die sich auf Hitze zurückführen lassen, wie das Hitze-Mortalitätsmonitoring der AGES zeigt.

Mit dem Hitze-Mortalitätsmonitoring lässt sich modellieren, ob die Anzahl der beobachteten Todesfälle in Österreich über der statistisch erwarteten Anzahl liegt. Seit 2019 werden für die Temperatur die täglichen Messwerte von 181 Messstationen im gesamten Bundesgebiet herangezogen. In den Jahren davor basierte das Modell auf 32 Messstationen, die den 40 größten Ortschaften zugeordnet wurden.

Hohe Umgebungstemperaturen, insbesondere in Verbindung mit hoher Luftfeuchte, sind mit deutlichen Gesundheitsrisiken verbunden. Besonders anfällig dafür sind ältere Menschen, Kinder, PatientInnen mit Herz-Kreislauf- und psychischen Erkrankungen sowie Personen mit eingeschränkter Mobilität.

Schätzung der Hitze-assoziierten Übersterblichkeit inklusive 95 % Konfidenzintervall, Österreich, Sommerperioden, 2016-2020
SommerHitze-assoziierte Übersterblichkeit95% Konfidenzintervall (KI)
2016*0-73; 73
2017*375245; 505
2018*550295; 806
2019**198-41; 438
2020**0-45; 45

 * Temperaturdaten von 32 Messstationen, die den 40 größten Ortschaften zugeordnet wurden
** Temperaturdaten von 181 Messstationen im gesamten Bundesgebiet

 

 

Die Sterblichkeit der Bevölkerung ist über das Jahr hinweg nicht gleichmäßig verteilt, sondern unterliegt saisonalen Schwankungen: In den Wintermonaten sterben mehr Menschen als in den Sommermonaten. Diese Schwankungen sind statistisch über Jahrzehnte hinweg sehr gut belegt – so gut, dass sich für jede Kalenderwoche sehr genaue Schätzungen über die erwarteten Sterbefälle modellieren lassen.
 
Diese Modellierung der Sterblichkeit macht sich das europäische System für eine kontinuierliche Beobachtung der Sterblichkeit (Mortalitätsmonitoring, www.euromomo.eu) zunutze: Mehrere Europäische Länder, darunter auch Österreich, speisen in dieses System Daten zur wöchentlichen All-Ursachen-Mortalität  ein. Hiermit lässt sich zeigen, ob die Anzahl der beobachteten Todesfälle über der statistisch erwarteten Anzahl liegt. Grafisch präsentiert sich die Mortalität der Bevölkerung im typisch wellenförmigen Verlauf. Kommt es zu vermehrten Todesfällen, tauchen in den Wellenbergen oder -tälern Ausreißer („Zacken“) auf – man spricht von Übersterblichkeit, die im Winter oft mit der Influenzaepidemie, im Sommer mit Hitze-Extremereignissen korreliert.

Die präsentierten Ergebnisse basieren auf Fallbasierten Sterbedaten und täglichen Messwerten der maximalen sowie der minimalen Lufttemperatur der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) von 181 Messstationen österreichweit. Daten zur All-Ursachen Mortalität stammen von Statistik Austria.

Modelliert wurde die wöchentliche All-Ursachen Mortalität unter Verwendung der Lufttemperatur während heißer (Sommer) sowie kalter Wochen (Winter). Der Sommer wurde definiert als KW 21 bis 39, und der Winter als KW 40 bis 20. Die Definitionen von „heißen und kalten Wochen“ haben einen wesentlichen Einfluss auf die Schätzwerte der Hitze-assoziierten Übersterblichkeit haben. Nach Verwendung unterschiedlicher Lufttemperatur-basierter Definitionen von heißen bzw. kalten Wochen, stellten sich die unten genannten als die am geeignetsten heraus, um die All-Ursachen Mortalität zu erklären:

  • Heiße Woche: Wochen mit heißen Nächten und Verwendung der Temperatur (Tagesminimum) der heißesten Nacht dieser Woche als Referenzwert, sobald diese über 18 °C liegt (in Anlehnung an die Definition einer Tropennacht)
  • Kalte Woche: Wochen an denen mindestens ein Tag eine Temperatur (Tagesminimum) unter 0 °C aufwies. Das Tagesminimum des kältesten Tages wurde dann als Referenzwert dieser Woche verwendet.

Im verwendeten Modell wurde für keine anderen Risikofaktoren für All-Ursachen Mortalität wie zum Beispiel respiratorische Erkrankungen (z. B. Covid-19) oder Luftverschmutzung kontrolliert. Es ist zu berücksichtigen, dass im Sommer 2020 die Kriterien zur Definition einer „heißen Woche“ für keine der Kalenderwochen 21 bis 39 erfüllt war.

Das Hitze-Mortalitätsmonitoring wird in Österreich von der AGES durchgeführt: Es basiert auf statistischen Zeitreihenanalysen, die erfahrungsgemäß sehr gut stimmen und seit Langem bereits auch zur Einschätzung der Influenza-assoziierten Sterblichkeit verwendet werden. In diese Analysen fließen fallbasierte All-Ursachen-Sterbedaten und tägliche Messwerte der maximalen sowie der minimalen Lufttemperatur, die von 181 Messstationen der  österreichweit stammen, ein. Die Daten zur All-Ursachen Mortalität stammen von der Statistik Austria.

Das statistische Modell wurde vom AGES-Mathematiker DI Lukas Richter von der Abteilung für Infektionsepidemiologie und Surveillance am Institut für medizinische Mikrobiologie und Hygiene in Zusammenarbeit mit Univ.-Prof. Dr. Ernst Stadlober vom Institut für Statistik der Technischen Universität Graz entwickelt.

Das österreichische Hitze-Mortalitätsmonitoring wird durch die AGES laufend verbessert. Weitere Faktoren wie Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit, aber auch Feinstaubbelastung oder Beobachtungen zu Infektionskrankheiten etc. sollen in das Modell miteinbezogen werden. Im Endausbau wird es möglich sein, die Hitze-assoziierte Mortalität auch kleinräumig zu bestimmen. Mit diesen Informationen können das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, Bundesländer und Bezirksverwaltungsbehörden Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, Kuranstalten, Kindergärten, mobile Pflegedienste, Ärzte oder Einsatzorganisationen zeitnah über einen erhöhten Versorgungsbedarf in Kenntnis setzen.

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