Blühtagebuch Juli

Erste Mahd - neue Pflanzengeneration

Die erste große Mahd im Juni hat auf dem AGES-Gelände Spuren hinterlassen. Nur langsam wachsen und regenerieren sich die Kräuter und Gräser auf den gemähten Flächen.

Im Gegensatz dazu erscheinen die eingesäten Blühflächen besonders farbenprächtig.

Die Sicheldolde (Falcaria vulgaris) gehört zu den Doldenblütlern und ist von Grund an sparrig verzweigt, so dass sie im Umriss fast halbkugelig wirkt. Alle Pflanzenteile sind von blau-grüner Farbe. Die Art ist ein sogenannter Steppenroller, denn die ganze Pflanze (mit den Samen) oder Teile von ihr werden vom Wind losgelöst und rollend oder rutschend auf der Bodenoberfläche entlang getrieben. Diese Strategie zur Verbreitung der Samen wird auch als Chamaechorie bezeichnet. Auf dem AGES-Gelände finden wir die Art besonders an Straßenrändern. Die Sicheldolde bildet einen 12- bis 18-strahligen doppeldoldigen Blütenstand. Die Blüten der Weg-Distel (Carduus acanthoides) sind auch zu sehen. Letztere gehört zu den dekorativsten Gewächsen unserer Flora.

Zur Gattung der Fingerhirsen (Digitaria) gehört die Blutrote Fingerhirse (Digitaria sanguinalis). Die einjährige Hirse hat  ihren Ursprung in den Subtropen, daher benötigt sie hohe Bodentemperaturen (20 bis 30 °C) zur Keimung und tritt erst relativ spät im Jahr (ab Mai) auf.
Die Blutrote Fingerhirse hat mit ihren niederliegenden, verzweigten und knickig aufsteigenden Halmen einen lockeren Wuchs. Die oberirdischen Pflanzenteile sind purpurfarben überlaufen (Name!). Drei bis sieben lockere Scheinähren stehen fingerförmig an der Spitze des Halmes (nicht an einem Punkt entspringend). Jede Scheinähre ist 3 bis 10 cm lang.

Die Echt-Schafgarbe (Achillea millefolium agg.) ist eine ausdauernde, krautige Pflanze mit Ausläufern, die eine stattliche Wuchshöhe von bis zu 100 cm auf dem AGES-Gelände erreicht. Die Blätter sind zwei- bis vierfach gefiedert und haben sogenannte Ölbehälter mit ätherischen Ölen. Am Boden bildet sich eine Blattrosette aus und der Stängel ist kantig, zottig behaart und innen hohl. Unverwechselbar ist auch der angenehm süßliche Geruch der Blüten.

Die einzelnen Blütenköpfchen bergen mehrere weiß- oder rosafarbene Blütenkörbchen und sind zu einer Dolde zusammengefasst, daher gehört die Echt-Schafgarbe  zu den Korbblütlern.

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Die Blattränder und die Mittelrippe des Kompass-Lattichs sind mit Stacheln besetzt.

Der Kompass-Lattich (Lactuca serriola) besiedelt gerne sonnige, lückige Ruderalstellen, Straßenränder oder Fugen auf Parkplätzen.
Die Pflanze ist an ihrer charakteristischen Blattform (bläulich bereift, buchtig-fiederteilig) zu erkennen, vor allem aber an der räumlichen Ausrichtung der Blattflächen, welche an sonnigen Standorten fast senkrecht und in Nord-Süd-Richtung stehen, was ihr den Namen „Kompasslattich“ eingetragen hat. Solche pflanzlichen Wachstumsbewegungen bezeichnet man als Phototropismus. Eine bis zu 2 m tiefe Pfahlwurzel sorgt dafür, dass die Pflanze auch tiefer gelegene Wasservorräte des Bodens nutzen kann. Bei Verletzung der Pflanze tritt eine latexartige, klebrig-weiße Flüssigkeit aus, worauf der Gattungsname Lactuca bereits hinweist (lat. lac = Milch).

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Das kleine Geröll-Biotop auf dem AGES-Gelände wird vom Kompass-Lattich besiedelt.

Die Gewöhnlich-Wegwarte (Cichorium intybus) ist eine alte Heilpflanze und gehört zu den Korbblütlern. Die Stängel stehen sparrig-ästig und die Blätter haben kleine Drüsenhärchen. Die Blütenköpfchen der Wegwarte bestehen nur aus Zungenblüten und die zweiteiligen Griffel ragen aus der Staubblattröhre heraus. Die Zungenblüten haben eine wunderschöne, himmelblaue Farbe. Die auffälligen Blütenstände sind nur vormittags geöffnet und die Bestäubung erfolgt durch Insekten, vor allem durch Bienen und Schwebfliegen. Sie besiedelt gerne Ruderalstellen entlang der Wege und Straßen.

Der Rainfarn (Tanacetum vulgare) ist eine stark wuchernde, ausdauernde krautige Pflanze, die eine Wuchshöhe von bis zu 130 cm erreichen kann. Die dunkelgrünen, länglichen, fiederschnittigen Laubblätter duften stark. Der Rainfarn trägt die goldgelben Blütenköpfchen (ohne Zungenblüten!) in einer schirmförmigen Rispe. Auf dem AGES-Gelände ist die Art nur zerstreut zu finden. Die ganze Pflanze enthält stark riechende ätherische Öle und Bitterstoffe.

 

Quellen

Fischer M. A., Oswald K., Adler W. (2008): Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. Biologiezentrum der oberösterreichischen Landesmuseen, Linz, 1391 S.
Holzner W., Glauninger J. (2005): Ackerunkräuter - Bestimmung, Biologie, Landwirtschaftliche Bedeutung. Leopold Stocker Verlag, Graz 264 S.
https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wikipedia:Hauptseite&oldid=152425751
http://www.naturfotos-naeher-hingeschaut.eu/

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