Nanoviren

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Zuletzt geändert: 23.06.2020
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Winterackererbse 2019 in Raasdorf: im Vordergrund eine mit PNYDV infizierte, verzwergte, chlorotische Pflanze, im Hintergrund gesunde Erbsenpflanzen

Nanoviren sind, im Verhältnis zu anderen phytopathogenen Viren, sehr kleine einzelsträngige DNA-Viren. Diese Viren waren zunächst in wärmeren Gebieten, wie Nord- und Ostafrika, dem Nahen Osten, Asien und Australien in verschiedenen Leguminosen, wie Linsen oder Kichererbsen ein Problem. 2009 wurden Nanoviren erstmals in Erbsenbeständen in Deutschland nachgewiesen, 2010 erstmals in Österreich. Jene Nanovirenart, die fast ausschließlich nachgewiesen werden kann ist das Pea necrotic yellow dwarf virus (PNYDV).

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Winterackererbse 2019 in Raasdorf: im Vordergrund eine mit PNYDV infizierte, verzwergte, chlorotische Pflanze, im Hintergrund gesunde Erbsenpflanzen

Nanoviren sind, im Verhältnis zu anderen phytopathogenen Viren, sehr kleine einzelsträngige DNA-Viren. Diese Viren waren zunächst in wärmeren Gebieten, wie Nord- und Ostafrika, dem Nahen Osten, Asien und Australien in verschiedenen Leguminosen, wie Linsen oder Kichererbsen ein Problem. 2009 wurden Nanoviren erstmals in Erbsenbeständen in Deutschland nachgewiesen, 2010 erstmals in Österreich. Jene Nanovirenart, die fast ausschließlich nachgewiesen werden kann ist das Pea necrotic yellow dwarf virus (PNYDV).

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Symptome

Symptome

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Ackerbohne 2019: im Vordergrund eine verzwergte mit PNYDV infizierte Pflanze, im Hintergrund gesunde Pflanzen

Ein früher Befall mit Nanoviren äußert sich in gestauchten Pflanzen mit oft deutlich verkleinerten Blättern und verkürzten Internodien, geringerer Wurzel- und Knöllchenbildung. Die Blätter sind vergilbt und zum Teil nach oben gerollt, die Triebspitzen können absterben. An manchen Kulturen (Linse, Kichererbse) sind teilweise auch Rotfärbungen zu beobachten.

Der Hülsenansatz ist gering und die Körner reifen nicht aus. Bei Ackerbohnen können später befallene Pflanzen normale Wuchshöhe und Hülsenansatz erreichen, sind jedoch stark chlorotisch, sie erscheinen fast weißlich.

Neben Ertragseinbußen können frühe Infektionen auch zu Totalausfällen führen.

Übertragung

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Ackerbohnenbestand 2016
Ackerbohnenbestand 2016

Nanoviren werden nur durch Vektoren übertragen. Die Grüne Erbsenblattlaus und die Schwarze Bohnenblattlaus sind dabei die wichtigsten Überträger. Nanoviren können nicht mechanisch oder über das Saatgut übertragen werden.

Zu den Wirtspflanzen für das PNYDV gehören vor allem Leguminosen, wie Erbsen, Ackerbohnen, Kleearten, Wicken, Linsen, Kichererbsen. Die Sojabohne, Luzerne, Rot- und Weißklee oder Phaseolus-Bohnen gelten nicht als Wirtspflanzen.

Diagnose

Diagnose

An der AGES werden Nanoviren und das PNYDV in Pflanzen molekularbiologisch nachgewiesen. Bei Bedarf kann mittels Sequenzanalyse auch die Nanovirenspezies bestimmt werden. Eine Analyse dauert in der Regel 2 Werktage (bei Sequenzanalyse ca. 4 Werktage).

Informationen zur Probenannahme und Analysenkosten:
http://www.ages.at/service/service-landwirtschaft/pflanzengesundheit/

 

 

Kontakt

Institut für Nachhaltige Pflanzenproduktion - Abteilung für molekularbiologische Analyse von Pflanzenkrankheiten
Telefon: +43(0)5 0555 34200
Spargelfeldstraße 191
1220 Wien



Institut für Nachhaltige Pflanzenproduktion - Abteilung für molekularbiologische Analyse von Pflanzenkrankheiten
Telefon: +43(0)5 0555 34200
Spargelfeldstraße 191
1220 Wien



Bekämpfung

Bekämpfung

Sind Pflanzen bereits mit Nanoviren befallen, sind keine kurativen Maßnahmen möglich.

Da das PNYDV weder mechanisch noch über das Saatgut übertragen wird, sondern nur über Blattläuse, ist die einzige Bekämpfungsmöglichkeit indirekt, und besteht in der vorbeugenden Bekämpfung der Blattläuse - siehe dazu auch den Warndienst der Landwirtschaftskammern.

Auch scheint ein Anbau von möglichst frühen Sorten sinnvoll, um die Symptomausprägung zu verringern.

Forschung

Forschung

DaFNE-Projekt NANOVIR "Epidemiologie von Pea necrotic yelow dwarf virus (PNYDV) und Bekämpfungsstrategien von Blattläusen als Nanovirenvektoren im biologischen
Ackerbohnenanbau"

Ausgangslage

Nanoviren, insbesondere das Pea necrotic yellow dwarf virus (PNYDV), sind in Mitteleuropa erst seit 2009 bekannt. Viele Informationen bezüglich der Epidemiologie fehlen. Von Nanoviren-Arten in wärmeren Gebieten weiß man, dass sie in Abständen von einigen Jahren epidemisch auftreten, und besonders bei frühen Infektionen Totalausfälle in Leguminosen verursachen können. In den letzten Jahren, insbesondere 2016, hat sich in Österreich und Deutschland gezeigt, dass das PNYDV in Grünerbsen und in Ackerbohnen auch Totalausfälle verursachen kann.

Projektziel

Ziel des NANOVIR-Projektes ist es, möglichst umfangreiche epidemiologische Daten über PNYDV zu erarbeiten. Dafür sind im vorliegenden Projekt an zwei Versuchsstandorten Provokationsversuche und Untersuchungen von Pflanzen und Blattläusen über drei Jahre geplant. Die Standorte befinden sich im Marchfeld, im Hauptanbaugebiet für Grünerbsen und erstem Fundgebiet von PNYDV in Österreich, und in Grabenegg im Bezirk Melk, im nordalpinen Klimabereich. Die Versuche sollen die Möglichkeit bieten folgende Fragen zur Epidemiologie des PNYDV zu klären:

•    Welche Leguminosenarten sind Wirtspflanzen für PNYDV?
•    Welche Leguminosenarten sind keine Wirtspflanzen für PNYDV, und können in Zwischenfrüchten empfohlen werden?
•    Gibt es Beikräuter, die Wirtspflanzen für PNYDV sind?
•    Welche Lausarten sind auf welchen Leguminosen vorrangig zu finden?
•    Welche Blattlausarten außer den bekannten, sind Vektoren für den Virus?
•    Wie bauen sich infizierte Vektorpopulationen in der Vegetationsperiode auf?
•    Wie/wo überwintert der Virus?
•    Gibt es unterschiedliche Isolate von PNYDV, bzw. andere vorkommende Nanovirenarten?

Ein weiteres Ziel des Projektes ist es, Bekämpfungsansätze gegen Blattläuse im biologischen Ackerbohnenanbau zu testen. Ackerbohne/Hafer-Mischkulturen (in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Niederösterreich) und die Anwendung von biologischen Pflanzenschutzmitteln (Kooperatiospartner ist die Firma Biohelp) werden hierfür geprüft.

Ergebnisse der ersten beiden Versuchsjahre

Als bisherige Ergebnisse aus den ersten beiden Projektjahren konnten Erbse, Ackerbohne, Linse, Kichererbse, Platterbse, Sommerwicke (Vicia sativa), Pannonische Wicke (V. pannonica) und Rauhaarige Wicke (V. hirsuta) als Wirtspflanzen für das PNYDV bestätigt werden. Als Vektor scheint die Grüne Erbsenblattlaus (Acyrthosiphon pisum) die größte Bedeutung zu haben. In Mischkulturen, wie Ackerbohne/Hafer oder Winterackererbse/Wintertritikale, treten Blattläuse und damit Virusinfektionen in deutlich geringerem Ausmaß auf.

Forschungsthema: Nachhaltige Pflanzenproduktion
Akronym: NANOVIR
Projektlaufzeit: 01/2018 – 12/2020
Projektleitung: AGES, DI Dr. Sabine Grausgruber-Gröger
Förderstelle/Förderprogramm: Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT), Amt der Burgenländischen Landesregierung, Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Amt der Oberösterreichischen Landesregierung

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