Kolbenfäule des Mais´

Fusarium spp.

Zuletzt geändert: 14.04.2021
Icon

Tierseuchenkategorien:

Steckbrief

Die Kolbenfäule des Mais wird durch eine Vielzahl an Pilzen, die zur Gattung Fusarium gehören, ausgelöst. Diese bilden an Mais und verschiedenen Getreide- und Gräserarten ein weißliches Pilzgeflecht. Durch den Befall entstehen beträchtliche Ertrags- und Qualitätseinbußen. Zusätzlich produzieren die Pilze Toxine, die bei Mensch und Tier zu Vergiftungserscheinungen führen können. Daher kann das Erntegut bei einem hohen Anteil an Mykotoxinen nicht mehr als Futter- oder Nahrungsmittel verwendet werden.

Biologie

Als Ursache der Kolbenfäule kommen mehrere Schadorganismen in Frage:

  • Fusarium spp. (Fusarium culmorum, Fusarium graminearum, Fusarium moniliforme, Fusarium verticillioides, Fusarium proliferatum, Fusarium subglutinans, Fusarium equiseti)
  • Penicillium spp. 
  • Nigrospora spp.

Die Mehrzahl dieser Pilze ist auch am Schadenskomplex der Wurzel- und Stängelfäulen des Mais beteiligt.

Schadsymptome

caption
Einzelne Teile des Kolbens mit der Kolbenfäule befallen
Maiskolbens mit der weißlichem Myzel an einer Stelle
caption
Mit Kolbenfäule befallener Maiskolben
Schwerer Befall eines infizierten Maiskolbens mit Kolbenfäule, mehr als die Hälfte des Kolbens ist mit Myzel überwachsen und verformt

Einzelne Körner der Kolben bzw. auch ganze Maiskolben können mit einem oft rosa bis rötlichen, manchmal auch weißen Pilzgeflecht (Myzel) überzogen sein. Sowohl der Kolbenansatz als auch die Kolbenspindel können verpilzt sein. Ist ein Befall schwach ausgeprägt, sind nur einzelne Körner eines Kolbens betroffen. Bei starkem Befall können auch die Lieschblätter (umhüllen und schützen den Kolben) rötlich verfärbt und durch das dichte Pilzgeflecht verklebt sein. Manchmal ist an den Kolben durch den Befall ein süßlicher Geruch zu bemerken.

Wirtspflanzen

Die bereits erwähnten Pilzspezies sind an den verschiedensten Kulturen weltweit verbreitet. Neben Mais sind Getreidearten und Gräser Wirtspflanzen der Fusarium-Arten, sowie auch sehr viele Arten weiterer Pflanzenfamilien.

Verbreitung

Die Kolbenfäule ist weit verbreitet und tritt bevorzugt bei feuchten Witterungsverhältnissen auf, speziell von der Milchreife weg bis zur Ernte. 

Ausbreitung und Übertragung

Das Überdauern der Pilze erfolgt am Saatgut oder an befallenen Pflanzenresten am und im Boden. In der darauffolgenden Saison werden dann von frei liegenden Myzel-Polstern Sporen durch den Wind verfrachtet. Diese Sporen dringen nach der Befruchtung der Narben über diese bis in die Kolbenspitze vor. 

Der Infektionsvorgang wird durch regenreiche und kühle Spätsommer- und Herbstwochen mit hoher Luftfeuchtigkeit erleichtert. Wenn sich die Lieschen durch externe Einflüsse öffnen, schwemmt Regenwasser die Sporen bis hin zur Kolbenbasis. Dort finden sie unter den Lieschen aufgrund der hohen Feuchtigkeit ideale Keim- und Entwicklungsbedingung. Einflüsse für die Öffnung der Lieschen sind:

  • Befall der Kolben durch Maiszünsler
  • Befall durch Stängel- und Wurzelfäulen
  • Aufhacken der Lieschen durch Vögel
  • Frühe oder späte Fröste

Wirtschaftliche Bedeutung

Es können beträchtliche Ertrags- und Qualitätseinbußen entstehen. Die Keimfähigkeit und Futterqualität werden verringert. Darüber hinaus produzieren die Fusarium-Pilze Mykotoxine (z. B. Deoxynivalenol und Zearalenon), die bei der Verfütterung des Mais zu Vergiftungserscheinungen und Fruchtbarkeitsstörungen führen können.

Vorbeugung und Bekämpfung

  • Vorbeugung: Auswahl einer weniger anfälligen Sorte inklusive Berücksichtigung der Eignung der Sorte für das jeweilige Anbaugebiet.
  • Die völlige Reife der Pflanzen muss vor dem ersten Frost gegeben sein.
  • Nach der Abreife muss auch sofort mit der Ernte begonnen und die Maiskörner getrocknet werden, damit sich nicht noch am Lager eine Krankheit ausbreiten kann.
  • Das Infektionsrisiko kann durch Einarbeitung der Ernterückstände mittels wendender Bodenbearbeitung und weit gestellter Maisfruchtfolge verringert werden.

Fachinformation

Von den Landwirtschaftskammern wird in Kooperation mit der AGES jährlich ein österreichweites Mykotoxin-Monitoring zu mehreren Terminen durchgeführt. Landwirtinnen und Landwirte können sich hierbei einen aktuellen Überblick über den Stand der Mykotoxinbelastung des Maises in ihrer Region während der Vegetationsperiode verschaffen und bei drohendem Überschreiten der Richt- und Grenzwerte noch rechtzeitig Maßnahmen (frühere Ernte) setzen.

zur Übersicht
x