Kleiner Kohltriebrüssler

Ceutorhynchus pallidactylus

Zuletzt geändert: 26.06.2020
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Seuchenkategorien:

Es gibt mehrere Arten von Rüsselkäfern, deren Larven in den Stängeln von Kreuzblütlern leben. Am häufigsten anzutreffen ist Ceutorhynchus pallidactylus (alter Name C. quadridens [Panzer 1795]), welcher auch Kleiner oder Gefleckter Kohltriebrüssler genannt wird. Daneben kommt in wechselnder Anzahl Ceutorhynchus napi vor, der den Namen Rapsstängelrüssler oder Großer Kohltriebrüssler führt. Vereinzelt wird auch noch Ceutorhynchus picitarsis, der schwarze Kohltriebrüssler erwähnt. Da die Lebensweise dieser Arten ähnlich ist, werden sie im Folgenden gemeinsam behandelt.

Es gibt mehrere Arten von Rüsselkäfern, deren Larven in den Stängeln von Kreuzblütlern leben. Am häufigsten anzutreffen ist Ceutorhynchus pallidactylus (alter Name C. quadridens [Panzer 1795]), welcher auch Kleiner oder Gefleckter Kohltriebrüssler genannt wird. Daneben kommt in wechselnder Anzahl Ceutorhynchus napi vor, der den Namen Rapsstängelrüssler oder Großer Kohltriebrüssler führt. Vereinzelt wird auch noch Ceutorhynchus picitarsis, der schwarze Kohltriebrüssler erwähnt. Da die Lebensweise dieser Arten ähnlich ist, werden sie im Folgenden gemeinsam behandelt.

Schadorganismus

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Larve des Kohltriebrüsslers
Larve des Kohltriebrüsslers
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Kleiner Kohltriebrüssler
Kleiner Kohltriebrüssler
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Rapsstängelrüssler
Rapsstängelrüssler

Der Kopf des nur 3 mm messenden Kleinen Kohltriebrüsslers ist rüsselförmig verlängert und trägt gekniete, 7-gliedrige Fühler. Seine dunkelbraune Körperoberfläche ist stark sklerotisiert und von bräunlichen Schuppenhaaren in verschiedenen Farbtönen unregelmäßig bedeckt, was ihm ein geflecktes Aussehen verleiht. Die letzten Fußglieder sehen rötlichbraun aus und tragen am Ende gespaltene Krallen. Hinter dem Halsschild ist ein ockerfarbener Fleck aus hellen Schuppenhaaren sichtbar.

Der hintere Abschnitt der Flügeldecken ist von feinen Raspelzähnchen bedeckt. Die erwachsenen Käfer überwintern an geschützten Stellen, wie der Bodenstreu von Gebüschen, Waldrändern oder Hecken. Sobald die Lufttemperaturen 12 °C übersteigen, beginnen die Weibchen zu fliegen und ihre Wirtspflanzen aufzusuchen. Dies ist meist ab März der Fall. Nach einem etwa 10-tägigen Reifungsfraß werden zur Eiablage Löcher in den stängelnahen Bereich von Blattrippen genagt. Im Anschluss daran wendet sich das Weibchen und legt jeweils 3-4 Eier in jede dieser Höhlungen - danach verheilt das Gewebe wieder. Die durchsichtigen Eier sind völlig im Blattgewebe verborgen. Jedes Weibchen legt auf diese Weise durchschnittlich 150 Eier. Nach ca. 6 Tagen schlüpfen beinlose Larven, welche eine hellbraune Kopfkapsel tragen und beginnen im Inneren der Stängel zu fressen. Dabei legen sie Fraßgänge an, in denen sie sich langsam Richtung Boden vorarbeiten.

Zur Verpuppung verlassen die Larven ihre Wirtspflanze und verwandeln sich in einer kleinen, selbst gegrabenen Erdhöhle zur Puppe. Noch im Juni des gleichen Jahres schlüpfen daraus wiederum Käfer, die sich aber erst im nächsten Jahr fortpflanzen: die Eierstöcke der Weibchen sind nämlich noch nicht entwickelt und bedürfen niedriger Wintertemperaturen, um funktionsfähig zu werden. Während sich die Hauptmasse der Käferlarven im zeitigen Frühjahr an Raps entwickelt, können Nachzügler etwas später im Jahr an Kohlgemüse, Radieschen oder Kren gefunden werden.

Im Gegensatz dazu ist der nah verwandte Rapsstängelrüssler mit 4 mm Körperlänge deutlich größer als der zuvor beschriebene Kleine Kohltriebrüssler. Auch ist sein Körper mit regelmäßig angeordneten weißlichen Schuppenhaaren bedeckt, so dass er grau gestreift erscheint. Er fliegt einige Tage früher und legt jeweils ein Ei in jedes Fraßloch im Stängel seiner Wirtspflanze und nicht in die Blattstiele. Bei der Eiablage sondert jedes Weibchen einen Stoff ab, der das Pflanzengewebe zu Gewebswucherungen anregt. Auch schlüpfen fertige Käfer erst nach der Überwinterung aus ihrer Puppenwiege und nicht bereits im Frühsommer.

Der ebenfalls in Rapsfeldern lebende bis 3,5 mm messende Kohlschotenrüssler (Ceutorhynchus assimilis) erscheint durch feine weiße Schuppenhaare ebenfalls grau, zeigt aber eine zarte Mittellinie am Halsschild. Da er erst ab der Blütezeit von Raps fliegt, ist eine Verwechslung jedoch unwahrscheinlich.

Bekämpfung

Verbreitung und deren Wirtspflanzen

Kleiner und Großer Kohltriebrüssler (Rapsstängelrüssler) sind in allen Anbaugebieten von Raps, Kohlgemüse oder Kren wechselnd häufig. Kohltriebrüssler fressen an verschiedensten Arten von Kreuzblütlern. Welche davon befallen werden, hängt in erster Linie von deren Verfügbarkeit ab: beispielsweise sind im zeitigen Frühjahr nach der Überwinterung hauptsächlich Winterraps und Kohlsamenträger vorhanden. Kohlgemüse, Kren oder Radieschen werden hingegen erst später durch „Nachzügler“ befallen.

Vorbeugung und Bekämpfung

  • Bekämpfungsmaßnahmen an Raps erfolgen durch chemische Bekämpfung der erwachsenen Käfer mit Mitteln gegen Rapsstängelrüssler oder Beißende Insekten an Raps (siehe Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel).
  • Der beste Applikationszeitpunkt liegt im zeitigen Frühjahr sobald die ersten Käfer fliegen, aber noch keine Eier abgelegt haben. Eier oder Larven in den Rapsstängeln sind sehr gut geschützt und chemisch nicht bekämpfbar. Wenn die Behandlung zu früh erfolgt und der Zuflug von den Winterquartieren noch nicht abgeschlossen ist, muss unter Umständen eine zweite Behandlung durchgeführt werden.
  • Um den Flug von Kohltriebrüsslern zu ermitteln, stellt man gelbe wassergefüllte Farbschalen im Rapsfeld auf. Diese „Gelbschalen“ müssen im Rapsbestand an einer warmen Stelle stehen und täglich auf Kohltriebrüsselkäfer kontrolliert werden. Es empfiehlt sich, einige Tropfen Spülmittel hinzuzufügen und auch etwas Spiritus, um das Frieren nach kalten Nächten zu verringern.
  • Als Schwellenwert für Spritzmaßnahmen wird in der Literatur etwa drei Käfer je Gelbschale und Tag angeführt. Der lokal angepasste Schwellenwert kann davon aber abweichen und wesentlich höher liegen. Es empfiehlt sich, genaue Aufzeichnungen auch über den Erfolg der Maßnahme zu führen, damit Erfahrungen für die nächsten Jahre erhalten bleiben.
  • Kohlgemüse sollte vorbeugend möglichst weit getrennt von Raps angebaut werden, da dieser die Hauptwirtspflanze für die Käfer darstellt. Auch empfiehlt sich ein später Anbauzeitpunkt um der Flugperiode der Käfer auszuweichen.
  • Der Frühjahrs-Fraß durch die Käferlarven in den Blattstielen von Kohlgemüse ist normalerweise vernachlässigbar gering. Wichtiger ist der Fraß frisch geschlüpfter Käfer der neuen Generation im Frühsommer zur Zeit des Abreifens von Raps. Diese Käfer befallen dann benachbartes Kohlgemüse, legen dort aber keine Eier mehr ab.
  • Beim Auspflanzen von Samenträgern im zeitigen Frühjahr hat sich das Umhüllen mit engmaschigem Fliegengitter oder Vlies bewährt, welches den Zuflug der Käfer verhindert.

Symptome

Symptome

Die Fraßgänge der Larven werden im April und Mai in den Blattstielen von Kohlgemüse, selten auch in der Knolle von Radieschen gefunden. Im Juni findet man die erwachsenen Käfer häufig an jungen, noch offen liegenden Herzblättern oder auch an den Blattrippen älterer Blätter, wo sie grubenförmige Fraßlöcher verursachen.

Ertragsverluste durch diese Rüsselkäfer können je nach Käferart und Zustand des Bestandes 20-30% betragen. Die Einstichstelle durch die Eiablage sowie das Ausbohrloch der Larven können außerdem anderen, sogenannten Sekundärschaderregern (z.B. Pilze, Bakterien) als Eintrittspforten in die Pflanze dienen.

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Schadbild Stängel
Schadbild Stängel
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Bohrloch und Bohrgang an der Rippe eines Kohlblattes
Bohrloch und Bohrgang an der Rippe eines Kohlblattes
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Fraßlöcher der Käfer an einem Kohlblatt
Fraßlöcher der Käfer an einem Kohlblatt
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Bohrgänge in Radieschenknolle
Bohrgänge in Radieschenknolle
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